Werden dich die Menschen lieben und anbeten wie einen Gott? Oder würde man dich fürchten? Wie entscheidest du?
Stellen Sie sich vor, wir leben auf der Erde und im Weltall beobachtet uns eine Meute hochentwickelter Aliens. So läuft es auch in Hard to be a God. Während die Arkanaraner irgendwo im tiefsten Mittelalter feststecken beobachten verrückte Erdlinge das Geschehen von ihrer Raumstation aus und wollen so die Entwicklung ihrer eigenen Rasse nachvollziehen. Klingt interessant! Doch das Spiel bewirbt auf dem Cover "ein Hack-And-Slay Spiel mit Rollenspielelementen!". Oh welch Innovation, ob der Titel dennoch was taugt und was euch in der Welt von Arkanar erwartet erfahrt ihr hier:
Hard to be a God
Irgendwo in einem kaiserlichen Ausbildungslager: Unser Jungspund wird von seinem Mentor im Schwertkampf und Reiten unterrichtet, und schon kurz nach diesem schnellen Tutorial auf eine Mission geschickt. Wir sollen uns mit einem Spion treffen, der uns wiederum mit Informationen versorgt. Der Schluckspecht wartet in einem Gasthaus auf uns, doch dort hinzukommen ist nicht leicht. Denn auf dem Weg warten viele Diebe und Mörder auf uns, mehrmals werden aus heiterem Himmel angegriffen. Horden an Gegnern rennen hinter uns her, Pfeile schwirren uns um die Ohren, und plötzlich versagt die Steuerung unseres Schlachtrosses: Willkommen in Hard to be a God!
Hard to be a God
Was anfangs im Ausbildungslager ziemlich cool und einfach aussieht, nämlich vom Pferd aus auf unseren Gegner herabzuhacken, funktioniert in der Praxis so gut wie gar nicht mehr. Denn während die Trainingspuppen brav stehen bleiben und sich nicht bewegen, sind die Feinde mit denen wir es später zu tun haben nicht so kollegial und tänzeln um uns herum. Die sehr ungenaue Steuerung des Pferdes und der Ausfallschritt, den das Ross am Anfang jeder Bewegung macht, sorgen dafür, dass Hiebe vom Rücken unseres Vierbeiners so gut wie nichts bewirken, die Schläge der Angreifer jedoch nach und nach an unserer Gesundheit nagen. Generell gibt es an der Steuerung einiges auszusetzen, so klicken wir uns nicht Hack'n'Slay-typisch mit der Maus durch die Welt sondern bewegen uns mit WASD umher und benötigen die Maus nur zum umschauen. Alle weiteren Interaktionen wie "sprechen" und "handeln" sind leider ebenso mit Tasten belegt, nicht mal einen Mauszeiger haben wir zur Verfügung. Dies schränkt die Bewegungsabläufe und auch die Sicht zwar arg ein, nach einer kurzen Eingewöhnungsphase hat man sich jedoch daran gewöhnt und weiß damit umzugehen.
Hard to be a God
Zum Kampfsystem selbst gibt es nur wenig zu sagen. Nachdem schon auf dem Cover steht "Ein Hack and Slay mit Rollenspielelementen" kann man hier wirklich zugeben: Nomen est Omen. Taktisches Denkvermögen wird eigentlich keines abverlangt, alles was man können muss ist die Maustaste schnell genug und oft genug hintereinander zu betätigen. Die Kämpfe verlaufen daher sehr einseitig und vor allem langweilig. Denn egal ob ich mich von hinten anschleiche und aus dem Hinterhalt auf einen Fiesling losgehe, oder einfach wie ein Wilder auf ihn zurenne: Am Kampfverlauf ändert sich nichts. Einzige Möglichkeit sich zu verbessern ist das Finden von neuen Waffen, was einem einen Vorteil dem Gegner gegenüber verschafft.
Hard to be a God
Am Interface, das so einfach wie möglich gehalten ist, werden sich wohl die Gemüter scheiden. Einerseits ist es verständlich und intuitiv, jedoch muss man sich, um manche Untermenüs zu finden, schon ziemlich lange durchklicken. Hier fällt vor allem das Questlog auf, dass nicht hätte unübersichtlicher gestaltet werden können. Quests werden darin immer wieder aktualisiert, die aktuellen Ziele bekommen wir aber ab und an einfach nicht aufgeschrieben, sodass nach wenigen Minuten schon wieder ein Gang zum NPC ansteht um nochmals zu erfragen wohin man eigentlich muss.
"Ja mein Lord?" sagt die Wache zum Dieb
Hard to be a God
Sieht man mal von der schrecklichen Steuerung ab hat das Spiel aber auch viele gute Seiten. So ist es beispielsweise in vielen Missionen möglich, das Ziel auf mehrere Arten zu erreichen. Die einfachste Art für Liebhaber der Mausbuttons ist natürlich das stupide Durchmetzeln und Töten aller Personen die zwischen mir und meinem Questziel stehen. Andere, mehr feinfühlige Personen, können versuchen sich hinein zu schleichen und nur die Wachen zu töten, die auch wirklich hinter mir her sind. Und der ganz ausgefuchste Spieler kann sich verkleiden. Und das hätte richtig toll werden können... Aber: So interessant und toll das auch klingt, an der Umsetzung hapert es gewaltig. Denn so recht wissen können wir nie welches Kleidungsstück denn nun zu welcher Rüstung gehört, am Ende läuft eh alles auf "probieren geht über studieren" hinaus. Und das stört wirklich gewaltig. Denn spätestens nach dem zweiten "ungewollten Ableben" an einem Diebes-Lager, in dass man sich in seiner vermeintlichen Diebes-Uniform schleichen möchte, verliert man den Spaß daran, halbwegs taktisch vorzugehen und zu versuchen seine Quests auf die Art und Weise zu erfüllen. Denn mit Durchrennen und alles Töten sind wir einfach besser bedient. Doch nicht nur Diebe und Wachmänner reagieren auf unsere Kleidung unterschiedlich. Auch Auftraggeber und Questziele verlangen manchmal ein bestimmtes Gewand. So möchten Städter am liebsten gar nichts mit uns zu tun haben, solange wir in unserer Diebes-Kluft umherwandern, legen wir sie jedoch ab haben sie urplötzlich Aufträge für uns. Hierbei ist zu beachten, dass unser Charakter wohl etwas scheu ist: Er kann sich leider nicht umziehen während er von jemandem gesehen wird.
