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Anstoss 3 - Der Fußballmanager (PC)

Release:
10.02.2000
Genre:
Strategie
Publisher:
k.A.
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Anstoss 3 - Der Fußballmanager: Der Fußballmanager mit dem Kultfaktor! - Leser-Test von Philosophicus

12.07.2011 23:21 Uhr
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"Anstoss" ist eine kultige Serie von Fußballmanagern, die zwischen 1993 bis 2006 veröffentlicht wurden. Das Entwicklerteam von Ascaron stellte das Projekt zwar aufgrund mangelnder finanzieller Möglichkeiten im Jahr 2007 ein, doch das soll mich als geneigter Fußballfan nicht daran hindern, euch meinen persönlichen Höhepunkt der Reihe - "Anstoss 3" - vorzustellen. Das Spiel hat zwar gute zahn Jahre auf dem Buckel, erfreut sich aber auch heute noch aufgrund von Umfang und Spieltiefe einer eingeschworenen Fangemeinde, die das Programm liebevoll aufpäppeln. "Oft heißt es sogar, dass nach Anstoss 3 die gesamte Fußballmanager-Entwicklung stehen geblieben ist."(wikipedia.de)

Es geschah im Jahr 2000, genauer gesagt im Februar. Zu dieser Zeit vollendete das Entwicklerteam um die beiden Köpfe Gerald Köhler und Rolf Langenberg das mit Spannung erwartete Projekt "Anstoss 3", welches zunächst in bester Ascaron-Tradition (ähnlich wie bei "Sacred" und anderen Titeln) voll mit Bugs und quasi unspielbarem Multiplayer auf den Markt kam. Dem Zwiespalt aus Begeisterung und Ernüchterung folgten mehrere Patches, die das Spiel mit der Version 1.40 genau ein Jahr später(!) endgültig zu dem machten, was es ursprünglich sein sollte: Der bis dato beste Fußballmanager der Anstoss-Serie, der bereits im ersten Jahr über 200.000 mal verkauft wurde und bis heute über 1 Million Abnehmer gefunden hat.


Vom Rumpelacker in die Champions-League? Aller Anfang ist schwer!

Präsentation und Einstieg unterscheiden sich nicht wesentlich von anderen Managern: Alles beginnt mit dem Modus "Neues Spiel", der Eingabe persönlicher Daten, sowie Spieltyp und Schwierigkeitsgrad. Man kann sich zu Beginn zwischen einer echten Managerkarriere, Karriere mit Vereinsauswahl oder einer festen Spieldauer von bis zu 100 Jahren entscheiden. Die echte Managerkarriere ermöglicht es, einen von drei zufälligen, unterklassigen Vereinen auszuwählen und auf diesem Weg die persönliche Karriere zu starten. Bei der zweiten Variante ist es möglich, jeden beliebigen Verein zu wählen, wobei sofort die Diskrepanz zwischen eigener Managerkompetenz und Spielniveau entsteht, wenn man sich z.B. für einen Erstligisten entscheidet. Je nach Schwierigkeitsgrad führt diese unrealistische Ausgangslage zum sportlichen Misserfolg, so dass man als Manager und Trainer(ungewollt) früher oder später eben doch in der Regionalliga landet und über diesen Weg Anstoss 3 ausgiebig kennen lernt. Eine
feste Spieldauer von 20 Managerjahren mittels Spielvariante Numero 3 ist dabei nicht unrealistisch, denn der Titel bietet einen überwältigenden Umfang und erhebliches Suchtpotential. Je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad(1. Leicht und locker, 2. Nicht zu einfach, 3. Realistisch, 4. Nur für die Besten, 5. Ultra Violence) kommen die Spielelemente zum Tragen und nur über langwierige Erfahrungen ist es dem Spieler überhaupt möglich, entsprechende Stufen zu meistern. Jeder Manager im Spiel besitzt entsprechend seiner aktuellen Kompetenz bestimmte Fähigkeiten:

Verhandlungsgeschick: Bessere Verträge mit Spielern, Verein und Sponsoren
Trainingsgestaltung: Effektivität der Trainingspläne
Motivationsfähigkeit: Effektivität von Ansprachen
Autorität: Kritik an Spielern wird besser aufgenommen
Ausstrahlung: Bonus bei der Presse
Fremdsprachenkenntnisse: Bessere Angebote aus dem Ausland
Umgang mit jungen Spielern: Die Fähigkeit junge Spieler groß raus zu bringen
Stärke als Spielertrainer: Stärke, wenn man zum Spielertrainer wechselt

Man startet mit geringen Fähigkeiten und gewinnt durch sportliche Erfolge (Aufstieg, Pokalsieg, etc.) Punkte hinzu, mit denen die Fähigkeiten gesteigert werden können. Der Manageralltag ist ein dynamischer Prozess: Bleibt der sportliche Erfolg aus, so führt dies sehr bald zur Abwertung des eigenen Levels.


