Iconoclasts: ​Atmosphärische Indie-Perle im Test

Test Johannes Gehrling
Iconoclasts: ​Atmosphärische Indie-Perle im Test
Quelle: N-ZONE

Ein religiöses Regime regiert mit Gewalt und Unterdrückung über eine dystopische Science-Fiction-Gesellschaft. Stellt ihr euch dieser Ungerechtigkeit in Iconoclasts mutig entgegen? In unserem Test verraten wir euch, wie gut das Indie-Spiel geworden ist, das nur von einem einzigen Menschen erschaffen wurde und wie viel Metroidvania in Iconoclasts eigentlich drin steckt.

Manchmal, ja manchmal, da arbeiten riesige Teams von Entwicklern, Spieldesignern, Textern und noch viele, viele andere Menschen zusammen, um am Ende ein Spiel zustandezubringen, das richtig toll ist und jede Menge Umfang bietet. Viel seltener jedoch gelingt es einem einzelnen Menschen, all diese Aufgaben in sich zu vereinen. Joakim Sandberg ist ein solcher Mann: Er hat stolze acht Jahre damit verbracht, das Spiel seiner Träume komplett selbst zu erschaffen - eine Aufgabe, die vielen sicher kaum leistbar erscheint. Und doch: Das vom Metroidvania-Genre leicht angehauchte Action-Adventure mit Elementen aus Jump&Run- und Plattformer-Gefilden namens Iconoclasts liegt vor uns beziehungsweise läuft auf der Nintendo Switch (sowie PC, Playstatio 4 und PS Vita). Und trotz kleinerer Schwächen ist es richtig gut geworden und könnte sich zu einem Geheimtipp im mittlerweile gigantischen Haifischbecken der guten Indie-Game auf der Switch entwickeln. Nur: Was macht es denn so besonders?

Dunkle Dystopie

Zunächst wäre da mal die Geschichte, die genreuntypisch recht tiefgehend ist und im Spielverlauf immer weiter entfaltet und hauptsächlich von vielen (teilweise etwas zu langatmigen) Konversationen vorangetrieben wird. Ihr findet euch als Protagonistin Robin in einer dystopischen Science-Fiction-Gesellschaft wieder, die von einem religiösen Regime namens One Concern mit eiserner Faust regiert wird. Nichts funktioniert in dieser düsteren Gesellschaft ohne den mysteriösen und von One Concern streng reglementierten Rohstoff namens Elfenbein. Die Protagonistin ist in dieser immer weiter zerfallenden Welt eine junge Mechanikerin von 17 Jahren, deren Vater kurz vor Spielbeginn starb und die vom Regime verfolgt wird, weil sie verschiedenste Dinge und Häuser repariert und damit den Menschen hilft und sie ein Stück weit unabhängig vom alles kontrollierenden One Concern macht. Im Spielverlauf werdet ihr stetig mit der düsteren Thematik konfrontiert, zudem steht die gesamte Handlung unter der bedrückenden Prämisse der dystopischen, fremdgesteuerten Gesellschaft. Abwechslung und Auflockerung bieten nur gelegentliche humorvolle Szenen sowie Konversationen. Wer auf Filme wie Equilibrium oder 1984 steht, wird sich in Iconoclasts schnell zu Hause fühlen. Die Story von Iconoclasts wird von zahlreichen Konversationen getragen, die mitunter etwas lang ausfallen. Oftmals geht es dabei durchaus dramatisch zur Sache. Quelle: N-ZONE Die Story von Iconoclasts wird von zahlreichen Konversationen getragen, die mitunter etwas lang ausfallen. Oftmals geht es dabei durchaus dramatisch zur Sache.

