Football, Tactics and Glory im Test: Unterhaltsamer Fußball-Manager für zwischendurch
Test
Endlich können sich angehende Fußballtrainer und -manager am PC wieder ordentlich beweisen - dank eines kleinen ukrainischen Teams, das mit Football, Tactics and Glory einen unterhaltsamen Steam-Titel für Simulations-Fans veröffentlicht hat.
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Die Fußball-Weltmeisterschaft ist bereits in vollem Gange, wenn ihr diese Zeilen hier lest. Und wenn eine WM etwas an die Oberfläche spült, dann ist das - neben allerlei hässlichen Autoverzierungen in Schwarz-Rot-Gold-Optik - eine wahre Horde an Hobby-Trainern und -Managern, die sowieso alles besser wissen. Und damit nehmen wir uns hier im Verlag explizit nicht aus. Kein Sané? Pfft, das wird doch eh nix. Um diese ins Absurde übersteigerte Selbstüberschätzung zu untermauern, gab es vor einigen Jahren noch die regelmäßig erscheinende Fussball Manager-Reihe aus dem Hause EA, in der wir unsere heißgeliebte SV Hönnepel-Niedermörmter an die Spitze des europäischen Fußballs hieven konnten, wo sie seit jeher hingehört. Oder irgendeinen anderen obskuren Dorfverein halt. Hoffenheim oder so was. Seit dem Ende des FM anno 2013 jedoch klaffte für all die Hobby-Mourinhos eine echte Software-Lücke, die in diesem Jahr gleich doppelt gefüllt wird. Zum einen erscheint Segas Football Manager erstmals offiziell auch hierzulande, zum anderen schickt sich ein kleiner Indie-Titel namens Football, Tactics & Glory an, eine wirklich unterhaltsame Alternative zu bieten.
Verantwortlich für FT&G ist der ukrainische Entwickler Creoteam, der bisher nur im Jahre 2008 mit dem sehr mittelprächtigen Action-Titel Collapse kein Aufsehen erregte. Das Zweitwerk der Osteuropäer ist da schon deutlich durchdachter. Wie in jedem guten Fußball-Manager steht am Anfang
Quelle: Creoteam
Wer in einer hohen Liga anfängt, hat dank Steam-Workshop sogar ein paar Original-Spieler an Bord – einen allzu hohen Realismusgrad, was deren Stärken anbelangt, solltet ihr aber auch nicht erwarten. (1)
aber erst einmal die Wahl eures Teams. Neben den wichtigsten europäischen Nationen könnt ihr eure Karriere auch in etwas "exotischeren" Gefilden wie Argentinien, den USA, Kanada, China oder Indien beginnen. Was jedoch alle Länder gemein haben, sind zwei Dinge. Erstens: Original-Wappen, -Vereinsnamen und -Spieler sucht ihr vergebens, alle Daten sind (wie etwa früher in Anstoß) verfremdet. Abhilfe schaffen hier allerdings der Editor und die integrierte Steam-Workshop-Anbindung, die euch nach nur wenigen Mausklicks mit Originaldaten für (fast) alle Länder versorgt. Zweitens: Echte Ligaregeln gibt es ebenfalls nicht. In jeder Nation findet ihr fünf hintereinandergestaffelte Ligen vor: eine 8-Team-Amateurliga, eine 4. Liga mit 12, eine 3. mit 14, eine 2. mit 16 und eine 1. mit 18 Clubs.
Der Weg zum Ruhm
Im normalen Spielmodus startet ihr - ganz gleich mit welchem Team - in der untersten dieser Ligen. Ohne Geld, mit Mini-Stadion und einer überalterten Mannschaft voller Grobmotoriker. Allzu viel ändern könnt ihr daran jedoch erst mal nicht, denn um neue Spieler zu verpflichten oder die Peripherie auszubauen, sind zwei Währungen wichtig, die ihr euch nur durch gute sportliche Leistungen verdient: Geld und Ruhm. Im Vergleich zu klassischen Fußball-Managern sind eure Möglichkeiten hier aber auch relativ begrenzt. In Sachen Peripherie baut ihr lediglich das Stadion aus, was bei entsprechender Fan-Basis für mehr Einnahmen sorgt, oder ihr investiert in die Jugendakademie, damit sie halbjährlich besseren Nachwuchs ausspuckt. Bei den Angestellten habt ihr etwas mehr Optionen: Scout-Assistenten sorgen für größere Scouting-Listen mit jüngeren Spielern, Co-Trainer steigern den Erfahrungsgewinn eurer Kicker. Auf dem Transfermarkt kauft und verkauft ihr Spieler einfach per Mausklick gegen Ingame-Geld. Falls gerade niemand Interessantes angeboten wird, schickt ihr einmal pro Transferperiode je einen Scout in die anderen Ligen - das war's. Trotzdem ist das Ausbauen von Mannschaft und Umfeld sehr motivierend und launig. Zumindest, wenn ihr euch den Spaß nicht selbst durch den optionalen Geld-Cheat-Modus oder einen höheren Ligenstart verderbt: In FT&G an der Spitze anzufangen ist tatsächlich nicht allzu unterhaltsam.
Quelle: Creoteam
Ohne Fan-Patch sind die Namen der Teams verfremdet. Man erkennt aber trotzdem noch ganz gut, wer eigentlich gemeint ist.
Weitaus witziger ist da schon die große Besonderheit des Spiels: die Partien selbst. Die nämlich sind als richtig tolle und liebenswert animierte Rundentaktik inszeniert. Jeder eurer Kicker hat individuelle Werte, Aktionsradien und Spezialfähigkeiten, die sich gezielt trainieren lassen und mit jedem Level-up steigen. Für jede Pass-, Schuss-, Dribbling- oder Zweikampf-Aktion berechnet das Spiel anhand dieser Werte eure Erfolgschancen. Heißt: Je niedriger euer Passwert, desto unwahrscheinlicher eine gute Flanke, je höher der Kontrolle-Wert eures Stürmers, desto aussichtsreicher das Dribbling vorbei am Verteidiger. Weil aber gewürfelt wird, ist immer noch ein gewisses Maß an Zufall dabei. Da bleibt dann auch mal Messi an Heiko Westermann hängen. Nach jeweils vier Aktionen ist der Gegner dran, was für jede Menge taktische Überlegungen sorgt. Schießen oder doch besser den Ball halten? Riskante Flanke oder über zwei Runden aufbauen? Versucht man dann noch, variabel auf den Gegner zu reagieren, ergibt das eine enorme Spieltiefe - toll!
