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Civilization 4: Warlords (PC)

Release:
28.07.2006
Genre:
Strategie
Publisher:
Take-Two Interactive
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Civilization 4: Warlords im Gamezone-Test

08.08.2006 11:26 Uhr
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Neu
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Die Warlords kommen mit vielen neuen Features daher aber keinen richtigen Neuerungen beim grundlegenden Gameplay.

Die neueste Auflage von Sid Meiers Meisterwerk Civilization bekommt nach einem dreiviertel Jahr seine endlich erste Erweiterung. Sid Meier's Civilization IV - Warlords erfüllt dabei gleich zwei Aufgaben, zum einen werden nun zahlreiche Features nachgereicht, die bereits im Hauptspiel enthalten hätten sein sollen, zum anderen wird versucht die militärische Auseinandersetzungen zu verbessern und spannender zu gestalten. Außerdem ist natürlich auch Patch 1.61 enthalten, der zumindest bis zu einem gewissen Grad den Kampf gegen die zahlreichen Bugs und Memory Leaks erfolgreich führt. Für all diejenigen, die gleich wissen wollen, ob sich die Anschaffung lohnt, greife ich gleich mal voraus. Sid Meier's Civilization IV - Warlords ist für einen Fan des Spiel ein Pflichtkauf. Das Spiel wird durch die Neuerungen eindeutig verbessert. Für Gelegenheitszocker sieht die Sache etwas anders aus, denn das Preis/Leistungsverhältnis ist meiner Meinung nach sehr bescheiden, dazu werde ich mich aber noch äußern.

Civilization 4: Warlords Civilization 4: Warlords [Quelle: ] Fangen wir also mit den Neuerungen an. Ich persönlich finde es sehr schön, daß jetzt endlich auch mal die richtigen Systemanforderungen auf der Verpackung und im Handbuch stehen. Da kommt man sich nicht mehr so verhohnepiepelt vor. Die wichtigste Neuerung ist die Rückkehr (man achte darauf, daß diese Formulierung noch öfter auftauchen wird) des Generals. Diese Einheit kennen wir ja bereits aus Teil III. Der General wird hier aber anders als zuvor geschaffen. Diesmal muß man nicht irgendeine Einheit auf ein bestimmtes Level an Erfahrung bringen, sondern wir finden im Bildschirm des Militärberaters eine Kampferfahrungsanzeige. Ist diese voll, erhalten wir in einer Stadt den Großen General. Genauso wie bei den anderen Persönlichkeiten, wird es immer aufwendiger diese zu erhalten. Auch die Fähigkeiten des Generals sind sehr ähnlich. So kann ein General geopfert werden, um eine Militärakademie zu bauen. Die Stadt, in der diese errichtet wird, erhält fortan ein 25% Produktionsbonus auf militärische Einheiten. Man kann die Figur aber auch einfach nur als Militärausbilder ansiedeln, dann erhält jede produzierte Einheit 2 Erfahrungspunkte. Die dritte Möglichkeit einen General einzusetzen ist der Einsatz als Kriegsherr (Warlord). Dazu muß man den General mit anderen Truppen vereinigen. Diese erhalten 20 Erfahrungspunkte und genießen einige interessante Vorteile. Wichtigster Vorteil ist die freie Modernisierung. Die betroffene Einheit kann man gratis weiterentwickeln und behält dabei ihre bisher erworbene Erfahrung. Außerdem sind nun bestimmte Beförderungen möglich, wie zum Beispiel Kampf IV. Das Feature ist wirklich nicht neu, aber dafür in geeigneter Weise in das bisherige Spiel eingepflegt worden und sorgt für neue strategische Möglichkeiten. Leider haben die Entwickler es aber versäumt der Figur wirklichen taktischen Wert zu geben. Wozu hat man einen General als Kriegsherrn, wenn dieser seine Truppen nicht kommandiert. Eine wirkliche Bereicherung wäre es gewesen, wenn man nun mit seinem Truppenverband geschlossen agieren kann, also zum Beispiel die Fähigkeiten eines Bogenschützens mit denen des Axtkämpfers hätte kombinieren können. Hier hat man es wieder einmal versäumt eine der wunderbaren Lösungen aus richtigen Konfliktsimulationen einzubauen.

