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  • Calling: Allein in der Dunkelheit - Leser-Test von DarkEnel

    Sie brauchen keine Monster oder übermäßiges Blutvergießen. Keine Spukschlösser oder verrottete Friedhöfe. Keine starken Männer oder Frauen die den Helden spielen. Keine tollen Spezialeffekte oder Hintergrundmusik. Doch sie sind furchteinflößend, verstörend und atmospherisch wie kaum was anderes...

    Die Rede ist von asiatischen Horrorfilmen. Filme wie The Ring, A Tale of two Sisters oder Ju-On haben gezeigt, dass sogar ein kleines Mädchen mindestens genauso erschreckend seien kann wie Freddy Krüger, Zombies oder Dracula.
    Mit Calling gibt es nun diese Horrorerlebnisse nun auch als Spiel, und dieses braucht sich selbst hinter Genregrößen wie Silent Hill oder Resident Evil nicht zu verstecken!

    Handlung

    Wie auch in den Filmen, die dem Spiel ganz offensichtlich als Inspiration dienten, ist die Story anfangs extrem verworren und der Spieler bekommt nur nach und nach häppchenweise weitere Teile des Handlungspuzzles spendiert, so dass erst (wenn überhaupt) am Ende die ganze Geschichte einen Sinn ergibt.

    Wir befinden uns im Japan der Gegenwart. Seit einiger Zeit kommt es zu mysteriösen Zwischenfällen, einige Menschen fallen ohne ersichtlichen Grund in eine Art Koma und sterben meist bereits einige Stunden später.
    Der einzige Zusammenhang zwischen den Personen scheint "Die schwarze Seite" zu sein, eine Website, mit der es angeblich möglich seien soll, mit bereits verstorbenen Personen in Kontakt zu treten. Doch außer einem Besucherzähler und einen Chatraum scheint es nichts außergewöhnliches auf der Seite zu geben...
    Allerdings bekam jeder Besucher der Website kurze Zeit später einen Anruf auf seinem Handy (deshalb auch der Titel des Spiels) und können sich danach nur noch daran erinnern, dass die Welt um sie herum schwarz wurde und sie seltsamerweise an einem völlig anderen Ort wieder aufwachten. Doch sind diese Orte tatsächlich noch ein Teil unserer Welt? Zwar sehen sie auf dem ersten Blick relativ normal aus, beispielsweise eine Schule, ein Internet Café oder ein Hotelzimmer, nichts ungewöhnliches halt, doch sämtliche Ausgänge sind entweder verschlossen oder führen zu einem merkwürdigen Strudel, der ins Nichts zu führen scheint. Außerdem sind die Gebäude so gut wie völlig verlassen, wenn man mal von den Geistern absieht, welche die Orte heimsuchen...
    Auch die vier Hauptcharaktere haben der "schwarzen Seite" einen Besuch abgestattet und sind nun Gefangene dieser "Geisterwelt". Da wäre zunächst "Shin Suzutani", ein Otaku der trotz seines feigen Gemüts einen faible fürs Okkulte hat. Die stets neugierige und hilfsbereite "Rin Kagura" ist sowas wie die Protagonistin des Spiels, alle Fäden der Handlung hängen irgendwie mit ihr zusammen. "Chiyo Kishibe" ist eine ältere Dame, die nach dem Tod ihres Mannes das Internet für sich entdeckte und mit Hilfe der "schwarzen Seite" nochmal mit ihrem Ehemann reden möchte. Der Redakteur "Makoto Shirae" ist der Mysteriöseste der vier. Er scheint viel über die Vorfälle mit der "schwarzen Seite" und die "Geisterwelt" zu wissen, doch seine Beweggründe bleiben lange Zeit im Dunkeln...
    Nun versuchen alle, einen Weg zurück zu finden, um diesen Alptraum zu entfliehen. Aber welches Geheimnis umgibt das seltsame Mädchen mit dem Katzenstofftier, welches immer wieder auftaucht?

