Football Manager 2019 im Test: Trainer werden ist nicht schwer, Trainer sein dagegen sehr

Test David Benke
Football Manager 2019 im Test: Trainer werden ist nicht schwer, Trainer sein dagegen sehr
Quelle: Sega / Sports Interactive

Mit dem Football Manager 2019 könnt ihr endlich euren Traum verwirklichen, einmal Bundesliga-Trainer zu sein. Ob der Titel auch sonst die Wünsche aller Fußball-Fans wahr werden lässt, haben wir für euch getestet.

Wer kennt das nicht? Man sitzt samstagnachmittags auf der Couch, sieht im Fernsehen seinen Lieblingsclub eine weitere Niederlage kassieren, wirft einen abfälligen Blick auf den Trainer und sagt mürrisch zu sich selbst: "Ich könnte das um Welten besser." Für all jene, denen diese Szenerie vertraut vorkommt, gibt es nun eine gute Nachricht: Ihr habt endlich die Möglichkeit, euer Können unter Beweis zu stellen! Mit dem Football Manger 2019 werdet ihr selbst zum renommierten Fußball-Trainer. Aber Vorsicht, der Job ist nicht so einfach, wie ihr euch das vielleicht vorstellt.Denn der Titel aus dem Hause Sports Interactive kann auf den Blick schon ein wenig einschüchternd sein. Habt ihr zu Beginn des Spiels euer alter Ego erstellt, Aussehen und Fähigkeiten ausgewählt und einen Startpunkt festgelegt, schmeißt euch der FM19 direkt ins Geschehen. Der Startbildschirm erschlägt dabei gerade Neueinsteiger mit einer Vielzahl an Menüs und Einstellungsmöglichkeiten.

FM19 im Test: Verloren im Text-Dschungel

Der Startbildschirm des Football Managers 2019. Quelle: PC Games Zahlen, Texte, Grafiken - der FM19 spart nicht an Infos. Zugegeben: Der Bildschirm ist zwar übersichtlich und strukturiert gestaltet. Die fast 20 Vereinsbereiche, die ihr über eine Leiste am linken Bildschirmrand aufrufen könnt, stecken aber voller Unterpunkte mit zusätzlichen Daten und Statistiken. Es herrscht ein schierer Überfluss an Information. Da dauert es eine gewisse Zeit, bis man sich erst einmal zurechtgefunden und die Funktion aller Optionen begriffen hat.

Eines der neuen Tutorials des Football Manager 2019. Quelle: PC Games Text-Tutorials führen euch Schritt für Schritt in euren neuen Job als Fußball-Trainer ein - hier etwa ins Scouting. Orientierung bieten kleine Texteinblendungen, die ihr per Mouseover aktiviert. Zudem verfügt der Football Manger in diesem Jahr erstmals auch über ein Tutorial, das euch die verschiedenen Arbeitsbereiche näherbringt. Diese Einführungen starten automatisch zu Saisonbeginn, lassen sich bei Bedarf aber auch noch einmal durchlaufen. Ihre Umsetzung ist allerdings noch ein wenig ausbaufähig. Momentan bestehen die Tutorials hauptsächlich aus Text. Viel Text. Dieser wird einmalig am oberen Bildschirmrand angezeigt, danach seid ihr wieder auf euch allein gestellt. Einen "Learning by doing"-Ansatz hätten wir hier besser gefunden.

Habt ihr schließlich einen Überblick über euren Verein gewonnen, genießt ihr dort absolute Kontrolle. Ihr dürft euch um jede noch so kleine Angelegenheit kümmern - seien es nun Vertragsverlängerungen, das Führen von Einzelgesprächen oder das Abwickeln von Transfers. Besonders interessant sind die in diesem Jahr überarbeiteten Trainings- und Taktik-Menüs. Das Taktik-Menü des Football Manager 2019. Quelle: PC Games Im Taktik-Menü habt ihr die volle Kontrolle über die Ausrichtung eurer Mannschaft. Ihr bestimmt Formation, Spielstil und Personal. Hier habt ihr die Möglichkeit, je nach Bedarf individuelle Übungssessions zu erstellen und die Marschroute eures Teams festzulegen. Dabei könnt ihr euch an realen Strategien wie etwa Barcelonas Tiki Taka orientieren oder eigene Spielweisen kreieren, die genau zu eurem Spielermaterial passen. Zudem habt ihr die Kontrolle über die Grundausrichtung eures Teams sowie die Taktik bei gegnerischem oder eigenem Ballbesitz. Schließlich lassen sich noch Position und Anweisung jedes einzelnen Akteurs individuell anpassen. Mehr Realismus geht nicht!

