Games World
Login Registrieren
Möchtest du diese Seite als Startseite festlegen?
als Startseite festgelegt.
    Möchtest du diese Seite als Startseite festlegen?
    Mobile als Startseite festgelegt.
    Login Registrieren
  • Civilization: Umständliches Suchtspiel - Leser-Test von Corlagon

    Sid Meier's Civilization gilt als eines der bedeutendsten Strategiespiele überhaupt. Anscheinend hatte sich Meier von einem Brettspiel gleichen Namens inspirieren lassen, jedenfalls besorgte sein damaliges Unternehmen Microprose sich extra eine Lizenz von dessen US-Vertrieb Avalon Hill, was später zu Rechtsstreitigkeiten führte. "Civ" erschien zunächst 1991 für DOS-PCs, in den folgenden Jahren kamen dann Umsetzungen für Amiga, PC-98, Atari ST, Macintosh, Windows und Super NES und dann noch eine leicht erweiterte Windows-Fassung namens Civ Net, die in erster Linie Mehrspielerfunktionen nachreichte. Im Folgenden befasse ich mich mit der SNES-Version, genauer gesagt der amerikanischen; eine europäische kann ich nicht bestätigen.

    Story: Vor langer Zeit bestand die Menschheit aus vielen primitiven Stämmen. Da erschien eine Göttin und lehrte einen dieser Stämme, wie man Bewässerungsanlagen, Straßen und Bergwerke errichtete, auf daß die Zivilisation die Erde überziehen möge. Wie sich schon noch herausstellen wird, seid Ihr aber auch mit potentiellen Rivalen gesegnet worden. Die Story ist überhaupt einer von mehreren Gründen, warum ich vermute, daß diese Version des Spiels in Japan entwickelt worden ist, denn an eine Göttin unter DOS kann ich mich nicht erinnern ...

    Civ ist das wohl bekannteste 4X- oder Globalstrategiespiel, in dem Ihr rundenbasiert eine Zivilisation aufbaut. Ihr startet im Jahr 4000 v. Chr. irgendwo auf der (standardmäßig zufallsgenerierten) Karte, gründet Eure erste Stadt und versucht im Laufe der Jahrtausende ein Weltreich aufzubauen. Dazu erforscht Ihr zahlreiche Technologien, gründet neue Städte und baut die alten aus und versucht, die Bevölkerung glücklich zu machen. Dabei kommen Euch zwei bis sechs weitere Zivilisationen und diverse Barbaren in die Quere.

    Zum Kampf, aber überhaupt auch erst einmal zur Erkundung der Welt könnt Ihr in den Städten verschiedene Einheiten "bauen". Durch Forschung steht Euch im Laufe der Zeit immer besseres Militär zur Verfügung, zunächst nur Landeinheiten, später aber auch Schiffe, mit denen Ihr sie auf andere Inseln und Kontinente transportieren könnt, und schließlich Flugzeuge (nur für den Kampf). Hinzu kommen noch einige wenige Spezialeinheiten, darunter Siedler, mit denen Ihr weitere Städte gründet und Terrain verbessert, oder Diplomaten, die Botschaften im Ausland einrichten und mit genügend Geldmitteln auch z. B. Einheiten bestechen, Technologien stehlen oder Produktion sabotieren können.

    Die Stadtbevölkerung bearbeitet das umliegende Terrain, um Rohstoffe zu gewinnen. Wiesengebiete produzieren die meisten Nahrungsmittel, und Siedler können durch Bewässerungsanlagen noch mehr herausholen, denn nur wenn Nahrung im Überfluß vorhanden ist, wächst die Stadt. Aber auch für eine ordentliche Produktion muß gesorgt werden, um Bauvorhaben möglichst schnell fertigzustellen und bereits vorhandene Einheiten zu unterhalten; hierfür sind Hügel und Gebirge nützlich, in denen dann Bergwerke angelegt werden können. Sümpfe und Dschungel bringen dagegen eher geringe Erträge, können aber auch in bessere Landschaften umgewandelt werden. Straßen und später Eisenbahnen erleichtern die Fortbewegung der Einheiten deutlich und können je nach Terrain auch für Handel sorgen bzw. potentiell alle Erträge verbessern; der Handel wird dann gemäß den eingestellten Steuersätzen in Geld, Luxus und Forschung aufgeteilt. Geld wird zum Unterhalt von Gebäuden benötigt, kann aber auch zur Beschleunigung der Produktion und zur Interaktion mit anderen Völkern nützlich sein. Forschung ist zur Entwicklung neuer Technologien nötig, und Luxusgüter machen die Bevölkerung glücklich - ein Weg, um die in großen Städten obligatorische Unzufriedenheit auszugleichen (andernfalls kommt es zu Unruhen, durch die Produktion und Einkommen aussetzen).

