Ico - Emotionen der ruhigen Art
In einem nicht näher umschriebenen Dorf werden in regelmäßigen Abständen Jungen geboren, denen zwei Hörner am Kopf gewachsen sind. Ico, unsere Spielfigur, ist ein solcher.
Diese Mutation wird von den Bewohnern allerdings als Fluch angesehen und so macht sich ein berittener Trupp auf zu einer riesigen, verlassenen Burg, um den Zwölfjährigen dort lebendig in einem Steinsarg zu verscharren. Durch einen glücklichen Zufall können wir uns aber aus unserem Gefängnis befreien. - Unsere Aufgabe scheint klar zu sein: Aus der Burg entkommen.
Das Szenario selber (in welchem wir uns fast die komplette elfstündige Spielzeit über bewegen), Schalter die betätigt werden wollen, dunkle Kammern, Kletterpassagen und leichte Rätseleinflüsse erinnern an 3rd-Person-Spiele wie Tomb Raider oder Uncharted.
Ico spielt sich im Gegensatz zu den genannten Spieleserien allerdings sehr langsam, fast schon melancholisch. Gegner und Actionszenen sind die Ausnahme.
Durch die absolut minimale Musikuntermalung (in der Regel sind nur die Umgebungsgeräusche von Wasser, Vögeln, Feuer oder ähnlichem zu hören) und die wenigen Dialoge während der Spielzeit wird zusätzlich eine vollkommen hilflose und verlassene Atmosphäre aufgebaut.
Sind wir zuerst noch alleine in den Innenbereichen der Festung unterwegs, so gesellt sich ziemlich früh jemand zu uns, der das gesame Spiel auf eine emotional höhere Ebene hieft.
Während wir durch die Burg streifen, treffen wir auf einen weiteren Gefangenen: Yorda. Sie können wir aus ihrem Gefängnis befreien. Durch diese Befreiungsaktion wird das Mädchen allerdings zu einer zusätzlichen Aufgabe. Denn immer wieder auftauchende Schattenwesen versuchen sie ab jetzt einzufangen.
Die entsprechenden Kampfszenen begegnen uns an bestimmten Stellen innnerhalb der Level, können aber auch dann aktiviert werden, wenn wir uns zu weit von unserer Partnerin entfernen.
Die Schattenwesen, welche nur durch schwarze Silhouetten dargestellt sind, kommen aus sich selbst produzierenden Löchern im Boden. In diese versuchen sie Yorda zu ziehen.
Verhindern können wir das, indem wir - z. B. mit Holzlatten die in der Burg zu finden sind - auf die Gegner einschlagen. Schußwaffen wird man hingegen nicht finden.
So nehmen wir das unbekannte Mädchen an die Hand (mit einem aktiven Tastendruck) und müssen nun mit ihr zusammen einen Weg aus der Burg finden.
Leider ist Yorda jedoch nur in der Lage Treppen und Leitern zu steigen, oder sich von uns an kleineren Hindernissen hochziehen zu lassen. Allerdings hat sie eine Besonderheit, ohne die wir es alleine niemals aus der Burg heraus schaffen würden. Sie ist die einzige Person, die bestimmte Steintüren öffnen kann, die uns immer wieder den Weg versperren. Deshalb müssen wir ihr (verpackt in verschiedenen Rätselpassagen) immer erst einen angenehmen Weg zu diesen Steintoren schaffen.
Diese Rätsel, gepaart mit der Gefahr die von den Schattenwesen ausgeht und die Tatsache das unsere fremdsprachige, unbekannte Begleiterin sich nur sehr langsam - wie geschunden - fortbewegt, binden emotional intensiv an beide Charaktere und lassen die ganze Handlung mit samt der übergroßen Burg noch bedrohlicher wirken.
Ico [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Technisch gesehen bewegt sich Ico - trotz dieser aktuellen Version - noch immer auf PS2-Niveau.
Die "HD-Grafik", bzw. das HD-Remaster, ist schön anzusehen, hat aber durch verwaschene Texturen, Clippingfehler und oftmals schlecht ausgeleuchtete Umgebungen (dadurch sind Türen oder Schalter u. U. nicht sofort zu erkennen) noch enorm Spielraum nach oben.
Dennoch muss festgehalten werden, dass die Darstellung genügend die Atmosphäre und Stimmung vermitteln kann.
Der Soundtrack leistet ebenfalls einen herrvorragenden Beitrag zur Atmosphäre. Sowohl die SFX-Geräusche, als auch die Musikstücke bringen eine perfekt eingefangene ruhige, verlassene Stimmung in unser Wohnzimmer.