    Spielprinzip

    Calling ist in einzelne Kapitel unterteilt in denen man jeweils eine der vier Hauptcharaktere steuert. Dabei wird ausschließlich aus der Ego-Perspektive gespielt, zu Gesicht bekommt man die Helden lediglich in den Zwischensequenzen.
    In der Regel startet ein Kapitel in einer recht düsteren Umgebung, so dass als erstes die Suche nach einer Taschenlampe auf dem Programm steht. Ist diese gefunden, klappt das Umsehen und Erkunden der Umgebung mit Wii-Mote und Nunchuk ganz gut, ähnlich wie bei Ego-Shootern auf der Wii, beispielsweise Metroid Prime 3. Allerdings verfügt der Spieler hier über keinerlei Waffen, so dass Flucht oftmals die Beste (und einzige) Lösung darstellt. Gerät der Charakter dennoch in die Fänge eines Geistes, so lässt er sich in den meisten Fällen durch kräftiges Schütteln der Wii-Mote und rechtzeitiges Drücken des A-Knopfes abschütteln. Abwechlsung liefern bei diesen "Kämpfen" lediglich die Art, einen Geist endgültig loszuwerden. Im einfachsten Fall muss dieser einfach abgeschüttelt werden und taucht ab da nicht mehr auf. Manchmal muss eine gewisse Zeit überstanden werden, in der der Spieler dem Geist so gut es geht auszuweichen versucht. Oder es müssen bestimmte Bedingungen erfüllt oder ein gewisser Ort erreicht werden, bevor die Geister von einem ablassen.
    Eine Lebensanzeige im eigentlichen Sinne gibt es nicht, vielmehr hat jeder Charakter eine "Horrorleiste" in Form einer EKG-Linie. Diese schlägt immer höher aus und verfärbt sich dabei von grün nach rot, sobald dem Charakter das Grauen packt. Das muss nicht immer die Begegnung mit einem Geist sein, manchmal reicht auch das Ausschalten einer Lichtquelle, um das Herz der Spielfigur schneller pochen zu lassen. Beruhigt sich die Situation wieder, nimmt auch die "Horrorleiste" wieder ihre ursprüngliche Farbe an. Ist die Anzeige allerdings an ihr Maximum angelangt, verfärbt sich der komplette Bildschirm rot und das Spiel ist zu Ende. In diesem Fall muss man vom letzten Speicherpunkt wieder anfangen (gespeichert wird übrigens an Katzenpuppen, welche überall im Spiel zu finden sind). Darüberhinaus gibt es noch diverse Ereignisse, die zum sofortigem Ableben der Spielfigur führen können.
    Das wichtigste Hilfsmittel in Calling ist (welch Überraschung...) das Handy. Hat der Spieler eines gefunden, lassen sich nicht nur Gespräche (welche direkt aus den Wii-Mote-Lautsprechern ertönen) empfangen oder Fotos machen, um sie an die Wii-Pinwand zu schicken, darüberhinaus können an bestimmten Stellen die Stimmen der Geister entschlüsselt werden. Außerdem erhält man immer mal wieder Bildnachrichten, die dem Spieler einen Hinweis zum Weiterkommen geben. Doch die wichtigste Funktion des mobilen Telefons ist das Teleportieren: Hat der Charakter nämlich die Nummer eines anderen Handys gefunden, kann er sich zu dem neuen Gerät hinteleportieren. Danach muss allerdings erst einmal wieder ein neues Handy gefunden werden, denn dieses bleibt stets am Ausgangsort zurück.
    Wie im Horrorgenre üblich gibt es auch hier einige Rätsel, die gelöst werden wollen, sowie zahlreiche Hinweise, die einem entweder das Weiterkommen erleichtern oder Hintergrundinformationen zur Story liefern. Oft muss auch zunächst ein spezielles Event aktiviert werden, damit es weitergehen kann.
    Als weiteres Hilfmittel sorgt noch eine Karte der Umgebung für den nötigen Überblick.
    Zuletzt sind noch im ganzen Spiel besondere Handytasten und Passwörter versteckt, mit deren Hilfe einige Extras freigespielt werden können.

