Haze im Gamezone-Test

Test Michael Sosinka

Haze bietet uns ein fast schon vergessen geglaubtes, recht unkompliziertes und schnelles Gameplay.

Erst war Haze ein Multi-Titel, dann sollte es exklusiv für die PlayStation 3 kommen, anschließend war wieder die Xbox 360 im Gespräch, doch nun steht es seit einiger Zeit fest: Haze wird nur für die PlayStation 3 erscheinen. PS3-Besitzer können eigentlich viel erwarten, schließlich hat Free Radical den Titel entwickelt. Immerhin sind die Macher unter anderem für die beliebte TimeSplitters-Reihe verantwortlich. Die Erwartungshaltung ist dementsprechend hoch.

Der Vorteil Nektar

Haze Haze Wir beginnen als Soldat der Mantel Corp, die irgendwo im Dickicht eine Rebellenorganisation bekämpft, die sich angeblich aus der Haut ihrer Gegner Kleidung macht und auch ansonsten ganz, ganz böse ist. Über die Hintergründe bekommt man zuerst nicht viel mit, weswegen gleich zu Beginn erste Zweifel an der Sache aufkommen. Ein Vorteil, den die Mantel-Soldaten haben, ist eine Substanz, die sich Nektar nennt. Diese kann man sich zu jeder Zeit im Kampf per Knopfdruck injizieren, was dazu führt, dass wir Feinde deutlich besser sehen (sie leuchten ähnlich wie bei einem Wärmebild auf), schneller laufen können und mehr Lebensenergie zur Verfügung haben. Visiert man zudem einen Gegner an, zoomt das Bild automatisch etwas heran, weswegen auch das Zielen leichter fällt.

Haze Haze Anhand eines Balken erkennt ihr, wie viel Nektar sich noch im Blutkreislauf befindet. Geht er langsam zu Neige, fängt das Bild an zu pochen und irgendwann ist Schluss mit den übermenschlichen Kräften. Durch jeden Abschuss füllt sich die Anzeige jedoch wieder etwas auf. Insgesamt könnt ihr euch sechs mal einen Schuss setzten, wobei nach einiger Zeit die Vorräte erneut aufgefüllt werden. Ihr solltet es aber nicht übertreiben, denn eine Überdosis führt dazu, dass die Spielfigur kaum noch kontrolliert werden kann und ihr dadurch ein leichtes Opfer werdet.

Haze Haze Begleitet werdet ihr sehr oft von einigen Kollegen, die einen sarkastischen Spruch nach dem anderen Ablassen. Wörter wie "Schwanzgesicht" fallen im Minutentakt. Leider quatschen die Kollegen fast ununterbrochen und auch die Sprüche wiederholen sich zunehmend, weswegen das Ganze zu einem echten Nervfaktor verkommt. Überhaupt merkt man, dass die Mantel-Soldaten völlig überdreht wirken und fast jeglichen Sinn zur Realität zu verlieren scheinen. Die Skepsis gegenüber Mantel und dem Nektar steigt.

Auf der falschen Seite?

Haze Haze Nach kurzer Spielzeit merkt ihr, dass mit eurem Kampfanzug irgendetwas nicht stimmt. Der Nektarzufluss wird häufig unterbrochen, das System muss ständig neu booten, die Sicht verschwimmt, ihr seht alles nur in schwarz-weiß. Was hat das zu bedeuten? Plötzlich sind noch überall tote und verstümmelte Zivilisten zu sehen, die vorher nicht da waren. Sind das etwa Halluzinationen? Mitnichten, denn Nektar führt bei Mantel-Soldaten dazu, dass sie tote Körper nicht sehen. Dies soll einen absolut sauberen Krieg vorgaukeln. Man soll ja keine Gewissensbisse bekommen.

Man sieht direkt, dass sich getötete Gegner nach wenigen Sekunden auflösen. Schön, denkt man sich, das ist bei anderen Shooter ja auch der Fall, denn dadurch spart man Systemressourcen, doch Free Radical benutzt dies lediglich als Stilmittel. So seid ihr nach etwa einem Drittel der Spielzeit auf der Seite der Rebellen unterwegs, die gar nicht so böse sind, sondern sich nur gegen die aggressiven Invasoren verteidigen und plötzlich bleiben Leichen sehr wohl liegen.