Die Kalkulation - eine gute finanzielle Planung schafft prima Vorraussetzungen!

Die nächsten Schritte gestalten sich bei Anstoss 3 sehr anspruchsvoll. Man wird von dem Aufgabenspektrum geradezu überfordert: Da wäre zunächst die finanzielle Kalkulation für die anstehende Saison. Diese ist nur möglich, wenn man vor der Spielzeit den Verein wählt. Bei einem Einstieg während der Saison, z.B. nach Entlassung, muss man mit den Mitteln klar kommen, die zur Verfügung stehen.

Die Kalkulation umfasst detailgenau alle Bereiche des Vereins, d. h. Sponsorenverträge, Kaderplanung, Amateur- und Jugendbereich, Prämien, Ausgaben für Stadion und Vereinsgelände, Rechtsbeistand, Trainingslager, Fanartikel, Kosten für medizinische Abteilungen, Spielerversicherungen, Gehälter für Angestellte wie Co- und Torwarttrainer, ja selbst den Stil der neuen Trikots!

Einerseits lassen sich mit dem nötigen Verhandlungsgeschick gute Sponsorengehälter rausschlagen: Die Verhandlungspartner - egal ob Sponsor, Spieler, Berater oder Verein sind dabei immer sehr amüsant visualisiert. Sind die eigenen Forderungen unangemessen, verzieht sich das Gesicht des Gegenübers bis hin zum Verhandlungsabbruch, den es stets zu vermeiden gilt.

Andererseits bietet die Kalkulation eine sehr gute Übersicht über anstehende Ausgaben. Plant man z. B. mit bestimmten Transfers oder Stadionausbau, so können die Kosten entsprechend gegen gerechnet werden. In der Regel muss man dann an anderer Stelle sparen und spürt zu diesem Zeitpunkt bereits, dass Anstoss 3 sich stark an der Realität orientiert: Das Budget ist meist gering und finanzielle Schritte müssen gut überlegt sein. Nicht selten haben Risiken fatale Folgen. Mein Anfängerfehler war z.B. die Verpflichtung eines guten Zweitligaspielers für die Regionalliga. Allein die Kosten für diesen Spieler haben den Verein - trotz Aufstiegsplatz - in die Insolvenz getrieben.


Manageralltag - Hilfe, mein Kalender ist voller Termine!

Die unterschiedlichen Menüs trennen die jeweiligen Aufgabenbereiche, mit denen man sich als Manager auseinander setzen muss: Spielerbetreuung, Training, Stadion, Vereinsgelände, Finanzen, Privates, Liga etc. Unter jedem Bereich hat man als Trainer zahlreiche Dinge zu erledigen und der Teufel steckt im Detail. So kann man beispielsweise bei Unzufriedenheit einfach mal bei einem anderen Verein anfragen, oder einen Presseagenten engagieren, um sich in der Öffentlichkeit selbst zu beweihräuchern. Unter dem Punkt "Persönliches" kann man die eigene Karriere (Managerlevel, Ruf, Vermögen, Familienstand, Hobby, Wohnung, Auto) verfolgen und bewundern.

Als "Roter Faden" für einen geregelten Saisonablauf gilt der Terminkalender, auf dem alle wichtigen Ereignisse verzeichnet sind. Bestimmte Termine sind Pflichtveranstaltungen und sollten immer eingeplant werden: Fanclubtreffen, Vereinsfest, Jugend- und Sponsorentag, um eine Auswahl zu nennen.

Als besonders umfangreich haben sich bei Anstoss 3 die Statistiken erwiesen: Ligen, Mannschaften, Torjäger, Scorer, diverse Mannschaftswerte, Angst- und Lieblingsgegner, Finanzen, Stadionauslastung etc. sorgen für ausgiebige Auswertungen und Rückschlüsse für die eigenen Möglichkeiten.


