Mann muss sich mit dem Titel schon auseinandersetzen, aber dann überwiegt herrlicher und vor allem langer Spielspaß.
Ein Rollenspiel angesiedelt in den Weiten des Alls klingt verlockend und interessant. Dem kann man durchaus nicht widersprechen, wenngleich sich die Darbietung vom gängigen RPG-Vorgehen ein klein wenig unterscheidet. Liegt das Bestreben bei den sonst bekannten Kandidaten des Genres im Aufbau des Hauptcharakters bzw. einer sogenannten Party, dürfen angehende Raumschiff-Piloten sich voll und ganz um ihr Schiff kümmern. Hier ein Schräubchen mehr, dort den Schutzschildfaktor erhöht und schon können unendlichen Weiten des Weltraums erforscht werden.
Beam me up!
Infinite Space
Den Weltraum zu bereisen ist nicht ganz einfach, schon gar nicht, wenn ihr in der Rolle von Yuri auf dem Planeten Ropesk beheimatet seid. Bürgern dieses Ortes ist es verboten Raumfahrer zu werden. Ein herber Schlag für Yuri, der Zeit seines Lebens davon träumt in die weitern Sphären des Alls zu reisen. Aufgeben gibt es allerdings für Yuri nicht und so erlebt ihr, wie der junge Held dank eines geschickten Manövers die Heimatgetreuen seines Planten hinters Licht führt. Damit ist er seinem ehrgeizigen Ziel Raumschiff-Kapitän zu werden einen großen Schritt näher. Das natürlich nicht immer alles Gold ist was glänzt und Licht Schatten verursacht, ist ein alter Hut. So ergeht es auch euch mit Yuri, da ihr erfahren müsst, dass auch im All ein dichtes Netz aus dunklen Machenschaften und hinterhältigen Intrigen herrscht. Zu allem durchaus bekannten Überfluss herrscht einmal mehr ein gefährlicher Konflikt, welcher auf der anderen Seite wiederum dazu einlädt sich darauf einzulassen, so dass ihr mit Yuri einmal mehr als Retter aufsteigen werdet. So banal und abgedroschen die Geschichte auch daher kommt, ihre Erzählweise kann sich sehen lassen und sorgt dafür, dass ihr den Story-Strang auf jeden Fall verfolgen wollt.
Houston, wir haben ein Problem!
Infinite Space
Doch bis ihr in den verschiedenen schwelenden Konflikten klar seht, braucht es eine Weile. Der Einstieg wird euch denkbar einfach gestaltet, wenngleich das weitere Fortschreiten seine Tücken für euch bereit hält. Habt ihr im Cockpit Platz genommen, überschüttet euch das Tutorial mit einer Vielzahl von Informationen, Möglichkeiten, Handgriffen und Optionen, die ihr alle irgendwann im Spiel auf jeden Fall gebrauchen werdet. Vor allem RPG-Anfänger könnten hier schnell das Gefühl bekommen an ihre Grenzen zu stoßen, denn die Fülle an Hinweisen zum Spielgeschehen und Handling sind sehr üppig ausgefallen, beschränkt sich allerdings auf das Wesentliche, es wurde an Details gespart und so lässt man den Spieler damit durchaus mit einem Fragezeichen über dem Kopf zurück. Für eine ganze Weile heißt es "learning by doing" und so manche Aktion kann dezenten Frust in einem aufkommen lassen. Neben diesem bereits beschriebenen Fakt ist auch der Umstand, dass nützliche Anzeigen z.B. im Bezug auf angreifende Gegner fehlen, ebenfalls ein Punkt, der einem den Schweiß auf die Stirn treiben kann. Aber keine Panik, denn wer diese zugegeben durchaus erschwerenden Aspekte trotzdem für sich zu nutzen und schlicht zu überwinden weiß, bekommt satte Weltall-RPG-Kost geboten, die vor allem mit einer - wie erwähnt - gut inszenierten Geschichte punktet sowie zahlreiche vor allem taktisch-strategische Kämpfe zu bieten hat.
