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  • Amnesia: The Dark Descent - Die Angst im Nacken - Leser-Test von BigJim

    Mit dem Grusel-Adventure Penumbra: Im Halbschatten (2007) und den Fortsetzungsteilen Penumbra: Black Plague sowie Penumbra: Requiem (beide 2008) gelang den schwedischen Entwicklern von Frictional Games vor wenigen Jahren ein erster Achtungserfolg. Auch wenn die technische Qualität dieser Spiele - dem bescheidenen Budget eines kleinen Entwicklungsstudios entsprechend - eher durchschnittlich war, fand die Penumbra-Trilogie unter Genre-Fans Beachtung. Lob erfuhr neben der düsteren Atmosphäre auch das ungewöhnliche Gameplay, welches sich positiv vom Einerlei üblicher (Action-)Adventures unterschied. In Penumbra spielten nämliche physikalische Aspekte bzw. Rätseleinlagen, die durch unmittelbare Interaktionen gelöst wurden, eine wichtige Rolle. Der Spieler hatte dadurch das Gefühl, stärker ins virtuelle Geschehen einbezogen zu sein, weil er Dinge "bewegen" konnte. Es war daher nur eine Frage der Zeit, wann die Entwickler ein weiteres Videospiel dieser Art produzieren würden. Amnesia: The Dark Descent erschien 2010. Zunächst nur als Download-Variante, später auch als Boxversion. Letztere ist bisher allerdings nur als US-Importartikel und damit ausschließlich in englischer Sprach- bzw. Textausführung erhältlich. Eine deutsche Ladenfassung gibt es zur Zeit nicht.

    Amnesia: The Dark Descent spielt gegen Mitte des 19. Jahrhunderts in Preußen. Wir übernehmen die Rolle von Daniel, der in einer verlassenen Burg erwacht und anfangs nichts anderes besitzt als eine einzige Erinnerung, nämlich die an seinen Namen. Wie er hierher gelangt ist und woher er kommt, ist zunächst unbekannt. Doch offenbar ist er mit seinen Gedanken nicht allein, denn: Irgendwer macht Jagd auf ihn. Und sein (unsichtbarer) Verfolger begleitet ihn auf Schritt und Tritt. Und das Grauen kommt immer näher!

    Stärker noch als die Penumbra-Trilogie setzt Amnesia: The Dark Descent voll auf Gänsehaut-Atmosphäre. Dies beginnt schon mit der spannenden Hintergrundgeschichte und der düsteren Szenerie. In den unheimlichen Gemäuern des Schlosses lustwandelte einst Alexander v. Brennenburg, ein schlechter Kerl. Sogar so fies, dass wir ihn aufspüren und töten sollen, denn der Aristokrat soll in der Vergangenheit Schreckliches getan haben. Es ist nun an der Zeit, den Herrn zur Rechenschaft zu ziehen und seinem Spuk ein für allemal ein Ende zu bereiten. Dummerweise umgibt sich der gefürchtete Adelsmann mit einigen ihm treu ergebenen Helfershelfern, die alles daran setzen, dasselbe mit uns zu tun.

    Umso weiter wir uns ins Innere der gespenstischen Burg vorwagen, desto häufiger tauchen einzelne Erinnerungsfetzen auf. Ausgelöst werden sie unter anderem durch aufgelesene Dokumente wie alte Schriften und Tagebuchnotizen, deren Inhalte das Ganze allmählich wie ein Puzzle zusammenfügen, dabei längst vergangene Tage schemenhaft Gegenwart werden lassen und Daniel bruchstückhaft ins Gedächtnis rufen, dass er dem mysteriösen Alexander v. Brennenburg ganz früher schon einmal begegnet sein muss. Zeitweise fragt sich der Spieler, ob unser Mann, den wir wie bei einem Ego-Shooter aus der Ich-Perspektive durch die Finsternis lenken, einfach nur nachgrübelt, oder ob Daniel nicht vielmehr kurz davor steht, seinen Verstand zu verlieren. Psychologische Momente und schwankende Gefühlslagen unserer Hauptfigur sind in diesem Survival-Horror-Game (die Bezeichnung "Grusel-Adventure" wäre im Falle von Amnesia: The Dark Descent eine glatte Untertreibung) von zentraler Bedeutung und somit fester Bestandteil des Gameplays. Die permanente Dunkelheit erschwert dem Hauptcharakter zudem die Orientierung, was in diesem Fall aber keineswegs negativ zu verstehen ist, weil dies gleichzeitig zum Nervenkitzel beiträgt.

