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  • Agatha Christie: Mord im Doppelpack - Doppelmord - Leser-Test von BigJim

    Bei Mord im Doppelpack handelt es sich um zwei Point & Click-Adventures nach Romanvorlagen der weltberühmten Kriminalschriftstellerin Agatha Christie (1890-1976), als da wären: Und dann gab's keines mehr (basierend auf dem Bestseller "Zehn kleine Negerlein") sowie Mord im Orient-Express. Die beiden Spiele erschienen erstmals 2005 bzw. 2007 für PC.

    Und dann gab's keines mehr...:

    Zehn sehr unterschiedliche Damen und Herren folgen der Einlandung eines gewissen "Mr. Unknow" auf eine einsame Insel. Dort steht eine alte Villa, das Domizil des Gastgebers. Doch der lässt sich nicht blicken. Die Begrüßungsrede erfolgt lediglich per Schallplatte. Aus dem Grammophon erklingt eine Stimme, die jeden einzelnen der zehn Besucher eines Verbrechens anklagt. Sehr schnell stellt sich heraus, dass die jeweiligen Personen tatsächlich Dreck am stecken haben. Das beginnt mit dem früheren Richter, der einen Angeklagten fälschlicherweise für schuldig befand, geht über den pensionierten General, der den heimlichen Liebhaber seiner Frau in ein aussichtsloses Himmelfahrtskommando schickte, und endet mit dem Fahrerflüchtigen, der zwei Kinder überfuhr. Es gibt aber noch eine elfte Person unter den Angereisten: den Bootsmann Narracott, in dessen Rolle der Spieler fortan schlüpft und der somit eher zufällig die kriminalistische Aufklärung der Hintergründe übernimmt.

    Ein Verlassen der Insel ist unmöglich. Bereits kurz nach der Ankunft versenkt ein Unbekannter Narracotts Boot, die einzige Verbindungsmöglichkeit mit dem Festland. Außerdem naht ein schwerer Sturm. Es gibt kein Zurück mehr. Den zehn geladenen Gästen soll dieser Umstand schon bald zum Verhängnis werden, denn einer nach dem anderen stirbt auf mysteriöse Weise ("...da waren es nur noch neun..., acht..., sieben..." usw.). Unter dem ständig abnehmenden Teil der Noch-Lebenden breiten sich Groll und gegenseitiges Misstrauen aus. Denn jeder kann der Mörder sein. Oder das nächste Opfer.

    Die aufkommenden Spannungen zwischen allen Beteiligten werden in Und dann gab's keines mehr recht gut dargestellt. Auch die unterschiedlichen Charaktere wurden deutlich herausgearbeitet. Natürlich beschränken sich Narracotts kriminalistische Nachforschungen nicht nur auf Aussagen und Gespräche, sondern erstrecken sich auch auf das Auffinden und Auswerten wichtiger Dokumente und Objekte. Der Schwierigkeitsgrad der Schiebe-, Schalter- und Kombinationsrätsel ist dabei nicht zu hoch. Leider ist das Verhalten der Figuren oftmals unglaubwürdig. Da plaudern oder stehen/sitzen die Herrschaften einfach unbekümmert rum, selbst wenn ihr Tischnachbar gerade tödlich vergiftet zu Boden fällt.

    Überhaupt wirken die Personen rein äußerlich sehr steril. Ihre Animationen ähneln den von Robotern; auf Mimik oder lippensynchrone Mundbewegungen haben die Entwickler fast gänzlich verzichtet. Das ist schade und verwundert, zumal die optische Darstellung der Innenräume und später begehbaren Außenbereiche vergleichsweise gut gelungen ist. Sehr ordentlich hingegen die deutsche Synchronisation. Den Sprechern gelingt es, die Figuren als Persönlichkeiten erscheinen zu lassen. Der Sound lässt auch sonst wenig Platz für Kritik. Vom Gewitterdonner über das Heulen des Windes, der in stürmischer Nacht ums Gebäude pfeift, bis hin zur dezenten (obschon wenig abwechselungsreichen) Musik stimmt eigentlich alles.