Auf Vaters Fährte
Infinite Space
Wer denkt, dass Yuri kriegerischer Held spielen will und den einen oder anderen Feind vom interstellaren Himmel pusten will, liegt nur bedingt richtig. Es ist ein notwendiges Übel, dass erledigt werden muss, damit ihr eure Fertigkeiten, vorzugsweise die von eurem Schiff bzw. Schiffen sowie der zu erstellenden eigenen Flotte ausbauen könnt. Vielmehr sollt ihr Yuri helfen das Geheimnis um ein Weltraum-Artefakt zu lösen, welches Yuris Vater seinem Sprössling hinterlassen hat - im Übrigen der zentrale Strang der gebotenen Geschichte.
Infinite Space
Auf eurer Reise bekommt ihr nach und nach natürlich hilfreiche Unterstützung, so dass ihr eine eurer Vorstellung entsprechenden Crew zusammenstellen könnt. Passend dazu baut ihr eure Flotte aus, so dass ihr am Ende bis zu fünf Raumgleiter befehligt. Bis es allerdings soweit ist, habt ihr ein gutes Stück Arbeit vor euch. Weltraumpiraten und andere fiese Gestalten machen euch die Umlaufbahnen streitig und verwickeln euch immer wieder in zahlreiche Kämpfe, die zweifelsfrei zu fordern wissen. Bedient ihr euch allerdings den gemachten, wenn auch eher grundlegenden Erfahrungen aus dem Tutorial und verknüpft sie mit euren eigenen List und Tücken, sind die Aufeinandertreffen partiell zwar anstrengend, aber in jedem Fall ein Leckerchen in Sachen Weltraumschlacht. Auf diese Weise lassen sich ganz eigene Taktiken stricken, die vor allem Weltraum-RPG-Liebhaber voll und ganz zufriedenstellen wird.
Infinite Space
Geratet ihr in einen Kampf, verändert sich die Ansicht für euch und wechselt in einen Kampfmodus, gehalten in 2D. Vor dem Kampf selbst legt ihr fest, welche Verteidigungs- bzw. Angriffstaktik ihr fahren wollt. Dabei ist allerdings ärgerlich, dass ihr keine Informationen über die Stärke und Möglichkeiten eurer Gegner ausmachen könnt. Somit geraten die Kämpfe anfangs zu einer Art Glückspiel. Habt ihr euch allerdings daran gewöhnt, wer euch angreift und wie ihr vor allem eure eigene Flotte handhaben müsst, sind die Kämpfe nicht mehr so Glück abhängig. Vielmehr sollte dann für euch wichtig sein, euch ganz und gar auf die Taktiken zu konzentrieren. Anfänglich verfügt ihr nur über drei Optionen, die für den Kampf gewählt werden können. Im weiteren Verlauf gesellen sich ergänzende Möglichkeiten hinzu und bieten so ein ausgewogenes Repertoire für die zahlreichen Weltraumschlachten. Zum Festlegen der von euch gewünschten Attacken solltet ihr u.a. berücksichtigen, wie weit z.B. der Gegner entfernt ist oder wie ihr selbst aufgestellt seid. Je nachdem wie ihr ausgestattet seid, kann ggf. eine heftige Feuersalve der Schlüssel zum Erfolg sein oder aber ihr überlegt besser, wie ihr geschickt ausweichen und damit größeren Schaden von euch abwenden könnt. Dies mag angesichts der gegeben Möglichkeiten verwirrend und unübersichtlich klingen, es erweist sich in der Praxis mit ein wenig Übung und vor allem einem guten Sinn für strategisch-taktische Entscheidungen als sehr gut machbar, so dass die Kämpfe in jedem Fall eine tolle Herausforderung sind und Spaß machen. Ergänzend hilft die vergleichsweise doch einfache Darstellung in 2D, so dass die Erteilung der Befehle für den Kampf nach einer gewissen Zeit keine Hürde mehr darstellt.
