Games World
Login Registrieren
Möchtest du diese Seite als Startseite festlegen?
als Startseite festgelegt.
    Möchtest du diese Seite als Startseite festlegen?
    Mobile als Startseite festgelegt.
    Login Registrieren
  • Geheimakte Tunguska: Point & Click-Hype aus Deutschland - Leser-Test von Sly Boots

    Entwickler: Animation Arts, Fusionsphere Systems
    Publisher: Deep Silver
    System: PC, Wii, NDS
    Genre: Adventure
    Sprache: Deutsch
    Altersfreigabe: 12
    Systemanforderungen:
    CPU: 500 MHz Pentium II oder besser / Windows 2000 oder XP / 128 MB RAM / Grafikkarte 16 MB RAM DirectX 9.0 kompatibel / 2 GB Festplattenspeicher / DVD-Rom Laufwerk

    Anmerkung: Getestet wurde die auf 1.03 gepatchte PC-Version aus der Geheimakte Sammelbox.

    Einleitung:
    Ah ja, das hoch gelobte Geheimakte: Tunguska ... Eines muss man dem Publisher Deep Silver lassen, er hat für dieses Adventure den perfekten Veröffentlichungszeitpunkt ausgewählt!
    Scheinbar war die damalige Adventure-Flaute dermaßen extrem, dass jedem gelungenem Genrevertreter die hohe Wertung quasi hinterher geschmissen wurde - ein ähnliches Phänomen durfte ich ja schon bei Dreamfall beobachten.
    Lasst mich mal kurz googeln ... Ah hier:
    - Ausgezeichnet mit zahlreichen Hitawards für Wertungen zwischen 85-90% - checked
    - Adventure des Jahres 2006 - checked
    - Spiel des Jahres 2006 - checked.
    Respekt! Ändert aber auch nichts dran, dass meine Wenigkeit die Sache ein kleinwenig anders sieht.
    Ist wohl mal wieder an der Zeit für mich, einige Kollegen auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen - genau wie damals zu DQ8-Zeiten.^^

    Story:
    Die Handlung des Spiels baut auf einer realen Katastrophe auf, die sich am 30. Juni 1908 in Sibirien ereignete.
    Eine gigantische Explosion vernichtete seinerzeit alles im Umkreis von 2000 km² und machte sich selbst hunderte Kilometer weit entfernt noch deutlich bemerkbar.
    Nun ist bis heute nicht geklärt, was damals eigentlich genau geschehen ist, man vermutet aber einen Kometen- oder Asteroidenabsturz ... Soviel also erst einmal dazu.

    Nina Kalenkow - Protagonistin dieser Geschichte - kümmert sich herzlich wenig um historische Ereignisse oder sonstigen wissenschaftlichen Krimskrams, und da kann auch Papa Wladimir, seines Zeichens Archäologe (gäähn), nichts dran ändern.
    Eines Abends, als Wladimir immer noch in seinem Labor des Berliner Naturkunde-Museums zugange ist, wird er von einigen unheimlichen, in schwarzen Kutten gewandeten Gestalten entführt (Ringgeister anyone?).
    Kurz darauf trifft Nina ein und findet den Arbeitsplatz ihres Vaters im entsprechenden Zustand vor.
    Da die Polizei mit Desinteresse reagiert, bleibt der jungen Frau nichts anderes übrig, als sich auf eigene Faust auf die Suche zu begeben.
    Unterstützung erhält sie dabei von Max Gruber, einem jungen, gut aussehenden Kollegen ihres Vaters (gäähn²).
    Während ihrer Suche nach Antworten, stoßen die beiden recht schnell auf Indizien, die sie auf oben genannten Tunguska-Vorfall aufmerksam machen ...

