Seit Peter Molyneux die Microsoft Studios verlassen hat, hätte es still werden sollen in der Games-Branche. Aber Gearbox-Chef Randy Pitchford ist ja noch im Geschäft. Mit Borderlands 2 bringt die neue Labertasche Nummer Eins nun den Herbst-Shooter 2012 raus. Wir haben überprüft, was seine Fortsetzung wirklich drauf hat.
RPG-Elemente und Questing
Der Fokus von Borderlands 2 liegt glücklicherweise nicht mehr auf einem einzigen Produktfeature (Waffen!), sondern hat sich extrem verbreitert. Das macht sich vor allem im Gameplay bemerkbar. Unsere Protagonisten haben einen Skilltree mit je drei Ausrichtungen bekommen, im Hintergrund levelt jeder Spieler im "Badass-Rang" auf. Pro Levelaufstieg kann man einen neuen Skillpunkt vergeben - das kennt man aus RPGs.
Der Badass-Rang ist eine Besonderheit von Borderlands 2: Im Spiel sind hunderte von Aufgaben verteilt, die der Spieler im Verlauf der Geschichte von selbst erledigt. Dinge wie "Verbrenne 2000 Gegner mit Elementarwaffen" oder "Töte 20 Banditen mit Kopfschüssen" schalten uns Badass-Tokens frei. Damit kann man einen Charakterwert um einen winzigen Prozentpunkt verbessern - etwa Waffenschaden oder die maximale Gesundheit um 0,5%. Der Witz: Es gibt kein Badass-Levelcap! Theoretisch steigt man ewig weiter und der Rang gilt für den gesamten Account - auch wenn wir den Charakter wechseln, unsere Badass-Boni bleiben uns erhalten. Tolle Mechanik, die im Hintergrund arbeitet und einem das Twinken zu Beginn etwas erleichtert.
Quelle: Gamezone/2K Games
Borderlands 2: Solche Humorvollen Details schaffen Atmosphäre
Bei den Quests bleibt Gearbox seiner selbstironischen Linie treu. Passend zu den skurrilen Charakteren müssen wir extrem extrem abgedrehte Missionen erfüllen. Die sind zwar oft nach dem RPG-Prinzip "geh da hin, töte X Gegner, bring mir den Kopf vom Boss, komm zurück" - der Witz aber liegt wieder in der Präsentation. So zerstören wir etwa Statuen von Handsome Jack oder müssen Kekse für die abgedrehte Tiny Tina suchen, während uns beide urkomische Nachrichten schicken. Nicht der Weg ist das Ziel, das Ziel ist das Ziel: Die humorvollen Dialoge sind oft ein größerer Ansporn, auch alte Quests noch zu beenden, als irgendwelche Spielbelohnungen.
Technik - ewiges Auf und Ab
Borderlands 2 ist wie sein Vorgänger in einer offenen Welt angesiedelt, die der Spieler zu Fuß oder mit einem Kampfbuggy durchqueren kann. Ersteres dauert ziemlich lang, zweiteres ist einfach absurd umständlich zu steuern. Wir wundern uns: Warum geben wir im Buggy mit dem rechten Stick Gas und steuern mit dem linken? Bzw. warum muss man den Buggy mit der Maus steuern? Das ist hakelig ohne Ende und weil die Kamera in solchen Momenten auch tut, was sie will, landet man schon mal im Graben.
Der Open World sind darüber hinaus ein paar grafische Fehlgriffe zuzuschreiben. Weil die Welten so groß sind, lädt Borderlands 2 Texturen meist erst im Blickfeld des Spielers in HD nach. Wer die Kamera schnell bewegt oder eine Map neu lädt, sieht zuerst Matsch und dann immer feiner werdende Details an Wänden und Böden. Auch Pop-Ups sind nicht selten, etwa wenn man plötzlich an einem Kaktus vorbeirast, der eben noch nicht da war. Insgesamt können wir solchen kleinen Fehlern am PC durchaus verzeihen, denn die HD-Cel-Shading-Optik ist toll geworden! Die bunten und abwechslungsreichen Levels erinnern ein wenig an Comics, sehen aber sehr hochwertig aus. Vor allem am PC gesellen sich wirklich fantastische Lichtspielerein dazu und runden die tolle Grafik ab.
Quelle: Gamezone/2K Games
Borderlands 2: Solche Grafikdetails schafft die Konsolenversion nicht
Aber Vorsicht: Die Unterschiede zwischen Konsolen und PC könnten nicht größer sein. Während man am PC die Bildausschnittgröße anpassen kann, ist sie auf der Konsole fest. Wer einmal den PC gesehen hat, wird denken, dass Xbox 360 und PS3 immer im Zoom-Modus sind. Das geht so weit, dass oft die Pop-Ups von Waffen gar nicht auf einen Screen passen. Die Grafikqualität insgesamt und vor allem die tollen Lichtsettings leiden auch an der verminderten Leistung - wer kann, sollte auf jeden Fall zum Computer greifen!
Störend sind auch häufige Physikfehler. So bleiben wir immer wieder an Felsen hängen, die nur wenige Zentimeter aus dem Boden ragen und in der Xbox-Fassung gibt es anscheinend noch schwerwiegende Probleme bei der Kollisionsabfrage in Randgebieten von Karten. Mehrfach haben wir uns, auf der Suche nach verstecktem Loot, in Objekten verhakt, die eigentlich frei standen. Verschont bleiben PC-Spieler in diesem Fall nicht: Mit der nVidia GTX 660 haben wir so manchen Grafikfehler ausmachen können.
Die KI hat sich im Vergleich zum Vorgänger spürbar verbessert: Banditen gehen nun in Deckung, heilen sich gegenseitig und Monster holen selbstständig Verstärkung. Besonders gemein wird es, wenn Badass-Monster dabei sind. Ein Säure-Skag kann beispielsweise seine Säure-Eigenschaften auf herbeigerufene Skag-Welpen übertragen, die werden dann noch schwieriger zu erlegen. Mit mehreren Spielern hakt es bei KI-Gegnern aber noch. Oft wissen sie nicht, wer nun die größere Gefahr ist und ignorieren es, wenn sich jemand von hinten an sie anschleicht.
Vorsicht vor dem Speichersystem
Richtig geärgert hat uns das Speichersystem von Borderlands 2. Wer mit Freunden spielt, übernimmt in einigen Fällen nicht den bereits abgeschlossenen Spielfortschritt. Am PC wurden wir, nach einem Verbindungsabbruch von Steam, mit Level 24 an den Anfang des Spiels zurück katapultiert. Erst als wir die Mission abgaben, mit der wir vor dem Coop beschäftigt waren, schlug das Spiel vor, die Missionen zwischendrin zu überspringen. Auf der Xbox 360 wurde es noch kruder: Obwohl wir bereits einen Großteil der Geschichte hinter uns hatten, wurden wir um mehrere Missionen zurückgeworfen - ohne die Möglichkeit zum aktuellen Stand vorzupreschen. Das halbe Spiel noch mal spielen? Das nervt! Hier muss dringend ein Patch her, Gearbox!
