Company of Heroes 2 spielt in Russland zu Zeiten des zweiten Weltkriegs. (6) [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Bei Relic ist man sehr stolz auf Company of Heroes. Seit Jahren ist der Titel erfolgreich und wird online noch immer gespielt, als gäbe es keine anderen Strategiespiele. Und weil der erste Teil und seine Add-Ons so erfolgreich ist, wollen die Macher bei Company of Heroes nun gar nicht viel verändern. Das Motto lautet: Evolution statt Revolution. Wir haben überprüft, wie viel Neues in CoH2 steckt.
Nach einer kurzen Einführung lassen uns die Entwickler nämlich auch mal selbst an die Maus. Zwei Missionen dürfen wir spielen, die Einsätze "Rzher Meatgrinder" und "Battle on Moscow", um ein Gefühl für das Strategiespiel zu bekommen. Relic bezeichnet Truesight beispielsweise als Game Changer. Die Idee: Die Sichtlinien von Einheiten werden nun korrekt berechnet und Umwelt hat einen Einfluss auf die Sichtweite. Normalerweise wird hierfür einfach ein Radius um die Einheit gesetzt und festgelegt "von hier bis da siehst du".In Company of Heroes 2 ist das anders. Einheiten sehen nur das, was sie auch natürlich sehen können. Weil wir nicht durch Gebäude durchsehen können, wissen wir auch nicht, was dahinter ist. Der Kriegsnebel bleibt an solchen toten Winkeln einfach bestehen. Das ist zu Beginn noch relativ ungewohnt, aber schnell verinnerlicht man sich umzuschauen, bevor man Marschbefehle gibt. Man muss nur überlegen: Soll ich meine Einheiten wirklich über diese Ebene schicken? Was wenn Einheiten hinter diesem Hügel sind und kann sie von "unten" nicht sehen? Was ist hinter dieser Mauer? Das Feature ist ein tolles Spielelement und verführt zu noch strategischerer Planung.
An solchen Feuerstellen können sich Einheiten wärmen um nicht zu erfrieren. [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Auch Coldtech passt wunderbar in das sowjetische Setting. Kurz gesagt lässt diese Technologie Einheiten, die der Kälte ausgesetzt sind, langsam erfrieren. Um das zu vermeiden gibt es verschiedene Manöver. Zum einen können Pioniere Feuerstellen bauen, an denen sich unsere Truppen dann entlanghangeln und immer wieder aufwärmen. Oder wir stationieren sie während Eisstürmen in Häusern ein. Wenn mal kein Schutz da ist, wird nach einer Weile neben der Einheit ein rotes Thermometer angezeigt. Fällt es auf Null herab, beginnen unsere Soldaten zu sterben, falls sie sich nicht in Deckung retten können. Schnee und Kälte sind eben notwendig, wenn man dieses Szenario glaubhaft darstellen will. Im hohen Schnee sind Fußtruppen auch langsamer, mühen sie sich sichtbar ab. Gefährlich, wenn sie dann anfangen zu frieren. Denn wenn keine Feuer in der Nähe sind, schaffen sie es vielleicht nicht mehr schnell genug aus dem Tiefschnee raus.
Seen und Flüsse können in Company of Heroes 2 natürlich gefrieren, was taktisch genutzt wird. Das Eis bildet sich dynamisch, je nach Wetterlage, dicker und dünner aus und kann brechen. Laufen oder fahren wir X mal über eine Stelle, bilden sich dort Risse. Irgendwann würde die Eisdecke einfach nachgeben und unsere Einheit sinkt auf den Grund. Natürlich kann man das auch durch Beschuss selbst auslösen. Besonders bei Panzern kann das wichtig sein: Wenn ein dicker Tank, gegen den man augenscheinlich keine Chance hat, übers Eis fährt, beschießt man halt das Eis. Trotz der Risiken sind Eisflächen natürlich reizvoll für Spieler: Sie sind Abkürzungen oder lassen uns Feinde flankieren. Falls das mal nicht klappt: Gebrochenes Eis bildet sich mit der Zeit wieder nach. Einfach neue Panzer bauen, formieren und vielleicht mit einer breiter aufgestellten Formation versuchen über das Eis zu rollen, anstatt Panzer hintereinander fahren zu lassen!