    Grafik

    Calling ist nicht gerade eine Augenweide... Die Texturen sind oftmals verwaschen und auch mit dem Charakterdesign hätten sich die Entwickler ruhig ein wenig mehr Mühe geben können. Die Figuren sind zwar nicht gerade hässlich geraten, wirken optisch aber dennoch veraltet und auch die Zwischensequenzen erinnern an die ersten Playstation2-Jahre. Selbst auf der Wii kann man grafisch mehr erwarten.
    Auch wurden einige Räume quasi "recycled", so dass man in einem Gebäude (zum Beispiel die Schule) öfters mal auf praktisch identische Orte stößt... Bloß gut, dass die eingebaute Karte im Spiel einem davor bewahrt, die Orientierung zu verlieren...
    Auf der anderen Seite gibt es wiederum Orte, die sehr detailreich gestaltet wurden und es hier wirklich Spaß macht, jeden Winkel zu erkunden.

    Sound

    Zunächst einmal zur Hintergrundmusik: Naja, wenn welche da ist, ist sie wirklich gelungen und trägt gut zur jeweiligen Atmosphere bei, doch die gruselige Stimmung des Spiels kommt insbesondere daher, dass es oftmals keine Hintergrundmusik gibt.
    Dafür warten eine ganze Menge Soundeffekte darauf, den Spieler eine Schrecksekunde zu verpassen und dabei leisten sie ganze Arbeit...
    Bei der Syncronisation muss man sehr stark variieren: Die original japanische Sprachausgabe ist sehr gelungen und kann jederzeit eingestellt werden. Sämtliche Sprecher wirken glaubwürdig und die Geister wirken oftmals wunderbar wahnsinnig oder je nach Situation ziemlich makaber!
    Im Gegensatz dazu sind die deutschen Syncronsprecher schon sowas wie ein Atmospherekiller... Es ist jetzt nicht so, dass die Sprecher sich keine Mühe geben würden, allerdings wirken sie irgendwie so künstlich, dass es oftmals einfach lächerlich wirkt. Außerdem wurde generell bei der Syncro geschlampt, denn teilweise sind einige Passagen immer noch japanisch, trotz deutscher Spracheinstellung.
    Sieht man von den deutschen Stimmen ab, ist die Sounduntermalung des Spiels aber sehr gut gelungen.

    Steuerung

    Auch die Steuerung ist ein zweischneidiges Schwert. Man muss sagen, zum Untersuchen der Räume haben sich die Entwickler alle Mühe gegeben, um den Spieler das Leben so einfach wie möglich zu machen. Es gibt einen speziellen Suchmodus, in dem der Spieler einen bestimmten Bereich in vorgegebener, halb fixierter Sicht, untersuchen kann, und auch das Öffnen und Schließen von Türen oder Schubladen klappt damit ganz gut, dennoch wird man anfangs oftmals ungewollt die falsche Schublade öffnen oder schließen, insbesondere wenn diese untereinander aufgebaut sind. Doch mit ein bischen Übung klappt das Untersuchen der Orte recht ordentlich.
    Auch das allgemeine Bewegen funktioniert wunderbar, bis auf die alte Chiyo kann sich jeder Charakter ducken beziehungsweise kriechen und auf Knopfdruck (dem Z-Knopf) schneller laufen. Auch eine blitzschnelle 180° Drehung ist kein Problem. Es kann lediglich mal vorkommen, dass einem, nachdem der Karten- oder Menü-Bildschirm geschlossen wurde, der Pointer nach oben oder unten abhaut und der Charakter unfreiwillig die Decke oder den Boden inspiziert.
    Dafür ist die Bedienung des Handys und auch der Taschenlampe äußerst gut gelungen. Auf Knopfdruck schaltet sich die Lampe ein und aus, die Bedienung des Handys klappt ebenfalls sehr intuitiv.
    Die Kämpfe sind ebenfalls recht einfach zu handhaben, auch wenn im Eifer des Gefechts die Steuerung ein wenig haken kann, was allerdings nur in den seltensten Fällen gravierende Auswirkungen nach sich zieht (doch dazu später mehr).

