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Global Conflicts: Latin America (PC)

Release:
24.10.2008
Genre:
Rollenspiel
Publisher:
Indigo Pearl GmbH & Co. KG (DE)
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Global Conflicts: Latin America im Gamezone-Test

27.11.2008 17:50 Uhr
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Neu
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Eine fast schon geniale Spielidee, die wegen der technischen Mängel komplett untergeht.

Den Begriff der Videospiele verbindet man seit jeher mit Spaß und Unterhaltung, weniger mit Arbeit oder Lernen. Unser liebstes Hobby wird von Nicht-Spielern oft als unsozialer Zeitvertreib bezeichnet, der von den wichtigen Dingen des Lebens ablenken soll. Dass dies nicht der Fall ist, beweisen seit einiger Zeit die so genannten 'Serious Games' beziehungsweise 'digitale Lernspiele', in denen man spielerisch an Themen herangeführt wird, für die man sich im Regelfall kaum interessiert, da sie fernab vom eigenen Leib von statten gehen. Vor allem das nach dem Genre benannte Team von Serious Games Interactive hat es sich zum Ziel gemacht, dieses schwer zu haltende Gleichgewicht zwischen Spielspaß und Lernerfolg in Games auszugleichen. Ob ihnen das mit 'Global Conflicts: Latin America' gelang?

Von Sklaven, illegalen Immigranten und Korruption

Global Conflicts: Latin America Global Conflicts: Latin America [Quelle: Siehe Bildergalerie] Das Setting des Point-and-Klick-Adventures 'Global Conflicts: Latin America' ist, verglichen mit Genre-Kollegen, harter Tobak. Anstatt fiktiven Bösewichtern das Handwerk zu legen oder mit einer durchgeknallten Edna aus einer Irrenanstalt auszubrechen begibt man sich als Journalist in einige Staaten südlich der Vereinigten Staaten und muss versuchen, dort vorherrschende Missstände aufzudecken. So befragt man unterdrückte Minderheiten, wegen polizeilicher Gewalt körperlich eingeschränkte Drogenkonsumenten und ansässige Mitarbeiter diverser Hilfsorganisationen, um sich einen Eindruck zur aktuellen Situation machen zu können. Dabei hat man stets im Blick, im finalen Interview, das stets mit einem der von uns gerne als Verbrecher bezeichneten Männer geführt werden muss, ausreichend Zeugenaussagen und stichhaltige Argumente zur Verfügung stehen zu haben. Diese ergeben sich aus den Gesprächen mit einer handvoll ausgewählter Personen, wobei man selbst keinerlei Befürchtungen haben muss, selbst in Gefahr zu geraten, ganz gleich über was man mit wem spricht.

Global Conflicts: Latin America Global Conflicts: Latin America [Quelle: Siehe Bildergalerie] Unterteilt ist das Spiel in fünf Missionen, wobei eine davon als Tutorial bezeichnet wird, sich jedoch bis auf drei zusätzliche Textfenster nicht von den anderen Aufgaben unterscheidet. Glücklicherweise ist das nicht weiter schlimm, da sämtliche Buttons selbsterklärend sind und man für 'Global Conflicts: Latin America' keinerlei Einarbeitungszeit benötigt. Auch kann man sich zwischen einem von zwei Charakteren entscheiden, die sich in Geschlecht und Hintergrund unterscheiden, jedoch hat die Auswahl keinerlei Auswirkungen auf den Spielverlauf. Während des Recherchierens muss man stets die Uhrzeit im Auge behalten, da das letzte Interview zu einem festgelegten Termin stattfindet und man diesem bei jeder Frage fünf Minuten näher kommt. Leider muss man letztendlich kaum darauf achten, da fast alle Aktionen in der vorgeschriebenen Zeit durchgeführt werden können und man nur gelegentlich Aussagen oder Argumente nicht mit ins finale Gespräch integrieren kann.