FM19 im Test: Alles unter Kontrolle

Unliebsame Aufgaben lassen sich einfach an den Co-Trainer oder Sportdirektor abwälzen. Dann übernimmt die KI die Verantwortung. Quelle: PC Games Unliebsame Aufgaben lassen sich einfach an den Co-Trainer oder Sportdirektor abwälzen. Dann übernimmt die KI die Verantwortung. Seid ihr von so viel Verantwortung hingegen etwas überfordert, lassen sich alle Aufgaben auch einfach an den Assistenztrainer delegieren. Das ist gerade zu Beginn ganz nützlich, könnt ihr euch so doch erst mal auf das "Wesentliche" konzentrieren und unliebsame Tätigkeiten wie das Personalwesen oder die Nachwuchsentwicklung in die Hände des Computers legen. Der gibt euch hin und wieder auch kleine Taktik-Tipps, die sich mit nur einem Mausklick umsetzen lassen. Dann wird etwa einer der Gegenspieler enger gedeckt.

Auch abseits von Kabine und Trainingsplatz bietet der Football Manager 2019 (jetzt kaufen 6,90 € ) eine beeindruckende Detailtiefe. Der Titel verfügt über 26 voll lizenzierte Ligen aus elf Ländern, deutsche Fans freut natürlich besonders die Franchise-Premiere der Bundesliga. Diese ist in diesem Jahr erstmals mit allen Namen, Wappen und Spielerbildern vertreten. Echte Wappen, echte Trikots - die Bundesliga wird dieses Jahr erstmals wirklichkeitsgetreu abgebildet. Quelle: PC Games Echte Wappen, echte Trikots - die Bundesliga wird dieses Jahr erstmals wirklichkeitsgetreu abgebildet. Das sorgt für zusätzliche Authentizität - genauso wie die riesige Spieler-Datenbank: Über 450.000 Akteure sind im Spiel enthalten und verhalten oder entwickeln sich dank eines ausgeklügelten Bewertungssystems so realistisch wie noch nie. Wem das nicht reicht, der kann sich zudem auf die Community verlassen. Der FM19 bindet nämlich den Steam Workshop aktiv mit ein. Dort könnt ihr nicht nur Taktikvorlagen anderer Spieler, sondern auch editierte Datenbanken herunterladen.

Auch sonst wissen die Entwickler von Sports Interactive, wie man eine immersive Welt aufbaut. Euch erwartet etwa ein Social Media Feed, der euch über die aktuellen Vorgänge im Weltfußball und die Reaktionen der Fans aufklärt. Obendrein gibt es Pressekonferenzen, Interviews und Mannschaftssitzungen, in denen ihr euch beweisen müsst.
Pressekonferenz im Football Manager 2019. Quelle: PC Games Vor jedem Spiel stehen optionale Pressekonferenzen an, in denen ihr zur aktuellen Form, zur Taktik oder zum kommenden Gegner befragt werdet.

FM19 im Test: Glaubhafte Welt, gute Atmosphäre

Die Wahrheit liegt dann am Ende aber natürlich auf dem Platz. Dort könnt ihr das Spiel aus verschiedenen Perspektiven verfolgen und von außen Einfluss auf das Geschehen nehmen. Ihr wechselt Spieler aus, ändert dynamisch eure Taktik oder gebt per Zuruf individuelle Anweisungen. In der Pause lässt sich per Kabinenansprache noch einmal an die Moral der Mannschaft appellieren. Manchmal hilft euch aber auch all das nicht mehr weiter. Dann müsst ihr hilflos von der virtuellen Seitenlinie aus zusehen, wie euer Team verliert - trotz idealer Vorbereitung. Ab und an gewinnt ihr aber auch mal, ohne genau zu wissen, warum. Eine gewisse Intransparenz ist immer mit dabei.