Civilization 4: Warlords Civilization 4: Warlords [Quelle: ] Warum soll man überhaupt kämpfen? Verteidigung ist und bleibt auch bei Sid Meier's Civilization IV - Warlords die beste Strategie. Es hat sich noch nie wirklich gelohnt Kriege zu führen, es sei denn, man rückt mit starken mechanisierten Verbänden gegen Schwertkämpfer an. Die Kosten militärischer Auseinandersetzungen sind viel zu hoch, um auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden. Zumindest ein Entwickler bei Firaxis scheint diese Tatsche endlich bemerkt zu haben. Die einzig wirklich wichtige Verbesserung des Gameplays wurde nämlich im Rahmen der Diplomatie erarbeitet. Das neue Feature nennt sich ganz simpel Vasallenstaat. Es war mein lange gehegter Wunsch, endlich nicht mehr gegen Ende des Spiels, die diversen Winzstaaten einzeln vernichten zu müssen. Jetzt kann ich sie endlich unter meine weise Führung bringen. Mit der Erforschung der Feudalherrschaft wird nun diese neue Diplomatieoption verfügbar gemacht. Man kann auf zwei Arten eine andere Zivilisation zum Vasallen machen. In Friedenszeiten wird ein Vertrag geschlossen, der sich leider kündigen läßt, im Kriegszustand kann die Unterwerfung eine Friedenskondition sein, die sich nicht so ohne weiteres auflösen läßt. Man hat als Hegemon Zugriff auf alle Ressourcen und erhält die Hälfte der Siegpunkte des Vasallen. Der Preis dafür erscheint hoch, ist er aber nicht wirklich, denn man muß zwar für die eigenen Städte höhere Leistungen aufbringen, dies spielt aber bei einer wirtschaftlich starken Zivilisation gegen Ende des Spiels sowieso keine Rolle mehr. Endlich ein wirklich nützliches Feature. Allein deswegen halte ich Sid Meier's Civilization IV - Warlords nicht nur für einen bloßen "full-price patch".

Civilization 4: Warlords Civilization 4: Warlords [Quelle: ] Der Rest der Ergänzungen hat entweder eher den Charakter eines Déja Vus oder aber sind ziemlich unspannende Features. Anstatt im Hauptprogramm alle bekannten und ausgearbeiteten Zivilisationen anzubieten, mußten sich Civilization Veteranen ärgern, daß nur eine handvoll Nationen zur Auswahl standen. In Sid Meier's Civilization IV - Warlords sollen wir uns nun über die Rückkehr von sechs bekannten Zivilisationen freuen. Karthago, das Keltenreich, Korea, das Osmanische Reich, die Wikinger und die Zulu machen mit einem dreiviertel Jahr Verspätung ihre Aufwartung. Sie erhalten natürlich alle ihre eigenen Herrscher, die wir auch schon mal gesehen haben. Zusätzlich wurden vier weitere Herrscher für bereits vorhandene Zivilisationen hinzugefügt. Hier spürt man wieder einmal deutlich, wie beschränkt gebildet anscheinend gewisse Entwickler sind. Josef Stalin, die eindeutige Nummer Zwei der Schlächter des zwanzigsten Jahrhunderts wird auf die armen Russen losgelassen. Gibt es keine anderen Alternativen zu diesem Unmensch? Mir fallen auf Anhieb Peter der Große, Michail Gorbatschow, Alexander III. oder auch Iwan der Schreckliche ein. Auch die Chinesen leiden weiterhin unter dem Schlächter Numero Uno Mao Tsedong. Take 2 Interactive sollte als Publisher vielleicht einmal darüber nachdenken, welche historische Persönlichkeiten sie verwursten. Winston Churchill, Augustus Octavian Caesar und Ramses II. (soll ich das als Bestechung auffassen?) gehen in Ordnung, wobei sich die Frage stellt, ob man für Hadrian, Richard II. Friedrich Barbarossa, Karl IV, Karl V. und Tamerlan dann wiederum dreißig Euro ausgeben soll? Anscheinend ist es Firaxis schon selber peinlich für das Wenige auch noch Geld zu verlangen, denn immerhin hat man ein wenig am großen Gameplay-Rad gedreht und zwei neue Eigenschaften für die Herrscher eingeführt. Charismatische und schützende Herrscher klingen schon mal nicht schlecht. Was hat es aber damit auf sich? Charismatisch bringt uns +1 auf die Zufriedenheit unserer Städte, sowie pro Monument oder Funkturm ein weiteres +1. Schützend sorgt für die freie Beförderung Drill I und die doppelte Produktionsgeschwindigkeit für Stadtmauern und Schlösser. Der große Wurf ist das in jedem Fall nicht, aber immerhin ein netter Versuch. Um die fehlenden Neuerungen etwas zu kaschieren hat man zudem sämtliche Zivilisationen überarbeitet und ihnen jeweils bestimmte einzigartige Gebäude zugewiesen. Die Amerikaner gehen nicht in den Supermarkt wie gewöhnliche Menschen, sondern in das Einkaufszentrum und die Araber haben keine Bibliotheken sondern Madrassen, damit die Kinder auch ja das richtige lesen. Es ist halt "a bisserl" Umetikettierung, mehr nicht, gibt dem ganzen aber immerhin einen etwas durchdachteren Schein.