Stadion, Vereinsgelände und Finanzen - Alles im Griff?!

Das Stadion ist einerseits ausgestattet mit verschiedenen "Komfortelementen", die gesteigert werden können: Von der Ergebnisanzeige mit Tafeln bis hin zur Videowand, von Sitzkissen bis hin zu Luxuskabinen und ausfahrbarem Spielfeld. Wenn es andererseits um den Ausbau der einzelnen Tribünen geht, so gibt es drei unterschiedliche Kategorien für die Fans: Steh-, Sitz und VIP-Plätze. Wichtig ist dabei, alle Fangruppierungen zu berücksichtigen und ein geeignetes Konzept zu haben: Möchte ich langfristig bei diesem Verein bleiben, so hat die Infrastruktur Priorität. (Auch komplette Traumstadien sind auf lange Sicht möglich!) Will ich hingegen schnell meine Karriere vorantreiben, brauche ich lediglich eine gute Mannschaft, die mir den Erfolg garantiert.

Jeder Verein besitzt ein eigenes "Vereinsgelände", auf dem man nach belieben über 300 verschiedene Objekte platzieren kann. Diese sind in drei unterschiedliche Kategorien gegliedert: Landschaftsgestaltung, Vereinsgebäude und Unterhaltungsbranche. Wer zu viel Geld hat, kann hier ordentlich investieren, wobei die jeweiligen Objekte mit Angestellten besetzt werden und deshalb "Unterhaltungskosten" verursachen. Darüber hinaus ist es besser, zunächst einmal die Wünsche der Fans zu erfüllen. Diese werden explizit aufgelistet("Es gibt nichts zu futtern!" "Auf dem Vereinsgelände ist nichts Repräsentatives vorhanden!") und haben Priorität. Nur so bekommt man dann auch ein "ausverkauftes Haus".

Die "Art" der Fans ist dabei dynamisch und abhängig von der Ausgangslage: Kommt der Verein mit ansteigender Tendenz in Fahrt, sind die Fans entsprechend euphorisch und treu. Ist das Vereinsheim hingegen mit Trophäen und Pokalen überhäuft, sind die Anhänger entsprechend verwöhnt und kommen gegen schwächere Gegner erst gar nicht ins Stadion. In diesem, sehr realistischen Spielsystem ist es schwierig, über längere Zeit konstant erfolgreich zu sein. Stattdessen ist immer die Überlegung sinnvoll, sich eine neue Herausforderung, sprich: Einen neuen Verein z.B. im Ausland zu suchen.

Eine positive Bilanz eröffnet neue Möglichkeiten, beispielsweise die Umwandlung des Vereins in eine AG, die nach jeder Saison Gewinne ausschüttet. Verbindet man sportlichen Erfolg, profitable Sponsorenverträge, sowie gute Jugendarbeit mit den damit verbundenen Transfererlösen, so sind 100 Mio. Gewinn und noch mehr pro Saison drin. Dann beginnt auch im Spiel die berüchtigte "Zockerei": Von der sicheren Tagesgeldanlage bis zur wilden Börsenspekulation ist alles möglich. Hat man sich bei den Ausgaben übernommen, kann "Madame Veronique" die letzte Rettung sein. Unter dem zwielichtigen Motto à la "Geld aus der Glaskugel!" bescheren ihre Weisheiten einen Geldsegen, oder den endgültigen finanziellen Kollaps.


Spieler, Training und Taktik - Alles ist möglich!

Anstoss 3 vereint Manager- und Trainerposition. Die Kaderplanung, Training und Spielsystem fallen bei nahezu völliger Gestaltungsfreiheit dem Spieler zu. Trainingspläne können übernommen, oder vom Spieler selbst bis ins kleinste Detail ausgearbeitet werden. Das gilt ebenso für das Spielsystem, dessen Positionen praktisch via Drag & Drop frei gestaltet und selbstverständlich gespeichert werden können. So ist der Spieler tatsächlich in der Lage, sein eigenes, auf den Kader zugeschnittenes System zu spielen. Was will man mehr?