    Die Kreaturen aus dem Brennenburg'schen Totenreich sind nicht sehr zahlreich. Tauchen die vermoderten Gestalten dann aber auf, können sie ausgesprochen gefährlich werden. Oftmals genügt bereits ein einziger Schlag von einem dieser Häscher, und unser Mann reicht den Löffel. Hinzu kommt: Daniel verfügt über keine Waffen, weshalb man die unmittelbare Konfrontation mit den Abgesandten aus Brennenburgs Grusel-Kabinett unbedingt vermeiden sollte. Dem Spieler bleibt im Prinzip also nichts anderes übrig, die Untoten zu umgehen, sie abzuschütteln oder zu überlisten. Mitunter reicht es aber schon, sich vor ihnen zu verstecken. Das weitläufige Schloss mit seinem verzweigten System von Gängen, Kammern, Kanalisationsschächten und Nebenräumen bietet für gewöhnlich eine ausreichende Zahl von Rückzugs- und Ausweichwinkeln. In bestimmten Situationen muss Daniel allerdings schnell reagieren und die Vorteile des jeweiligen Abschnitts nutzen. Spezielle Getränke, die in den Levels verteilt sind, helfen Daniels angeschlagene Gesundheit wieder herzustellen.

    Wer Amnesia: The Dark Descent zockt, der steht (fast) pausenlos unter Hochspannung. Ab ungefähr der zweiten Spielhälfte des insgesamt knapp achtstündigen Thrillers lässt der Grusel-Faktor naturgemäß etwas nach. Denn ähnlich wie in Doom 3 oder anderen Horror-Games, die auf eine betont düstere Szenerie mit kleineren und größeren Schockeffekten setzen, entwickelt der Spieler irgendwann eine Art Gespür für bevorstehende oder wahrscheinlich eintretende "Überraschungen", weil bestimmte Dinge vorhersehbarer werden. Trotzdem hat man die meiste Zeit die pure Angst im Nacken (Empfehlung: Amnesia unbedingt in den späten Abendstunden allein vorm PC daddeln) und fühlt sich über weite Strecken äußerst ungemütlich in seiner Haut. Dennoch werden wir aufgrund der interessanten Story ständig angespornt, das Geheimnis der Geister-Burg zu lüften und Alexander v. Brennenburg zu stellen.

    Genreüblich erwarten uns in Amnesia: The Dark Descent wieder etliche Rätsel. Neben klassischen Inventar- und Kombinationsrätseln, wie man sie aus Adventures zur Genüge kennt, vor allem Aufgaben, deren Lösungen die Spielphysik in den Mittelpunkt stellen. So müssen wir u.a. Maschinen oder Hebewerke in Gang setzen und dabei einen sinnvollen Ablauf (bestimmte Arbeitsschritte) einhalten (z.B. Zahnräder einbauen oder Gewichtsverhältnisse anpassen), was mit etwas technischem Verständnis aber kein Problem sein dürfte. Apparaturen bzw. deren Instandsetzung sind unverzichtbar für den Spielfortschritt, weil wir manchmal nur mit ihrer Hilfe von A nach B gelangen können, so beispielsweise im Falle eines Fahrstuhls, den wir erst in Betrieb nehmen müssen, bevor es dann weitergeht. Daniel ist in der Lage, mit praktisch allen wichtigen Gegenständen zu interagieren. Objekte werden miteinander kombiniert (z.B. Öl + Streichhölzer + Kanne = Ölkanne) und/oder sofort an Ort und Stelle benutzt (z.B. ein Brecheisen zum Aufstemmen eines Durchgangs). Türen und Schubladen müssen mittels linker Maustaste geöffnet und geschlossen werden. Dadurch hat man ständig den Eindruck, selbst Hand anlegen zu müssen, was sich bedientechnisch wesentlich realistischer anfühlt als in typischen Point & Click-Adventures, bei denen man diese Aktionen immer nur per (Maus-)Klick durchführt. Amnesia spielt sich quasi wie ein Ego-Shooter, nur mit dem Unterschied, dass halt geknobelt und gebastelt anstatt geballert wird.

