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Belief & Betrayal (PC)

Release:
29.05.2009
Genre:
Rollenspiel
Publisher:
dtp
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Belief & Betrayal im Gamezone-Test

09.03.2007 13:00 Uhr
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Neu
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Ein gelungenes Abenteuer voller unheimlicher Intrigen, Geheimbündelei und üblen Gestalten in dunklen Kutten.

"Hmm, mein Helm. Er bewahrt diese attraktive Visage davor, den Asphalt zu küssen."
(Hauptcharakter Jonathan Danter über seinen neuen Motorradhelm)

Eine gewisse Skepsis schien angebracht. Nachdem das Team aus dem Hause Artematica Entertainment im vergangenen Jahr mit "Das Eulemberg-Experiment" ein eher dürftiges Adventure ablieferten, sah man Folgeprodukten der italienischen Entwickler mit dem entsprechenden Argwohn entgegen. "Das Eulemberg-Experiment" enthielt einige gute Ansätze, doch haperte es an der Durchführung. Zahlreiche Schnitzer im Rätseldesign und diverse Pannen in der Dialogführung trübten den Spielspass. Diesmal sollte alles besser werden. Nicht nur technisch, auch storymäßig. Und so ist Belief & Betrayal - so der Titel des neuen Werkes - anders als der Vorgänger diesmal keine Comic-Umsetzung, sondern als Mystery-Adventure eine Art Kirchen-Thriller, szenarisch irgendwo anzusiedeln zwischen Umberto Ecos Roman "Der Name der Rose" und Genre-Kollegen wie "The Da Vinci Code - Sakrileg". Die Handlung spielt dabei in der Gegenwart, geht aber auf Ereignisse zurück, die weit in die Vergangenheit zurückreichen. Genauer gesagt ins Jahr 1194. Denn Verrat, Gier und Machtgelüste bestimmten schon damals nur zu oft das Denken und Handeln der Menschen.

Grusel-Kardinal Gregori

Belief & Betrayal Belief & Betrayal [Quelle: ] Jonathan Danter - seine Freunde nennen ihn "Jo" - ist ein New Yorker Single um die Vierzig, der allein in einer großräumigen Wohnung irgendwo in Manhattan lebt. Materiell hat er mittlerweile den Status erreicht, den man gemeinhin als finanzielle Unabhängigkeit bezeichnen könnte. Jedenfalls geht er keiner geregelten Berufstätigkeit mehr nach, sondern tut nur noch das, was ihm Spaß macht. Wenn er nicht gerade Frauenherzen erobert oder mit Hilfe der heimischen Fitness-Station Muskeln trainiert, brettert er mit seinem Motorrad, einer Ducati, über die Straßen New Yorks. Zudem schreibt er gelegentlich als freier Redakteur für den Manhattan Mirror, ein Boulevard-Magazin, das sich auf Sensationsgeschichten spezialisiert hat. In jenen Novembertagen des Jahres 2006 klingelt bei ihm das Telefon. Abheben. Warren, der Chefredakteur der Zeitschrift, ist am anderen Ende der Leitung. Jonathan soll sich umgehend nach Miami begeben, um dort ein Interview mit Kardinal Gregori zu führen und auch Fotos zu knipsen, die den Kardinal bei allen möglichen Aktivitäten zeigen. Wer in diesem Zusammenhang womöglich an Liebesspiele des Gottesmannes mit schutzbefohlenen Schäfchen denkt, wird allerdings enttäuscht. Vielmehr munkelt man, der "Grusel-Kardinal" betreibe religiöse Geheimbündelei außerhalb der offiziellen Kirchenpolitik. Der Chefredakteur macht Tempo, will die Story noch bis Fertigstellung der nächsten Ausgabe des Manhattan Mirror auf dem Schreibtisch liegen haben, bittet Jo aber auch um Vorsicht. Denn Gregori gilt zwar als umstritten, aber mindestens ebenso einflussreich. Der Kardinal duldet keine öffentliche Kritik und hat bereits seine Anwälte gegen die Presseleute in Stellung gebracht. Doch es gibt noch einen zweiten Anrufer an diesem Abend: Inspector Twinings vom Morddezernat in Scotland Yard. Der lässt in eiligem Tonfall wissen, dass Jonathans Onkel, Frank Danter, kürzlich ermordet wurde und beordert den verdutzten Journalisten umgehend nach London. Verdutzt deshalb, weil da noch ein Problem wäre: Onkel Frank starb bereits vor zehn Jahren.

