So sicher wie das Amen in der Kirche liefert uns Ubisoft kurz vor dem Weihnachtsgeschäft einen neuen Ableger der äußerst beliebten Tanzspiel-Reihe Just Dance. Viel falsch gehen kann eigentlich nicht, denn Fans werden (und können) sowieso bedenkenlos zugreifen. Wir klären in unserem Test, was sich seit dem letzten Ableger wirklich getan hat und ob Just Dance 2014 auch Neueinsteigern zu empfehlen ist.
Erstmals in der Geschichte der Serie taucht der namensgleiche Song Just Dance von Lady Gaga in der Auswahl auf, doch ein weiterer Blick verrät uns zunächst ganz andere Dinge: Die Franzosen sind ihrem bisherigen Stil bis ins letzte Detail treu geblieben. Auch die 2014er Ausgabe der äußerst erfolgreichen Just Dance Reihe erstrahlt wieder in extrem grellen und farbenfrohen Facetten. Die kunterbunten Grafiken passen wie die Faust aufs Auge und bereichern die Tanzatmosphäre auf dem heimischen Wohnzimmerparkett. Vor allem erinnert die Lichter-Flut an das grelle Nachtleben in der Diskothek. Die Neonfarben und kunterbunt gekleidete Tänzer und Tänzerinnen verleihen diesem Titel einmal mehr seinen ganz eigenen Charme. Doch wer bis dato nichts mit der eigenwilligen Präsentation der Serie anfangen konnte, sollte sich den Kauf von Just Dance 2014 wahrlich gut überlegen.
Quelle: Ubisoft
Just Dance 2014 im Test: Das erste mal trällert Lady Gags den namensgebenden Song. (1)
Auch aus spielerischer Sicht hat sich im Prinzip nur recht wenig verändert. Man schwingt zu Pop- und Dance-Songs das Hüftbein, indem man auf dem Bildschirm angezeigte Choreographien nachahmt. Eine Vorschau mittels Symbolen am unteren Bildrand dient der Orientierung. Ohne Übung, mehrfaches probieren und studieren der Tänze gelingen aber nur die wenigsten Songs auf Anhieb mit einer perfekten Wertung. Denn trotz zumeist akkurater Auswertung der Bewegung dank ordentlicher Arbeit der Kinect-Kamera, zeigt sich Just Dance 2014 nicht mehr so nachlässig wie sein Vorgänger. Es verlangt mehr Präzision ab. Der Körper kommt wesentlich stärker zum Einsatz und so manche Choreographie verlangt extreme Fitness-Künste. Springen, hüpfen und extreme Bewegungen strapazieren jeden Muskel. So manch typischer Dance-Stampfer von David Guetta, Nicki Minja oder Lady Gaga führt mit stetigem Beat und oft wiederholenden Bewegungen zu recht guten Ergebnissen. Völlig anders sieht es aus, wenn die Tänze an Musikvideos angelehnt wurden oder gar filmische Expertise im Falle von What a Feeling aus Flashdance abverlangen. Sobald der Partner seine Dame um die Hüfte langt und durch den Raum drehen soll, wird es ziemlich haarig.
Ich kann es nicht oft genug betonen und ich wiederhole mich Jahr für Jahr an dieser Stelle: Für mich bietet Just Dance nahezu perfektionierten Partyspaß für bis zu vier Teilnehmer und natürlich auch für jeden passiven Zuschauer, der das Spektakel aus sicherer Entfernung genießt. Grandiose Choreographien begeistern, da sie wie aus einem Guss wirken und speziell für jeden Song ausgearbeitet wurden. Vor allem die individuellen Parts einzelner Spieler in einigen Songs sind gelungen umgesetzt. Jeder muss seine eigene Performance darbieten. Nicht selten, vor allem im Duett, aber eben auch beim Quartett, müssen alle miteinander interagieren. Manche Songs bieten lustige, spannende oder einfach auch recht intensive Alternativvarianten. In Erinnerung aus Just Dance 4 blieb auf jeden Fall Umbrella inklusive einem Regenschirm, den man bestenfalls bei der Show als Accessoire mit sich führt. Eine wirklich graziöse Choreographie kann man unter anderem mit Gwen Stefani und ihrem Song Rich Girl in Just Dance 2014 abliefern. Der Schreck aller männlichen Tänzer, denn lasziv und erotisch sich um und auf einem Stuhl zu aalen, dürfte nicht jeden wirklich begeistern. Gesitteter wird es, wenn auch nicht weniger schweißtreibend, wenn man anderweitig den Limbo tanzt.
Wie man sieht, hat Ubisoft das Grundgerüst ihrer Just Dance Reihe nahezu unverändert in die 2014er Version übernommen und dieses nur im Detail verbessert. Präziseres Timing bei der Auswertung und zugleich anspruchsvollere Choreographien überzeugen. Doch hin und wieder kommt das bittere Gefühl auf, dass manche Songs viel zu einfach ausfallen, während die meisten anderen trotz Fleiß kaum die Goldmedaille in Form von fünf Sternen preisgeben. Umso verbissener werden jedoch Fans trotz nach wie vor fehlendem Trainingsmodus die Tänze einstudieren und das maximale herausholen. Anfänger wiederum finden einerseits im breiten Spektrum der Songliste sicherlich einen Favoriten und feiert trotz aller Präzision des Spiels ebenfalls kleine Erfolge. Sie werden also motiviert, weiter zu machen und sich stetig zu verbessern.
Quelle: Ubisoft
Just Dance 2014 im Test: Das erste mal trällert Lady Gags den namensgebenden Song. (6)
Doch was hat sich abseits des offensichtlichen Gameplays denn getan? Kurzum gesagt, relativ viel. Abermals haben die Entwickler versucht, das chaotische Navigationsmenü zu entrümpeln und feiern damit einen Teilerfolg. Alles wirkt übersichtlicher und aufgeräumter, doch wir vermissen neuerdings die Direktwahl von Alternativ-Varianten einzelner Songs. Hierzu ackert man sich wieder durch verschachtelte Menüs. Just Dance ist darüber hinaus bekanntlich eine schweißtreibende Angelegenheit. Daher haben die Franzosen den Kalorienzähler gleich in die Spielerkarte integriert. Dennoch dürft ihr euch gerne auch wieder 10, 20 oder 40 Minuten lange Workouts diverser Songs zusammenstellen oder die Auswahl der Konsole überlassen. Neben den bekannten Mash-Ups (Variationen und Zufallstänze), Battles (man duelliert sich um die bessere Performance), alternativen Tänzen und Sweat-Herausfoderungen (körperlich besonders intensive Tänze) gesellen sich neue On-Stage Performances hinzu. Hier hat Ubisoft abermals eine zusätzliche Choreographie erschaffen, welche auf Sänger und Star als Hauptdarsteller sowie zwei Background-Tänzer(innen) beruht. Man wird quasi auf die Bühne geworfen und gibt seine ganz große Show. Dies ist wirklich grandios umgesetzt. Gemeinsam mit Freunden bzw. auf einer Party trumpft Just Dance 2014 also wieder gehörig auf und wird für viel Spaß unter den Akteuren wie auch den Zuschauern sorgen.
Quelle: Ubisoft
Just Dance 2014 im Test: Das erste mal trällert Lady Gags den namensgebenden Song. (7)
Aber auch ohne Freunde wird langanhaltend Unterhaltung auf sehr hohem Niveau geboten. Sämtliche 47 Songs stehen von Anfang an zur Verfügung. Dank Statistiken und Rekorde ackert man unermüdlich an jeder einzelnen Choreographie und seiner Highscore – was sich letztendlich auch in den Erfolgen widerspiegelt. Nebenbei müsst ihr zahlreiche Varianten, Battles und Mash-Ups erst mühselig freischalten und natürlich wird Ubisoft für Nachschub per kostenpflichtigem Download sorgen. Mit dem World Dance Floor bieten die Franzosen erstmalig auch eine Art Onlinemodus für alle Ballerinen der Welt. Dabei wird der Song vorgegeben. Die Spieler werden in einzelne Gruppen eingeteilt. Sie kämpfen aber jeder für sich um den Highscore, die zum Schluss verglichen wird. Scheue Naturen können daher trotz aller Widrigkeiten eines Just Dance Abenteuers teilnehmen, da keiner die tatsächliche Performance sieht, sondern nur die Wertung. Am Schluss gibt es Ranglisten und die Community schaltet nach und nach neue Titel für den Onlinekampf frei. Dank toller Statistiken und Infos macht dieser Modus immer wieder Spaß, ohne dass es in einer Blamage und ärgerlichen Hänseleien endet. Der World Dance Floor ist den Franzosen auf jeden Fall bestens geglückt! Wer sich dennoch zum Affen machen möchte, darf auf der Xbox 360 dank Kinect-Kamera abermals Videomontagen der schadenfrohen Community präsentieren. Neu ist allerdings, dass es reichlich tolle Effekte gibt, mit denen man die Performance noch etwas aufhübschen kann, bevor das Video in Just Dance TV oder auf Facebook veröffentlicht wird. Leider haben wir immer wieder Probleme mit der Community und können nicht immer auf die tollen Beiträge zahlreicher User aus aller Welt zugreifen, doch Ubisoft verbessert ständig die Server und es bleibt Hoffnung, das in naher Zukunft alles stimmig ist.
