Clustertruck im Test: Lkw-Wahnsinn mit treibendem Soundtrack - Mirror's Edge auf Speed, jetzt auch für Nintendo Switch
Test
Wir haben Clustertruck getestet: Ein irres Hüpfspiel von Indie-Entwickler Landfall Games, bei dem der Spieler in einem Affenzahn über die Dächer Hunderter durch die Landschaft brausender Lastwagen springt. Warum das für viel Spaß und wenig Frust sorgt, lest ihr im Review!
Manchmal sind die simpelsten Spielkonzepte die besten. In Clustertruck müsst ihr in der Ego-Perspektive von einem fahrenden Lkw zum nächsten hüpfen, bis ihr das Ziel erreicht. Wer unterwegs den Boden oder eins der vielen Hindernisse berührt, ist sofort tot. Diese simple Prämisse wird durch allerlei Hindernisse auf dem Weg und ein paar coole Kniffe angereichert, bleibt im Grundsatz aber in allen neun Spielwelten (Schnee, Mittelalter, Science-Fiction, Hölle und so weiter) immer gleich.
Am Ende jedes Levels wird abgerechnet, für Speedruns gibt es ebenso Extrapunkte wie für lange Flüge durch die Luft und coole Tricks. So könnt ihr etwa routinemäßig explodierende, durch die Luft wirbelnde Trucks als Sprungbretter nutzen. Mit ein wenig Geschick lauft ihr zudem an den Seiten der Fahrzeuge entlang. Das spielt sich wunderbar flüssig, die Steuerung geht sowohl mit Maus und Tastatur als auch Gamepad exzellent von der Hand.
Quelle: Landfall Games
Das Tempo in Clustertruck ist hoch, die Action absurd chaotisch.
Enttäuschend: Wichtige existenzielle Fragen wie Ursprung und Ziel der Lastwagen blendet Entwickler Landfall Games aus. Was sollen Fahranfänger bei deutschen Speditionen denken, die angesichts dieser Zurschaustellung aggressiven Straßenverhaltens glauben, ein derartig chaotischer Fahrstil sei normal und zwecks Einhaltung der Liefertermine von ihren Bossen erwünscht? Und wieso lernen die Clustertruck-Fahrer nicht aus ihren Fehlern, organisieren sich zum Streik, weigern sich, offensichtlich gefährliche Routen entlangzufahren? Eine Antwort bleibt Clustertruck schuldig. Schande!
Disclaimer: Bei der Entwicklung von Clustertruck kamen unseres Wissens nach keine echten Lkw(-Fahrer) zu Schaden.
Statt einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema steht der simple Spaß am Hüpfen im Vordergrund, 90 Levels lang. Einmal absolviert sind diese Hindernis-Parcours in rund vier Stunden; Clustertruck glänzt nicht eben mit Umfang. Allerdings locken Highscore-Listen zum erneuten Durchspielen, zumal ihr im Spielverlauf mit euren Punkten Belohnungen wie Jetpack oder Zeitlupenmodus freischaltet. Darüber hinaus gibt es einen komplexen Editor, mit dem User eigene Strecken erstellen. Sehr gut!
Quelle: Landfall Games
In seinen besten Momenten fühlt sich Clustertruck wie Mirror's Edge auf Speed an.
Der Schwierigkeitsgrad steigt in jeder der neun Welten des Spiels beständig an. Die haarsträubenden Hinderniskurse bringen einen regelmäßig an den Rand der Verzweiflung. Allerdings sind Fehler fast immer auf eigene Unzulänglichkeiten zurückzuführen. Nur ganz selten geht mal ein Sprung daneben, weil die unablässig über die Strecke rumpelnden Lkw zuvor zufällig ins Schlingern geraten sind. Doch selbst dann kommt nur vereinzelt Frust auf.
Ähnlich wie bei Hotline Miami oder dem Ego-Shooter Superhot genügt nämlich ein Tastendruck, um die oft nur wenige Sekunden langen Levels neu zu starten - ideal. Lediglich einige extrem knifflige Passagen gegen Ende verleiten zum Fluchen, weil sie nahezu unmenschliche Präzision erfordern. Der treibende, hervorragende Soundtrack motiviert aber zum Weiterspielen.
Clustertruck gibt es am PC für 15 Euro bei Steam oder - DRM-frei - auf GOG.com. Versionen für Playstation 4 und Xbox One stehen seit dem Release am 27. September 2016 in den jeweiligen Online-Stores zum Download bereit.
Update vom 23.03.2018:
Inzwischen steht Clustertruck auch für Nintendo Switch zum Download bereit, der Preis beträgt ebenfalls 15 Euro. Im Test hat Clustertruck für die Nintendo-Konsole aber mit einigen Macken zu kämpfen. Die kleinen Switch-Controller verschärfen das Problem der nicht frei belegbaren Steuerung, zumal hier die für das Springen reservierte A-Taste am rechten Hand liegt und daher die gleichzeitige Bedienung des rechten Analogsticks zum Umschauen fast ein Ding der Unmöglichkeit wird.
Dazu fehlen Highscore-Listen und Streckeneditor aus der Originalversion. Die Switch-Version leidet darüber hinaus unter einigen Abstürzen und ist zudem grafisch die mit Abstand schwächste Version von Clustertruck.