Erkunden und schießen

Grundsätzlich ist der Spielverlauf im zweidimensionalen Action-Adventure Iconoclasts linear und vorgegeben, an manchen Stellen aber Metroidvania-typisch offen und das Erkunden verwinkelter Gänge und das Lösen verschiedenster Rätsel notwendig. Das Spiel bedient sich in dieser Hinsicht nur gelegentlich typischer Metroidvania-Elemente, aber nicht vollumfänglich. Zu Beginn besteht eure eigene Ausrüstung nur aus einem Elektroschocker und einem Schraubenschlüssel, mit der Zeit kommen weitere Waffen wie beispielsweise Bomben dazu, außerdem könnt ihr an Werkbänken nützliche Ausrüstungsgegenstände zusammenbauen aus Rohstoffen, die ihr überall in der Welt in blauen Kisten findet und die beispielsweise eure Geschwindigkeit erhöhen. Allerdings dürft ihr maximal drei Ausrüstungsgegenstände gleichzeitig tragen. Steckt ihr gegnerische Treffer ein, verliert ihr nach und nach (neben Energie) auch die Fähigkeiten der zusätzlichen Ausrüstung. Dann müsst ihr erst wieder Gegner erledigen, um die Slots und deren Ausrüstung zu reaktivieren. Die Ausrüstungsgegenstände verstärken euch zwar, allerdings nur so marginal, dass der Verlust nicht allzu stark auffällt. Dennoch ist es motivierend, die Rohstoffe ausfindig zu machen, zu sammeln und schließlich an Werkbänken zu Ausrüstung zu verarbeiten.

Im Spielverlauf löst ihr quasi am laufenden Band Rätsel und Puzzles, zum Lösen notwendig sind in der Regel mehrere eurer Fähigkeiten und Waffen im korrekten Zusammenspiel. Zumeist sind die Rätsel nicht allzu anspruchsvoll, gelegentlich fordern sie euch aber etwas Hirnschmalz ab. Ansonsten ballert ihr euch vor allem durch verschiedenste Gegner, von ekligen Monstern bis hin zu Mitarbeitern von One Concern ist alles Mögliche vertreten. Recht oft müsst ihr euch in Bosskämpfen gegen größere und anspruchsvolle Obermotze beweisen, wobei die Kämpfe meist gut machbar sind. Die Bosskämpfe lockern das sonstige Gameplay auf und unterscheiden sich gut voneinander, dürften aber ruhig etwas schwerer sein. Die Obermotze in Iconoclasts sind zahlreich und durchweg ziemlich kreativ gestaltet, sodass sie sich sehr voneinander unterscheiden.  Quelle: N-ZONE Die Obermotze in Iconoclasts sind zahlreich und durchweg ziemlich kreativ gestaltet, sodass sie sich sehr voneinander unterscheiden. 

Spaß für viele Stunden

Bis ihr euch durch alle über 20 Bosskämpfe, die vielen unterschiedlichen Welten und die Geschichte der zahlreichen verschiedenen Figuren gespielt habt, die ihr auf eurem Weg kennenlernt, vergehen je nach Spielweise etwa um die 15 Stunden. Danach ist aber auch Schluss, denn andere Modi oder Mehrspieler-­Möglichkeiten gibt es in Icono­clasts nicht. Grafisch erwartet euch ein Metroidvania-­üblicher Stil im typischen 16-Bit-Look, der durch bunte, knallige Farben überzeugt. Das Spiel läuft sowohl im TV- als auch im Handheld-Modus flüssig und ohne Patzer. Sprachausgabe gibt es nicht, dafür eine recht fehlerhafte deutsche Übersetzung, die Musik wiederum ist stimmig und heizt das Spieltempo an. Icono­clasts zeigt eindrücklich, dass es für ein tolles Spiel nicht unbedingt riesige Teams und Unsummen an Geld braucht. Eine gute Nachricht für Spieler.

Meinung

Wertung zu Iconoclasts (NSW)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Gameplay, das einfach sehr viel Spaß machtInteressante dystopische StoryGute Mischung aus Linearität und ErkundungEingängige atmosphärische MusikToller und bunter 16-Bit-LookMotivierendes Crafting-SystemHumor lockert die Ernsthaftigkeit aufAngenehmer Schwierigkeitsgrad …
… der stellenweile etwas zu anspruchslos istAusrüstung bringt nur marginale VorteileKonversationen gelegentlich zu langatmigDeutsche Übersetzung mit vielen Fehlern
Fazit

„Genre-Fans kommen voll auf ihre Kosten, alle anderen haben ebenfalls viel Spaß.“

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk