Forza Horizon 4: Der Fun-Racer erzeugt im Test Frühlingsgefühle + Testvideo

Test Andreas Szedlak
Forza Horizon 4: Der Fun-Racer erzeugt im Test Frühlingsgefühle + Testvideo
Quelle: Microsoft

Im Test des Fun-Racers Forza Horizon 4 für PC und Xbox One haben wir uns die Neuerungen wie Jahreszeiten-Wechsel oder Häuserkauf ganz genau angeschaut. Können die neuen und überarbeiteten Features für ein frisches Spielgefühl sorgen oder nutzt sich der Festival-Charakter inzwischen ab? Diese und viele weitere Fragen beantwortet unser Test zu Forza Horizon 4.

Zweigleisig: Während Käufer der teureren Ultimate Edition (100 Euro) bereits am 28. September Forza Horizon 4 (jetzt kaufen 167,39 € ) auf PC und/oder Xbox One zocken dürfen, müssen Käufer der Standard Edition (70 Euro) bis 2. Oktober warten. Die feine Art von Microsoft? Ganz sicher nicht! Doch das soll uns beim Test von Forza Horizon 4 die Laune nicht verderben. Eine Frau, mein Auto, mein Haus - die Fun-Racer-Serie Forza Horizon entwickelt sich Stück für Stück zur Lebenssimulation. Wer seine verdienten Credits nicht "nur" in Vierrad-Schmuckstücke investieren möchte, sondern auch in Haus und Grund, der findet in Forza Horizon 4 einen weiteren Motivationsfaktor, um fleißig Spielwährung zu sammeln.Während ihr das erste Zuhause noch geschenkt bekommt - für eure Dienste als Stuntfahrer bei einem Filmdreh -, kosten die teuersten Häuser siebenstellige Beträge. Für 5 Millionen erhaltet ihr dann aber auch ein protziges Haus am See, wo ihr wunderschöne Oldtimer wie den Bugatti Type 35 C aus dem Jahre 1926 oder brandneue Supersportwagen Marke McLaren Senna so richtig in Szene setzen und im Forzavista-Modus bewundern könnt. Autoliebhaber dürften dabei in Verzückung geraten.

Forza Horizon 4 im Test: Bewährtes Grundgerüst

Die Erweiterung der Horizon-Formel ist sehr willkommen, nutzt sich doch jedes noch so tolle Spielkonzept irgendwann ab. Dass ihr nun Häuser kaufen sowie euren männlichen oder weiblichen Avatar mit jeder Menge freischaltbarer Kleidung und Accessoires ausstatten könnt, sind sinnvolle Fortschritte, wenngleich auch keine revolutionären. Der grundsätzliche Aufbau des Racers bleibt bestehen: Ihr kommt am Horizon-Festival an, bestreitet verschiedene Events in der Umgebung und werdet nach einiger Zeit zum nächsten Festival-Ort gelotst. Natürlich wird alles begleitet von regelmäßigen Kommentaren aus dem Radio, von der Festival-Managerin und vom Initiator der neuen illegalen Straßenrennen, die allesamt mit mehr oder minder flotten Sprüchen versuchen, für gute Laune zu sorgen. Ob's gelingt ist Geschmacksache, bei uns hat es meistens geklappt.Wer jedoch, wie wir, beim vierten Teil der populären Racing-Serie auf ein völlig frisches "Look and Feel" gehofft hat, der dürfte etwas enttäuscht darüber sein, dass Entwickler Playground Games am Forza Horizon-Spielplatz eben nichts Grundlegendes verändert hat. Verdenken können wir es dem Studio allerdings nicht, stießen doch die Vorgänger bei Community und Presse auf sehr viel Gegenliebe. Die zwei Jahre Entwicklungszeit flossen in zahlreiche Detailverbesserungen und natürlich in die britische Spielwelt, die erstmals alle vier Jahreszeiten abbildet.

Das gekaufte Haus im typisch englischen Landhausstil animiert zu einem Fotoshooting. Quelle: PC Games Das gekaufte Haus im typisch englischen Landhausstil animiert zu einem Fotoshooting.

