Jurassic World: Evolution im Test: Zeitfresser und Fleischfresser - eine außergewöhnliche Wirtschaftssimulation

Test Katharina Pache 10,62 €
Jurassic World: Evolution im Test: Zeitfresser und Fleischfresser - eine außergewöhnliche Wirtschaftssimulation
Quelle: PC Games 

Alle Dinosaurierkinder, Hobby-Archäologen und Fans von Jurassic Park dürfen jubeln: Jurassic World Evolution ist ein wundervolles Saurier-Spiel geworden. Aber überzeugt es auch als Aufbausimulation? Wir haben Spinosaurier gezüchtet, den Indoraptor geklont, Brachiosaurier betäubt und Stegosaurier-Herden beobachtet. Unser Urteil zu Jurassic Park Evolution lest ihr im ausführlichen Test.

Manchmal führt ein Unglück zum nächsten. Deshalb sind wohl auch die Dinosaurier ausgestorben: Durch einen Meteoriteneinschlag verdunkelte sich die Atmosphäre, Vulkane brachen aus, die Temperaturen sanken, die Reptilien gaben das Zepter weiter an die Säugetiere. Bei uns im Park auf der Insel Isla Muerta wurde nach einem schweren Sturm und Schäden am Hochsicherheitsgehege unseres Tyrannosaurus Rex zwar keine ganze Spezies ausgerottet, was aber nicht daran lag, dass unser blutrünstiger Schützling es nicht versucht hätte. Jede Menge tote Besucher, Schadenersatzklagen und Betäubungsmitteleinsätze später streift T-Rex wieder durch sein eingezäuntes Revier in unserem Park. Merke: Keine Raubsauriergehege ohne Sturmschutz. Lesetipp: Einsteiger-Tipps zu Jurassic World Evolution helfen beim Start eueres Jurassic Parks.

Im Raubtiergehege

In Jurassic World Evolution (jetzt kaufen / 10,62 € ) plant und verwaltet ihr einen Zoo mit Dinosauriern. Ihr kennt noch Jurassic Park: Operation Genesis auf PS2, PC und Xbox aus dem Jahr 2003? Prima, Jurassic World Evolution ist quasi eine Neuauflage der Wirtschafts- und Aufbausimulation von Vivendi. Nur eben mit den Neuerungen aus den aktuellen Filmen, darunter der genmanipulierte Supersaurier Indominus Rex und die Gyrosphären-Fortbewegungsmittel aus Jurassic World und der Mutant Indoraptor aus Jurassic World: Das gefallene Königreich. Der enge Zusammenhang mit der Film-Franchise erklärt Look und Verhalten der Saurier: Entgegen aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse lebt Spinosaurus nur an Land und Deinonychus trägt keine Federn. Zusätzlich kommentieren bekannte Figuren aus der Filmreihe euer Park-Management, darunter etwa Wissenschaftler Dr. Ian Malcom und Raptoren-Flüsterer Owen Grady. Die Original-Filmmusik vervollständigt das ansprechende Fan-Service-Paket. Lesetipp: Jurassic World Evolution - 5-Sterne Wertung für die Inseln erhalten.

Parkbau mit Hindernissen

Jurassic World Evolution auf PS4 und Xbox One

Die Konsolenfassung von Jurassic World Evolution erscheint gleichzeitig mit der PC-Version, die wir getestet haben, allerdings vorerst nur als Download. Erst einen Monat später, am 3. Juli 2018, folgen die physischen Ausgaben. Auf allen Plattformen steht neben der Standard Edition eine Deluxe Edition für einen Aufpreis von etwa zehn Euro bereit, in ihr fünf zusätzliche Dino-Arten züchten könnt und Zugriff habt auf alternative Skins für eure Ranger-Fahrzeuge.

