Eine knallharte Echtzeitstrategie für Kenner des Genres die nichts so leicht demotiviert.
Der Zweite Weltkrieg musste schon für sehr viele Spiele als Grundlage herhalten. Manchmal mehr, manchmal weniger realistisch, aber immer unter dem Deckmantel des Krieges, wird der Spieler aufgefordert Position auf Seiten der Alliierten, dem Klassenfeind oder auch einer fiktiven Nation zu beziehen. Auch "Graviteam" nutzt dieses Setting und bietet ein an historisch wahre Begebenheiten angelehntes und recht authentisches Strategie-Spiel. Ob dieser Mix der Russischen Entwicklerschmiede überzeugen kann?
Deutsch- Russische Gemeinschaft
Achtung Panzer: Kharkov 1943
Jeder von uns hatte Geschichte und jeder weiß wie der Krieg zu Ende ging. Die Deutschen haben verloren! Virtuell besteht die Freiheit die Geschehnisse anders ausgehen zu lassen bzw. anders zu gestalten, so auch im vorliegenden Strategie- und Taktik-Mix "Achtung Panzer". Dieser basiert auf der Operation Kharkov, welche damals die Deutsche Wehrmacht für sich entschied. Die Programmierer-Mannschaft "Graviteam", die eigentlich echte Militär-Simulationen entwickeln, wirft uns abwechselnd als Deutsche oder Russen in die Schlacht. Leider lässt es sich nicht frei wählen auf welcher Seite wir spielen, denn diese Entscheidung wird uns vom Spiel abgenommen.
Auf in die Schlacht - aber wie?
Achtung Panzer: Kharkov 1943
Zu Beginn eine kleine Warnung für alle Neueinsteiger in dieses Genre: Das Spiel verfügt über keinerlei Hilfestellung oder Tutorial. Man wird sofort ins Geschehen geworfen, was den Einstieg ins Spiel sehr erschwert. Kenner dieser Spiele-Gattung werden es da deutlich leichter haben, da der Entwickler Grundkenntnisse in Militär-Strategie voraussetzt. Auch das beiliegende Handbuch schafft da wenig Abhilfe. Es ist sehr unlogisch und wenig übersichtlich aufgebaut. Ganz zu schweigen vom Schwierigkeitsgrad, denn dieser ist beinahe schon als unfair zu bezeichnen. Zu oft muss man seinen in Not geratenen Truppen helfen oder vor anrückenden Panzern flüchten. Alles orientiert sich an den tatsächlichen Gegebenheiten sei es die Fahrzeuge oder auch das zur Verfügung stehende Waffenarsenal und das kann durchaus frustrierend werden.
Taktik ist alles
Achtung Panzer: Kharkov 1943
Hat man den Ersten Schock überwunden, wird man nach Wahl der Mission, derer es sechs verschiedene zur Auswahl gibt, auf den Kartenbildschirm geschickt. Dort gilt es erst einmal die richtige Taktik festzulegen, was glücklicherweise noch relativ einfach zu handhaben ist, aber leider optisch einen sehr biederen Eindruck vermittelt. Das wird vor allem in den Statistik-Bildschirmen deutlich: Schmuckloser und einfältiger hätten diese nicht ausfallen können. Hat man alle seine Truppen in Stellung gebracht, geht es zum Strategieteil dieser Simulation. Hier können wir frei in das Geschehen zoomen und uns die richtige Position zurecht drehen, um alles im Auge zu haben. Den Bildschirm scrollen wir sehr oft, da es nicht gerade einfach ist die Übersicht zu behalten. Zu wenig Hilfestellung seitens des Spiels lässt den Spieler im späteren Verlauf der Schlacht gerne einmal etwas verzweifeln. Oft verliert man in hektischen Situationen die Übersicht. Zwar hat man die Möglichkeit eine Karte einzublenden, nur leider kann man auf dieser keinerlei Befehle erteilen. Da tröstet es auch wenig, dass in der Nahansicht Soldaten und Fahrzeuge recht detailliert dargestellt werden und die 3D-Umgebung fast völlig zerstörbar ist. Achten sollte man allerdings schon auf die Umgebung, sonst wird man schnell das Opfer eines zugefrorenen Sees und muss den Verlust eines Fahrzeugs hinnehmen. Anfangs macht es Spaß seiner Truppe zuzuschauen wenn man sie in den Kampf geschickt hat und zoomt des Öfteren direkt in das Geschehen, aber mit der Zeit verlässt einen auch hier die Motivation, da sich alle Mission nur in Schneelandschaften abspielen. Realismus ist schön, aber eben auch sehr eintönig.
Zu viel des Guten
Achtung Panzer: Kharkov 1943
Für Geschichtskenner- und Freunde mag es noch in Ordnung sein, aber für die breite Masse wurde das Augenmerk zu sehr auf Realität gesetzt. Eine zu authentische Darstellung des Geschehens kann den Spielspaß leider deutlich vermiesen. So ist man zu sehr an die Original-Ereignisse gebunden, was sich auch beim etwaigen Einheitentausch bemerkbar macht. Man kann nicht einfach seine Infanterieeinheit durch Panzer ersetzen, da es sich so nicht in der Geschichte zugetragen hat. Durch solche Gegebenheiten werden wohl eher Historiker angesprochen und nicht die Freizeit-Feldherren.