    Neben Einheiten könnt Ihr in Euren Städten auch verschiedene Gebäude errichten (wenn Ihr bereits über die zugehörigen Technologien verfügt). Die Effekte sind ganz unterschiedlich: Stadtmauern helfen bei der Verteidigung, Universitäten erhöhen die Forschung, Fabriken erhöhen die Produktion und Kathedralen stellen die Bevölkerung zufrieden. Später im Spiel, wenn Einwohnerzahl und Produktion deutlich gestiegen sind, kann allerdings Umweltverschmutzung in angrenzenden Feldern auftreten, die die Erträge verringert, bis sie von Siedlern gereinigt worden ist (im Extremfall kann es sogar zur globalen Erwärmung kommen); spezielle Gebäude wie Recyclingzentren verringern die Wahrscheinlichkeit wieder, müssen aber auch erst einmal erfunden werden. Jedenfalls sollte es so sein, auf dem SNES ist mir zwar potentielle Verschmutzung angezeigt worden, daran, daß tatsächlich mal welche aufgetreten wäre kann ich mich allerdings nicht erinnern. Besondere Gebäude sind die 21 Weltwunder, die nur jeweils einmal gebaut werden können und dann ganz besondere Effekte mit sich bringen. Beispiele: Die Hängenden Gärten machen in jeder Stadt einen Einwohner glücklich, Michelangelos Kapelle verstärkt im ganzen Reich die Kathedralen und Darwins Reise bringt kostenlose Technologien. Paßt also auf, daß andere Zivilisationen sie Euch nicht wegschnappen.

    Fleißiges Erforschen von Technologien ermöglicht den Bau neuer Gebäude, Einheiten und Weltwunder sowie noch ein paar andere Dinge. Geht es am Anfang noch um ein Alphabet, das Rad oder das Baugewerbe, könnt Ihr später zum Beispiel die Eisenbahn, den Kommunismus oder die Robotik entwickeln. Das Militär verändert sich entsprechend: Von einfachen Katapulten und Streitwagen über Fregatten und Musketiere bis hin zu Panzern und Bombern. Sogar Kernwaffen sind möglich, mit besonders verheerendem Effekt. Ärgerlicherweise gibt es keine Möglichkeit, veraltete Einheiten zu stärkeren aufzurüsten.
    Die Werte der verschiedenen Einheiten beschränken sich auf Angriff, Verteidigung und Bewegungsgeschwindigkeit - im Kampf werden einfach Angriff und Verteidigung verglichen und dann zufällig bestimmt, welcher der beiden Trupps vernichtet wird, was zu berüchtigten Situationen führen kann, in denen Phalangen gegen Kriegsschiffe gewinnen, die aber natürlich äußerst selten sind.

    Wer will, kann auch friedlich spielen - sollte aber auch dann nicht auf eine ordentliche Verteidigungsarmee verzichten, und das nicht nur wegen aus dem Nichts auftauchender Barbaren, denn die computergesteuerten Völker sind mitunter ebenfalls recht aggressiv, oder zumindest neidisch, wenn Ihr ihnen überlegen seid. Das Diplomatiesystem ist noch relativ simpel und beschränkt sich auf Krieg und Frieden, auch wenn bereits Technologieaustausch und Tributforderungen möglich sind. Ärgerlicherweise können die anderen einfach ihre Einheiten auf Feldern vor eigenen Städten befestigen, sofern diese noch nicht bearbeitet worden sind, ohne daß das als kriegerische Handlung gilt, oder da, wo sie vor Friedensschluß hingezogen waren, bleiben.