Die Steuerung hat leider mit unangenhmen Verzögerungen zu kämpfen und kann deshalb nur als ungenau bezeichnet werden. Positiv anzumerken ist, dass wir uns unsere Tasten selbst belegen können. Standartmäßig ist beispielsweise "springen" auf Dreieck, was nicht unbedingt einer gängingen Tastenbelegung entspricht. Ansonsten muss gefummelt und versucht werden. - Ab und an auch durch "Trail-and-Error"-Passagen.
Die Kamera muss leider ebenfalls als mißlungen erwähnt werden. Sie kann zwar mit dem rechten Stick frei bewegt werden, zieht aber immer wieder selbstständig in die Grundposition zurück, wenn wir sie nicht weiter regulieren. Somit ist es - neben den oftmals miesen, vorgegebenen Bildern - selten möglich manuell eine gute Einstellung zu finden.
Ico kann als Kaufempefehlung angesehen werden, da es von seiner melancholisch-langsamen Geschwindigkeit und seiner Mystik lebt. Das Spiel bietet auch heute noch ein völlig eigenes, faszienierendes Gameplay; eines, das - so scheint es zumindest - nicht versucht möglichst jedem zu gefallen.
Einzelwertung Ico:
Negative Aspekte:
ungenau Steuerung / Stellenweise häßliche, Stellenweise unpraktische (z. B. schlecht ausgeleuchtete Räume) Grafik / miese Kamera, die sich schlecht manuell bedienen läßt
Positive Aspekte:
gelungene emotionale Bindung an die beiden Hauptcharaktere / die ruhige, verlassene und bedrohliche Kulisse / passender Soundtrack
80 %
Cover - Ico & Shadow of the Colossus CLASSICS HD [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Shadow of the Colossus - Die Plaupause für alles Übermächtige
Das zweite Spiel dieser HD-Kollektion präsentiert ebenfalls einen sehr ungewohnten - aber auch hier wieder gelungenen - Spielrythmus. Shadow of the Colossus lässt den Spieler sowohl komplett ruhige, als auch actionreiche Szenen durchleben.
Die Darstellung der Figuren, der Landschaft und die Aufmachung des im grunde recht minimalistisch gehaltenen Spielprinzips erinnern sehr stark an Ico und sind wohl dem identischen Entwicklerteam geschuldet, lassen an der guten Qualität aber nicht zweifeln.
Die aufpolierte Garfik kommt hier allerdings besser zu Geltung als bei dem ersten Spiel dieser Sammlung. Und das obwohl sich die Umgebung oftmals sichtbar aufbaut und der Nebel mitunter eher störend als stimmungsvoll daherschwebt.
Das Spiel beginnt mit einer Sequenz, in der uns ein Reiter gezeigt wird, der auf seinem Pferd ein totes Mädchen zu einem einsam gelegenen Tempel bringt.
Dort angekommen legt er sie auf einen Schrein, in der Hoffnung sie so wieder zum Leben erwecken zu können. Bei dieser Aktion wird er allerdings von Schattenwesen angegriffen, die vom Design er etwas an die aus Ico erinnern.
Nach dem erfolgreichen Kampf erfährt der junge Mann durch eine gottähnliche Stimme, dass er ein magisches Schwert besitzt, mit welchem er nicht nur diesen ersten Angriff zurückschlagen konnte, sondern auch in der Lage ist 16 rieseigen Kolosse zu finden und zu besiegen.
Sollte ihm das gelingen, so verspricht die Stimme, dann wird das Mädchen wieder zum leben erweckt.
Ab dann greifen wir zum ersten Mal aktiv in das Geschehen ein. Wir spielen Wanda, den Reiter, und müssen nun mit unserem Pferd Agro quer durch das Land reisen und diese Kolosse finden.
Heben wir im Sonnenlicht unser Schwert, so fällt ein Strahl in die Richtung, in der der aktuell zu bezwingene Koloss zu finden ist.
Die Reisen zu den Riesen sind einsam und ruhig. Andere Gegner als diese Steinkolosse gibt es schlicht nicht. Auch auf freundlich oder neutral gestimmte NPCs werden wir nicht treffen. Abwechslung bekommen wir nur durch unterschiedliche Landschaften geboten. Wir reiten durch offene, grüne Weidenflächen, über Berge und in Täler, streifen durch Höhlen und verlassene Tempel und quälen uns durch die Wüste und an großen Seen vorbei.
Sowohl die Landschafts-, als auch die Kampfszenarien sind dabei mit passenden Umgebungsgeräuschen und einem wundervollen Soundtrack unterlegt worden.
Die Stimmung die das Spiel dabei transportiert ist so grandioß gelungen und stimmig, dass wir über die fehlende Schnellreisefunktion, oder die Einsmkeit, kaum negativ nachdenken werden.
Haben wir den richtigen Ort erreicht, treffen wir auf einen dieser Kolosse.
Der Übergang von den Spielszenen zu den Videosequenzen funktioniert reibungslos.
Dementsprechend gelungen ist auch die Präsentation von jedem einzelnen Koloss. Manchmal scheinen wir nur zufällig den gleichen Weg zu haben wie unser Gegenüber, in anderen Fällen möchte unser Gegner sein Revier verteidigen, oder ist plötzlich über uns in der Luft zu sehen. Wer schon einmal einen Endbosskampf von Darksiders oder God of War miterlebt hat wird wohl unweigerlich Erinnerungen an diese Spiele haben.
Die übergroßen Steinriesen bewegen sich träge durch die Umgebung und lassen die gesamte Erde erbeben, wenn sie auftreten oder mit ihren riesegn Waffen nach uns schlagen. Mauern hinter denen wir schutzen suchen werden gegebenenfalls von unserem Gegner einfach eingerissen.
Jeder dieser unbesiegbar wirkenden Kolosse hat aber Schwachstellen, in die wir mit unserem Schwert stechen müssen. Unser magische Klinge macht diese wunden Punkte sichbar. Da diese jedoch nur mit einem Stich verletzbar sind, müssen wir die Kolosse besteigen. Dabei finden wir (auf dem Koloss selber) an Steinkanten und Wiesenflächen halt um uns auszuruhen oder weiter nach oben zu kommen.
Beim klettern genrell ist aber zu beachten, das wir dies nur begrenzte Zeit tun können. Ähnlich wie es aktuell die Entwickler von I am alive gemacht haben, leert sich unsere Ausdauerenzeige während des kletterns. Dies ist auch beim zustechen mit dem Schwert der Fall. Deshalb müssen wir auf dem Koloss selber versuchen sichere Stellen zu finden, um uns dann dort erholen zu können.
Haben wir den Schwachstellen genug Schaden zugefügt, so fällt ein Koloss. Dies kann zwischen 20 und 30 Minuten dauern, je nachdem wie schnell wir die Schwachstellen unseres Gegenübers finden und wie geschickt wir uns beim erklimmen anstellen. Leider wird ab und an nicht ganz klar wo genau die Schwachstelle nun sitzt, geschweige denn wie wir den Koloss erklimmen sollen. Denn auch die gheimnisvolle Stimme, die uns zur Seite steht wenn wir zu lange brauchen, hilft nur bedingt weiter und wiederholt sich mit ihren Tipps ziemlich schnell.
Shadow of the Colossus [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Genauso gelungen wie uns die Kolosse zum Beginn der Auseinandersetzung präsentiert werden, genauso sterben diese auch. Mit einem pompösen Schrei und einem bebendem Fall sinken sie auf die Erde und lassen die Landschaft erzittern. Theologisch betrachtet muss wohl jeder Kampf mit dem von "David gegen Goliath" verglichen werden.
Als wirklich mißlungenen Punkt muss nur das Reiten angesehen werden. Agro ist ungenau zu steuern und bockt mehr rum als das er gehorcht. - Das ist nervend, ganz egal ob es nun gewollt ist oder nur schlecht programmiert.
Dreht man dies allerdings um, so ist dieser eine Schwachpunkt aber auch zugleich die Stärke von Shadow of the Colossus. - Alle anderen Fehler sind nämlich problemlos zu verschmerzen.
Alle pompösen, übermächtigen Gegner, alle Endbosse, die uns aktuell in Videospielen präsentiert werden scheinen ihre Plaupause in Shadow of the Colossus zu haben. 16 Mal bekämpfen wir hier in einer unglaublich guten Atmosphäre einen Endgegner. Ansonsten reiten wir einsam durch die Welt und hoffen in ruhigen Momenten ein Mädchen wieder zurück ins Leben holen zu können...
Einzelwertung Shadow of the Colossus:
Negative Aspekte:
schwammiges, ungenaues reiten / Hilfe-System nicht immer hilfreich
Positive Aspekte:
rundum gelungene Atmosphäre / ganz eigenes, ansprechendes Gameplay / Inszenierung der Kolosse und der Kämpfe
90 %
Genau wie Ico lebt auch Shadow of the Colossus von der Mystik und der vollkommen eigenen präsentation seiner selbst. Es ist absolut Richtig, diese beiden Werke in einer Box erneut auf den Markt zu bringen, weil solche Spiele ganz einfach von Zeit zu Zeit wieder ins Gedächtnis gerufen werden müssen.