Global Conflicts: Latin America Global Conflicts: Latin America [Quelle: Siehe Bildergalerie] Letztere sammelt man in den Unterhaltungen mit Zeugen und Eingeweihte, indem man eine bestimmte Frage stellt. Da diese jedoch strikt vom Programm vorgegeben worden sind, führt das schnell zu einem Abgeklicke, auch weil man, wie eben angesprochen, ausreichend Zeit für die vielen Unterhaltungen hat. Davon halten aber die überraschend authentischen, vor allem aber rührenden oder gar erschreckenden Dialoge ab, sodass man vor dem Bildschirm gefesselt und zum weiteren recherchieren motiviert wird. Egal ob ein amerikanischer Geschäftsmann, der selbst Tragödien der ohnehin schon benachteiligten Mitmenschen zu seinem Vorteil nutzen möchte, ein völlig aufgelöster Herr, der gerade seine Schwester durch Mord verloren hat. Oder ein Junge, der um seine verschwundene Freundin trauert, sich aber aus Angst vor seinem Herren partout nicht traut, die Wahrheit zu sagen. 'Global Conflicts: Latin America' schafft es tatsächlich, eine Stimmung zu erzeugen, die zum Nachdenken anregt, selbst wenn man schlicht in der virtuellen Bibliothek nach weiteren Informationen sucht.

Global Conflicts: Latin America Global Conflicts: Latin America [Quelle: Siehe Bildergalerie] Hat man das Zeitlimit am Ende einer Mission erreicht, wird man gleich zum finalen Interview gebeamt und sitzt seinem mittlerweile arg unsympathischen gewordenen Gesprächspartner gegenüber. Auch hier muss man wieder Fragen stellen und erhält logischerweise entsprechende Antworten. Wenn man bei einer Frage einen entsprechenden Nerv getroffen hat, kann man aus den Lautsprechern ein Herzklopfen vernehmen, das einem Auskunft darüber gibt, dass der Herr auf der anderen Seite des Tisches ein wenig ins stottern gerät. Nun ist es an der Zeit, ihm eines der gesammelten Argumente an den Kopf zu werfen, um weitere Informationen entlocken zu können. Je nachdem wie viele Aussagen und Argumente man während einer Mission sammeln konnte und wie gut man diese in den Interviews platziert, erhält man am Ende eine Note. Wirklich nachvollziehbar ist diese aber kaum, denn auch wenn man nur wenige Argumente passend einsetzen konnte, führt das schon zu einem gelungenen Interview. Was das virtuelle Alter Ego dann daraus macht, kann man schließlich in wenigen Sätzen nachlesen - es ist nicht möglich, einen Artikel selbst zusammenzuschustern. In der Summe benötigt man für jede Mission knapp 30 bis 60 Minuten, nach vier Stunden wird man auch das letzte Level hinter sich gebracht haben. Einen Nachweis über vergangene Erfolge sucht man in der Folge vergeblich.

Ein technisches Vergehen

Global Conflicts: Latin America Global Conflicts: Latin America [Quelle: Siehe Bildergalerie] Dass 'Global Conflicts: Latin America' keine Millionen-Produktion war, sieht man schon nach den ersten zwei Schritten in der dreidimensionalen Umgebung - im Vergleich zu aktuellen Titeln ist die technische Umsetzung des Spieles recht schwach. Seien es die groben und hässlichen Texturen, die sich ständig wiederholen, die lieblos zusammengeschusterten Umgebungen, die aus schätzungsweise drei Polygonen bestehenden Charaktermodelle oder die fehlende Mimik der letzteren. Hinzu kommen noch Clipping-Fehler und hässliche Popups, die das grafische Gesamtpaket negativ abrunden. Jede Mission besteht aus drei Orten, zwischen denen man mit dem Taxi umherpendeln kann und muss. So gibt es stets eine Hauptstadt, ein Dorf und ein weiter entferntes Areal, in welchem sich meist nur ein ansprechbarerer Charakter befindet. Die jeweiligen Umgebungen schauen im Grunde ähnlich aus und haben immer dieselbe Anzahl an Menschen, mit denen man interagieren kann. Nach der ersten Mission hat man praktisch alles schon einmal gesehen, etwas wirklich Neues entdecken wird man danach nicht mehr.

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27.11.2008 17:50 Uhr
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