    Wir erledigen alles in klassischer Point & Click-Manier per Mausziger. Ein umfangreiches Inventar steht zur Verfügung, in welchem sich alle aufgelesenen Gegenstände lagern und kombinieren lassen. Leider gibt es schon zu Beginn des Spiels davon reichlich viel, was die Übersicht erschwert. Und man weiß nicht sofort, wie sich all die Objekte zweckgebunden anwenden lassen. Zudem ist die Villa, in der wir uns die meiste Zeit aufhalten, recht groß. Da geht schon mal die Orientierung flöten. Erfreulich: Und dann gab's keines mehr bietet neben einer interessanten Story mehrere alternative Enden. Ein gewisser Wiederspielwert - bei Adventures sonst eher selten - ist hier also durchaus gegeben.

    Mord im Orient-Express:

    Nach einer kurzen Vorsequenz, die eine Polizeiaktion am Rande von New York im Jahre 1924 zeigt, dessen Bedeutung sich erst im weiteren Handlungsverlauf erschließt, erfolgt ein Zeitsprung von einem Jahrzehnt, der den Spieler ins Istanbul Mitte der 30er Jahre katapultiert. Dort hält sich gerade Hercule Poirot auf, seines Zeichens Meisterdetektiv, welcher der türkischen Regierung noch vor kurzem einen großen Dienst erwiesen hat und nun per Zug eine Reise quer durch Europa Richtung England anzutreten gedenkt. Es versteht sich von selbst, dass die Bahn ihrem prominenten Fahrgast alle erdenklichen Annehmlichkeiten bieten möchte und so beauftragt sie die 26jährige Antoinette Marceau - eine Verwaltungsangestellte der Transportgesellschaft, zu der auch der Orient Express gehört - mit der Begleitung Poirots. Die junge Dame gilt als Bewunderin des Meisterdetektivs, ist sie doch selbst begeisterte Hobby-Kriminalistin. Ständig führt Antoinette irgendwelche Zeitungsausschnitte von ihrem Idol mit, die Berichte über diverse von Poirot gelösten Kriminalfälle enthalten.

    Neben Antoinette und Hercule Poirot reisen 12 weitere Gäste mit dem Orient-Express. Alle Charaktere sind treffsicher gezeichnet, wozu neben der erstklassigen deutschen Synchronisation auch die Animationen beitragen. Zwar sprechen die Akteure nicht immer lippensynchron und erscheinen auch jetzt etwas steif, aber immerhin wirken sie nicht mehr ganz so klobig wie noch in "Und dann gabs keines mehr". Bereits während des ersten gemeinsamen Essens zwischen Antoinette und Poirot im Eisenbahnrestaurant erhält der Spieler Gelegenheit, die Passagiere genauer zu studieren. Poirot möchte Menschenkenntnis und Beobachtungsgabe seiner neuen Assistentin testen und bittet diese daher, eine Kurzbeschreibung zu jedem der anwesenden Gäste abzugeben. Das Publikum ist freilich sehr gemischt. Unter den Reisenden befinden sich zum Beispiel Prinzessin Dragomiroff, eine Adlige mit spirituellen Fähigkeiten, die anfangs noch meist in Begleitung mit ihrer gönnerhaft auftretenden Zofe Schmitt anzutreffen ist, ein italienischer Autohändler namens Foscarelli, der schneidige Oberst Arbuthnot oder der zwielichte Arzt Dr. Constantine. Besonders fällt der amerikanische Geschäftsmann Samuel Ratchett ins Auge. Letzterer wendet sich dann auch sofort hilfesuchend an Poirot und offenbart ihm sein Leid, denn: der US-Unternehmer bangt um sein Leben, sieht sich Todesgefahren ausgesetzt. Wie berechtigt diese Furcht ist, soll sich schon sehr bald herausstellen. Eine Schneelawine in Jugoslawien versperrt die Gleise und zwingt den Zug zum abrupten Halt. In jener Nacht geschieht die Tat. Am nächsten Morgen wird Ratchett in seinem Bett aufgefunden, ermordet natürlich.

    Doch es gibt noch ein zweites Unglück in jenen Stunden. Hercule Poirot wurde während der Notbremsung des Orient Expresses aus seinem Schlafgemach geschleudert, hat sich dabei den Fuß verstaucht und ist deshalb vorläufig ans Bett gefesselt. Also muß seine Begleiterin fortan die Ermittlungen führen. Hier weicht das Spiel erstmals von der Romanvorlage ab; denn leistete im Buch noch Poirot die alleinige Detektivarbeit, so tritt nun Antointte als Hauptakteurin in Szene. Allerdings wird sie hierbei vom belgischen Meisterkriminalisten unterstützt. Von Zeit zu Zeit sucht sie ihr großes Vorbild in dessen Privatabteil auf, erstattet ihm Bericht und erhält von diesem einige Hinweise. Bei der Gelegenheit zeigen sich aber auch schon erste Ungereimtheiten im Spieldesign. Denn Poirot gibt teilweise Ratschläge, die er aufgrund seiner krankheitsbedingten Isolation und dadurch bedingten Unkenntnis über die Vorgänge im Orient Express objektiv eigentlich gar nicht geben könnte. Auch sind einige seiner Tipps nicht immer wirklich nützlich, so dass man sich das Gequatsche manchmal genausogut schenken kann.