Haze Haze Nun könnt ihr euch den Umstand, dass Mantel-Soldaten keine toten Menschen sehen können, zum Vorteil machen. Seid ihr also schwer verwundet, ist es möglich sich kurz tot zu stellen und schon sieht euch kein einziger Soldat. Nach einer kurzen Erholungsphase geht es dann weiter. Als Rebell lassen sich auch kleinere Fallen bauen, indem man Granaten vergräbt (übrigens auch in Betonboden). Spielerisch ist dieses Feature allerdings ziemlich sinnlos, da es viel leichter ist die Kollegen über den Haufen zu ballern. Die Ragdoll-Physik wird nach dem Ableben übrigens abgeschaltet. Insgesamt ist das Spiel aber auch recht blutleer.

Schnell, schneller, Haze

Nach dem Seitenwechsel spielt sich Haze dezent anders. Während ihr keine übermenschlichen Fähigkeiten mehr habt, können dafür aber, wie bereits erwähnt, kleinere Fallen und Co. aufgestellt werden. Auf Seiten der angeblichen Rebellen habt ihr noch einen weiteren Vorteil. Durch Nektar-Granaten könnt ihr eurem Feind eine Überdosis verschaffen, der sich daraufhin gegen seine Kollegen wendet. Ansonsten ändert sich am zackigen Gameplay recht wenig. Mantel-Soldaten sind nicht unbedingt schwerer zu besiegen, als zuvor noch die Rebellen.

Haze Haze Haze unterscheidet sich von vielen aktuellen Shootern dadurch, dass es sich sehr schnell und extrem actionreich spielt. Ihr werdet kaum eine Sekunde verschnaufen, an die Ausdauer wird keine Gedanken verschwendet und auch das Fadenkreuz verzieht nicht, wenn die Spielfigur rennt. Das bedeutet, dass ihr während des Sprints stets präzise Zielen könnt. Die Gegner sind keine große Herausforderung und beißen ohne große Gegenwehr schnell ins virtuelle Gras. Dafür stürmen sie in Massen auf euch zu, weswegen die Gefechte kurzweilig und äußerst hastig ausfallen.

Haze Haze Ein Nachtteil ist allerdings die unterirdische KI. Eure Kontrahenten haben einfach keinen Überlebenswillen und stürmen etwas zu unkoordiniert auf euch zu. Manchmal reagieren sie nicht mal auf die Spielfigur. Ähnliches gilt für die Verbündeten, die ebenfalls unrealistisch durch das Schlachtfeld zappeln und ständig in die Schusslinie laufen. Das kostet etwas an Atmosphäre, denn so sieht Krieg nun mal nicht aus. Wie es richtig geht, zeigte zum Beispiel Call of Duty 4: Modern Warfare. Haze verzichtet zudem überwiegend auf Skriptereignisse. Es geht im Prinzip nur darum sich zum Missionsziel zu kämpfen. Auf die Dauer wirkt das Gameplay dadurch zu monoton. Für etwas Abwechslung sorgen einige Fahrsequenzen, in denen ihr zum Beispiel mit einem Kampfbuggy durch einen Canyon heizt. Auch ist es möglich sich hinter das Geschütz eines Helikopters zu klemmen und den Feinden am Boden ordentlich Saures zu geben. Diverse Boss-Kämpfe, wie zum Beispiel gegen ein Gunship, sind ebenfalls auf der positiven Seite zu vermelden.

Haze spielt sich also etwas "oldschoolig". Es fehlen eigentlich nur die blinkenden Medipacks, doch wie bei der Konkurrenz ist das Healtsystem so aufgebaut, dass ihr euch bei zu vielen Treffern kurz zum Regenerieren zurückziehen müsst. Waffentechnisch zeigt sich Haze trotz der Zukunftsszenarios recht konservativ. Maschinengewehre, Schrotflinten und Raketenwerfer gehören zum Arsenal. Insgesamt dürft ihr jedoch nur eine Primär- und Sekundär-Waffe mit euch tragen. Immerhin gibt es nie Munitionsengpässe.

Haze Haze Zum zackigen und kompromisslosem Gameplay verhilft auch die präzise und sehr weiche Steuerung, doch wenn man Free Radical kennt, weiß man, dass der Entwickler in dieser Hinsicht etwas drauf hat. Man fühlt sich sofort wohl und auch die Sixaxis-Funktion wird dezent genutzt. Fangt ihr beispielsweise Feuer, müsst ihr das Gamepad kurz schütteln. Leider gilt das Lob nicht für die Fahrzeugsteuerung. Die ist ungewohnt schwammig, inklusive hängen bleiben an Felsen und Bäumen. Gespeichert wird an recht fair verteilten Checkpoints. Größere Abschnitte müssen demnach nur sehr selten wiederholt werden. Ohnehin ist das Spiel auf dem leichtesten der vier Schwierigkeitsstufen ohne Probleme zu meistern. Leider ist Haze auch recht kurz. Nach 6-8 Stunden flimmert der Abspann über den Bildschirm.

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