Diese Filmumsetzung ist ein regelrechter Hammerschlag mit geradezu albtraumartigen Folgen für den Spieler!
Man kann es drehen und wenden wie man will: Das Klischee der Filmspiele wird sich wohl nie wirklich ändern. Es gibt immerhin Titel, die zwar nicht vollends überzeugen, aber durchaus für einige Stunden unterhaltend wirken. Manche wiederum sprühen geradezu vor Motivation und mögen - man will es ja schon fast nicht wahr haben - gar zu kleinen Hitkandidaten mutieren. Doch dann gibt es genau diese Griffe ins Klo, welche einen solchen Lichtblick gnadenlos zunichte machen und ihr bestes für die Aufrechterhaltung des negativen Klischees geben. Eine Schonpause für den Redakteur gibts derweil nicht und so werden die nächsten vier Stunden des Lebens nahezu sinnlos mit "Iron Man 2 - The Videogame" an uns vorbei ziehen!
Iron Man 2
Über die Qualität der Kinovorlage wollen wir an dieser Stelle gar nicht reden oder gar streiten. Immerhin sorgt die Starbesetzung mit Robert Downey Jr. und Gwyneth Paltrow für ein recht gehobenes schauspielerisches Niveau. Gleiches kann von der Videospielumsetzung aber nicht behauptet werden. Geschichtlich steigt man mitten im Film ein und kümmert sich hauptsächlich um die Beseitigung zahlreicher Überreste von Stark Industries sowie aufmüpfige Industrielle, welche nichts anderes als die Weltherrschaft an sich reißen wollen. Dies kann die Ein-Mann-Armee Tony Stark alias Iron Man natürlich nicht auf sich beruhen lassen und somit verpulvert er sein komplettes Munitionsarsenal, bis auch Ultimo als Riesenroboter seinen Lebenswillen verliert und die Welt ein weiteres Mal durch den großkotzigen Millionär gerettet wurde - Jippi-Ey-Jaeh!! Sarkasmus? Zugegeben ein wenig, aber ansonsten kommt man nicht über die ersten beiden Levels des Spiels hinaus und immerhin gilt es sage und schreibe ganze acht zu überstehen - keine wirklich leichte Aufgabe, wie sich noch herausstellen sollte!
Iron Man 2
Nach einem wirklich schicken und zeitgemäßen Hauptmenü mit hochauflösenden Grafiken folgt der erste Schlag mitten ins Gesicht: Die Videopräsentation! Ganz ehrlich, die virtuellen Charaktere erreichen nicht einmal das Niveau eines schlecht produzierten B-Movies, aller höchstens das der schweinischen Filmindustrie und bekommen von uns schon vorab die Goldene Himbeere 2010. Schade nur, dass dieser virtuelle "Film" als Videospiel bei der Verleihung des Anti-Oscars nicht zur Debatte steht. Wie dem auch sei, die Charaktere wirken wie klapprige Pinocchio-Figuren und die deutsche Sprachausgabe gehört zum schlechtesten, was man derzeit auf die Lauscher bekommt. Die Übersetzer und Entwickler gaben sich nicht einmal die Mühe, das ganze wenigstens etwas auf die Lippenbewegen anzupassen. Während das Bild eine hysterisch argumentierende Frau Pepper zeigt, lauscht man der miesen Imitation von Tony Stark oder auch anders herum. Nicht selten ist die deutsche Konversation sogar schon zu Ende, während die Sequenzen noch mehrere Sekunden nachlaufen und die jeweiligen Charaktere blubbern und gestikulieren. Kommentare während der Einsätze wiederum werden bisweilen abgehackt - da hat wohl jemand die Maximallänge der Samples nicht ganz beachtet!
Technik? Ja von wegen!
Iron Man 2
Warum keine Schnipsel aus dem Kinofilm? Damit hätte man die Probleme der Charaktermodelle beseitigt und darüber hinaus die miese Technik in den Griff bekommen. Stattdessen fertigt man den Spieler mit Brechreiz fördernden Sequenzen auf maximal Wii-Niveau ab, die zu einem eher unschönen Grieseleffekt im Stil des Films "300" neigen. Die einzelnen meist schwachen Texturen der Hintergründe wie Berge, aber auch den offensichtlichen Details wie Schriftzüge an den Helikoptern fallen sogar in mehreren Stufen und nur in Sekundenschübe ins Bild, das nach jedem Kameraschnitt! Da ist es einerlei, ob man nun vor der Kiste aus dem Hause Microsoft oder eben dem Flaggschiff von Sony unterwegs ist - aus dem Staunen kommt man so leicht nicht mehr heraus, auch wenn der Kopf beständig ungläubig geschüttelt wird.
Iron Man 2
Nach einer solchen epochalen und imposanten Einleitung fiebern wir geradezu euphorisch der nächsten Enttäuschung entgegen: Dem nett gemeinten, aber schwach umgesetzten Gameplay. Zunächst wandelt der gute Tony noch auf dem Boden der Tatsachen herum, doch schon im zweiten Level offenbaren sich sämtliche Freiheiten des Iron Man Anzugs. In abgesteckten Arealen dürft ihr euch wieder völlig frei zu Fuß oder in luftiger Höhe austoben und müsst normalerweise irgendwelches Kriegsgerät in Schutt und Asche legen. Die Massenproduktion an Panzer, fliegenden Robotern und Abwehrtürme ist ein eindeutiger Beweis für einen wohl äußerst lukrativen Industriezweig. Ihr ballert mit unterschiedlichster Bewaffnung auf immer selben Klongegner ein und bekommt es nur alle Schaltjahre mal mit einem ausgewachsenen Boss zu tun. Doch auch diese überdimensionalen Kriegsgeräte werden mit simplem Dauerfeuer in ihre blechernen Einzelteile zerlegt. Zugegeben, der Schwierigkeitsgrad steigt beständig dahingehend an, dass immer mehr und stärkere Feinde auftauchen und immer mehr Salven auf den Kampfanzug einprasseln - doch wer fleißig unterwegs ist, kann und muss sich zwischen den Missionen Upgrades bezüglich Panzerung, Munition und Bewaffnung kaufen.
Iron Man 2
Während die erste Hälfte des gerade einmal vier Stunden umfassenden Abenteuers - in der Zeit könnte man auch die Extended Edition eines "Herr der Ringe" Films genießen - noch schleppend vor sich hinplätschert, sorgen die letzteren Abschnitte im Spiel tatsächlich mal für so etwas wie Spaß. Sowohl die Grafik gewinnt an Brillanz, als auch die spielerischen Momente. Es müssen Schalter ausfindig gemacht werden, Generatoren sukzessiv in ihre gewaltigen Einzelteile zerlegt und manch Gegner sogar mittels "komplexer" Logik hinters Licht geführt werden. Auch die Details von begrünten Flächen, technisch imposanten und stellenweise gar zerstörbare Gebäuden und Panoramaaussichten können etwas mehr überzeugen als noch zu Beginn - obwohl nach wie vor heftiges Kantenflimmern und bisweilen sogar aufkommendes heftiges Ruckeln den einsetzenden positiven Eindruck wieder zunichte machen.