    Höhen und Tiefen

    Immer wenn ich Calling spiele, muss ich an ein anderes Spiel dieses Genres denken: Alone in the Dark für die Wii... Auch da steuerte man die Spielfigur aus der Egoperspektive, was allerdings dazu führte, dass Schockeffekte praktisch nicht vorhanden waren... Auch da gab es eine Taschenlampe, welche allerdings aufgrund der meist hervorragend ausgeleuchteten Räume nur in seltenen Fällen zur Atmosphere beitrug... Auch da hatte man ein Handy, was allerdings so sinnvoll und komfortabel war wie ein Kühlschrank am Nordpol...
    Calling macht genau da alles richtig, wo Alone in the Dark so viel versprochen, letztendlich aber versagt hat: Die Einbindung der speziellen Wii-Steuerung, beispielsweise die Wii-Mote als Handy zu benutzen ist absolut genial! Die schwache Wii-Grafik (was nicht heißt, dass sie in diesem Fall hätte besser aussehen können!) wird dadurch retuschiert, dass die Räume oft sehr dunkel sind und Details nur durch den Schein der Taschenlampe hervorstechen. Hier werden wirklich mal die Stärken der Wii sinnvoll und quasi vollkommen ausgenutzt, und die Schwächen der Wii vernünftig umschifft.
    Genau so sollte ein Wii-Spiel sein!
    Dennoch gibt es, von den oben gennanten, technischen Aspekten mal abgesehen, natürlich auch negative Punkte:
    Zunächst einmal findet man des Öfteren, wohl von den Geistern hinterlassene Minibotschaften, welche an Wänden oder in Schubladen, etc. hingekritzelt wurden. Diese bestehen meist aus einem nichtssagenden Wort wie "kalt", "fallen" oder "unheimlich", also nichts was relevant für die Handlung oder fürs Weiterkommen wäre. Das Problem hierbei: Die Botschaften sind lediglich japanisch und lassen sich nicht einmal für eine Übersetzung anklicken, wie es bei einigen Türschildern der Fall ist. Das ist wirklich schade und ärgerlich, denn der Otto Normalspieler hierzulande ist wohl eher selten des Japanischen mächtig. Gleiches gilt für die teilweise nicht übersetzte Sprachausgabe. Auch diese Passagen sind nicht handlungsrelevant, dennoch würde der ein oder andere Spieler gerne wissen, was da genau gesagt wird.
    Dann wäre da noch der Schwierigkeitsgrad der "Kämpfe": Geschätzte 90% der Geisterbegegnungen sind definitiv zu leicht geworden, ein paarmal kräftig die Wii-Mote geschüttelt, im richtigen Zeitpunkt den A-Knopf gedrückt (auch dauerndes Drücken kann zum Erfolg führen) und schon geben die meisten Geister klein bei und auch die "Horrorleiste" regeneriert sich wieder. Auch die Speicherpunkte sind definitiv ein wenig zu großzügig platziert worden, in praktisch jeder Etage lässt sich eine Speicherkatze finden, welche in der Regel ohne großen Widerstand zu erreichen ist und sogar von Anfang an auf der Karte vermerkt wird! Eine Halbierung der Speichermöglichkeiten oder zumindest eine begrenzte Anzahl an Speicherungen (wie etwa die Farbbänder der Resident Evil-Spiele) hätten den Nervenkitzel noch ein wenig erhöhen können. Dafür bieten immerhin die restlichen 10% der Geister eine ordentliche Herausforderung, so dass man an einigen Stellen auch gut überlegen muss, wie verhindert werden kann, dass der Held andauernd das Zeitliche segnet.
    Weiterhin gibt es das Problem mit den Handynummern. Mit der Zeit findet man eine ganze Menge an Nummern und das Problem ist jetzt nicht, dass man sie alle von Hand eintippen muss, sondern, dass sie auswendig eingetippt werden müssen. Außerdem stehen die Nummern nicht einmal in einer extra Rubrik, sondern müssen jedes mal mühselig aus den gesammelten Daten rausgesucht werden. Ich habe ja nichts gegen ein klein wenig pädagogischen Einfluss in Spielen und etwas Gedächtnistraining tut auch mir ganz gut, doch warum ist dann Makoto der einzige Charakter mit genug Hirn, sich die Nummern schön sauber zu notieren und sie sogar beim eintippen neben das Handy zu halten?
    Kommen wir nun zu den oben erwähnten Passwörtern. Um eins schonmal vorweg zu nehmen: Ich mag die Idee dieses Passwortsystems sehr gerne und finde es auch nicht schlecht, wenn man beim Suchen von Bonussachen gefordert wird. Allerdings haben es die Entwickler bei der "Kreativität" der Verstecke an vielen Stellen weit, WEIT übertrieben! Zunächst einmal werden für die Eingabe der Passwörter wie gesagt Handystasten (insgesamt neun Stück) benötigt. Da ein Passwort immer aus sechs Zeichen besteht, werden mindestens die Hälfte der Tasten benötigt. Und einige der Tasten zu finden ist schon fast ein Ding der Unmöglichkeit... Zunächst einmal sind die Tasten, wie nicht anders zu erwarten, verdammt klein und es gibt in den recht weitläufigen Arealen praktisch unzählige Verstecke, die man durchsuchen könnte. Darüber hinaus sollte man wissen, dass viele der Tasten nur gefunden werden können, wenn die Taschenlampe ausgeschaltet ist! Das ist wohl genauso paradox, wie es klingt, erstens gibt es nirgendwo einen Hinweis, dass es sinnvoll wäre, an einigen Stellen die Lampe auszuschalten, zweitens würde niemand der noch bei klarem Verstand ist, die Taschenlampe ausschalten, wenn es die Situation nicht unbedingt erfordert und drittens ist es total widersinnig, mit weniger Licht Sachen finden zu können, die ansonsten unsichtbar sind, schließlich benutzt man die Taschenlampe ja gerade dazu, um besser Details entdecken zu können! Ähnlich sieht es bei den Passwörtern an sich aus: Auch deren Verstecke sind äußerst einfallsreich und auch hier findet man einige lediglich bei ausgeschalteter Lampe.
    Wurde nun ein Passwort mit den dazugehörigen Tasten gefunden, gibt es ein weiteres Problem: Die Codes müssen von Hand abgeschrieben werden, denn zwar können mit dem Handy Fotos geschossen werden, diese lassen sich allerdings lediglich an die Wii-Pinwand schicken und stehen leider nicht bei der Eingabe der Passwörter zur Verfügung. Hinzu kommt noch, dass es sich bei den Symbolen um japanische Schriftzeichen handelt (unnützes Otaku-Wissen am Rande: Die Zeichen stehen für chinesische Tierkreiszeichen), für einen Nicht-Asiaten also schon eine gewisse Herausforderung, sowas abzuzeichnen.
    Hat man es allerdings mal geschafft, einen Code korrekt einzugeben, werden nette Bonusbilder wie Artworks oder Hintergrundinformationen zu diversen Charakteren freigeschaltet.
    Als nächstes hätten wir den Spielaufbau an sich. Hier möchte ich nicht zu viel verraten, da ich die Grundidee ziemlich gut finde, wobei ich aber an der Umsetzung zu meckern habe.
    Wie oben erwähnt ist Calling in Kapitel unterteilt. Allerdings bekommt man manche nur zu Gesicht, wenn andere Kapitel bereits zum zweiten mal durchgespielt worden sind! Als Entschädigung dafür hat das Spiel unterschiedliche Enden.
    Kommen wir nochmal zu den Charakteren: Klar würde jeder normale Mensch eher Weglaufen, als dem unheimlichen Geräusch auf den Grund zu gehen, was so unheilvoll in der dunkelsten Ecke aufgeklungen ist... Doch genau wie in den Filmen sind auch Spielcharaktere oftmals mutiger als gewöhnliche Menschen, doch zumindest drei unserer vier Helden haben schon fast ein wenig zu viel Selbstbeherrschung. Ein "ACH DU HEILIGE SCH... DA SIND VERDAMMTE GEISTER UND SIE VERSUCHEN MICH UMZUBRIGEN!", wäre wohl doch angebrachter als "Oh, was war das denn grade? War das ein Geist? Dem sollte ich mal nachgehen...". Da ist dieser Feigling Shin ja schon fast der menschlichste Charakter...
    Nun zu den Filmvorlagen, auf denen Calling offensichtlich basiert: Das soll nun keine Kritik im eigentlichen Sinne sein, dennoch ist es schon interessant, von welchen Quellen einige Elemente des Spiels... sagen wir mal inspiriert worden sind.
    Zunächst einmal wollte ich noch klarstellen, dass das Spiel, auch wenn es den Anschein hat, kaum etwas mit den The Ring-Filmen zu tun hat. Dafür gab es die schwarte Katze auch in Ju-On und die Haare, welche aus der Wand wachsen, beispielsweise oder vielleicht vor allem in Ju-On 2. In The Call spielten ebenfalls Handys und deren verhängnisvolle Nachrichten eine große Rolle. Weiterhin erinnern die Puppen des Puppenmachers und auch die Geisterhände stark an diverse Szenen des vierteiligen Horror-Anime-OVAs Kikoushi Enma. Bei den Filmen sei noch erwähnt, dass hier die (asiatischen) Originalversionen gemeint sind und nicht die teilweise deutlich unterschiedliche Remake-Fassungen.
    Zuletzt muss ich dennoch wieder auf die Syncronisation zu Sprechen kommen:
    Auch wenn die deutsche Sprachausgabe gut gemeint sein mag, tut euch selbst einen Gefallen und schaltet auf Japanisch mit deutschen Untertiteln. Da viele Gespräche ohnehin nicht syncronisiert wurden, also nur als Text zum Mitlesen bestehen, machen die zu lesenden Untertitel den Kohl auch nicht mehr fett. Dafür wird die Atmosphere durch die japanischen Stimmen schon fast um ein Vielfaches aufgewertet!
    Kommen wir nun also zum wohl stärksten Punkt des Spiels: Die Atmosphere.
    Calling ist kein Spiel, was man Zwischendurch mal reinlegen kann. Die beste Stimmung kommt natürlich nachts auf, mit zugezogenen Jalousien, wenig Licht und möglichst alleine...
    "Allein" ist hier auch das Stichwort, denn stets begleitet dem Spieler das bedrückende Gefühl, auf sich allein gestellt und den Gefahren hilflos ausgeliefert zu sein.
    Zwar begegnet man hin und wieder auch andere, lebende, Charaktere, doch das Isolationsgefühl kommt wirklich gut rüber.
    Auch die, wie gesagt, eigentlich recht normalen Orte (auch wenn die japanischen Toiletten hierzulande wohl etwas exotisch wirken...) tragen zur gruseligen Stimmung bei, denn eine verlassene Schule oder ein Krankenhaus im Dunkeln haben ihre ganz eigene, morbide Atmosphere.
    Die Krönung des ganzen sind allerdings die Schockmomente, welche oftmals nicht schnell nacheinander kommen, sondern den Spieler zunächst in Sicherheit wiegen um ihn dann völlig unvorbereitet zu treffen! Plötzlich direkt vor den Augen des Charakters auftauchende Gesichter oder ohne Vorwarnung herunterfallende Objekte sind nur einige Situationen, bei denen einem das Herz schonmal in die Hose rutschen kann. Das wirklich Schlimme dabei ist allerdings, dass man zu keiner Zeit im Spiel sicher vor diesen Horroreffekten ist, denn neben den vorprogrammierten Events, welche in den jeweiligen Situationen ausgelöst werden, gibt es noch eine ganze Menge zufälliger Effekte, die praktisch unberechenbar in Kraft treten, sei es bei zu schnellem Umdrehen, Sprinteinlagen, wenn man zu viel Zeit im Menü verbringt oder einfach gar nichts macht. Dabei kommen die Schocks zwar nicht unbedingt selten vor, dennoch ist stets genug Zeit zwischen ihnen, damit sich der Spieler ja nicht an sie gewöhnen kann...
    Wurden bestimmte Ziele erfüllt oder Events ausgelöst, tauchen auf der Wii-Pinwand plötzlich merkwürdige Fotos oder Nachrichten auf, auch hier wurde ein Feature der Wii richtig gut ins Spiel integriert.
    Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Hilflosigkeit der Charaktere. Der gestandene Mann Makoto kann sich ebensowenig wehren wie die alte Chiyo.
    Auch wenn man sich mit Makoto, dessen Horrorleiste nicht ganz so schnell ausschlägt wie die der anderen, Anfangs noch recht sicher fühlt, wird dieser Gedanke recht schnell zerstört, denn gerade seine Kapitel warten mit besonders fiesen Geistern und extremen Schockeffekten auf.
    Einerseits bringt der Mangel an Waffen natürlich einen weiteren Schub Spielintensität mit sich, auf der anderen Seite hat es natürlich zur Folge, dass die Begegnungen mit Geistern weitestgehend gleich ablaufen.
    Darüber hinaus sind die, zwar nicht gerade zahlreichen, Rätseleinlagen gut gelungen. Mal muss der Code eines Reisekoffers geknackt, an anderer Stelle ein Puzzle gelöst werden. Bei vielen Rätseln liegt die Lösung recht nahe, einige wiederum erforden schon gründlicheres Nachdenken oder das Durchstöbern der gesammelten Hinweise.
    Viele Szenen, Objekte und sogar Gegner sind optional, müssen also nicht unbedingt gefunden werden, um im Spiel weiterzukommen. Außerdem ist es, auch bei gründlicher Suche fast unmöglich, beim ersten Durchspielen alle Geheimnisse zu entdecken, wodurch der Wiederspielwert recht hoch ist.
    Desweiteren gibt es viele kleine Details, die das Gesamtbild noch weiter abrunden, beispielsweise sind die Charaktere unteschiedlich groß, so dass, trotz Ego-Perspektive, die selben Orte oftmals aus mehreren, leicht unterschiedlichen, Blickwinkeln betrachtet werden können.

    Fazit

    Für diese Art Spiele wurde die Wii geschaffen: Calling nutzt quasi sämtliche Wii-Features und schafft es, diese sinnvoll ins Spiel einzubinden, ohne dass sie aufgesetzt wirken.
    Auch wenn das Spiel bei weitem nicht perfekt ist, ist es ein großer Schritt in die richtige Richtung und ich hoffe sehr, dass weitere Spiele dieser Art produziert werden!
    Für Fans von asiatischen Horrorfilmen ist es schon fast ein Pflichtkauf, doch auch andere Spieler, die dem Horrorgenre nicht ganz abgeneigt sind, sollten einen Blick riskieren.
    Wer mit der recht veralteten Grafik leben kann, dem wird hier ein äußerst unterhaltsames, nicht alltägliches Horrospiel der besonderen Art geboten. Eine vergleichbar stimmige Atmosphere gibt es allenfalls in den Silent Hill-Spielen. Auch Sammelfreudige kommen dank zahlreicher freischaltbarer Bonus-Features auf ihre Kosten.

    Negative Aspekte:
    keine Waffen, veraltete Grafik, miese deutsche Syncronisation, teilweise Orte zu ähnlich, gewöhnungsbedürftige Steuerung, zu einfach

    Positive Aspekte:
    keine Waffen, hervorragende Atmosphere, gute Einbindung der Wii-Features, viel zu Entdecken, interessante Charaktere, krasse Schockmomente, gute japanische Syncronisation

    Infos zur Spielzeit:
    DarkEnel hat sich 20-100 Stunden mit diesem Spiel beschäftigt.

    Calling

    Spielspaß
    Gesamtwertung
    Wertung von: DarkEnel
    8.1
    Multiplayer
    -
    Grafik
    4/10
    Steuerung
    8/10
    Sound
    7/10
    Gameplay
    8/10
    GameZone
    Spielspaß-Wertung
    5.2/10
    Leserwertung:
     
    Meine Wertung
  • Calling
    Calling
    Developer
    Hudson Soft
    Release
    18.03.2010
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http://www.gamezone.de/Calling-Spiel-19635/Lesertests/Calling-Allein-in-der-Dunkelheit-Leser-Test-von-DarkEnel-1011461/
05.07.2010
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