Forza Horizon 4 im Test: Racer Vier Jahreszeiten

Die unterschiedlichen Jahreszeiten verändern nicht nur den Look der von Beginn an frei befahrbaren Spielwelt. Auch die Radiokommentare sowie spezielle Events sind auf Frühling, Sommer, Herbst und Winter zugeschnitten. Zum Beispiel lässt euch die Saisonveranstaltung "Herbstliche Schönheiten" eine Rallye-Meisterschaft bestreiten, in der ihr durch den von Laub bedeckten Wald der britischen Spielwelt rast. Der Untergrund ist im Herbst natürlich merklich rutschiger, tiefe Pfützen erfordern schnelle Ausweichmanöver. Generell regnet es in Forza Horizon 4 häufig, was in Anbetracht der britischen Spielwelt jedoch nicht verwundern dürfte. Im Winter müsst ihr schon mal einem Schneepflug ausweichen. Schon nach wenigen Spielstunden möchte man das Jahreszeiten-Feature nicht mehr missen. Die sich regelmäßig verändernde Atmosphäre bringt Abwechslung ins Spiel. Allerdings sieht man sich an den Effekten natürlich irgendwann satt, der zehnte Winter in Großbritannien ist eben nicht mehr so spannend wie noch der erste. Dennoch haben wir uns etwas in die wechselnden Jahreszeiten verguckt und wünschen uns dieses Feature künftig in jedem Forza Horizon!

Wer Forza Horizon 4 spielt, sollte keine Regenallergie haben. In der britischen Spielwelt schüttet es häufig. Quelle: PC Games Wer Forza Horizon 4 spielt, sollte keine Regenallergie haben. In der britischen Spielwelt schüttet es häufig.

Forza Horizon 4 im Test: Mehr denn je zu tun

Es dauert nicht lange und es wimmelt auf der Weltkarte vor Events und Betätigungsfeldern. Neu sind unter anderem die "Story und Geschäfte"-Missionen. Hier müsst ihr zum Beispiel als Stuntfahrer eine Sprungschanze ansteuern und dürft dabei eurem sündhaft teuren Boliden keinen Kratzer zufügen. Im Drift Club dürft ihr - wenig überraschend - Drift-Aufgaben erfüllen. Kauft ihr die "Weltschnellste Autovermietung" dürft ihr euren Kunden die weltschnellsten Autos anbieten - und diese vorher probefahren. Derartige Missionen leiten kurze Cutscenes ein, ebenso wie die neuen illegalen Straßenrennen. Zwar ist die deutsche Synchronisation der Zwischensequenzen gut gelungen. Dafür haben sich die Verantwortlichen bei der technischen Umsetzung in diesem Aspekt nicht allzu viel Mühe gegeben. Gesichter und Animationen sind keineswegs zeitgemäß. Außerdem sind die Dialoge klischeehaft und dementsprechend langweilig. Prinzipiell ist gegen Story-Missionen in Rennspielen natürlich nichts einzuwenden. Sie sollten allerdings einigermaßen So steif wie hier stehen die Charaktere in den Cut-Scenes nicht nur rum, sie bewegen sich auch recht hölzern. Quelle: PC Games So steif wie hier stehen die Charaktere in den Cut-Scenes nicht nur rum, sie bewegen sich auch recht hölzern. professionell umgesetzt sein, was in Forza Horizon 4 leider nur im Ansatz erfüllt wird. Natürlich erwarten euch wieder die bekannten Schaurennen, in denen ihr, spektakulär inszeniert, gegen Motocross-Biker, Luftkissenfahrzeug oder Düsenjet antretet. Zum ersten Mal müssen wir uns für den Sieg auch wirklich anstrengen. Während wir in den Vorgängern stets das Gefühl hatten, unseren Kontrahenten immer kurz vor der Ziellinie überholen zu können, hatten wir diesmal bei einigen Schaurennen mehrere Anläufe gebraucht. Absolutes Highlight ist das Halo-Experience-Schaurennen, in dem ihr mit dem Warthog aus Halo unter Zeitdruck eine Landezone erreichen müsst - begleitet von witzigen Kommentaren der KI Cortana.