    Nun denn, trotz diverser Klischees gelingt es der Story recht gut den Spieler bei der Stange zu halten und zum weiterspielen zu motivieren.
    Die recht spannende Handlung entfaltet sich immer weiter und führt uns zu vielen verschiedenen Schauplätzen rund um den Globus.
    Von Deutschland über Russland bis hin zur Antarktis erwarten den Spieler viele aufregende Abenteuer.
    Leider hat man es versäumt, der Story einen würdigen Abschluss zu verleihen.
    (Achtung Spoiler!) Die bis dato angesammelte Spannung entlädt sich in einem wirren Gebräu aus lahmen Oberschurken mit 08/15-Ambitionen und einer bizarren Sekte extraterrestrischen Ursprunges.
    Ferner wirken all diese Handlungsfragmente hinsichtlich des gepresst wirkenden Endspurts erschreckend oberflächlich!
    Da springt mir mal wieder folgender weise Spruch ins Gedächtnis: "Weniger ist mehr.".

    Charaktere:
    Unglücklicherweise konnten mich auch die Charaktere nicht sonderlich überzeugen.
    Nina Kalenkow wirkt dank ihrer frechen Art und einiger lustiger Kommentare ja noch relativ sympathisch, leidet jedoch ebenfalls unter ausgeleierten Adventure-Klischees.
    Wie schon zahlreiche Protagonisten aus anderen Abenteuer-Spielen zuvor, nimmt sie die - in diesem Fall eher ernsthaften - Geschehnisse viel zu locker und büßt somit wertvolle Glaubwürdigkeit ein.
    Ernsthaft: Eines der größten Rätsel in einem Adventure wird für mich immer die Kaltblütigkeit meiner PCs darstellen, die angesichts tödlicher Gefahren noch nicht mal mit der Wimper zucken wollen - selbst hartgesottene Egoshooter-Heroen zeigen dieser Tage mehr Gefühle!

    Der zweite PC - Max Gruber - ist für mich sogar ein kompletter Rohrkrepierer.
    Solch einen glatten Typen habe ich noch nicht erlebt!
    Der Kerl scheint aber auch über gar keine Ecken und Kanten zu verfügen, was ihn zu einer gesichtslosen Marionette verkommen lässt.
    Und natürlich geht auch er furchtlos-fröhlich an die Sache heran und gibt dabei den ein oder anderen kluggeschissenen Kommentar von sich ... Wie gesagt, derlei Klischees sind für mich ein unlösbares Rätsel!
    Immerhin befinden sich Nina und Max in guter Gesellschaft, denn auch die übrigen Charaktere im Spiel bleiben einem fremd.

    Gameplay:
    Den Löwenteil (und ich meine damit gefühlte 4/5) des Spielinhalts beanspruchen klassische Inventarrätsel.
    Klassisch bedeutet auch hier: Itemleiste am unteren Bildschirmrand, erkunden der Umgebung, kombinieren der gesammelten Objekte usw..
    Dann gibt es noch einige "Klapper alle Gesprächsoptionen durch"-Dialoge mit NPCs und in seltenen Fällen dürfen auch mal kleine Logikpuzzle gelöst oder Codemechanismen entschlüsselt werden.
    Die Steuerung funktioniert hierbei nach bewährtem Point & Click-Standard, so dass sich Genrefans sofort heimisch fühlen werden.

    Im Detail gibt es aber noch einige Macken: Die Steuerung ist soweit kritiklos-klassisch, lässt jedoch eine Lauffunktion vermissen, was zur Konsequenz hat, dass sich die beiden spielbaren Hauptakteure Nina und Max nur im Schneckentempo fortbewegen.
    Zwar kann man mittels Doppelklick auf die Ein- und Ausgänge etwaige Laufpassagen abkürzen, aber wenn sich einer der beiden zu einem Hotspot begeben soll, dauert es halt entsprechend der Wegstrecke.

    Wesentlich ärgerlicher ist jedoch das Pixelhunting ausgefallen.
    Ja gut, so etwas gehört in der Regel auch zu einem Old-School-Adventure, aber doch bitteschön nicht in dieser - fast schon dilettantischen - Form!
    Einige Items und Hotspots waren selbst aus nächster Nähe nicht auszumachen - und mit "nächster Nähe" meine ich "die Nasenspitze am Monitor"!
    Klar, in dieser extremen Form tauchte diese Macke nur drei-, viermal im Spiel auf, aber das sind meiner Meinung nach schon drei-, viermal zu viel.
    Zum Glück waren sich wohl auch die Programmierer dieser Problematik bewusst.
    So wurde eine Hilfefunktion eingebaut, mit derer man sich sämtliche Hotspots, Items sowie Ein- und Ausgänge auf den jeweiligen Screen anzeigen lassen kann.
    Angesichts des äußerst ausgeprägten Pixelhuntings ein unverzichtbares Feature.

    Abgesehen davon gibt sich der Schwierigkeitsgrad der Rätsel jedoch als gut lösbar, wenn auch stellenweise reichlich konstruiert.
    Als Beispiel seien an dieser Stelle nur zwei Worte genannt: Katze und Handy - das hier schlägt sogar die Nummer mit der Gummiente aus The Longest Journey ... Dennoch lässt sich das Game ganz gut ohne Komplettlösung meistern, auch wenn mir das Trial & Error Prinzip in Geheimakte etwas zu stark ausgeprägt erscheint.

    Ein Highlight des Spieles war für mich übrigens jener Abschnitt, in dem man Nina und Max parallel zueinander spielen musste und sogar Items zwischen den beiden tauschen konnte.
    Dies war eine der kniffligsten und auch spaßigsten Aufgaben - abgesehen von dieser Spielstelle sollte man aber keine großen Gameplay-Innovationen erwarten.
    Die Spieldauer fällt mit ca. 20 Stunden hingegen absolut zufrieden stellend aus.

    Grafik, Sound und Präsentation:
    Grafik: Die große Stärke von Geheimakte ist sicherlich die hübsche Grafik, die hier grundsätzlich in Auflösungsstufe 1024x768 gehalten ist.
    Sowohl Renderbilder als auch -sequenzen gefallen sofort und gehören mit zu den wichtigsten Motivationsfaktoren im Spiel.
    Besonders die Rendersequenzen beeindrucken durch ihre hohe Qualität, die bei Adventures ja nicht unbedingt zum Standard gehört.
    Es geht einem doch wahrlich das Herz auf, wenn sich Nina anmutig aus einer Kanalöffnung erhebt und dem Spieler dabei den drallen Hintern entgegenreckt - da kann man(n) einfach nicht meckern!^^
    Die Ingame-3D-Modelle der Spielfiguren bilden hingegen das grafische Schlusslicht, sehen aber ebenfalls ganz ordentlich aus und fügen sich mittels Kantenglättung wunderbar in die Renderbilder ein.

    Sound: Weit weniger beeindruckend als die Grafik, fällt hingegen der OST aus, obwohl man dies Anfangs nicht annehmen möchte.
    Direkt zu Beginn schinden einige wirklich gute Stücke ordentlich Eindruck.
    Sowohl Intro als auch Titelscreen verwöhnen das Gehör mit angenehm epischen und Spannung erzeugenden Soundtracks.
    Ingame gibt es in musikalischer Hinsicht jedoch nichts was einem dauerhaft im Gedächtnis bleiben will. Schade.
    An der Sprachausgabe habe ich hingegen wenig zu kritisieren.
    Die Charaktere verfügen über angenehme Stimmen die professionell vorgetragen werden.
    Etwas problematisch mag höchstens die Tatsache sein, dass sich jeder NPC wie ein gebürtiger Deutscher anhört, egal ob Russe, Kubaner oder Ire.
    Hier hätte man vielleicht etwas mit Akzenten arbeiten können, um die Illusion aufrecht zu erhalten.

    Präsentation: An und für sich hat man sich schon große Mühe gegeben.
    Optisch gibt's nichts zu meckern und auch akustisch merkt man, dass einiges an Geld und Arbeit in das Projekt rein geflossen sind.
    Schade nur, dass man den Abschluss der Handlung vergeigt hat und den Titel obendrein mit zu vielen Klischees voll stopfte.
    Irgendwo sollte man schon in der Lage sein zu entscheiden, was man eigentlich will: Eine ernsthafte Geschichte mit starken Persönlichkeiten oder Klischee-Klamauk mit Klugscheißern?
    Bei der Antwort auf diese Frage konnten sich die Programmierer wohl nicht einig werden und das Endergebnis präsentiert sich dementsprechend halbgar.

    Fazit:
    Ganz ehrlich: Das schwierigste Rätsel rund um diesen Titel ist die Frage, warum Geheimakte: Tunguska dermaßen in den Himmel gelobt wurde.
    Ein ziemlich gutes Spiel ist es zweifellos, versinkt mir persönlich aber zu sehr im Morast typischer Adventure-Macken.
    Darüber hinaus leidet das Programm auch noch unter einigen ganz individuellen Problemen (Stichwort: Hotspots), weswegen Tunguska grundsätzlich nicht als Hitkandidat gehandelt werden sollte.
    Aber wie wir inzwischen alle wissen, kam es ganz anders.
    Das Spiel wurde mit Auszeichnungen und Awards regelrecht überhäuft und schürte damit - zumindest bei mir - Erwartungen, die im Endeffekt nicht erfüllt wurden.
    Was bleibt ist eine Form des Ärgers, den ich nicht mehr seit Dragon Quest 8 verspürt habe.
    Ein Ärger der weniger im eigentlichen Produkt, als viel mehr im geradezu lachhaft übertriebenen Hype begründet liegt, mit dem das Spiel einher kam.
    Ich bin zwar immer noch kein Adventure-Experte, aber auch ich habe schon bessere Genrevertreter gezockt (The Longest Journey und das Perry Rhodan Adventure seien an dieser Stelle genannt).
    Im Grunde tut es mir leid, dass ich an dieser Stelle keine freundlicheren Worte für ein gutes Spiel aufbringen kann, weswegen ich an dieser Stelle nur noch folgenden Satz loswerden möchte: "Eine ehrlich verdiente 2 ist tausend mal mehr wert als eine durch lug und trug erschummelte 1." ... In diesem Sinne wünsche ich euch noch viel Spaß mit dem unterhaltsamen Note 2-Adventure: "Geheimakte: Tunguska"!

    Negative Aspekte:
    Pixelhunting / Nina und Max können nicht rennen / stellenweise mäßig konstruierte Rätsel / Handlung bricht gegen Ende hin stark ein

    Positive Aspekte:
    nützliche Hilfefunktion / sehr schöne Grafik / nette Locations / anfangs spannende, wenn auch etwas klischeehafte, Story

    Infos zur Spielzeit:
    Sly Boots hat sich 10-20 Stunden mit diesem Spiel beschäftigt.

    Geheimakte Tunguska

    Spielspaß
    Gesamtwertung
    Wertung von: Sly Boots
    8.2
    Multiplayer
    -
    Grafik
    9/10
    Steuerung
    9/10
    Sound
    7/10
    Gameplay
    8/10
    GameZone
    Spielspaß-Wertung
    -
    Leserwertung:
     
    Meine Wertung
  • Geheimakte Tunguska
    Geheimakte Tunguska
    Publisher
    Deep Silver (DE)
    Developer
    Animation Arts
    Release
    01.09.2006

    Aktuelle Rollenspiel-Spiele Releases

    Cover Packshot von Die Zwerge Release: Die Zwerge EuroVideo Bildprogramm GmbH , King Art
    Cover Packshot von Candle Release: Candle Daedalic Entertainment
    • Es gibt 0 Kommentare zum Artikel

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 12/2016 PC Games Hardware 01/2017 PC Games MMore 01/2016 play³ 01/2017 Games Aktuell 12/2016 buffed 12/2016 XBG Games 11/2016 N-Zone 12/2016 WideScreen 01/2017 SpieleFilmeTechnik 12/2016
    PC Games 12/2016 PCGH Magazin 01/2017 PC Games MMORE Computec Kiosk On the Run! Birdies Run
article
1010692
Geheimakte Tunguska
Geheimakte Tunguska: Point & Click-Hype aus Deutschland - Leser-Test von Sly Boots
http://www.gamezone.de/Geheimakte-Tunguska-Spiel-3415/Lesertests/Geheimakte-Tunguska-Point-und-Click-Hype-aus-Deutschland-Leser-Test-von-Sly-Boots-1010692/
21.04.2011
http://www.gamezone.de/screenshots/medium/2006/08/1156342418999.jpg
lesertests