Alle Trainingslager haben individuelle Bedingungen und Auswirkungen: Höhentrainingslager in den Anden oder Tibet bewirken Konditionsschübe, am Sandstrand von Rio de Janeiro erwerben die Jungs technische Fähigkeiten und das Fitnesscamp "Do Ping" in China bewirkt... na was wohl?

Die Spieler sind keine Statisten: Sie haben individuelle Eigenschaften, Profile und Fähigkeiten. Spezielle Fähigkeiten wie "Torinstinkt", "Zweikampf" oder "Freistoß" wirken sich effektiv auf das Spielgeschehen aus und können durch spezielle Trainingseinheiten erlernt werden. Eigenschaften können positiver(Musterprofi) und negativer Natur(Egoist) sein. Als Trainer muss man die jeweiligen Charaktere in die Mannschaft integrieren und ihnen entsprechend ihrer Eigenschaften und Fähigkeiten bestimmte Aufgaben zuweisen. Führungspersonen eignen sich beispielsweise gut als Kapitän und Leitwolf, Elfmeterprofis treten Strafstöße usw.

Die Akteure haben darüber hinaus ein gewisses "Talent", das ihre mögliche Spielstärke, die sich im Laufe der Karriere steigert, determiniert. Im optimalen Fall entfalten junge, riesige Talente durch gezielte Förderung bereits in der Jugend ihr Potential. Dieser Spielertyp ist jedoch entsprechend selten zu finden und leidet oftmals an Überheblichkeit und Geldgier. Akteure mit kleinem Talent werden im Laufe der Jahre niemals die Spielstärke eines Superstars entwickeln, können sich aber - und das ist der Clou bei Anstoss - trotzdem zu großartigen Leistungsträgern entwickeln. Die "echte" Spielstärke ist nicht unbedingt auf dem Papier, sondern im Wettbewerb sichtbar, genau wie in der Realität.

Im Spiel selbst ist es als Trainer wichtig, formstarke und besonders motivierte Spieler zu bevorzugen und ebenso knallhart durchzugreifen: Formschwache Superstars gehören auf die Tribüne oder notfalls auf die Transferliste. Ersatzspieler brauchen hier und da eine Aufmunterung und verletzte Akteure einen Krankenhausbesuch. Mit den richtigen Umgangsformen und taktischen Finessen wird jeder Underdog zur unschlagbaren Truppe.


"Achtung jetzt knallt's gleich!" Spielberechnung zum Mitfiebern!

Vor jeder Begegnung findet zunächst eine Ansprache statt, um das eigene Team zu motivieren. Man sollte dabei möglichst die richtigen Worte finden, sonst geht die Mannschaft mit der falschen Einstellung ins Spiel. Bei Anstoss 3 gibt es tatsächlich einen geheimen "Motivationsfaktor", der auch Superteams z.B. im DFB-Pokal gegen Dorftruppen scheitern lässt. Stimmung, Siegeswille, Kondition und Frische der Mannschaft sollten also immer angemessen sein. Hat die Mannschaft bis zur Halbzeit nur Grütze zusammen gespielt, kann man in der Kabine ruhig mal ein Donnerwetter los lassen. Alle Ansprachen wurden vom Entwicklerteam witzig und vor allem glaubwürdig vertont. Abwechslung tut jedoch Not: Die gleiche Leier vor jedem Spieltag geht dem Team schnell auf die Nerven. Man muss zunächst die Statistiken prüfen, sich im Anschluss mit den Gegnern gezielt auseinander setzen und schließlich das eigene Team einstimmen.

Natürlich geht es bei Anstoss 3 auch auf dem Platz zur Sache. Aus unterschiedlichen Perspektiven darf das eigene Team ausgiebig unter die Lupe genommen und Erfolge gefeiert werden. Dabei stehen unterschiedliche Spielpräsentationen zur Auswahl: Man kann einerseits komplett auf die Spieldarstellung verzichten und lediglich zur Halbzeit in das Spiel eingreifen. Eine weitere Option ist der "Textmodus", der den Spielverlauf nicht visualisiert, sondern lediglich auf humorvolle Art und Weise("Er geht zur Eckfahne, popelt noch kurz in der Nase und schnippelt den Ball in die Mitte...") beschreibt. Dann gibt es noch die Darstellung der wichtigsten Szenen des Spiels (Karten, große Chancen und natürlich Tore) und letztendlich - für echte Manager - die reguläre Präsentation des Spiels im Grafikmodus (Dauer ca. 10 Minuten) Bei dieser Variante darf man einerseits den Fangesängen beiwohnen und andererseits in der Trainerfunktion selbst per Taste dazwischenbrüllen("Spiel doch ab"! "Hau drauf!" etc.). Zwischen den Kameraperspektiven kann man beliebig hin- und herschalten und Spieler können jederzeit ausgewechselt werden. Hin und wieder möchten diese auch gerne den Grund für ihre Auswechslung wissen. Man sollte dann nicht unbedingt die Antwort "Schnauze voll von ihm!" wählen.