Forza Horizon 4 im Test: Nach Lust und Laune

Das Fortschrittssystem in der Karriere hat sich etwas verändert. Ihr erklimmt nicht nur die Fahrerstufenleiter, indem ihr fleißig Einfluss-Punkte sammelt. Auch die einzelnen Events verfügen über ein Stufensystem. Habt ihr zum Beispiel Lust auf Straßenrennen, steigt ihr durch Erfolge neue Events freischalten, selbst wenn ihr andere Veranstaltungen wie Offroad- oder Rallye-Events außen vor lasst. Das Menü "Horizon Life" liefert einen Überblick über sämtliche Betätigungsfelder und die jeweils erreichte Stufe: Zu den Aufgaben zählen nicht nur Renn-Events, sondern auch Tuning, Blitzerzonen, Fotos, Scheunenfunde, das Sammeln von Autos, Mixer-Streams und noch vieles mehr. Im Creative Hub können sich die Kreativen unter euch so richtig austoben und Auto-Designs, Events-Blaupausen oder Tunings entwerfen. Natürlich fehlen auch die beliebten Clubs nicht, die jetzt sogar ins Dashboard der Xbox One integriert sind und unter anderem die Möglichkeit zum Chatten bieten. Bis zu 2.000 Mitglieder kann ein Club aufnehmen.

Im spektakulär inszenierten Halo-Experience-Event brettert ihr mit Masterchiefs Warthog über die Spielwelt. Quelle: PC Games Im spektakulär inszenierten Halo-Experience-Event brettert ihr mit Masterchiefs Warthog über die Spielwelt.

Forza Horizon 4 im Test: Team-Abenteuer

Der Multiplayer-Part wurde ebenfalls erweitert. Hinter "Forzathon" verbergen sich tägliche und wöchentliche Herausforderungen. Dabei müsst ihr zum Beispiel drei ultimative Windschatten-Fähigkeiten oder zwei großartige Zerstörungs-Fähigkeiten auslösen. Es gibt zu bestimmten Uhrzeiten auch Live-Events, in denen ihr etwa Blitzerzonen möglichst schnell durchfahren oder große Sprünge absolvieren müsst. Dabei seht ihr zwar die anderen Mitspieler, die an den Aufgaben teilnehmen, es ist jedoch nicht möglich, sich zu berühren, sodass kein Fiesling eure Rekordjagd sabotieren kann - oder umgekehrt. Auch die Team-Abenteuer versprechen wieder jede Menge Spaß. Hier treten zwei Teams aus bis zu sechs Spielern gegeneinander an und bestreiten Rennen sowie Spaß-Events. Zum Beispiel müsst ihr dem gegnerischen Team die Flagge rauben oder die Feinde mit einem Virus infizieren. Serienkenner wissen, das gab es schon im Vorgänger. Neben privaten Abenteuern, lassen sich auch gewertete und ungewertete Team-Abenteuer bestreiten.

Forza Horizon 4 im Test: Gleichtönige Motorensounds

Forza Horizon 4 bietet also mehr Betätigungsfelder und eine abwechslungsreichere Spielwelt denn je, doch wie viel Fahrspaß bringen die insgesamt 450 Boliden? Die Fahrphysik tendiert wie gewohnt stark in Richtung Arcade und passt so perfekt zu diesem Open-World-Racer. Zumal abhängig vom fahrbaren Untersatz deutliche Unterschiede zu erkennen sind, etwa zwischen einem Lamborghini Centenario und einem Ford F-150 Raptor. So bereitet es immer wieder Freude, neue Autos auszuprobieren. Der Fuhrpark lässt ohnehin keine Wünsche offen und bietet nahezu alles an Marken und Gattungen, was das Herz begehrt. Aber nur fast, denn die Elektroautos von Tesla haben wir ebenso vergeblich in der Auswahlliste gesucht, wie Formel-Boliden. Das hat uns aber weitaus weniger gestört, als die Tatsache, dass die Motorensounds nicht originalgetreu sind. Ob Truck, Oldtimer oder Supersportwagen, die Fahrzeuge klingen mehr oder minder gleich, nämlich wie ein moderner Sportwagen. Auch wenn es sich bei Forza Horizon 4 "nur" um einen Arcade-Racer handelt und nicht um ein simulationsartiges Rennspiel wie Forza Motorsport 7, sollten sich die Entwickler die Mühe machen, Oldtimern, Trucks, Muscle Cars oder einem Hybridautos wie dem BMW i8 zumindest einen einigermaßen authentischen Sound zu verpassen, da sonst die Atmosphäre darunter leidet. Auch ein unzureichendes Schadensmodell lässt Luft aus der Atmosphäre-Blase, doch daran müssen wir uns heutzutage ja leider schon gewöhnen. Dass nach einem heftigen Crash bestenfalls mal ein Außenspiegel wegfällt, der Lack aber oft nur Kratzspuren und minimale Dellen aufweist, ist schade, aber unsererseits eher verschmerzbar als die zu monotonen Motorensounds.