Onkel Frank, der vatikanische Geheimagent

Belief & Betrayal Belief & Betrayal [Quelle: ] Jo kann sich an seinen Onkel Frank, den er zuletzt vor mehr als dreißig Jahren in seiner frühen Kindheit sah, kaum noch erinnern.. Tatsächlich ist da so gut wie nichts geblieben, außer eine Uhr, die ihm der Onkel kurz nach seinem Tod vor gut einem Jahrzehnt als Erbstück hinterließ. Jetzt, in England angekommen, erfährt Jonathan von der dortigen Polizei erstmals nähere Einzelheiten. Fest steht: Frank Danter hatte sein Ableben nur vorgetäuscht. Vermutlich, um alle Spuren zu verwischen und Angehörige nicht in Gefahr zu bringen. Denn das biedere Onkelchen arbeitete in Wirklichkeit als eine Art vatikanischer James Bond für die Legaten, eine päpstlichen Geheimorganisation, der verschiedene Wissenschaftler angehören und deren Aufgabe darin besteht, Geheimnisse des Vatikans zu schützen.

Belief & Betrayal Belief & Betrayal [Quelle: ] Mitglieder der Legaten leben riskant. Und sterben schnell. Vor Onkel Frank wurden bereits fünf Agenten der Organisation ermordet. Die Opfer fand man für gewöhnlich grausam zugerichtet, blutüberströmt mit aufgeschnittenem Bauch. Ihre Leichen waren stets an irgendwelche Wände genagelt oder gekettet, wo sie dann hingen, die Arme weit von sich gestreckt, wie einst Jesus Christus am Kreuz. Bei Frank Danter war das merkwürdigerweise nicht ganz so extrem. Seinen Leichnam fand man unverstümmelt. Lediglich etwas Geld fehlte. Offenbar wollten die Täter die ganze Sache wie einen Raubmord aussehen lassen. Inspector Twinings von Scotland Yard befürchtet nun, dass sich Jonathan als einziger noch lebender Verwandte ebenfalls in großer Gefahr bewegt. Eine Vermutung, die sich schon bald als sehr zutreffend erweisen sollte. Was der Kriminalbeamte zu der Zeit jedoch nicht weiß: In den Reihen der Polizei gibt es einen Spion, der die Namen von Legaten-Mitgliedern an Dritte verkauft und daran offenbar ganz gut verdient. Jenem Polizeibeamten, einem Officer namens Coletti, gelingt es durch eine Hinterlist sogar, den Mordverdacht hinsichtlich zwei von ihm, Coletti, getöteten Polizei-Kollegen auf Jonathan zu lenken. Und der gerät nun unter Druck. Denn nicht nur die Killer seines Onkels machen fortan Jagd auf Jo, sondern auch der gesamte Fahndungsapparat von Scotland Yard.

Das Medaillon des Judas

Belief & Betrayal Belief & Betrayal [Quelle: ] Natürlich gilt es für den New Yorker Journalisten nicht nur, die Verfolger abzuhängen. Vielmehr will Jonathan die Mörder seines Onkels fassen, jene religiösen Fanatiker, die hinter den unheilvollen Ereignissen stecken. Seine privaten Nachforschungen führen ihn dabei an unterschiedliche Schauplätze in Europa. Neben Großbritannien sind dies vor allem Rom (Hauptsitz des Papstes) und Venedig. Im weiteren Spielverlauf erhält er dabei unerwartete Unterstützung. Die Restauratorin und Altphilologin Kat McKendall sowie deren Vater Arthur gehören ebenso dazu wie der junge Computerexperte Damien, der antike Stofffetzen und Schriftstücke zu analysieren vermag und dabei anhand einer Reliquie dem Geheimnis verdächtig nahe kommt. Tödlich nahe. Kein Wunder also, dass Damien kurz darauf ebenfalls auf bestialische Art und Weise ermordet wird. Dass hinter alledem ein begehrtes Medaillon steckt, auf dessen Besitz es diverse Leute aus bestimmten Gründen abgesehen haben und denen zu diesem Zweck jedes Mittel recht ist, erschließt sich dem Spieler - obwohl es im Untertitel zu Belief & Betrayal bereits angedeutet ist - anfangs nur zögerlich. Auch steht der Erwerb des Judas-Medaillons ganz am Ende der Geschichte. Zuvor müssen andere wichtige Gegenstände - beispielsweise das Imago Sanctissimus, so der Name eines anderen Medaillons - gesucht, eingesammelt und angewendet werden. Glücklicherweise verzichtet der Titel komplett auf Schieberätsel, Labyrinthe oder sonstige frustrierende Knobel-Einlagen.

