...bietet uns superschnelle Fights, ein leicht zu erlernendes Kampfsystem und die dicksten Lippen der Boxgeschichte.
Die Veteranen unter euch können sich sicher noch an Ready 2 Rumble erinnern, ein Boxspiel welches sich selbst nicht ernst nahm und bei den Spielern oft schon während der Fights für Gelächter und tränennasse Gesichter sorgte, weil das Geschehen so witzig inszeniert war. Die Gesichtszüge der Boxer entgleisten regelmäßig, während sie sabbernd zu Boden gingen oder versuchten wild fuchtelnd den Gegner noch zu erwischen, während sie taumelnd aus dem Ring kippten. In genau diese Kerbe schlägt auch das aktuelle Facebreaker aus dem Hause Electronic Arts, welches mit einem richtigen Boxspiel kaum mehr etwas gemein hat, stattdessen aber auf die zugängliche Steuerung und den Spielwitz setzt.
Facebreaker
Zu Beginn des Spiels stehen uns erst die erste Hälfte der zwölf vorhandenen Boxer zur Verfügung, die restlichen schalten wir frei in dem wir den Karriere-Mode "Schlag dich durch" genannt, spielen. Zudem besteht die Möglichkeit sich einen Boxer ganz nach den eigenen Vorstellungen zu erstellen, wobei wir dazu sogar unser Gesicht, oder ein anderes, auf dem Charakter abbilden können. Dazu benötigen wir nur eine entsprechende USB-Kamera an der Konsole mit der wir das Gesicht ablichten, woraufhin wir noch ein paar markante Punkte angeben müssen, wie die Lage der Augen und des Mundes, und schon finden wir unser Konterfei im Spiel wieder. Auf Wunsch können wir den so erstellten Charakter auch auf die EA-Server hoch laden, so dass wir ihn auch online benutzen können. Das ist ein wirklich lustiges Feature von dem die Spieler auch schon viel Gebrauch machen, man glaubt gar nicht wem man online alles im Ring sieht. Von Britney Spears bis hin zu Arnold Schwarzenegger ist uns schon alles begegnet.
Facebreaker
Das zugrundeliegende Kampfsystem ist, und das bedeutet wohl das große "freestyle"-Logo auf der Verpackung, sehr einfach aber schnell ausgefallen. Es gibt den niedrigen und den hohen Schlag sowie den Breaker, was der härteste Schlag ist den man anbringen kann. Dazu haben wir noch die Möglichkeit zu Blocken sowie unsere Schläge aufzuladen, indem wir die jeweilige Schlagtaste länger gedrückt halten. Der Trick bei den Kämpfen ist nun, den Gegner so lange mit normalen Schlägen zu traktieren, bis wir unsere Leiste voll aufgeladen haben, woraufhin wir einen Breaker ansetzen, der den Gegner bestenfalls KO gehen lässt. Das Problem daran ist, dass der Gegner natürlich genau dasselbe versucht und uns nicht die Zeit lassen wird den Breaker anzusetzen, wozu er nur schnell genug ausweichen oder Kontern muss.
In der Praxis arten die Kämpfe deswegen in wildes Tastengehämmere aus, jeder versucht schneller zuzuschlagen wie sein Gegenüber, in der Hoffnung, dass dieser einen Augenblick zögert und man den aufgebauten Breaker los wird. Denn eigentlich handelt es sich bei dem Kampfsystem um ein klassisches Stein, Schere, Papier-Prinzip, man versucht wenigstens zwei leichte Angriffe hintereinander anzubringen, nur dann wird die Leiste aufgefüllt, versucht sogleich einen starken Angriff (Breaker) durch zu bringen um sofort auszuweichen oder zu blocken, woraufhin man wieder wenigstens zwei leichte Angriffe...
Facebreaker
So genehm sich das vielleicht auch anhört, in der Praxis kämpft man gleich mit zwei Problemen. Zum einen nämlich ist das Gameplay verdammt schnell, unsere Boxer können pro Sekunde geschätzte vier bis sechs Schläge anbringen, und zum anderen scheinen zumindest manche der KI-Fighter über hellseherische Fähigkeiten zu verfügen. Schon bei den ersten KI-Boxern fragt man sich wie die zu bezwingen sein sollen. Es ist ja nett im Handbuch zu lesen, dass man sich auf viele Niederlagen gefasst machen soll, aber wenn man selbst als geübter Spieler mitunter ein Dutzend Anläufe braucht bis man gewisse Gegner bezwungen hat, dann fragt man sich, für wen das Spiel eigentlich gedacht ist? Der sogenannte Casual-Gamer wird ruck zuck frustriert das Weite suchen, und der Core-Gamer fragt sich wie lange der Daumen noch hält. Denn das was gegen einen menschlichen Spieler durchaus noch Spaß machen kann, ist gegen die KI mitunter nur noch frustrierend.
Facebreaker
Dazu gesellt sich der Umstand, dass die im Vorfeld so beworbenen Gesichtsentgleisungen im Spiel selbst zuwenig zur Geltung kommen, so wie auch der Witz irgendwo während der Entwicklung verloren ging. Warum lassen die Kämpfer keine lustigen Sprüche los, weshalb kichert das Nummerngirl immer gleich und warum gibt's keine witzigen Einlagen? Derweil wäre es nicht viel gewesen was Facebreaker zur Spaßkanone mutieren lassen würde, wie ein paar mehr lustige Geräusche, statt der immer gleichen "Uffs" und dazu noch paar eingestreute doofe Sprüche der Boxer. Doch stattdessen gibt sich das Spiel sogar recht ruhig, eigentlich hört man bis auf die schnell aufeinanderfolgenden Schläge kaum etwas.
Facebreaker
Grafisch hingegen wird uns solide Comicgrafik geboten die sich nicht verstecken muss. Die Framerate ist angenehm hoch und scheint nie einzubrechen, die Hintergründe sind angenehm hoch detailliert und hie und da bewegt sich auch was, wobei das Highlight natürlich die Boxer selbst und ihre verformbaren Gesichter darstellen. Die Xbox 360 und die PS3-Version gleichen sich wie ein Ei dem anderen, weswegen man die Wahl der Version vom bevorzugten Controller abhängig machen sollte, denn der Funktionsumfang beider Versionen ist ebenfalls identisch. Beide erlauben dasselbe Online-Gaming und beide Unterstützen die zur Konsole gehörige USB-Kamera, wobei man an der PS3 sogar jede beliebige USB-Kamera benutzen können soll, was wir aber nicht nachprüften.
