Stimme geölt? Lampenfieber abgelegt? Dann kann es ja endlich wieder auf die Wohnzimmerbühne gehen. Mit Everyone Sing darf wieder ordentlich geträllert werden. Wir haben das "ultimative" Partyspiel mal genauer unter die Lupe genommen und vor allem den Vergleich mit der bereits etablierten und starken Konkurrenz gewagt. Ergebnis: Leider scheint Everyone Sing wohl eher nur die zweite Wahl zu sein!
Hinter Everyone Sing steckt nichts anderes als ein an Singstar und Co. orientiertes Karaoke-Spiel. Das Prinzip ist somit jedem geläufig: Zu insgesamt 35 unterschiedlichen Songs von Künstlern wie Nicole Scherzinger, Nicki Minaj, A-Ha, Elton John oder Taio Cruz wird fleißig geträllert und das Talent unter Beweis gestellt. Mittels schlichter Präsentation werden die Texte ähnlich der Konkurrenzspiele eingeblendet und über die Tonhöhenanzeige kann die Stimmlage dem Song und für Punkte angepasst werden. Mit der Auswertung nimmt es Everyone Sing aber nicht ganz so ernst und lässt somit auch eher wenig begabte Künstler schnelle Erfolge feiern. Dies schürt natürlich die Freude auf einer Party, schmälert aber den Genuss ernsthafter Spieler, die ihre Stimme bereits für die nächste Talent-Show im TV präpariert haben.
Everyone Sing im Gamezone-Kurztest (3)
Gesungen wird entweder ganz klassisch Song für Song, ähnlich wie in Singstar und Co., oder aber komplett ohne Textanzeige. Für etwas Abwechslung soll der Mix sorgen, welcher euch Zufallssongs vorsetzt oder der Gruppenmodus, bei dem man sich im Rampenlicht fleißig abwechselt. Dabei werden natürlich alle Rekorde und Ergebnisse für die Nachwelt verewigt. Die Statistik wirkt aber schmalspurig und als Solist verweigerte Everyone Sing die Eingabe eines eigenen Namens - schade. Weiteres Manko: Das was Singstar auf der Playstation 3 so erfolgreich machte, waren die Community-Features mit Video und Soundwiederholungen und somit entweder massig Spaß auf einer Party, oder erstaunlichen Beiträgen unentdeckter Talente, welche man sofort unter Plattenvertrag nehmen sollte. All dies lässt Everyone Sing aus und bleibt bei einer simplen Zahl am Ende eines jeden Songs, welche als Messlatte zwischen den Teilnehmern verwendet wird. Spaßiger und unterhaltsamer, kurz gesagt partytauglicher, wird es mit den Teamspielen für bis zu 8 Teilnehmern. Hier wird unter Beweis gestellt, wer wirklich textsicher ist, oder das "Tauziehen" gewinnt. Auch mit "Pass the Bomb" haben die Entwickler immerhin eine witzige Idee gehabt.
Drei weitere Features von Everbody Sing fallen etwas aus dem Rahmen und erwecken unsere Aufmerksamkeit: Der Karaoke-Modus, die Video-Jukebox und das Gesangstraining. Mit dem Karaoke-Modus könnte sich der Titel von den zahlreichen Konkurrenten absetzten. Leider hat dieser seine Bezeichnung keinesfalls verdient. Klar, steht hier der Spaß ganz klar im Vordergrund, ohne auf lästige und vielleicht auch erniedrigende Wertungen achten zu müssen. Nur kann die Originalstimme nicht stumm geschalten werden, was Voraussetzung für einen richtigen Karaoke-Modus gewesen wäre! Die Jukebox wiederum könnte ebenfalls toll ausfallen, nur leider darf man weder Favoriten oder Listen anlegen, noch grundsätzlich ohne weitere Eingaben mehr als ein Video schauen. Darüber hinaus sind so einige Titel darunter, deren Videos erst gar nicht auf der Scheibe vorzufinden sind (z. B. Apologize von One Republic). Hier blendet das Spiel einfach irgendwelche Effekte ein. Alle anderen Videos liegen meist in ziemlich schlechter SD Auflösung vor, was vor allem bei den neuen Titeln durchaus ärgerlich ist. Das Training wiederum leidet darunter, dass Abschnitte ungünstig ausgelegt werden, auch wenn die Entwickler versucht haben, Bereiche wie Einleitung, Strophe und Refrain zu trennen.
Everyone Sing im Gamezone-Kurztest (5)
Da ist es letztendlich kaum verwunderlich, dass uns auch der Karrieremodus weniger vom Hocker gehauen hat. Das Prinzip: Nimm an einem Gesangswettbewerb à la Deutschland sucht den Superstar Teil und arbeite dich von unten nach ganz oben. Die Songs werden vorgegeben, doch was uns wirklich gestört hat, waren die Soundeffekte der Zuschauer und Fans. Das monotone Klatschen, Jubeln und Schreien übertönt den original Song und erschwert unglaublich die Performance. Man hört kaum mehr die Originalstimme, woran sich viele Spieler sicherlich orientieren. Es bleibt einzig die grafische Anzeige, ohne dass man evtl. mittels eigenem Gehör die Stimmlage justieren kann.