Kathedralen, Kutten und Kondome

Belief & Betrayal Belief & Betrayal [Quelle: ] Belief & Betrayal ist über weite Strecken mehr Krimi- als Gruseladventure. Gewalttätige Einblendungen wie die Darstellung von (verstümmelten) Leichen oder die Enthauptung eines Paters bilden die absolute Ausnahme, was wohl auch die moderate USK-Einstufung (" ab 12 Jahre") rechtfertigt. Reine Action-Szenen erleben wir eigentlich nur in den zumeist ordentlich gemachten Zwischensequenzen. So leistet sich Jo gegen Ende des Spiels beispielsweise einen kurzen Faustkampf mit einem erstaunlich schlagkräftigen Mönch. Ansonsten präsentiert sich das Spielgeschehen im klassischen Point&Click-Adventure-Stil. Der Titel lebt im Wesentlichen von seiner spannenden Story - wobei Handlung und Personen frei erfunden sind - und der Atmosphäre, die nicht unbedingt furchteinflößend, aber trotzdem irgendwie unheimlich erscheint und ein wenig an "Black Mirror" erinnert. Kathedralen, Gemäldegalerien, alte Bibliotheken, Hinterhöfe und entlegene Seitenstraßen haben zwangsläufig immer etwas Spirituelles, zumal viele dieser Orte bei Belief & Betrayal oft im Dunkeln bzw. Halbdunkeln liegen. Chorale Gesänge und meditative Klänge untermalen das Szenario dabei stimmungsvoll mit musikalischen Mitteln, so dass das Spiel auch ohne Schockmomente und übertriebene Effekthascherei auskommt.

Belief & Betrayal Belief & Betrayal [Quelle: ] Der Schwierigkeitsgrad der obligatorischen Rätsel ist eher niedrig ausgefallen und in etwa vergleichbar mit dem von "Syberia". Genre-Neulinge dürfte dies freuen, erfahrene Adventure-Fans, die dagegen mehr Wert auf anspruchsvolle Grusel-Kost legen, eventuell enttäuschen. Tatsächlich sind die Knobeleien für geübtere Spieler nicht wirklich fordernd und eigentlich auch nicht sonderlich innovativ. So müssen wir Zahnräder in der richtigen Reihenfolge anordnen, um damit einen Mechanismus auszulösen, einen Zahlencode eingeben, um danach ein mysteriöses Gerät zu öffnen, welches ein altes Pergament enthält, oder einfach nur Gegenstände miteinander kombinieren. Die Kombinationsrätsel sind zweifellos die interessantesten. Sie gelingen auch meistens auf Anhieb, da sich im Inventar selten mehr als 15 Objekte gleichzeitig befinden, die Anwendungsmöglichkeiten also begrenzt sind.

Belief & Betrayal Belief & Betrayal [Quelle: ] So muss der flüchtige Jonathan an einer Stelle zum Beispiel ein Passbild für seinen gefälschten Personalausweis beschaffen. Leider wird der Passfotoautomat ständig von einem besoffenen Landstreicher besetzt, der das Automatenhäuschen als überdachten Unterschlupf nutzt. Nachdem alles Bitten und Flehen, uns zum Fotografieren kurz in die Kabine zu lassen, nichts bringt, bedienen wir uns einer List. Zu diesem Zweck kombinieren wir eine leere Weinflasche mit einem angeschmolzenen Eis am Stiel (aufzufinden in einer defekten Gefriertruhe) und einem aufgelesenen vollen Joghurtbecher, der irgendwo im Gras rumliegt, mixen das alles zusammen mit Trinkwasser in besagter Flasche und erhalten so eine Flüssigkeit, die aussieht wie Wein und auch ähnlich mundet. Der Penner, der so voll ist, dass er den Inhalt der Flasche eh kaum schmecken kann, bedankt sich für die "neue" Weinflasche und zieht zufrieden davon. Problem gelöst - Passfotoautomatenhaus geräumt.

Später gilt es, gegen Mitternacht heimlich in eine verschlossene Kathedrale einzudringen. Der Fensterriegel ließe sich mühelos durch handwerklich geschickte Anwendung von Eisstil und Telefonkarte entriegeln. Leider würde eine ungünstig positionierte große Straßenlaterne helles Licht auf unseren kleinen Einbruch werfen. Keine Frage: die Laterne muss außer Gefecht gesetzt werden. Glücklicherweise hat Jonathan kurz zuvor ein Kondom (natürlich noch originalverpackt) gefunden. In Kombination mit einem kleineren Stein gibt das eine prima Steinschleuder - und nach einem kurzen Klirren ist die Laternenbirne zerstört. Das ist neu, dies kannten wir so noch nicht.

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09.03.2007 13:00 Uhr
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Belief & Betrayal
Belief & Betrayal im Gamezone-Test
Ein gelungenes Abenteuer voller unheimlicher Intrigen, Geheimbündelei und üblen Gestalten in dunklen Kutten.
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09.03.2007
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