    Auch unterschiedliche Staatsformen werden im Laufe der Zeit erforscht. Der anfängliche Despotismus bringt einen Ertragsmalus mit sich, während alle höhere Staatsformen deutlich mehr Unterhalt für Einheiten aufwenden müssen - in Civ 2 ist das besser ausgewogen. Führt Ihr etwa die Demokratie ein, sind Angriffskriege von vornherein verboten, dafür könnt Ihr vom verstärkten Handel profitieren.

    Die 14 verfügbaren Völker sind realen nachempfunden - es gibt die Babylonier, Römer, Azteken, und viele mehr, allerdings macht Eure Wahl kaum einen spielerischen Unterschied. Am auffälligsten dürften noch ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten sein, die jedoch nicht bei Euch selbst, sondern nur bei den Computerspielern zur Geltung kommt. Auch die Herrscher sind historische Persönlichkeiten wie Elizabeth I. oder Mohandas Gandhi und gehen etwas in Richtung Karikatur.

    Gewinnen könnt Ihr das Spiel letztendlich auf zwei Arten: Baut ein Raumschiff und besiedelt Alpha Centauri, oder erobert einfach die Erde. Danach, oder bei Ablauf des Zeitlimits im 21. Jahrhundert wird Euer Spiel bewertet (es existiert eine Art High-Score-Tabelle), und wenn Euch trotz der diversen kleinen Makel die Sucht gepackt hat, beginnt Ihr einfach auf einer neuen Welt eine neue Partie. Fünf Schwierigkeitsstufen sind vorhanden, die höheren versprechen auch bessere Wertungen. Wie schon angedeutet ist das Spiel auf zufällige Welten ausgelegt; auf Wunsch lassen sich einige Parameter wie Klima und Größe der Kontinente vorgeben. Wer will, kann aber auch auf der realen Erde spielen, vorgegebene Startpositionen inklusive - was aber nicht gerade in einer ausgewogenen Partie resultiert: In Europa starten mehrere Völker auf (in Anbetracht der geringen Auflösung) viel zu engem Raum, Engländer und Japaner sogar auf kleinen Inseln, während auf dem ganzen amerikanischen Doppelkontinent maximal zwei Zivilisationen zu finden sind und entsprechend viel Ruhe haben.

    Die Steuerung mit dem SNES-Joypad erweist sich als problematisch. Man hat sich dafür entschieden, den Cursor beizubehalten, der mit dem Steuerkreuz dann doch deutlich langsamer bewegt wird als mit der Maus. Klickt man mit dem A-Knopf auf ein freies Feld, öffnet sich ein allgemeines Menü, klickt man auf eine Stadt, kann man sich mit dieser befassen, klickt man auf eine Einheit, öffnet sich für diese ein Befehlsmenü, wählt Ihr dann das Kommando zum Bewegen, könnt Ihr noch einmal per Steuerkreuz die Richtung einstellen - klingt umständlich, ist es auch, abgesehen davon, daß sich ggf. mehrere Züge in Folge machen lassen und der Bewegungsbefehl auch direkt mit Y abgekürzt werden kann - letzteres aber seltsamerweise nicht, wenn sich die Einheit in einer Stadt befindet, obwohl gerade dann wegen dem zweiten Menü noch ein weiterer Zwischenschritt erforderlich ist. L und R scheinen ungenutzt zu bleiben, obwohl man die Bedienung auch mit ihnen hätte beschleunigen können.
    Nun unterstützt zwar auch die SNES-Version eine Maus, allerdings nur als Alternative zum Pad statt als Zusatz, so daß zwar die Menüführung vereinfacht, die Bewegung der Einheiten jedoch um so schwieriger wird, da man nun auf Pfeile klicken muß, die kleiner als der Cursor sind, was leicht danebengeht. Zudem springt der Cursor gerne von selbst an eine bestimmte Stelle, z. B. beim Aufruf des Produktionsbildschirms auf den Ändern-Knopf, was die Bedienung per Joypad beschleunigen mag, vor allem bei Maussteuerung aber erst einmal ordentlich irritiert. Zum Vergleich: Windows enthält so eine Funktion ebenfalls, wo sie aber explizit aktiviert werden muß, beim SNES-Civ hingegen ist sie Pflicht.

