Fable: The Journey in der Gamezone-Vorschau: Dank erzwungener Kinect-Steuerung bei uns durchgefallen (5) [Quelle: Siehe Bildergalerie]
In München sind wir bei Microsoft zu Gast und können knapp 1,5 Stunden lang Fable: The Journey antesten. An den Spielstationen stehen sogar schon deutsche Versionen bereit, sagen uns die Entwickler. Über kleine Bugs, etwa dass die Sprachausgabe hin und wieder mal auf Holländisch wechselt, sollen wir hinwegsehen - können wir aber gar nicht, denn diese Oranje-Szenen sind am Ende tatsächlich die komischsten Passagen, an die wir uns erinnern. In der fertigen Version wird das natürlich nicht passieren, die wird deutsche Spieler tatsächlich auch mit deutschen Texten langweilen.
Eine Einführung von den Entwicklern, die auch vor Ort sind, brauchen wir nicht. Stattdessen setzen wir uns gleich an eine der aufgebauten Stationen und beginnen ein Spiel. Sitzen ist hierbei das Stichwort: Denn The Journey nutzt Kinect als Steuerung und lange Zeit dachte man, man würde nun ein episches Rollenspiel im Stehen verbringen müssen. Das Gegenteil ist der Fall: Man darf sitzen, der Sensor erkennt den Spieler auch in dieser Pose, vom Gedanken an epische Rollenspiele muss man sich aber auch verabschieden. Denn Fable: The Journey ist ein Action-Spiel mit Railshooter-Mechanik.
30 Minuten durch die Pampa reiten
Fable: The Journey in der Gamezone-Vorschau: Dank erzwungener Kinect-Steuerung bei uns durchgefallen (2) [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Hatten wir in Fable 2 und 3 noch einen Hund als Begleiter an unserer Seite, ist es diesmal ein Pferd. Mit Kinect können wir es striegeln, indem wir unsere Arme ausstrecken und Streichelbewegungen in der Luft ausführen - das sieht von außen betrachtet unheimlich dämlich aus. Das neue Albion-Abenteuer bestreiten wir aus der Ego-Perspektive unseres Protagonisten Gabriel. Er ist eine Faulpelz und hat mit seinem Pferdekarren schon einmal den Anschluss an seine Gruppe verloren, weil er an den Zügeln eingeschlafen ist. Uns soll das nicht passieren, deshalb lernen wir in einem knapp halbstündigen Reit-Tutorial alle Finessen der Kinect-Steuerung.
Unser Gaul bewegt sich in drei Geschwindigkeiten, Trab, Galopp und Jagdgalopp. Geritten wird, indem wir beide Hände anwinkeln und sie halten, als hätten wir Zügel in der Hand. Wollen wir einen Gang hochschalten, lassen wir die virtuellen Zügel schnalzen, wollen wir langsamer werden, ziehen wir die Zügel mit beiden Händen zur Brust. Wenn es mal ganz dringend ist, können wir die Notbremse ziehen, indem wir die Zügel über den Kopf ziehen. Die Richtung beeinflussen wir mit großzügigen Bewegungen zur Seite. Will man nach links, muss der linke Arm zurückgezogen werden und der rechte nach vorn kommen, manchmal fühlen wir uns dabei, als hätten wir ein riesengroßes Trucker-Lenkrad in Händen.
Nach ein paar Minuten haben wir den Dreh raus: Große Bewegungen, mehrere Geschwindigkeiten, farbige Kugeln am Boden, die wir aufsammeln sollen. Manche von ihnen kann man nur im Galopp aufnehmen, bei anderen ist es egal wie schnell man ist. Und trotzdem geht das Tutorial noch eine halbe Ewigkeit weiter. Es lässt uns unsere neugewonnenen Fähigkeiten an Hindernisparkours und Pflastersteinstraßen beweisen. Fast 30 Minuten quält das Spiel einen mit diesen Szenen, bevor wir lernen wie man zaubert.
Unfreiwilliger Held
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Ein Faulpelz soll der neue Held Albions sein? Wohl kaum. Und trotzdem straucheln wir irgendwie in diese Rolle herein, als wir der Seherin Theresa helfen. Sie taucht plötzlich am Wegesrand in einem Wald auf und braucht Hilfe - und wer wären wir, wenn wir ihr die nicht gewähren würden? Wir setzen sie in den Karren und ... reiten erneut zehn Minuten lang vor einem bösen Schatten davon, der die Welt hinter uns in Beschlag nimmt. Von ihr werden wir in die Magie-Schiene geschubst: Ein magischer Tümpel, bewacht von den drei Helden Albions (es sind doch nicht etwa die Protagonisten der vergangenen Spiele?), stattet uns mit Zauberkraft aus, um Albion gegen die neue Bedrohung zu beschützen - ob wir wollen oder nicht!
So geht es dann auch zum zweiten Teil des Tutorials über. Wir lernen, wie man Stoß- und Blitzzauber verwendet, einen Schild nutzt und Geschossen ausweicht. All das funktioniert auch durch Gestensteuerung, der Stoßzauber etwa, indem man die linke Hand über seine Schulter hebt und sie dann in Richtung des Feindes auf dem Bildschirm ausstreckt. Einmal richtig kalibriert, soll ein Zauber dann auch wirklich das angepeilte Ziel treffen. Den Angriffszauber führen wir auf dieselbe Art mit dem rechten Arm aus.
Technisch funktioniert die Erkennung auch gar nicht mal schlecht. Während dem Tutorial wird automatisch eine Kalibrierung vorgenommen. Zauber treffen dann meist die Gegner, die wir anpeilen. Nur beim Schild gibt es immer wieder Probleme. Das setzt man ein, indem man den linken Arm schützend vor die Brust hält. Die Geste kann aber nicht sofort ausgeführt werden, wenn man eben noch einen Stoßzauber mit dem linken Arm vollführt hat - der schnelle Positionswechsel verwirrt den Kinectsensor noch. Aber nur weil es technisch funktioniert, überzeugt es inhaltlich noch lange nicht. Selten haben wir uns in einem Actionspiel mehr gelangweilt. Wir vermöbeln Hobbes und Riesenspinnen mit unserer Magie, strecken dafür mal den linken, mal den rechten Arm in Richtung Bildschirm aus, und denken uns die ganze Zeit "Was ist nur aus dieser wirklich tollen Spielserie geworden?" Die Handlung auf dem Schirm ist belanglos, die Bewegungen repetitiv und nach knapp einer Stunde werfen wir entnervt das Handtuch: Das Gameplay ist auf einfachste Grundmechaniken zusammengeschrumpft, RPG-Elemente machen wir gar nicht mehr aus und auch die Story zieht uns noch nicht so sehr in den Bann.
Warum Kinect?
Dabei wäre Fable: The Journey als klassisches Action-RPG in der Third-Person-Sicht mit einem Gamepad vielleicht gar nicht mal so schlecht geworden. Stattdessen nutzt Lionhead diese aufgesetzte Kinect-Steuerung, mit der man endlich auch Core-Gamer mit einer epischen Geschichte erreichen will. Wir sagen eines voraus: Ein Coregamer wird sich nicht lange mit diesem, auf drei Bewegungsabläufe minimalisierten, Gameplay auseinandersetzen. Und für die Casual-Truppe ist die Einstiegshürde vielleicht schon zu groß. Bei Fable: The Journey schreit einfach alles nach "Hallo, wir sind Microsoft. Hier ist ein Koffer Geld, macht uns ein Spiel für Kinect."







Und das nimmt die Kamera dann auf und schickt es im Hintergrund unbemerkt an Microsoft.