Die Macher von Jurassic World Evolution heißen Frontier Developments, ihr kennt sie vielleicht von Rollercoaster Tycoon 3 oder Planet Coaster. Für virtuelle Vergnügungsparks sind die Briten also Experten, deshalb läuft das Errichten eures Saurierparks simpel und effektiv, auch wenn in Sachen Komfort noch ein wenig Luft nach oben ist - wortwörtlich, eine Höhenanzeige für das Gelände wäre zum Beispiel praktisch. Eure Gäste betreten euren Park automatisch, sobald ihr die ersten Saurier präsentiert. Je nach Art benötigen die Riesenreptilien unterschiedlich große Gehege, Nahrungsquellen und Sicherheitsvorkehrungen, außerdem müsst ihr Rücksicht auf die Vorlieben der Urzeitviecher nehmen. Parasaurolophus will mit mindestens vier Artgenossen zusammenleben und liebt artfremde Pflanzenfresser in seiner Nähe, Polacanthus hingegen wird schon unausstehlich, wenn mehr als vier andere Saurier im gleichen Revier wohnen.
Unzufriedene Dinos werden ausbrechen und Amok laufen - teuer, tödlich und schlecht fürs Image! Dass man Rücksicht nehmen muss auf all diese Details sorgt auch nach vielen Spielstunden dafür, dass die Gehegeplanung nicht zur Routine verkommt. Auch an dieser Stelle macht es Jurassic Park verantwortungsvollen Parkführern jedoch schwieriger, als es sein müsste. Wieso sieht man nicht mit einem Klick, wie groß das Gehege ist? Einerseits steht in den Saurier-Steckbriefen die genaue Quadratmeterzahl, andererseits muss man sich beim Zäunestecken aufs Augenmaß verlassen.

Ein zweites Problem: Im großen Dino-Lexikon erfährt man zwar Wissenswertes, aber nicht, wie viele Gefährten oder Wald die spezifische Gattung zum Gedeihen braucht. Diese Informationen sind erst ersichtlich, wenn der Dino fertig geklont und ausgebrütet aus der Zuchtstation kommt. Um dann Probleme zu beheben, muss das Reptil oft betäubt und umquartiert werden. Im Moment muss man sich als Parkchef rein aufs Gedächtnis verlassen und selbst Notizen dazu anlegen, welcher Dino gerne wie leben möchte, und wie viele davon eigentlich gerade in seinem Park residieren. Ein Fleischfresser mampft eine Ziege im Spiel Jurassic World Evolution. Quelle: PC Games Das schmeckt! Eure Raubsaurier füttert ihr entweder mit Fleischbrocken, oder ihr lasst sie ihren Jagdtrieb mit Hilfe von Ziegen ausleben.

Insel-Hüpfer

Im Spielverlauf beweist ihr euren Unternehmergeist auf sechs Inseln, eine davon die Sandbox-Insel Isla Nublar, auf der ihr ohne Vorgaben und mit unbegrenztem Budget baut. Besuchen könnt ihr die Isla Nublar allerdings erst nach einer gewissen Spielzeit. Auch die restlichen Inseln schaltet ihr nach und nach frei, jede davon konfrontiert euch mit anderen Schwierigkeiten. Auf Isla Pena etwa toben Stürme und der Platz ist begrenzt. Auf der Insel Sorna hingegen laufen diverse Saurier frei herum, darunter ein Spinosaurus.

Erreicht ihr eine gewisse Sternebewertung für euren Park, schaltet ihr die nächste Insel oder diverse Boni frei. Dazu zählen neue Gebäude, Forschungsziele, Gen-Variationen für die Saurierzucht oder einfach nur Geld. Die Wertung errechnet sich aus zwei Komponenten, zum einen natürlich die Dinosaurer - wie viele leben im Park, wie groß ist die Artenvielfalt, wie geht es den Viechern - zum anderen die Gäste. Die wollen essen, Geld ausgeben, Dinos sehen, in Hotels übernachten und sich sicher fühlen.

Da ihr abgeschnitten auf einer Insel lebt, müsst ihr den Strom selbst produzieren und für dessen Verteilung sorgen. Dieser Teil der Parkplanung ist simpel und Notstände sowie Bedürfnisse der Besucher erkennt ihr durch Overlay-Anzeigen auf einen Blick. Die größte Schwierigkeit bei der Verbesserung des Jurassic Park ist die Platzproblematik, viele Gebäude nehmen unverschämt viel des begrenzten Raums auf der Insel ein. Da lohnt es sich, im Voraus zu planen, etwa die Fläche für Sturmschutzanlagen neben dem Raubsauriergehege, man lernt aus den Fehlern.