Das Spiel könnt ihr aus verschiedenen Perspektiven verfolgen und währenddessen dynamische Veränderungen am Team vornehmen. Quelle: PC Games Das Spiel könnt ihr aus verschiedenen Perspektiven verfolgen und währenddessen dynamische Veränderungen am Team vornehmen. An der Optik sollten Sports Interactive ebenfalls noch etwas schrauben. Grafisch ist der Football Manager 2019 nämlich kein Leckerbissen. Die Charaktermodelle wirken altbacken, die Bewegungen der Spieler hölzern. Besonders Torhüter machen zeitweise einen ziemlich unbeholfenen Eindruck. Auch die Matchpräsentation ist ziemlich lieblos - trotz der Einbindung neuer Technologien wie Video-Referee und Torlinientechnik. Immerhin der Sound im Stadion ist anständig, in den Menüs haben wir hingegen gar keine Musik. Generell hätten der Atmosphäre etwas weniger Text, dafür mehr Abwechslung nicht geschadet.

An anderen Stellen fehlt es noch ein wenig am Feinschliff. Stellenweise haben sich kleinere Rechtschreibfehler oder komische Übersetzungen eingeschlichen. Manche Spieler verfügen über kein Bild, (Noch)-Bayern-Trainer Niko Kovac hieß in unserem Spielstand seltsamerweise Max Mustermann. Verletzungen treten unverhältnismäßig oft auf, 1-gegen-1-Situationen entscheiden die Stürmer gefühlt zu selten für sich. Zudem werden einige Aspekte des Spiels nur unzureichend unerklärt.

FM19 im Test: Ein Zeitfresser mit Makeln

Auch der Football Manager 2019 ist nicht ganz frei von Fehlern. Quelle: PC Games Da stimmt doch was nicht: Der Trainer des FC Bayern München hatte in unserem Spielstand einen eher ungewöhnlichen Namen.

Zu guter Letzt sollte noch der Zeitfaktor erwähnt werden. Wer sich für den Football Manager 2019 interessiert, sollte nämlich ausreichend Geduld mitbringen. Das Ingame-Tempo ist ziemlich gemächlich - teils sogar unerträglich langsam. Die Simulation wird ständig wegen Kleinigkeiten unterbrochen. Das stört gehörig den Spielfluss, lässt uns aber auch verstehen, warum der durchschnittliche Spieler rund 250 Stunden jährlich investiert.

Trotz all der Makel ist der Football Manager 2019 aber immer noch ein tolles Spiel - vielleicht sogar mehr als das. Er ist die perfekte Illusion. Sports Interactive baut hier eine Welt um den Spieler auf, die glaubhaft wirkt und in der man sich stundenlang verlieren kann. Die Entwickler schaffen es, dass man eine emotionale Bindung zu virtuellen Spielern aufbaut. Dass man emotional mitgenommen wird, obwohl man doch eigentlich nur vor dem Bildschirm sitzt. Es macht einfach Spaß zuzusehen, wie die eigene taktische Marschroute aufgeht. Es reißt dich voller Euphorie aus dem Sitz, wenn das Team in der Nachspielzeit noch den entscheidenden Siegtreffer erzielt. Da spielt es dann auch keine große Rolle mehr, dass man nicht jedes letzte Detail verstanden hat.

FM19 im Test: Fazit und Wertung

Meinung

Wertung zu Football Manager 2019 (PC)

Wertung:

8.5 /10
Pro & Contra
vollständige Bundesliga-LizenzTutorials und Tippsumfassendes Taktik- und Training-Featureunglaublicher DetailgradVideo-Referee und Torlinientechnikriesige Spielerdatenbank mit realistischen WertenModifizierungsmöglichkeiten durch den Steam Workshop
altbackene Grafikkomplexes System mit viel Einarbeitungszeitlangsames Spieltempo
Fazit

Vielleicht nicht so hübsch wie FIFA und Konsorten, dafür aber wesentlich gehaltvoller.

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