Aura 2: Die Heiligen Ringe im Gamezone-Test
Bleibt mir bloß weg mit Myst! Es ist mir egal, dass die Reihe das mit meistverkaufte Spiel aller Zeiten ist, ich hab auch nichts gegen Logikrätsel, aber diese Pseudoesoterik mit der schlechten Entschuldigung einer missratenen Handlung und dem todsterilen Bildern konnte ich als Adventure nie ernst nehmen. Mein Herz sank also, als ich nach dem Intro Aura 2 - Die heiligen Ringe vom Entwickler The Adventure Company praktisch sofort mit seltsamer Maschinerie und fremdartigen Zeichen konfrontiert wurde. Aber zum Glück kommt halt doch noch vieles anders als man denkt.
Aura 2: Die Heiligen Ringe [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Wie der Titel es schon dezent andeutet, handelt es sich bei Aura 2 um eine Fortsetzung, allerdings sind Kenntnisse des ersten Teils nicht wirklich nötig. Zwar sind warum, woher und weshalb Fragen, die alle in Unkenntnis von Aura 1 bewegen und die in einem ca. 60 Sekunden Abriss im Intro abgehandelt werden; wichtig sind die Antworten darauf jedoch nicht wirklich für Teil 2. Trotzdem wäre eine strukturierte Rekapitulation im Handbuch besser gewesen, als alle Charaktere des Vorgängers in einer Minute anzureißen, bei mir blieb jedenfalls nicht viel hängen. Eigentlich nur, dass zwei Objekte im eigenen Besitz wahnsinnig wichtig sind und dass man sie vor der Schattenlegion retten muss und der Spielercharakter der Gruppe der Bewahrer angehört. Egal, die böse Schattenlegion lässt nicht lange auf sich warten und es muss ein Weg gefunden werden, sie unschädlich zu machen. Auf der Reise durch die fantastische Welt wird eine kleine, interessante Geschichte um einen bösen Herrscher und ein tragisches Liebespaar gesponnen, die den Spieler mit nur wenigen Hängern durchweg bei Laune hält und erfreulich kohärent erzählt wird.
Kein ständiges Rendezvous mit dem Tod
Aura 2: Die Heiligen Ringe [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Um die Geschichte erleben zu können, müssen im Laufe des Spiels ausschließlich Rätsel gelöst werden, an keiner Stelle ist des Spielers Reaktionsvermögen gefragt. Nur an ganz wenigen Stellen ist unter Zeitdruck zu handeln, netterweise ist hier aber besonders offensichtlich, was zu tun ist, so dass der arge Schnitter einen nur sehr selten ereilt. Zwei Arten von Rätsel warten auf den Spieler, wobei die berühmt-berüchtigte Myst-Art den ersten Teil des Spiel dezent beherrscht, die folgenden zwei Drittel orientieren sich dann wieder mehr am klassischen, handlungsbasierten Rätseldesign. Als erste Aufgabe steht es an, dass seltsame Fahrzeug, in das sich der Spieler vor den Schergen der Schattenlegion zurückgezogen hat, einsatzbereit zu bekommen. Hierzu sind zahlreiche Schalter mit seltsamen Schriftzeichen zu enträtseln und Hinweise zur Funktionsweise zusammenzusetzen, wobei der Schwierigkeitsgrad an diesen Stellen fast am höchsten ist. Man kann schwer sagen, wie schnell ein einzelner Spieler auf eine Lösung kommt, aber trotz des durchgehend logischen Aufbaus gibt es stellenweise nur einen winzigen Hinweis. Wer diesen dann ignoriert kann zum Beispiel am Kartentischrätsel einen ganzen Abend zubringen.
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Sobald das Gefährt sich aber erst einmal bewegt hat, fällt die Zahl der Rätsel dieser Art drastisch ab und wird durch Knobeleien der Marke "Wie komme ich an dem Friedhofswärter vorbei?" ersetzt. Dieser Teil dürfte der Mehrheit leichter fallen, denn situationsbezogen denken die meisten Menschen klarer als bei den abstrakten Logikspielchen. Auch hier wird wieder durchweg nachvollziehbare und faire Kost geboten, aber auch hier gibt es an manchen Stellen leider nur sehr wenig an Hinweise wo es gerade weitergehen könnte. Wahnsinnig innovativ sind die einzelnen Problemstellungen allerdings in beiden Bereichen nirgendwo. Die Packung des Spiels spricht zwar von ausgefallenen Rätseln, jedoch hat man das meiste schon in abgewandelter Form in anderen Spielen dieser Art gesehen. Dies ist keine echte Kritik, da immer noch genug Eigenständigkeit geboten wird, jedoch wird den Adventurekenner nichts davon zur Verkündung eines neuen Zeitalters des Rätseldesigns hinreißen können.
