Ihr wolltet schon immer einmal auf einem Bauernhof arbeiten? Früh aufstehen, Mist schaufeln und rasante Fahrten mit dem Traktor über Landstraßen hinlegen? Kein Problem: Mit "Harvest Moon: Friends of Mineral Town" bekommt ihr zumindest teilweise tiefe Einblicke in das Leben eines Landwirts.
Der tragbare Bauernhof!
Euer Hauptcharakter kann sich durchaus glücklich schätzen: Ein älterer Herr, bei dem Ihr in Eurer Kindheit Ferien auf dem Bauernhof gemacht habt, hat Euch doch glatt seinen ganzen Bauernhof vererbt. Mit dem Antritt des Erbes habt Ihr aber auch sofort einen Haufen Arbeit am Hals: Das ganze Feld sieht aus wie ein Urwald und die leeren Ställe wollen erst noch mit ertragreichen Nutztieren gefüllt werden.
Wer Harvest Moon spielen möchte, benötigt in erster Linie Zeit. Viel Zeit. Denn so ein Feld bestellt sich nicht von selbst und sämtliche damit verbundenen Arbeiten sind äußerst zeitintensiv. Das fängt damit an, dass man erst einmal den über die Jahre entstandenen Wildwuchs und diverse Steine und Äste vom Feld entfernen muss. Danach wird der Boden umgegraben und mit verschiedenen Pflanzensamen fruchtbar gemacht. Solange die zahlreichen Obst- und Gemüsesorten noch nicht erntereif sind, müssen sie täglich gegossen werden - und das mit einer gewöhnlichen Gießkanne. Da unser kleiner Nachwuchs-Landwirt zu Beginn des Spiels nur sehr wenig Platz im Rucksack hat, gestaltet sich auch die Ernte nicht gerade einfach: Nur drei geerntete Feldfrüchte können mitgenommen werden, dann muss erst mal Platz für weiteres Erntegut gemacht werden. Im Laufe des Spiels bekommt Ihr natürlich irgendwann die dringend nötige Hilfe: Neben einem Pferd zum Pflügen des Feldes und diversen Erntehelfern gibt es auch schnell einen größeren Rucksack und sehr nützliche Verbesserungen für Eure Werkzeuge zu kaufen oder zum freispielen. Dennoch könnten ungeduldige Naturen schnell die Lust verlieren, es dauert schon mal mehrere virtuelle Wochen, bis man endlich mal eine der nützlichen Verbesserungen im örtlichen Laden bezahlen kann.
Was man anfangs vielleicht nicht vermuten könnte, ist die die enorme Spieltiefe von Harvest Moon: Zwar beginnt Ihr mit wenig Geld auf einem völlig ausgestorbenen Bauernhof, dafür könnt Ihr Euch aber im Laufe des Spiels vom simplen Hobbygärtner bis zum mächtigen Landwirt mit Schafen, Kühen und Hühnern entwickeln. Jedes Tier und jede anbaubare Feldfrucht stellt Euch vor neue Herausforderungen und sorgt für Abwechslung im ansonsten recht eintönigen Tagesablauf. Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, könnt Ihr die zahlreichen Dorfbewohner besser kennen lernen und mit den hübschen Bauerntöchtern des Umlandes sogar Beziehungen eingehen und später sogar heiraten. Dies geschieht auf klassische, japanische Weise, indem Ihr fleißig Geschenke kauft und der Herzensdame zukommen lasst. Die Gegend rund um Euren Bauernhof ist zwar nicht groß, bietet aber trotzdem genügend interessante Dinge in Form von Minigames und anderen Geheimnissen, welche erstmal alle entdeckt werden wollen. Auch die Spielzeit ist beachtlich: Durchspielen kann man diesen Brocken fast nicht, es gibt einfach viel zu viel zu tun und jeder virtuelle Tag ist schlichtweg zu kurz, um alle gebotenen Möglichkeiten voll auskosten zu können. An die Neueinsteiger hat man auch gedacht und ein wirklich vorbildliches Tutorial integriert, welches alle wichtigen Funktionen und Zusammenhänge sehr ausführlich erklärt.
Technisch kann man das Gebotene zwar höchstens als "zweckmäßig" bezeichnen, dies ist aber bei der spielerischen Vielfalt leicht zu verschmerzen. Ein Spiel dieser Sorte benötigt auch keine aufwendige Grafik um gefallen zu können, was hier zählt ist das Gameplay.
