Statt kluger Action-Strategie bekommen wir mit KuF:CoD harte Hack and Slay Action geboten.
Kingdom under Fire ist eine Serie mit Geschichte. Bereits 2001 erschien der erste Teil KuF: A War of Heroes auf dem PC. Was in den letzten sieben Jahren als Mix aus Echtzeitstrategie und spaßigem Hack & Slay konstant fortgeführt wurde, wird nun vom Entwickler BlueSide völlig umstrukturiert. In diesem Zuge nahm man dem Spiel einfach den kompletten Strategie-Teil, eben den Teil der Serie, der ihr das gewisse Etwas verpasst hat. Übrig bleibt ein langweiliges, überhaupt nicht forderndes Hack & Slay mit unausgegorenen Rollenspielelementen und schrecklichen Schlauchlevels.
Kingdom under Fire: Circle of Doom
Anfangs können wir zwischen fünf verschiedenen Charakteren wählen, die unterschiedliche Klassen repräsentieren. Die zaghafte Elfenkönigin Celine ist beispielsweise auf Fernangriffe und Magie spezialisiert, Ritter Kendal und Krieger Regnier sind typische Nahkämpfer. Auch der Herzensbrecher Prinz Leinhart ist Nahkämpfer, der Adlige Duane hingegen ist ein weiterer Fernkampfexperte. Ein zusätzlicher Charakter ist der Ritter Curian, der sein Gedächtnis verloren hat und laut eigener Aussage "auf dem Weg ist" aber nicht weiß wohin ihn dieser führt. Curian ist jedoch nicht von Anfang an verfügbar sondern erst im Laufe der Kampagne nach Freischaltung erhältlich. Alle Charaktere sind aus den vorigen Teilen des KuF-Franchise bekannt und bauen auf deren Geschichte auf. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, denn erklärt wird dies im Spiel nicht nochmals. Das Vorwissen über die Charaktere hat man... Oder man hat es nicht.
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Kingdom under Fire: Circle of Doom
Der Einstieg in KuF:CoD ist nicht sonderlich schwer. Unsere Elfenkönigin steuern wir per linkem Joystick, der recht Stick ist für die Kamera. Diese gewohnten Einstellungen machen das kurze Tutorial am Anfang fast überflüssig. Die restlichen Tasten sind mit Angriffen, Tränken und Spezialfähigkeiten belegt, welche man beliebig wechseln kann. Nachdem man die Einführung ins Spiel abgeschlossen hat geht es auch prompt los. Denn schon nach den ersten paar Metern entdecken wir einen Haufen von circa 10 oder 15 Gegner, die vom Spiel jedes mal neu generiert werden. Langeweile soll so nicht aufkommen, da Gegner immer an verschiedenen Stellen in unterschiedlichen Konstellationen auftauchen. Die Prügelei spielt sich jedoch recht simpel und ohne weiteres Nachdenken. Monotones, häufiges drücken der A- und X-Tasten genügt, um alleine den Kampf gegen teilweise 40 Gegner auf einmal zu gewinnen. Das Rad des Hack and Slay Genres wurde hier eindeutig nicht neu erfunden, zumal das Spiel nicht sonderlich viel mehr als Hack and Slay der Angriffsbuttons zu bieten hat. Spätestens nach dem vierten oder fünften Haufen von Gegnern kennt man das Spielprinzip, schleicht sich ran und beschießt die Feinde aus der Entfernung, metzelt die anrennenden Horden dann im Nahkampf nieder und tötet am Schluss die, sich hinten versteckenden, Fernkämpfer und Magier. Einige Meter weiter fängt das ganze von Vorne an, bis auf die Gegner ändert sich gar nichts. Einziger Lichtblick sind die tollen Bossgegner, an denen man sich teilweise längere Zeit seine Zähne ausbeißen kann. Diese sind nicht einfach durch stupides Ballern und Prügeln erledigt, man muss taktisch vorgehen und bei einem vierköpfigen Wesen beispielsweise erst die Säure-Spuckenden Köpfe ausschalten bevor man sich der "Eliminierung" des verbleidenden Restes widmen kann.