Fair und doch trickreich
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Was in allen Bereichen des Spiels auffällt, sind die weiten Wege, wenn der Spieler einfach nur mal schnell etwas ausprobieren möchte. Die Landschaft wird schrittweise durchklickt und es kann schon einmal 20 oder mehr Schritte brauchen, bis der gewünschte Ort erreicht ist. Auch lassen sich Items ganz gut verpassen, denn nur wenn die Maus genau darüber steht und der Blickwinkel richtig ist, wird der Hotspot aktiv. Es ist klar, dass es immer schwer ist, hier zwischen Schwierigkeitsgrad und Fairness abzuwägen, aber das Schwert der erschlagenen Wache werden nur Adleraugen sofort erspähen. Dummerweise gibt es dreißig Screens weiter an einer steilen Felswand nur einen fast unsichtbaren Spalt als Hinweis, dass hier ein solcher Gegenstand benötigt wird. Diese Stellen sind in Aura 2 die Ausnahme, erinnern jedoch unangenehm an alte Sierra-Tage. Die Spieldauer hängt natürlich hier noch mehr als bei anderen Genres vom Erfahrungsgrad des Spielers ab. Veteranen, vor allem solche, die in Logikrätseln geschult sind, werden sich sofort zuhause fühlen und sich an wenigen Abenden durch Aura 2 klicken. Aber auch Abenteuer-Neulinge haben hier eine faire Chance, zumal sie beide Varianten des Adventuregenres in einem Zug kennenlernen.
Ein wenig steril aber trotzdem schön
Aura 2: Die Heiligen Ringe [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Technisch gibt sich die Produktion von The Adventure Company so gewohnt routiniert, wie man es von den Genreprofis erwarten konnte. Eine saubere und funktionale Maussteuerung, die so simpel gehalten wurde, wie es ging und trotzdem zahlreiche komplexe Rätsel erlaubt, ist hier das maximal erreichbare. Lediglich die anklickbaren Items und Hotspots hätten teilweise deutlicher markiert sein müssen, so dass es leichte Abzüge in der B-Note gibt. Das Inventar ist ständig verfügbar und schon aufgrund der relativ geringen Zahl transportabler Objekte sehr übersichtlich. Die Grafik ist leider, trotz aller sonstigen Schönheit, wieder einmal etwas steril geraten. Zwar ist es nicht das tote Myst-Gefühl, schon dadurch, dass man zahlreichen Personen begegnet, jedoch ist in den Bildern meist zuwenig Leben. Dafür kann man sich die meisten, vor allem die Landschaftsszenen, fast schon einrahmen, so hübsch wurden sie gerendert. Dadurch fällt allerdings umso mehr auf, das offensichtlich alle Personen, auch der Held, einen Stock verschluckt haben. Brettsteif, mit der lebensfrohen Mimik eines konservativen Technokraten, erwecken sie nicht gerade den Eindruck von Authentizität. Auch die deutsche Sprachausgabe ist nicht weit über dem Durchschnitt angesiedelt, dafür jedoch frei von unhörbaren Ausfällen und der, ich behaupte mal russische, Akzent der Elfe Reina ist einfach nett. Die Musik hätte eine eigene CD und vor allen ein höheres Production-Value verdient. Die einzelnen Stücke, allen voran die Aktivierung des Gates zur letzten Welt, sind von der Komposition her sehr schön gelungen, nur leider klingen sie etwas zu dünn um rückhaltlos begeistern zu können. Stabil ist Aura 2 übrigens wie in letzter Zeit kaum ein anderes Spiel in meinem Laufwerk. Abstürze waren auf beiden Testsystemen komplette Fehlanzeige.