Unter den Augen der beiden Kommentatoren Günther Koch und einer witzigen Franz Beckenbauer-Imitation geht es bisweilen auch ordentlich zur Sache. Nach dem Spiel, vor allem bei überraschenden Ergebnissen, muss man sich hin und wieder auch den Fragen der Presse stellen. Die eigenen Antworten beeinflussen das Ansehen beim Verein, den Fans und der Öffentlichkeit. Daraus ergibt sich langfristig ein gewisser "Ruf", den man als Trainer und Manager erhält.


"Ihr Spieler XY hat BSE und muss seine Karriere beenden..."

Zur Steigerung des Unterhaltungswerts hat Anstoss 3 in jeder Woche der Saison neue Überraschungen parat Bei der BSE-Geschichte handelt es sich lediglich um schwarzen Humor, genauer gesagt um einen Aprilscherz, der sich jährlich mit einem neuen, fiesen Motto wiederholt.

Rund im den Verein gibt es ständig neue Herausforderungen, die man so aus anderen Managern gar nicht kennt: Selbstverständlich verletzen sich die meisten Spieler im regulären Spielbetrieb, aber hin und wieder treten sie auch mal beim Besuch des Bauernhofes der Schwiegereltern auf eine Mistgabel, oder ihnen fährt eine ansonsten sehr nette Omi mit dem Einkaufswagen in die Hacken. Die Akteure haben Beziehungsprobleme, Ärger mit anderen Mitspielern oder sie verfallen ironischerweise dem berüchtigten Fußballmanager Anstoss 3. Man hat manchmal mit Hooligans zu kämpfen, die das Image des Vereins beschädigen, oder wird von inkompetenten Vorständen unter Druck gesetzt.

A propos Kompetenzen: In jeder Saison, genauer gesagt in der Winterpause steht das "Trainerseminar" an, bei dem die Kenntnisse rund um die Fußballwelt überprüft werden. Die Fragen sind interessant, abwechslungsreich und von unterschiedlicher Schwierigkeit. Fällt man durch, so gilt es, durch Fortbildung (= Abwesenheit zu Wochenbeginn) die nötigen Kenntnisse nachzuholen.


"Schiri YZ hat eine teure Scheidung hinter sich und könnte in Geldnöten sein..."

Der letzte Punkt ist das eigentliche Highlight von Anstoss 3 und rundet das Gesamtkonzept hervorragend ab: Moralischer Maulkorb? Sportliche Scheinheiligkeit à la Fifa? Nicht bei Anstoss 3!

Die oben genannten und andere dezente Anspielungen liefern vorab gezielte Hinweise auf Spielmanipulation jeglicher Art. Doping, Bestechung und "Schwarze Kasse" getreu dem Motto: Wenn nichts mehr geht, ist alles erlaubt! Anstoss 3 gibt sich in diesem Punkt herrlich unmoralisch und überlässt dem Spieler die völlige Freiheit der Karrieregestaltung.

Ist man bei einem ungeliebten Verein gelandet, kann man einen Teil der Einnahmen aus Pokal- und Ligaspielen ist die eigene Geldbörse wandern lassen. Steht ein besonders schweres und dazu noch entscheidendes Spiel an, kann man Gegner oder Schiedsrichter bestechen. Ist der Star der Mannschaft am Stichtag noch verletzt, kann eine "Sonderbehandlung" Wunder wirken.

Allzu dreistes Verhalten hat dabei selbstverständlich Konsequenzen: Spieler können wegen Doping überführt oder bei übermäßigem Konsum gar zu Tode(!) gespritzt werden. Spielmanipulationen werden vom Verband mit Punktabzug geahndet und eigens angewiesene, so genannte "Spitzel" im Team bei Enttarnung verachtet und ausgeschlossen. Wichtig dabei ist: Man kann durchaus auf diese illegalen Features verzichten und muss so kein schlechtes Gewissen haben.