Querfeldeinrennen gehören zu den spaßigsten und actionreichsten Events. Quelle: PC Games Querfeldeinrennen gehören zu den spaßigsten und actionreichsten Events.

Forza Horizon 4 im Test: Sightseeing

Nichts auszusetzen haben wir an der grafischen Darstellung der großen Spielwelt. Detailgrad und (HDR-)Lichteffekte haben im Vergleich zum Vorgänger noch zugelegt. Die vielen ländlichen und städtischen Häuser lassen sogar einen Blick durch die Fenster zu. Dass darin tatsächlich authentisches Mobiliar zu finden ist, beweist der Flug mit der Drohne. Viele Objekte sind zerstörbar, etwa dünne Bäume und kleine Mauern, wodurch Querfeldeinrennen ein wahres Freudenfest sind. Crasht man doch mal irgendwo hinein, kann man die Rückspulfunktion bemühen, sofern man sie nicht im Schwierigkeitsmenü deaktiviert hat, um den Credit-Bonus zu steigern. Auf der Xbox One X könnt ihr zwischen zwei Grafikmodi wählen: "Leistung" lässt euch das Spiel in 60 Bildern pro Sekunde erleben. "Qualität" zeigt Großbritannien dagegen von seiner schönsten Seite und bietet dabei immer noch stabile 30 Bilder pro Sekunde. Das schreit geradezu danach, sich an einem geeignetem Ort den Sonnenuntergang anzuschauen, idyllische Plätzchen dafür gibt es genug. Die PC-Version von Forza Horizon 4 hat uns bis jetzt leider noch nicht erreicht.

Forza Horizon 4 im Test: Keine Überraschung

Forza Horizon 4 bietet letztlich nicht weniger, aber auch nicht mehr, als das was man erwarten durfte. Die Events bringen viel Spaß und gute Laune, die Spielwelt hält Events sowie Betätigungen für zig Spielstunden bereit, dazu sorgt das Jahreszeiten-Feature für Abwechslung. Playground Games ist kein Risiko eingegangen, sondern hat das bewährte und beliebte Grundgerüst mit neuer Ausstattung erweitert und andere Teile sinnvoll getunt.Wer die drei Vorgänger gespielt hatte, könnte allerdings vom typischen Festival-Charakter gesättigt sein, der sich seit Start der Serie kaum verändert hat, zumal die Musik-Festivals deutlich besser in Szene gesetzt werden hätten können. Apropos Musik: Gerade für Freunde der elektronischen Musik sind diesmal weniger Ohrwürmer dabei, als in den beiden letzten Teilen. Vor allem so eine zum Mitwippen zwingende Nummer wie Liberate von Eric Prydz aus Forza Horizon 2 fehlt diesmal. Doch über Musikgeschmack lässt sich am Allerwenigsten streiten.

Bildergalerie

Forza Horizon 4 im Test: Fazit und Wertung

Meinung

Wertung zu Forza Horizon 4 (XBO)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Herrlich gestaltete, vielfältige und detaillierte SpielweltWahnsinnig viele Events und BetätigungsfelderJahreszeiten-Wechsel sorgt für AbwechslungPrima Fahrgefühl mit Controller und Lenkrad450 Fahrzeuge aus den wichtigsten GattungenSpektakuläre Schaurennen, vor allem Halo-ExperienceHäuserkauf animiert zum Credit-SparenAvatare lassen sich ankleiden und erscheinen häufig - auch im Multiplayer-ModusRadio-Sender decken alle wichtigen Genres abÜbersichtliches Horizon-Life-MenüWitzige Forzathon-Live-Events und Team-AbenteuerZwei Grafik-Modi auf Xbox One X: Qualität (30 fps) und Leistung (60 fps)Mehr Story-Missionen ...
... deren Cut-Scenes jedoch klischeehaft und technisch nicht zeitgemäß sindKaum Änderungen am Festival-Konzept - nutzt sich inzwischen abMotorensounds klingen zu gleichtönigSehr rudimentäres Schadensmodell
Fazit

Keine revolutionären Neuerungen, dafür viele sinnvolle Fortschritte und ganz, ganz viel Fahrspaß!

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