Unsere Aufgabe: Deutsche vertreiben
Die Missionen, die wir spielen, sollen uns die Grundmechaniken des Spiels beibringen und bleiben deshalb auch sehr spartanisch. Der erste Trupp, den wir steuern, besteht aus drei Soldatengruppen und einer Gruppe Combat Engineers. Sie sind eine Art Arbeiter-Soldaten, die für uns Feuerstellen aufstellt und Graben als Deckung aushebt. Außerdem tragen die Pioniere einen Flammenwerfer mit sich - man kann also manche Einheiten wieder mit speziellen Waffen ausrüsten. Unser Auftrag lautet: In ein Dorf einrücken, es einnehmen und die Deutschen Invasoren vertreiben. Dazu schicken wir unsere Einheiten von Deckung zu Deckung, arbeiten uns so eine Straße entlang. Das Deckungssystem funktioniert im Grunde genauso wie in CoH und Dawn of War 2. In der Dorfmitte werden unsere Truppen von einem schweren deutschen MG beschossen. Einige Einheiten werfen sich in den Schnee, sind vom feindlichen Feuer unterdrückt. Wir schicken deshalb schnell eine weitere Gruppe an einem Haus rechts herum entlang, um dem Schussfeld des MGs zu entgehen und den Feind am Geschütz von der Seite auszuschalten. In einem Haus haben sich die Feinde verschanzt, weshalb wir sie mit dem Flammenwerfer der Engineers ausräuchern. Das geht ziemlich fix, denn die Häuser auf dieser Karte sind aus Holz und fangen schnell an zu brennen.
Company of Heroes 2 spielt in Russland zu Zeiten des zweiten Weltkriegs. (3) [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Nach eine Reihe von Angriffen, Gegenangriffen und geskripteten Verteidigungseinsätzen von neuralgischen Kartenpunkten haben wir einen großen Hof eingenommen. Dort finden wir auch einen Versorgungspunkt. An ihm werden gefallene Soldaten einer Einheit durch neue Männer ausgetauscht, Verwundungen werden geheilt - der Lebensbalken steigt wieder. Solche Punkte gibt es mehrmals auf der Karte verteilt und meist bedeuten sie: Jetzt kommt was großes. Es kommt, wie es kommen muss. Man warnt uns davor, dass die Deutschen einen Gegenangriff vorbereiten und blendet uns einen Countdown ein. Für die Abwehr bekommen wir kurzzeitig ein schweres MG samt Schützen, der die Waffe aber erst langsam ausrichten muss. Die Deutschen greifen von mehreren Seiten aus an. Cool: Für diese Abwehrschlacht bekommen wir nun auch die Option, Luftschläge anzufordern. Dann kommt ein Flugzeug angedüst, das ein Gebiet großflächig mit einem schweren MG zersiebt. Man setzt es also besser nicht in der Nähe der eigenen Soldaten ein. Diese Einsätze sind nicht nur höchst effektiv, sie sehen auch wundervoll aus: Als der Flieger in den Sturzflug geht, geht eine Menge Holz in der Umgebung kaputt und der Schnee wird bei Beschuss aufgewirbelt. Super!
2 vs 2 mit der KI
Die zweite Mission ist dann schon ganz anders aufgebaut. Wir spielen 2 vs 2 mit der KI gegen zwei PC-Gegner. Das hat Skirmish-Charakter, überrascht uns aber kaum. Schon im Vorfeld haben die Entwickler angekündigt, die Skirmish-KI auch in der Kampagne nutzen zu wollen. Wir starten unten auf der Map in einem ziemlich freistehenden Gebiet mit wenig Deckung. In der Mitte läuft ein gefrorener Fluss durch die Karte, dahinter ist ein Stadtgebiet, wo sich die Deutschen eingegraben haben. Der KI-Spieler und wir haben jeweils nur ein Basisgebäude. Darin können wir einfache Soldaten und Combat Engineers bauen. Letztere können dann weitere Gebäude errichten. Zunächst aber müssen wir losdüsen und verschiedene Punkte auf unserer Kartenhälfte einnehmen. Sind sie eingenommen, gehört das Gebiet uns und wir könnenweitere Gebäude darauf errichten. Für die Grundversorgung mit Ressourcen bauen wir deshalb auch erste zwei Depots. Eine der Währungen heißt Manpower, die zweite ist noch nicht implementiert. Relic sagt uns an dieser Stelle, dass das ganze Ressourcensystem noch nicht ganz final ist und sie aktuell noch daran arbeiten.
Company of Heroes 2 setzt auf die Essence Engine 3.0 und Direct X11 Effekte. [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Allzu durchdacht wirkt das System bisher auf uns nicht. Unsere Pioniere basteln einfach irgendwo in der Walachei Depots hin, die erledigen danach den Job von selbst. wir sehen da keine richtige Herausforderung und verstehen auch noch nicht, wie das System nach oben hin abgeriegelt wird. Mit mehr Ressourcen können wir dann aber auch neue Einheiten ausheben. Sniper, Geländewagen und leichte Panzer stehen uns zur Auswahl, um die Deutschen aus den Vororten Moskaus zu vertreiben. Auffallend: Neue Einheiten laufen nicht aus dem Gebäude heraus, in dem sie ausgebildet/gebaut werden, stattdessen laufen sie vom Kartenrand aus in die Map herein.
Schnell fangen aber die KI-Feinde an, uns die eingenommen Gebiete wieder streitig zu machen. Mit kleinen Trupps kommen sie über den zugefrorenen Fluss und wollen unsere Punkte wieder zurück einnehmen, um uns von Ressourcen abzuklemmen. Wir postieren daher Soldaten an den Fahnenmasten, an denen solche Zonen eingenommen werden und setzen einen Sniper auf einen Hochstand in der Mitte. Der hat das Gebiet dann ziemlich gut im Griff und der kleine Höhenunterschied hilft auch beim Erkennen von Feinden, die dank Truesight am Boden verborgen bleiben. Einige Scharmützel überleben wir, zum finalen Angriff kommt es nicht mehr: Unsere Spielzeit ist um.
Combat Engineers kann man mit Flammenwerfern ausstatten. [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Am Ende unserer zwei Missionen ziehen wir ein durchweg positives Fazit: Grafisch sind die Einheiten klasse. Deutsche Soldaten aus dem Vorgänger wurden beispielsweise mit viel mehr Details versehen, Sowjets sind komplett neu. Die Einheiten sind sehr detailliert. Waffen, Hände und Mäntel sind wunderhübsch animiert. Dass Relic so genau auf die Kleinigkeiten achtet, gefällt uns. Bei der Vertonung sind sich die Entwickler wohl noch nicht sicher, welchen Weg sie gehen wollen. In der ersten Mission sprechen unsere Einheiten durchweg russisch, in der zweiten englisch mit einem gekünstelten russischen Dialekt. Dafür ist die Soundkulisse allgemein eine Wucht: Authentische Waffengeräusche und richtig bassige Panzer sind ein Ohrenschmaus. Waffengeräusche wollen die Relic-Leute sogar mit echten Knarren aufgenommen haben, was ihnen angeblich sehr viel Spaß gemacht hat. Und deutsche Soldaten unter Beschuss schreien auch schon mal ein verzweifeltes "Ich will nicht sterben!" Zum Einsatz kommt übrigens die Essence Engine 3.0, die DirectX 11 unterstützt.
Trotz all der schönen Effekte müssen wir auch einige Schlampereien bemängeln: Die Grafikqualität ist zwar überragend hoch und zeichnet sich durch viele Details aus, aber sehen aber auch immer wieder matschige Texturen und Levelelemente wie Gebäude. Die Ansage, mit Shootern wie Battlefield konkurrieren zu wollen, erfüllen sie so bestimmt nicht. Auch die Steuerung kommt uns noch etwas verbesserungswürdig vor. Basisbau ist aktuell noch recht umständlich und Gebäude nur schwer auseinanderzuhalten. Erzählerisch sind die beiden Missionen übrigens nur Durchschnitt. Vor dem Einsatz gibt es ein kurzes, vorgelesenes Briefing, Von einem Kriegsberichterstatter, der die Geschichte erzählt und auch Cutscenes oder ähnliches war weit und breit nichts zu sehen. Schade.