    Gequatscht wird Multi-Choice-gesprächsmäßig nämlich viel im Orient Express. Manchmal zuviel. Die Dialoge machten schon in Agatha Christies Werken einen hohen Anteil aus. Und im hier behandelten PC-Spiel, welches sich trotz gewisser Abweichungen ziemlich dicht am literarischen Vorbild orientiert, ist dies ähnlich. Rund ein Dutzend Fahrgäste müssen befragt werden, hinzu kommen einige Nebenfiguren im Umfeld der Passagiere, so beispielsweise der Koch oder der Lokomotivführer, die es ebenfalls auszuquetschen gilt. Ein Auslassen oder Überspringen der relativ langen Gespräche ist technisch möglich, dürfte jedoch kaum sinnvoll sein, da man sonst auf wichtige Aussagen verzichten müsste und es dadurch irgendwann im ganzen Spiel nicht weiter ginge.

    Antoinettes Nachforschungen ergeben schnell, dass der Verstorbene kein unbeschriebenes Blatt war und die meisten der Gäste im Orient Express ein mehr oder weniger handfestes Motiv gehabt hätten, Mr. Ratchett unter die Erde zu bringen. Natürlich bestreiten die Betreffenden dies entschieden, verwickeln sich dabei aber allzu häufig in Widersprüche, was den Spannungsfaktor halbwegs konstant hält und den kriminalistisch interessierten Adventure-Fan weiterhin zum Grübeln zwingt. Ungeachtet des eher linearen Spielverlaufs gibt es einige erstaunliche Wendungen und die Auflösung des Mordfalls zeichnet sich erst relativ spät ab. Das Ende ist übrigens ein anderes als in der Romanvorlage. Auch für Kenner des Buches gibt es also noch Neues zu entdecken

    Neben dem Befragen von Zeugen und Tatverdächtigen verbringt Antoinette viel Zeit mit kriminalistischem Kleinkram. Indizien, Fingerabdrücke und Fußspuren müssen gesichert, Passagierlisten überprüft, Abteile durchsucht, Reisepässe eingezogen und Zielpersonen belauscht werden. Die meisten Rätsel - so beispielsweise das Zusammenfügen eines Briefes aus vorhandenen Schnipseln oder die Kenntlichmachung der Schrift auf einem verkohlten Stück Papier unter Anwendung einer chemischen Reaktion - sind recht logisch und selbst für den ungeübteren Adventure-Spieler mit etwas Allgemeinbildung leicht nachvollziehbar. Einige andere Aufgaben hingegen erfordern ein ziemliches von-hinten-durch-die-rechte-Brust-ins-linke-Auge-Denken, wenn es dann darum geht, mit Hilfe von Kuchenteig, den Antoinette zuvor dem Küchenchef abgeluchst hat, einen Schuhabdruck im Schnee anzufertigen oder gar naturwissenschaftliche Kenntnisse gefordert sind. So setzen wir an einer späteren Stelle des Spiels ein stromloses Funkgerät mittels Orangensaft aus einer Schüssel in Betrieb. Dazu muß man zuvor nur bedacht haben, das Orangensaft stromleitendes Wasser enthält und das Gerätekabel entsprechend verbinden.

    Immerhin gibt es zwischendurch immer mal wieder einen nützlichen Tipp von Poirot, selbst dann, wenn der Meisterdetektiv persönlich gar nicht anwesend ist. Die Hinweise erreichen Antoinette in diesen Fällen per Gedankenübertragung, bei der Poirot dann zu seiner jungen Assistentin spricht. Dies wirkt zwar irgendwie albern, ist in bestimmten Situationen aber ganz hilfreich und sorgt für eine gewisse Zügigkeit im Spielverlauf. Manchmal mischt sich der Herr auch unaufgefordert ein und teilt Antoinette - nicht ganz ohne belehrenden Unterton - mit, was er anders gemacht und sie besser zu machen hätte. Bei der abschließenden Lösung des Kriminalfalls erhält Antoinette vom Meisterdetektiv übrigens eine Abschlussbewertung, die ihre kriminalistischen Fähigkeiten punktemäßig erfasst.