    Grafisch macht Amnesia einen unterm Strich soliden, wenngleich nicht erstklassigen Eindruck. Die Optik ist mehr zweckdienlich als hübsch. Dem Szenario entsprechend dominieren Grautöne. Gelungen ist die Darstellung einzelner Lichtquellen (z.B. das Brennen von Fackeln) und diverser Verwisch-Effekte, die das ganze Geschehen gespenstisch und unwirklich erscheinen lassen. Brillant die Akustik. Nicht nur die Stimmen wurden sorgfältig ausgewählt; vielmehr sorgen perfekt inszenierte Sound-Effekte wie Herzklopfen und Ohrensausen, die in unterschiedlicher Intensität ausfallen und damit auch immer etwas über die jeweilige psychische Lage Daniels verraten, sowie die extrem echt klingenden Umgebungsgeräusche (Plätschern von Wasser, Knarren von Holztüren usw.) für das gebotene Horror-Feeling.

    Amnesia: The Dark Descent ist ein Titel, dessen Atmosphäre viele andere aktuelle Horrorspiele in den Schatten stellt und das jeden Cent wert ist. Besonders anerkennenswert ist, dass ein mit vergleichsweise geringen Mitteln ausgestatteter Independent-Entwickler ein solches Produkt zustande gebracht hat. Wir wünschen uns noch mehr Spiele von Frictional Games und hoffen, dass es irgendwann auch eine deutsche Boxversion zu diesem packenden Psycho-Thriller auf den Markt schafft.

    Negative Aspekte:
    Boxversion bisher leider nur als Importartikel (ohne deutsche Texte/Untertitel).

    Positive Aspekte:
    Spannende Story; packende Horror-Atmosphäre; sehr guter Sound; Rätseldesign (Physikrätsel).

    Infos zur Spielzeit:
    BigJim hat sich 2-10 Stunden mit diesem Spiel beschäftigt.

    Amnesia: The Dark Descent

    Spielspaß
    Gesamtwertung
    Wertung von: BigJim
    8.4
    Multiplayer
    -
    Grafik
    7/10
    Steuerung
    8/10
    Sound
    9/10
    Gameplay
    9/10
    GameZone
    Spielspaß-Wertung
    -
    Leserwertung:
     
    Meine Wertung
  • Amnesia: The Dark Descent
    Amnesia: The Dark Descent
    Developer
    Frictional Games
    Release
    08.09.2010

    Aktuelle Action-Spiele Releases

    Cover Packshot von I Expect You To Die Release: I Expect You To Die
    Cover Packshot von Watch Dogs 2 Release: Watch Dogs 2 Ubisoft , Ubisoft
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Amnesia: The Dark Descent
Amnesia: The Dark Descent - Die Angst im Nacken - Leser-Test von BigJim
http://www.gamezone.de/Amnesia-The-Dark-Descent-Spiel-17919/Lesertests/Amnesia-The-Dark-Descent-Die-Angst-im-Nacken-Leser-Test-von-BigJim-1010861/
25.09.2011
http://www.gamezone.de/screenshots/medium/2012/02/Amnesia_-_My_Love_04.jpg
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