Civilization 4: Warlords Civilization 4: Warlords [Quelle: ] Die neuen Zivilisationen haben natürlich auch ihre typischen Einheiten bekommen. Numidische Kavallerie für Karthago, Gallische Krieger für das Keltenreich, das Hwach'a für die Koreaner, die Janitscharen stürmen für die Hohe Pforte, die Berserker aus Skandinavier erfreuen sich am Pilztee und die Impi versetzen Afrika in Angst und Schrecken. Der Tribok und die Triere stehen dagegen allen zur Verfügung. Genauso verhält es sich mit der Stallung, einer Zusatzkaserne für berittene Einheiten und das Monument. Die Große Mauer kehrt genauso wie der Artemis Tempel zurück. Die Darstellung der Großen Mauer auf der Karte macht sich aber wirklich gut und ist ein wirklich prima Schutz vor den nervigen Barbaren. Ein wirklich "neues" Wunder dagegen soll die Universität von Sankore sein. Für die acht neuen Szenarios (wer spielt die eigentlich?) kommen natürlich noch weitere spezielle Einheiten hinzu. Die Szenarios selber sind recht ordentlich gestaltet und reichen von der Einigung Chinas über den Aufstieg Roms bis zu Dschingis Khan und seiner Horde. Leider kann keines der Szenarien wirklich überzeugen. Sie sind zwar nett aufbereitet, lassen aber jegliche Tiefe, der wichtigste Aspekt bei strategischen Szenarien, vermissen. Wer gerne historische Konflikte nachspielen möchte ist mit anderen Spielen einfach besser bedient.

   
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Das Gefühl, daß man woanders besser bedient sein könnte, ist bei Sid Meier's Civilization IV - Warlords wirklich vorherrschend. Ich weiß nicht, was man sich bei Firaxis denkt. Wenn ein Spieler auf historische Schlachten steht, dann ist Civilization noch nie das Produkt gewesen, zu dem man gegriffen hat. Es gibt zum Glück einfach bessere Konfliktsimulationen, die auch den Ansprüchen genügen. Wer spielt denn bitte diese Scheinszenarien? Ich jedenfalls nicht, wenn ich den Aufstieg Chinas nachkämpfen will, greife ich zu gewissen Produkten aus dem Hause Koei und wenn es das Altertum betrifft gab es in letzter Zeit einige Spiele, die da wesentlich interessanter wären. Civilization zieht seine magische Faszination aus dem unglaublichen Handlungsspektrum, das dem Spieler zur Verfügung steht. Erweiterungen des Spiels sollten sich also grundsätzlich darauf konzentrieren, diese Handlungsmöglichkeiten zu erweitern und zu verfeinern Trotzdem kann man an Sid Meier's Civilization IV - Warlords viele interessante Verbesserungen finden, der Vasallenstaat gibt dem Gameplay eine neue Richtung und auch der General ist sicherlich ein zwar bekanntes aber dennoch belebendes Feature. Leider wurde wiederum versäumt die Kernfeatures weiterzuentwickeln, die Religion ist weiterhin lediglich ein Kulturbooster und der Handel und die Rohstoffe sind im noch auf Kindergartenniveau. Wenn hier endlich einmal etwas geschehen würde, dann würden 30 Euro für ein bißchen Patch nicht derart negativ auffallen. Für Fans des Spiels besteht ohnehin Kaufpflicht und diejenigen, die mit langweiligen Simpelszenarien zufrieden sind, die werden auch damit glücklich. Aber jeder andere sollte sich genau überlegen, ob er wirklich sein Geld für ein paar kosmetische Korrekturen ausgeben will.
   
Civilization 4: Warlords (PC)
Singleplayer-Wertung

7,8 /10
Leserwertung
(8 Votes):
7,7
Multiplayer
Grafik
Sound
Steuerung
Gameplay
-
7/10
7/10
6/10
8/10
zahlreiche neue Features
keine Weiterentwicklung der Kernfeatures
spannendere Scharmützel
der Vasallenstaat
Erfahrener Benutzer
Moderation
08.08.2006 11:26 Uhr
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