    In Sachen Präsentation macht "Mord im Orient Express" eine ordentliche Figur. Etwas befremdlich die Tatsache, dass trotz ausgezeichneter Sprecher und einer stimmigen - wenn auch äußerst sparsam eingesetzten und nicht sehr abwechselungsreichen - Musik kaum Hintergrundgeräusche existieren, sieht man vom obligatorischen Eisenbahnlärm und einigen anderen winzigen Details einmal ab. Dadurch wirkt die Umgebungswelt oftmals leblos. Grafisch hätten ein paar zusätzliche Animationen sicher nicht schaden können, wobei die optische Darstellung des pompös ausgestatteten Luxus-Zuges mit all seinen edlen Verzierungen und kostbaren Einrichtungsgegenständen auf ganzer Linie überzeugen kann. Optisch ebenfalls vernünftig umgesetzt sind die (wenigen) Außenbereiche wie diverse Bahnhöfe, Gebäude oder der Marktplatz von Istanbul sowie die meist gelungenen Zwischensequenzen.

    Nicht ganz so prima ausgefallen ist die Steuerung. Die Bedienung entspricht zwar der eines typischen Point&Click-Adventures - mit Linksklick wird navigiert, per Rechtsklick interagiert -, doch erweist sich die Führung des mit aufgesammelten Objekten wie Mehl, Gebissprothese, Lampe, Hut usw. rasch vollgestopften Inventars als recht umständlich. Bis man dort einen der nicht selten annähernd rund 100 Gegenstände aufgefunden hat, vergeht oft eine halbe Ewigkeit des Rumblätterns. Das frustet und lässt die mühselige Sucherei bisweilen zur zeitraubenden Klick-Orgie ausarten. Auch reagiert der Cusor nicht immer zielgenau. Peilen wir im Badezimmer des Zuges zum Beispiel nicht präzise genug ein Waschbecken an, entlockt dies Antoinette möglicherweise ein verzücktes "Ooooh, wie hübsch, eine Toilette!" Als positiv und überaus praktisch anzusehen ist die einblendbare Funktion oberhalb des Bildschirmrandes, mit deren Hilfe sich die Hauptperson in Sekundenschnelle per Mausklick von einem Waggon zum nächsten expedieren lässt. Das erspart unserer Heldin anstrengende Laufwege und dem Spieler kostbare (Ermittlungs-)Zeit.

    Mord im Doppelpack bietet die zwei spannendsten Videospiele nach Werken von Agatha Christie. Die Kriminalisten unter den Adventure-Fans dürften damit gut bedient sein, zumal es beide Titel - ungeachtet ihrer jeweiligen Mängel im Detail - zusammen auf eine Spielzeit von locker 30 Stunden bringen.

    Negative Aspekte:
    Figuren erscheinen bisweilen etwas klobig.

    Positive Aspekte:
    Zwei Krimi-Adventures in einer Box (mindestens 30 Stunden Spielzeit); spannende Mordfälle; insgesamt gute deutsche Synchronisation.

    Infos zur Spielzeit:
    BigJim hat sich 20-100 Stunden mit diesem Spiel beschäftigt.

    Agatha Christie: Mord im Doppelpack

    Spielspaß
    Gesamtwertung
    Wertung von: BigJim
    8.0
    Multiplayer
    -
    Grafik
    7/10
    Steuerung
    8/10
    Sound
    8/10
    Gameplay
    8/10
    GameZone
    Spielspaß-Wertung
    -
    Leserwertung:
     
    Meine Wertung
  • Agatha Christie: Mord im Doppelpack
    Agatha Christie: Mord im Doppelpack
    Publisher
    cdv Software Entertainment AG (DE)
    Developer
    Adventure Company
    Release
    22.11.2007

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Agatha Christie: Mord im Doppelpack
Agatha Christie: Mord im Doppelpack - Doppelmord - Leser-Test von BigJim
http://www.gamezone.de/Agatha-Christie-Mord-im-Doppelpack-Spiel-17556/Lesertests/Agatha-Christie-Mord-im-Doppelpack-Doppelmord-Leser-Test-von-BigJim-1010871/
14.10.2011
http://www.gamezone.de/screenshots/medium/2008/01/mordimdoppel_1_.jpg
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