Kritik

Ein Problem an Anstoss 3 ist sicherlich der Einstieg und die damit verbundene Überforderung. Der gewählte Schwierigkeitsgrad kompensiert oder erweitert jedoch den Umfang und erleichtert so den Alltag des Managers. Ein weiterer Kritikpunkt ist der Nationaltrainermodus, der sich nur auf eine überschaubare Auswahl von Handlungsoptionen beschränkt und nicht annähernd die Möglichkeiten der Liga bietet. Ein gutes Stichwort, denn die Anzahl der Ligen ist ein weiteres Problem: Der Karriereweg von der Regional- zur Bundesliga, Meisterschaft und Champions-League ist doch ziemlich kurz. Ich hätte mir noch mehr Teilhabe am Amateurfußball gewünscht, von mir aus bis zur Kreisklasse. Die Spielberechnung ist ein weiterer Kritikpunkt: Hier und da tauchen noch kleinere Bugs auf, die sich zwar langfristig nicht gravierend auswirken, aber irgendwie doch frustrierend sind: Wenn man sich 100%-ig sicher ist, die richtige Ansprache gewählt zu haben, und die Spieler doch falsch reagieren; wenn der Gegner einen Stürmer ins Tor stellt(!) und dieser ganz zufällig weltklasse hält; wenn der eigene Keeper mit maximaler Stärke und Topform einen Ball nach dem Anderen reinrutschen lässt; wenn sich Spieler schwer verletzen und doch weiterspielen können, wenn Testspieler aus dem Amateur- und Jugendkader nicht mehr in ihre Abteilung wechseln, so dass man sie sprichwörtlich "an der Backe" hat, dann trübt das schon leicht das Spielerlebnis.

Grafisch präsentiert sich Anstoss 3 zweckmäßig. Im Vergleich zu modernen Managern ist das Teil sicherlich etwas angestaubt. Vor allem der Grafikmodus ist aufgrund des Alters wohl hoffnungslos veraltet und deshalb gewöhnungsbedürftig. Das ändert jedoch nichts am genialen Spielprinzip, den vielen Optionen und der übersichtlichen Menüführung.

Soundtechnisch gibt es nichts an den Ansprachen und Kommentatoren zu bemängeln. Das Flair von "familiärer" Euphorie wirkt sehr überzeugend und vermittelt den Fangeist, den man im modernen Fußball so oft vermisst. Die Soundkulisse im Menü hingegen ist teilweise schrecklich nervtötend, so dass man einige Stücke manuell aus der Playlist entfernen muss.


Fazit

Anstoss 3 ist ein Manager von Fußballfans für Fußballfans: Die Konzept ist einfach cool. Auch wenn viele Dinge(z.B. Spielerattribute) im Rahmen des Managers vereinfacht wurden, so vermittelt die Gesamtpräsentation einen realistischen, sehr anspruchsvollen und vor allem auch humorvollen Einblick ins Fußballgeschäft. Mitfiebern garantiert! Das Spiel bietet viele aberwitzige Überraschungsmomente, die Möglichkeiten jenseits des Fairplays zu agieren und wirkt - auch langfristig - unglaublich motivierend.

Negative Aspekte:
Schwerer Einstieg; Kleinere Bugs auch in der finalen Version; Soundkulisse nur teilweise stimmig; Nationaltrainermodus unbefriedigend; Kleiner Amateurbereich; Technisch angestaubt

Positive Aspekte:
Überragender Umfang mit beeindruckender Spieltiefe; Herrlich humorvolle Präsentation mit vielen Überraschungen; „Kultige“ Atmosphäre; Gestaltungsfreiheit dank Editor; Hoher Suchtfaktor und Langzeitmotivation; Integrierte, umfangreiche Hilfefunktion

Infos zur Spielzeit:
Philosophicus hat sich 100+ Stunden mit diesem Spiel beschäftigt.

Spielspaß Singleplayer

Wertung von:
Philosophicus

8.9
Gamezone
Spielspaß-Wertung
-
Spielspaß Multiplayer
-
Grafik
7/10
Steuerung
8/10
Sound
7/10
Gameplay
10/10
Neuer Benutzer
Moderation
12.07.2011 23:21 Uhr
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