Der Ausnahmeshooter geht in die dritte Runde und erscheint erstmals auch bei uns. Kann das Ende der Trilogie noch so flashen wie 2006?
Gears of War 3
Überhaupt ist das Prinzip Gears of War langsam etwas ausgelutscht. Denn die Kampagne macht alleine im Singleplayer nur halb so viel Spaß, wie mit echten Kollegen im Koop. Dauernd hechtet man von einer Deckung zur nächsten und macht dann alle Gegner in der Umgebung platt, um weitergehen zu können. Fette Bossgegner gibt es zwar auch mitten in einer Mission, einige davon in Qualität und Größe sogar cooler, als manch ein Finalboss bei der Konkurrenz, doch fast immer kann man erahnen, wann sie auftauchen. Wenn massive Deckungen aufgebaut sind etwa und/oder fette Wummen herumliegen kann man sich sicher sein, gleich kommt was Großes - und oft stimmt's. Das spoilert tierisch und verdirbt den Überraschungseffekt, etwa wenn plötzlich aus dem Nirgendwo ein riesiger Brumak auftaucht.
Trotzdem bewährt gut
Gears of War 3
Dass man am Gameplay groß nichts ändern wird, war abzusehen. Denn, mal von der Innovationsarmut abgesehen, macht Epic nichts falsch. Gears of War 3 liefert Action am laufenden Band, in einer Intensität, die man nur schwer beschreiben kann und dazu gibt es alle paar Ecken im Spiel auch mal Storyfetzen, welche die Lücken der letzten zwei Spiele zum Großteil schließen. Große Erwartungen muss man daran zwar nicht setzen, denn das Spiel lebt eher von Gewalt, der Gruppendynamik und Atmosphäre als von Storytelling, es gibt aber einige Momente, in denen einem der Atem stockt - musikalisch perfekt unterlegt und durchaus gelungen! Leider ist das Ende schon bald absehbar und einige Fragen bleiben zum Schluss dann doch offen - aber der Goldesel DLC oder weitere Comicauskopplungen oder mögliche Fortsetzungen wollen ja immerhin auch noch bedient werden.
Gears of War 3
Am meisten Spaß macht Gears of War 3 natürlich nicht alleine, sondern kooperativ mit Freunden. Die Kampagne kann man dieses mal zu viert spielen, entweder zu zweit per Splitscreen oder eben zu viert per System Link/Xbox Live. An vielen Stellen im Spiel merkt man auch, dass Gears of War 3 noch viel eher an Koop-Spieler ausgerichtet ist, als alle Teile zuvor: Türen und Tore kann man oft nur zu zweit oder mit mehr Spielern öffnen, in der SP-Kampagne hilft dann die KI aus. Hintergrund: Die Mechanik wird sonst verwendet, damit sich an einer Stelle alle Spieler versammeln, bevor ein Event getriggert wird - ohne dass Nachzügler im Koop eventuell "rumgebeamt" werden müssen.
Gears of War 3
Natürlich sind es aber nicht solche technischen Kleinigkeiten, die einem zeigen, dass Gears für Koop ausgelegt ist. Da ist es eher die oft dämliche Partner-KI, die einem einen Strich durch die Rechnung macht. Zwar agieren Teammitglieder größtmöglich autark und ohne Befehle, dafür laufen sie Einem aber auch ziemlich häufig vor die Flinte, versperren Wege oder laufen einfach schnurstracks an Gegnern vorbei an den Anschlusspunkt des Levels. Wenn man es nicht schafft sich dann alleine durchzuschlagen, kommt auch niemand zum Wiederbeleben - mit echten Mitspielern passiert das nicht. Und auch sonst gibt es (aber eher seltene) Aussetzer: An zwei Punkten laufen in unserem Test einzelne Mitglieder wild ins Feindfeuer und werden dort getötet, falls man sie nicht schnell genug rettet oder reagieren auch mal zu zaghaft. Alleine braucht man im mittleren (normalen) Schwierigkeitsgrad zwischen 9 und 10 Stunden, um den Abspann zu erreichen; im Koop geht's, bedingt durch bessere Spieler, natürlich ein wenig schneller.
Gears of War 3
Richtige Profis werden aber sowieso im schweren Schwierigkeitsgrad spielen, erst wenn man den geschafft hat, wird der allerhärteste freigeschaltet. Zu beobachten ist, dass das Spiel aber insgesamt sehr viel leichter zu packen ist, als seine Vorgänger. Erst auf schwer wird es richtig herausfordernd, auf leicht und normal ist Gears of War 3 für Kenner der Serie bis auf wenige Schlüsselszenen sicherlich sogar komplett im ersten Versuch ohne Tode schaffbar. Zur Erinnerung: Gerade in Gears of War 2 gab es Spielmomente, die einen durch knifflige Gegner an den Rand des Wahnsinns trieben, bis man herausgefunden hat, wie man vorzugehen hat. Das bleibt aus, wodurch der Anspruch spürbar sinkt.