Die Anzahl der Gastbespaßungsgebäude ist überschaubar, Dekorationen wie etwa Palmenalleen, manuell platzierbare Schilder, Fahnen oder überdachte Wege gibt es nicht. Die Gäste laufen in Gruppen umher, haben aber keine unterschiedlichen Eigenschaften - die in Wissenschaftlerkittel gekleideten Besucher bevorzugen etwa keine anderen Unterhaltungsmöglichkeiten als die leger gekleidete Kundschaft. Jurassic World Evolution rückt den Fokus stärker auf die Dinosaurier als auf die Feinheiten des Park-Managements.

Bildergalerie

Reise in die Urzeit

Die Umsetzung der ausgestorbenen Spezies ist Frontier Developments ganz hervorragend gelungen. Die Dinosaurier sehen wahnsinnig gut aus: unter der dicken Haut eines Brachiosaurus zittern die Muskeln, Gallimimus putzt sich wie ein Strauß das nicht vorhandene Gefieder, Velociraptoren stoßen Fieptöne wie in den Filmen aus. Da macht es auch Spaß, eine Weile einfach zuzusehen wie eine Herde Stegosaurier am Seeufer grast oder ein Tyrannosaurus eine Ziege aus der Lebendfutterstation verschlingt. Nicht vergessen solltet ihr aber dabei, dass Jurassic World Evolution keine Pausenfunktion hat. Das würde die Spannung aus dem Spiel nehmen, denn wenn etwas schief läuft, dann so richtig. Ein kranker Dinosaurier, für dessen Heilung der Impfstoff noch nicht erforscht ist, kann den ganzen Park in die Miesen stürzen, wenn er etwa an der Krankheit stirbt, andere ansteckt, die Herde dadurch zu klein ist und seine frustrierten Freunde ausbrechen und so weiter. Die kleinen und großen Katastrophen verhindern, dass sich nach Stunde um Stunde im Dinopark die Langeweile einschleicht. Es gibt immer Möglichkeiten zur Optimierung und zum Geldausgeben!

Gast im eigenen Park

Gelegentlich verlangt Jurassic World Evolution von euch, selbst den Park zu betreten. Klemmt euch hinter das Lenkrad eines Jeeps oder in den Helikopter, wenn zum Beispiel ein Mitarbeiter der wissenschaftlichen Abteilung eure Ranger-Station sabotiert hat und ihr Aufgaben nicht mehr automatisch an eure Bediensteten verteilen könnt. Das ist mitunter richtig nervenaufreibend. Wenn es stürmt, müsst ihr gelegentlich selbst in den Jeep steigen und beschädigte Leitungen und Gebäude reparieren. Quelle: PC Games Wenn es stürmt, müsst ihr gelegentlich selbst in den Jeep steigen und beschädigte Leitungen und Gebäude reparieren. Stichwort Wissenschaft: Ihr entscheidet, auf welchen der drei Zweige ihr bei der Parkentwicklung das Augenmerk legt. Unterhaltung, Sicherheit oder Wissenschaft? Steigt euer Ansehen bei einer Abteilung, sinkt es bei der anderen, und jede Fraktion belohnt euch mit Boni und Geld, wenn ihr deren Aufträge erfüllt. Die kleinen Zusatzmissionen sind oft nebenbei erledigt und unspektakulär, etwa sollen wir dafür sorgen, dass fünf Minuten lang kein Gast von einem Raubsaurier zerfleischt wird. Klingt machbar!

Jedes der drei konkurrierenden Lager hat pro Missions-Insel (Isla Nublar zählt als Sandbox nicht dazu) eine Reihe besonderer Aufgaben, die kleine Geschichten erzählen und wichtige Neuheiten freischalten, darunter zum Beispiel neue Expeditionsziele. Dorthin schickt ihr eure Ausgrabungsgruppen, damit diese neues Genmaterial aus Fossilien sammeln. Ab 50% Geninformationen könnt ihr eine Saurierart zum Leben erwecken, je höher die Prozentzahl, desto mehr Veränderungen nehmt ihr an den Erbinformationen vor. So manipuliert ihr etwa das Aussehen eurer Zoo-Insassen, den Aggressionsgrad, das Höchstalter und mehr. Gleichzeitig sinkt durch das Herumpfuschen am Genom die Überlebenschance des Jungtiers. So ein genmanipulierter Tyrannosaurus Rex mit alternativer Hautzeichnung bringt zwar ein dickes Extra bei der Besucherwertung, wenn die Eine-Million-Dollar-Echse dann aber eingeht, habt ihr eine riesige Investition in den Sand gesetzt.

