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  • Deadly Premonition: „Fängt man an dieses Spiel zu sezieren, bleibt nicht mehr viel übrig.“ - Leser-Test von Marco A

    Das Gamezone-Mitglied tomk äußerte sich Anfang 2011 in unserem Forum so zu dem bereits seit Oktober 2010 erhältlichen Action-Adventure Deadly Premonition aus dem Hause Access Games.
    Im Grunde genommen ist diese Aussage die wohl unpassenste, die man für eine Einleitung eines Tests verwenden kann. Sie bescheibt allerdings genau die Herangehensweise die ein Videospieler mitbringen sollte, der diese Disk in seine Videospielkonsole legt.

    Eine komplett abgedrehte Mixtour

    Das Project Deadly Premonition (Titel im Spiel selber) beginnt mit einer Videosequenz, in der zwei kleine Jungen mit einem alten Mann in einem Wald spazierengehen.
    Als die drei an eine Lichtung kommen ist die ausgelassene und fröhliche Stimmung allerdings urplötzlich hinüber und vor allem im Gesicht des Mannes spiegelt sich das blanke Entsetzen wieder. Die Kamera zeigt uns eine kleine Lichtung auf der ein Baum steht. An diesem wurde eine Frauenleiche aufgehangen. Der nackte Körper ist von Blut bedeckt und der Bauch aufgeschlitzt.
    Szenenwechsel - Es ist eine verregnete Nacht. Der FBI-Agent Francis York Morgan sitzt in seinem Wagen und ist auf dem Weg zu dem Provinzort Greenvale, um seinen nächsten Fall anzugehen. Er ist zwar alleine in dem Auto, hat aber dennoch einen Gesprächspartner. Zach. Mit seiner zweiten Persönlichkeit hält er ein kleines Schwätzchen, als plötzlich ein... Mensch... mit einem Regenmantel bekleidet und mit einer Axt bewaffnet auf der Straße steht. Morgan reißt das Lenkrad herum, verliert die Kontrolle über die Situation und der Wagen kommt von der regennassen Straße ab.
    Als wir wieder zu uns kommen sehen wir das Ausmaß des Unglücks und wissen das wir den Rest des Weges bis nach Greenvale zu Fuß zurücklegen müssen. Also machen wir uns auf den Weg durch eine regenerische Nacht und einen tiefen Wald...

    Genretechnisch präsentiert uns Deadly Premonition eine komplett abgedrehte Mixtour aus Kriminalfall, Lovestory, Horrorfilm und Drama, immer wieder gepaart mit einer Portion Humor.
    Genauso unkenntlich wie das Genre werden uns auch die Charaktere präsentiert. Diese warten alle mit ihren eigenen Geschichten auf uns und durchleben mit York und Zach zusammen die aktuelle, sodass sie sich weiter verändern. Dadurch das die Personen auf die wir treffen so lebendig bleiben, ist auch der Spannungsbogen der Geschichte immer optimal und macht den Spieler neugierig auf den weiteren Verlauf.
    Jede Menge Wendungen in der Story selber und ein sehr eigener Plot, inklusive eines der wohl abgedrehtesten Ende der Videospielgeschichte, halten uns ohne Probleme für Stunden an den Bildschirm gefesselt.
    Da die Spielwelt von Deadly Premonition grundsätzlich wie ein Sandboxspiel aufgebaut ist, in der es weitere Nebenmissionen zu erledigen gibt, können wir auch Abseits des gut fünfzehnstündigen Hauptfalles zusätzliche Zeit in Greenvale verbringen.

    Auch wenn sich die Geschichte zum Ende hin ein klein wenig in die Länge zu ziehen scheint, so muss als Zwischenfazit festgesetllt werden, dass Deadly Premonition von sauber ausgearbeiteten Charakteren (inkl. der eigenen Spielfigur) und einer absolut grandiosen Geschichte lebt. - Wenn man sich denn dann auf diese, und vor allem auf die Technik, einläßt.

    Irgendwann bekommt man die unterirdische Qualität nicht mehr mit

    Dabei ist die Steuerung wohl noch das kleinste Übel der Technik. Was beim steuern sofort auffällt ist der fehlende "Run-and-Gun"-Modus. Dies heisst nichts anderes als das wir uns nicht bewegen können, wenn wir beispielsweise Feuern oder Nachladen. Da das Spiel aber optimal auf dieses Gameplayelement eingestellt wurde, stört dies nach ein wenig Einarbeitungszeit nicht mehr.
    Viel mehr ins Gewicht fallen Dabei so Dinge wie beispielsweise das sehr umständlich zu bedienende Inventar: Dabei müssen so gut wie alle Gegenstände erst über das Pause-Menü extra angewählt werden. Auch die Map von Greenvale und seiner Umgebung ist alles andere als gut zu bedienen und präsentiert uns Unübersichtlichkeit in Perfektion.
    Im aktiven Spiel fehlen sogar ganze Fähigkeiten, was zur Folge hat das wir beispielswiese nur dann springen können, wenn es uns auf dem Bildschirm explizit angezeigt wird. Darunter leidet leider das Open-World-Szenario ein wenig, da wir nie wirklich alles frei erkunden können. Schwammig oder ungenau ist die Bedienung nur selten. Sie ist nur extrem gewöhnungsbedürftig.
    Man hangelt sich also immer mal wieder (und manchmal auch öfter) durch die Steuerung und wundert sich dann doch ab und an, wie schnell sich der Mensch auch auf komplizierte Systeme einstellen kann.

    Kann der Spieler mit dem Aufbringen von Geduld und Übung die Steuerung also zu seinen gunsten lenken, so sieht dies bei einem vorgefertigtem Konstrukt, auf das man keinen Einfluß hat - wie der Grafik zum Beispiel - schon ganz anders aus.
    Die Technik der Darstellung befindet sich bestenfalls auf dem Niveau der Releasespiele von Playstation 2 und Xbox.
    Alle nur erdenklichen Grafikfehler geben sich bei Deadly Premonition am laufenden Band die Ehre: Eine sehr ungenaue Kollisionsabfrage, Clippingfehler, Pop-Up-Effekte, fehelerhafte Darstellung von Licht- und Schatteneffekte, unfassbar schlechte Animationen von Wasser und Spielfiguren... Es sieht schlichtweg wie eine Beta-Version eines Videospiels aus; wie ein "Project", welches nicht fertig geworden ist.
    Die Regeneffekte sind ab und an gelungen, das ein oder andere Gesicht der Spielfiguren wirkt wirklich überzeugend und der Schein der Taschenlampe kommt in dunklen Gängen zwar gut zur Geltung, aber das täuscht alles nicht über die Tatsache hinweg, das die Engine mit den Fähigkeiten von vor zehn oder elf Jahren spielt.

    Auch die Kamera ärgert uns das ganze Spiel hindurch und zeigt uns das Spielgeschehen grundsätzlich aus einer sehr unübersichtlichen Einstellung. Dies gibt diesem Third-Person-Spiel in Sachen Technik sicherlich keine Pluspunkte. - Genau wie die häßlich klobigen Textfenster, die penetrant auf dem Bildschirm aufpoppen und uns dann mit einem - grammatikalisch nicht immer korrektem - von rechtschreibfehlern verseuchtem Deutsch, die Worte der Protagonisten näherbringen möchten.
    Hier hilft es ganz einfach die Dinge als "Mittel zum Zweck" zu sehen. - Und dann wundert man sich ab und an doch, wie unwichtig doch eigentlich der Faktor "Grafik" in einem Videospiel sein kann.

    Genauso unwichtig scheint im laufe der Spielzeit auch der Sound zu werden. Denn obwohl der Soundtrack wirklich gelungen ist und die Synchronsprecher allesamt ein ordentlich betontes Englisch sprechen, so sind die SFX-Geräusche einfach nur grauenhaft. Dies fällt vor allem dann auf, wenn wir eine Tür öffnen, bzw. schließen: Alle Türen in Greenvale und Umgebung, egal ob Eisentür, Gefängniszellentür oder Glastür, haben die Geräusche einer Holztür bekommen. Auch die Soundeffekte der Waffen sind erbärmlich und hören sich an wie die von Spielzeugpistolen an Karneval.
    Aber genau wie bei der Steuerung und bei der Grafik gilt auch hier: Irgendwann bekommt man die unterirdische Qualität nicht mehr mit.

    Fazit: Pflichtkauf!

    Alle technischen Fehler von Deadly Premonition, die uns die komplette Spielzeit über erbarmungslos ins Gesicht geschleudert werden, rücken jedoch nur dann in den Hintergrund, wenn der Spieler sich auf diese einläßt und versucht so gut es geht mit ihnen zu spielen.
    Schafft er dies allerdings, so bekommt er eines der besten Videospiele seit langem geboten, hervorgerufen durch die wohl abgedrehteste und schockierenste Story der letzten Jahre, inklusiver der grandios ausgearbeiteten Charaktere. - Absoluter Pflichtkauf, Zach!

    Negative Aspekte:
    Grafik und SFX-Geräusche komplett mißlungen / Steuerung braucht Einarbeitungszeit (bleibt aber selbst danach im Grunde unbrauchbar) / miese deutsche Bildschirmtexte

    Positive Aspekte:
    grandiose Story / sehr gut ausgearbeitete Persönlichkeiten der Charaktere (inkl. des eigenen) / gelungener Soundtrack / gute englische Synchronsprecher / lange Spielzeit (Hauptfall und Nebenmissionen vorhanden)

    Infos zur Spielzeit:
    Marco A hat sich 20-100 Stunden mit diesem Spiel beschäftigt.

  • Deadly Premonition
    Deadly Premonition
    Publisher
    Rising Star Games, Ltd.
    Developer
    Access Games, Inc. (JP)
    Release
    10.11.2010
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1010803
Deadly Premonition
Deadly Premonition: „Fängt man an dieses Spiel zu sezieren, bleibt nicht mehr viel übrig.“ - Leser-Test von Marco A
http://www.gamezone.de/Deadly-Premonition-Spiel-21000/Lesertests/Deadly-Premonition-Faengt-man-an-dieses-Spiel-zu-sezieren-bleibt-nicht-mehr-viel-uebrig-Leser-Test-von-Marco-A-1010803/
27.07.2011
http://www.gamezone.de/screenshots/medium/2010/11/DeadlyPremonition__4_.jpg
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