Fighters Uncaged im Gamezone-Test

Test Alexander Winkel

Keine Waffen, keine Klingen, aber knallhartes Kardio-Training! Wenn das Kampfspiel eins kann, dann die Muskeln beanspruchen!

Neben den üblichen Sport, Fitness und Casual-Games sticht Fighters Uncaged aus dem Hause Ubisoft allein aufgrund des düsteren Covers aus dem allgemeinen Kinect-Portfolio hervor. Ein Blick auf die Rückseite der Packung verspricht ein äußerst schmackhaftes Actionspektakel für Hardcore-Gamer: Knallharte illegale Kämpfe gegen skrupellose Haudegen - das völlig ohne Controller und einzig allein auf Körperbewegungen bezogen. Da läuft dem einen oder anderen Tekken oder Street Figter Veteran geradezu das Wasser im Mund zusammen. Auf dem Papier liest sich das ab 16 Jahren freigegebene Actionspektakel tatsächlich auch ganz gut, in der Praxis scheitert das Machwerk aber an allen Ecken und Enden!

Fighters Uncaged Quelle: Ubisoft Fighters Uncaged Man sollte sich nicht mit den falschen Leuten anlegen, das muss auch Simon lernen! Aufgrund dubioser Geschäfte seines Vaters muss sich der 24-jährige Jungspund, geboren auf Hawaii, in den dunklen Gassen von Detroit aufgewachsen, in der Kunst des freien Kampfes behaupten. Um seine Familie zu schützen und dem Ganzen ein Ende zu machen, muss er brutale Hinterhofkämpfe gegen tätowierte Muskelprotze und übel riechende Wandschränke antreten. Macht definitiv Lust auf mehr, vor allem da die Schlägertypen eine ordentliche Abreibung verdient haben. Kommt es zum Schlagabtausch mit Ratface, El Luchador oder gar dem Jawbreaker, sollten die Knie aufgrund der grimmigen Miene und der Namen schlottern sowie die Hose warm werden. Sobald die fies aussehenden Burschen aber das Maul aufreißen und ihr zuckersüßes Gesülze von sich geben, löst dies nur noch einen Lachkrampf aus. Da steht ein körperlich einschüchternder Hüne vor einem und möchte mich mit seiner weiblichen Stimme umhauen? Das ist jetzt nicht wahr, oder?

Ein hartes, sinnloses Training

Fighters Uncaged Fighters Uncaged In der deutschen Version leider schon! Nur einer der zahlreichen Patzer, welche sich der Entwickler von Fighters Uncaged erlaubt haben. Zunächst müsst ihr in die Schule gehen und die Grundlagen des Sports, auch wenn er illegal auf Hinterhöfen, Straßen oder auf den Docks stattfindet, lernen. Vor der Kamera werden einfache Schläge sowohl mit der rechten, wie auch der linken Hand ausgeführt, aber auch kompliziertere Roundkicks und Aufschläge einstudiert. Erst wenn der Coach, Simons Vater, zufriedengestellt ist, geht es in die nächsten Runden. Das Ganze erweist sich als sehr zäh und langwierig, vor allem da viele Moves nicht gerade einfach auszuführen sind. Einerseits fehlt dem normalen Spieler die geforderte Beweglichkeit, andererseits macht die Auswertung der Kamerabilder einen ordentlichen Strich durch die Rechnung - dazu aber später mehr.

Fighters Uncaged Fighters Uncaged Hat man die Lektionen hinter sich gelassen, werden ordentlich Backpfeifen ausgeteilt. Während Simon sich alleinig durch den Kampfbereich bewegt und den Gegner auf Abstand hält, müsst ihr entsprechend Tritte und Schläge verteilen. Es gibt drei unterschiedliche Bereiche. Ein Feind in der Ferne wird allerhöchstens mit weit ausgeholten Kicks getroffen. Auge in Auge sollte man stattdessen auf kurze Hiebe, Ellbogenstöße und Kopfnüsse Wert legen, alles andere ist nicht gerade effektiv und wird keinen Treffer landen. Mit etwas Übung lernt man, die verschiedene und bis über 70 auch miteinander kombinierbare Angriffe gezielt einzusetzen, den Gegner von oben, unten und von der Seite zu attackieren und seine Chancen abzuwarten. Denn teilweise in Zeitlupe, bisweilen aber auch nur weil der Gegenüber seinen Angriff gut plant und weit ausholt, könnt ihr die Treffer auch abwehren oder diesen Ausweichen und sofort einen ordentlichen Konter setzen. Ein paar solcher Ausweichaktionen und der Feind bekommt die Fresse mal so ordentlich aufgrund einer eigenen Combo oder eine wirklich schick inszenierten Spezialattacke poliert.

Was und was die Kamera nicht sieht ...

Fighters Uncaged Fighters Uncaged Blindes draufhauen zeigt bei Fighters Uncaged glücklicherweise nur selten Wirkung, ein Spiel mit Anspruch also? Tatsächlich, denn die Kontrahenten weichen den Schlägen häufig geschickt aus und landen in solchen Situationen ihrerseits harte Konter, welche euch sehr viel Energie kosten. Es ist wesentlich sinnvoller, mit Plan und vorausschauend in den Kampf zu gehen. Im Ladebildschirm bekommt ihr meist auch einen Hinweis, wie der Sieg errungen werde kann. Jeder der gut ein Duzend Gegner hat spezielle Schwachstellen und reagiert auch völlig unterschiedlich auf eure Aktionen. Der eine weicht kurzen schnellen Schlägen aus, der andere wiederum ist nur aus der Deckung heraus verwundbar. Vor allem auf höherer Stufe führen nur spezielle Taktiken zum Sieg.

Fighters Uncaged Fighters Uncaged Das alles ist ja schön und gut, doch die Praxis lehrt uns ziemlich schnell gegenteiliges. In seinen Grundfunktionen funktioniert Fighters Uncaged ganz gut, geht es um Präzision und zu den heftigeren Moves, werden die Kicks und Schläge gerne auch mal völlig falsch interpretiert oder erst gar nicht umgesetzt. Allzu schnell hintereinander ausgeführte Attacken werden schon gar nicht mehr vom der Kamera wahr genommen - daher lieber mit kurzen Verschnaufpausen agieren. Ordentliche Combos sind daher schon gar nicht mehr möglich. Viel schlimmer kommt es aber, weil in der Defensive, sprich während des Blockens, zusätzliche Schläge und Aktionen hinein interpretiert werden, die beim besten Willen nicht ausgeführt wurden. Wie soll man einen Feind ganz gezielt in die Knie zwingen, wenn das Spiel ordentlich ausgeführte Moves nicht korrekt auf den Bildschirm umsetzt? Richtig, gar nicht!

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