Stillstand statt Evolution?

Jurassic Park Evolution ist ein beeindruckendes Fenster in eine virtuelle Welt, die wohl jeder Dinosaurier- und Jurassic-Park-Fan nur zu gerne in der Realität besuchen würde. Niemand wird Frontier Developments Ode an den Saurier kaufen, weil er eine hochkomplexe Wirtschaftssimulation spielen möchte. Den mangelnden Tiefgang kompensiert Jurassic World Evolution durch die atemberaubende Präsentation, die man auch auf mittelmäßigen Rechnern in hoher bis höchster Qualitätsstufe dank vorbildlicher Optimierung genießen kann. Auf einem PC mit 8 GB RAM und einer GeForce GTX 970 hatten wir zum Beispiel keine Ruckler, Kantenflimmern oder Ähnliches zu beklagen. Abstürze gab es beim Testen ebenfalls nicht zu verzeichnen, ein einziges Mal innerhalb von mehr als 20 Stunden Spielzeit konfrontierte uns das Spiel mit einem ärgerlichen Bug, bei dem die Besucher, die wir in den Bunker geschickt hatten, aus irgendeinem Grund spontan entschieden, den Weg durch das Velociraptorengehege zu nehmen - und das trotz Elektrozaun!

Ansonsten trafen wir nur auf Clipping-Fehler und harmlose Anzeige-Bugs. Eine Warnmeldung, dass angeblich eine Stromverbindung fehlt, hielt sich etwa hartnäckig eine ganze Mission über. Ohne Makel ist die intuitive Steuerung per Maus und Tastatur, aber auch mit dem Gamepad funktioniert Jurassic World Evolution überraschend gut! Kurzum: Keine Katastrophenwarnung für Jurassic World Evolution. Frontier Developments hat viele glückliche Entscheidungen getroffen und liefert eine spaßige Aufbausimulation mit Fokus auf Fanservice.

Metacritic bewertet das Spiel mit 70%.

Fazit und Wertung

Meinung

Wertung zu Jurassic World: Evolution (PC)

Wertung:

8.5 /10
Pro & Contra
Fantastisch umgesetzte DinosaurierSimpel-effektiver ParkbauAngenehmer SchwierigkeitsgradSpannende Momente, da eine Pausenfunktion fehltGroße Saurier-Vielfalt mit unterschiedlichen BedürfnissenViele Inhalte zum FreischaltenToller Fanservice, Charaktere aus allen Filmen tauchen aufAbwechslungsreiche MapsSchöne AnimationenKeine schwerwiegenden BugsStimmungsvolle Optik und SoundSandbox-Insel zum freien BauenGut optimiert, läuft auch auf Mitteklasserechnern superMit Foto-Minispiel im Stil von Pokémon SnapSaurier-Anpassung durch GenmanipulationLexikon bietet viel Lesestoff zu Sauriern und Film-UniversumIntuitive Steuerung, auch mit Gamepad gut spielbarAtmosphärische Details: Fliegende Aras, Gras ist animiert
Gehegegröße nicht ersichtlichNicht allzu komplexer Management-PartKeine Höhenanzeige beim BaugrundWenig Optionen zur ParkverschönerungWenig GebäudevielfaltDinosaurier clippen manchmal ineinanderNur sechs MapsIsla Pena ist optisch öde - dort ist es immer NachtFünf Dinosaurierarten kosten extraEin paar schlechte Sprecher
Fazit

Nicht sonderlich komplexe, aber sehr unterhaltsame Wirtschaftssimulation mit gigantischem Charme - und jeder Menge Dinosaurier.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk