Eine Hexe mit zwei Gesichtern wie Tag und Nacht. Die dominante Schnetzel-Dame Bayonetta endlich im PAL-Vergleich.
Der Tanz der Hexen
Bayonetta
Die Story, obgleich sicherlich nicht jederzeit Weltklasse, ist unterhaltsam und sehr cool inszeniert. Dank schneller Kameraschnitte wird ein Augenschmaus serviert und die englischsprachigen Synchronsprecher sorgen für glaubhafte Charaktere. Zusammen mit den zahlreichen Hintergrundinformationen in virtuell gedruckter Form taucht man, sofern man sich natürlich auch darauf einlässt, in eine antike und doch moderne Welt aus Mythen und biblischer Kunst ein. Der Variantenreichtum spiegelt sich auch auf dem Schlachtfeld wieder, welches durch Häuserfassaden geziert ist, herrlich gotische Bauten präsentiert und bisweilen sphärische Ebenen mit der Realität verbindet. Es entfaltet sich eine erstaunliche und geradezu atemberaubende Kulisse, sofern man seinen Blick auch mal vom knackigen Hintern abwenden kann. Dank Kameramann, der nicht nur allzu gerne empfindliche Stellen der Dame in Großaufnahme präsentiert, entsteht eine gar schwindelerregend Szenerie. Nicht selten geht im Kampfgetümmel mit einem Obermufti die komplette Levelkonstruktion zu Bruch, wobei die (teils zu hektische) Kamerafahrten und extrem gelungene Perspektiven unweigerlich die Kinnlade herunter klappen lassen. Dabei stehen große steinerne Konstruktionen und mächtige Kathedralen mit Buntglasfenster im Kontrast zum modernen Zeitalter und auch die Hölle hat mit einem Armageddonausbruch ein Wörtchen mitzureden und sorgt gekonnt für farbliche Kontrastwerte.
Bayonetta
Die Örtlichkeiten laden zwar zu Besichtigungstouren ein, dennoch hat Bayonetta nur weniger Sinn für Kultur und Kunst über. Kaum einige Schritte getan, packt die anmutige Dame, deren anschmiegsames "Lederkostüm" quasi aus den eigenen schwarzen Haaren besteht, ihr hochwertiges Waffenarsenal aus und bereitet ihre ganz spezielle Hackfleischsuppe nach beliebter Hexenart zu. Gefallene Engel und andere extrem detaillierte Dämonen, stets mit einer schicken Animationssequenz vorgestellt und im Nachschlagewerk verewigt, sorgen mit ihrem Heiligenschein, goldenen Rüstungen und teils schuppigen Aussehen für reichlich optische Abwechslung, werden aber in bester "Devil May Cry"-Manier begrüßt. Dank handfesten Fausthieben und gefährlichen Tritten mit den Stöckelschuhen mutiert die Hauptdarstellerin zu einem heißen, aber nicht ganz ungefährlichen Feger. Und mit nur wenigen Buttoncombos vollführt sie einen unglaublich sehenswürdigen Klingentanz gepaart mit einem todbringenden Bleigewitter. Es entsteht ein famoses Actionballett, dem selbst die schier unendlichen Stakkato-Angriffen der zahlreichen Feinde nichts entgegensetzen können.
Bayonetta
Doch an dem Punkt, wo einem Dante letztendlich die Luft ausgeht und seine raffinierte Kreativität abhanden kommt, fährt die holde Maid ihr Repertoire erst so richtig auf. Dabei werden die zugegebenermaßen teils hektischen und unübersichtlichen Kämpfe, in denen sich vor lauter Gegner kaum der "schwarze Engel" ausmachen lässt, außerordentlich bildgewaltig und geradezu elektrisierend umgesetzt, was dank pulsierender J-Pop Mucke und rockiger Hymnen eines nahezu einhundert Songs umfassenden Soundtracks, puderrosafarbigen Herzen und dem stets coolen wie auch graziösen Gang der Killerdame nie den Anspruch einer wahren Lady verliert. Und was die gute Hexe mit nur wenigen Handgriffen imstande ist, als Argumentation den bulligen und schwer bewaffneten Feinden entgegen zu bringen, lässt euch das Wasser geradezu im Mund zusammenlaufen. Bildschirmgroße Fäuste, Stöckelschuhe und Drachen zaubert sie nach gekonnten Combos als besonderes Schmankerl (wohl mit viel Festiger) aus ihren Haaren und bewegt sich dabei so flink wie ein Gepard durch die dichten Gegnerhorden. Sollte es der Dame trotz all ihrer faustdicken Argumente zu bunt werden, packt die Umbrahexe schlussendlich ihre gewaltigen bzw. gewalttätigen Tötungsmanöver inklusive Guillotine und noch teuflischeren Foltermethoden mittels witzigem Quick-Time-Buttonmashings aus, wofür man aber zunächst eine Weile unbeschadet Backpfeifen austeilen und somit eine entsprechende Leiste bis zum Einsatz auffüllen muss. Das Spiel kommt trotz derart gewaltigen Schnetzelorgie und dem massenhaften Blut definitiv ungeschnitten, dafür aber nur für volljährige Zocker zugänglich daher.