    Auch die spielinterne Civilopädie sei noch erwähnt, eine willkommene Online-Hilfe, in der sich etwa die Eigenschaften der möglichen Bauvorhaben und des Terrains einsehen lassen - im Vergleich zum Original sind auf der Konsole aber auch nur Auszüge übriggeblieben, so vermißt man eine Beschreibung der Staatsformen, und was man von einer bestimmten Technologie hat, erfährt man auch erst, wenn man sie erforscht hat.
    Die Graphik erscheint noch etwas primitiv, das mag teilweise eine Frage der Gewohnheit sein, mindestens die Einheiten sind eigentlich nur abstrakte Kästchen mit statischen Bildchen drauf. Die SNES-Version bietet uns fast permanent Hintergrundmusik, die aber auf Dauer eher nervt. Da der Speicherplatz Anfang der 90er wohl sehr begrenzt war, kann hier leider nur eine einzige Partie gespeichert werden.

    Gesamturteil: Das allererste Sid Meier's Civilization unterscheidet sich nicht allzu stark von seinen Nachfolgern und ist bereits das allseits beliebte Suchtspiel, wirkt allerdings vergleichsweise unausgereift, weswegen ich aus heutiger Sicht eigentlich keine Empfehlung mehr dafür aussprechen kann, abgesehen davon, daß es auf dem Super NES der einzige Teil der Serie ist. Gerade diese Konsolenversion leidet aber auch sehr unter der Steuerung - noch umständlicher als nötig -, die selbst dann noch stört, wenn man sich längst an sie gewöhnt hat.

    Negative Aspekte:
    umständliche Steuerung, unausgereift im Vergleich zu den Nachfolgern, nur ein Spielstand kann gespeichert werden, Musik eher nervig

    Positive Aspekte:
    aufwendiges Suchtspiel

    Infos zur Spielzeit:
    Corlagon hat sich 20-100 Stunden mit diesem Spiel beschäftigt.

    Civilization

    Spielspaß
    Gesamtwertung
    Wertung von: Corlagon
    8.3
    Multiplayer
    -
    Grafik
    6/10
    Steuerung
    5/10
    Sound
    5/10
    Gameplay
    8/10
    GameZone
    Spielspaß-Wertung
    -
    Leserwertung:
     
    Meine Wertung
  • Civilization
    Civilization
    Publisher
    Microprose
    Developer
    Microprose
    Release
    07.10.1994

    Aktuelles zu Civilization

    Aktuelle Strategie-Spiele Releases

    Cover Packshot von Themepark Release: Themepark Ocean Software Limited , Bullfrog
    Cover Packshot von Populous Release: Populous Imagineer , Bullfrog
    • Es gibt 0 Kommentare zum Artikel

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 12/2016 PC Games Hardware 01/2017 PC Games MMore 01/2016 play³ 01/2017 Games Aktuell 12/2016 buffed 12/2016 XBG Games 11/2016 N-Zone 12/2016 WideScreen 12/2016 SpieleFilmeTechnik 12/2016
    PC Games 12/2016 PCGH Magazin 01/2017 PC Games MMORE Computec Kiosk On the Run! Birdies Run
article
1010814
Civilization
Civilization: Umständliches Suchtspiel - Leser-Test von Corlagon
http://www.gamezone.de/Civilization-Classic-20088/Lesertests/Civilization-Umstaendliches-Suchtspiel-Leser-Test-von-Corlagon-1010814/
09.08.2011
http://www.gamezone.de/screenshots/medium/2012/05/gamezone_1__0__1__2__3__4__5__6_.jpg
lesertests