Kingdom under Fire: Circle of Doom
Das Rollenspielsystem von KuF:CoD ist recht rudimentär und lässt durchaus daran zweifeln, dass man hier viel Zeit hat investieren wollen. Mit jedem Schadenspunkt und getötetem Gegner erhalten wir genretypisch Erfahrung. Durch Sammeln dieser Punkte steigen wir im Level auf. Jeder Aufstieg schaltet uns eine bestimmte Anzahl sogenannter Skillpunkte frei, die wir nun auf drei verschiedene Fähigkeiten verteilen können: Gesundheit, Angriffskraft und Glück. Gesundheit erklärt sich von selbst und gibt an, wie lange unser Charakter es noch aushält. Die Angriffskraft ist, neben der Gesundheit, die wichtigste Fähigkeit im Spiel. Ähnlich wie Mana-Anzeigen in anderen Spielen gibt sie an, wie lange wir kämpfen können. Jeder getätigte Angriff, egal ob getroffen oder nicht, verringert den Wert dieser Fertigkeitspunkte. Sollte der Balken auf Null fallen können wir so nicht mehr angreifen und haben zwangsläufig ein Problem. Passieren tut dies zwar nur selten, die Erholungsrate ist derart hoch, dass wir noch im Kampf unsere Angriffskraft wiederherstellen, trotzdem sollte man immer eine Waffe wählen, die nicht zu viele dieser Punkte verbraucht. Glück ist eigentlich beim Spielen kaum benötigt, es erhöht lediglich die Chance auf guten Loot und besonders gelungene Angriffe. Loot hinterlassen die getöteten Monster reichlich, meist ist das Inventar schon bei ¾ des Abschnittes voll. Die gesammelten Gegenstände können wir dann entweder verkaufen, benutzen oder synthetisieren. So können wir beispielsweise unsere Waffe mit einem machtvollen Item verbinden, sodass diese dann noch mehr Schaden anrichtet oder uns bei Verletzungen heilt.
Kingdom under Fire: Circle of Doom
Weiteres Element, dass an Rollenspiele erinnert, ist die Möglichkeit, neue Fähigkeiten zu lernen. Besonderheit hieran ist, dass dies nicht in der realen Welt geschieht. Um von seinem Meister zu lernen muss man sich in speziellen "beruhigten Zonen" schlafen legen und kann dann in seiner Traumwelt neue Angriffe und Zauber lernen. Doch diese sind dann nicht einfach verfügbar, man muss sie sich erst verdienen. Viele erwarten jetzt ein ausgeklügeltes Questsystem, jedoch enttäuscht das Spiel durch Aufgabenstellungen wie "Töte 100 Engelsstauen, 50 Bildhauerlehrlinge und 20 Bildhauermeister". Durch die schiere Masse an Gegner ist dies zwar recht leicht machbar, nervt aber ziemlich schnell und erübrigt die ganze Sache. Denn besonders tolle Fähigkeiten sind nicht vertreten, zumal Aktionen wie "Klatschen", "Cherubstatue(werfen)" und "Sprint" nicht sonderlich gefährlich klingen. Und tatsächlich sind ein Großteil der anfänglich erlernbaren Spezialattacken höchstgradig sinnlos und überhaupt nicht zu gebrauchen. Denn mit Schwert, Bogen und Wurfmessern richtet unsere Elfenmagierin um Längen mehr Schaden an!
Technisches
Kingdom under Fire: Circle of Doom
Eines muss man dem Spiel lassen: Die Optik. Es sieht, egal ob außen oder innen, super aus. Das Gras wiegt im Wind mit, die Effekte lassen einen schon das eine oder andere mal staunend in der Landschaft stehen. Die Welt von KuF:CoD besteht jedoch aus strenglinearen Schlauchlevels, und egal wie toll die Welt aussieht, sie bringt dem Spieler einfach nichts. Denn erkunden können wir meist nur unseren mehrere Meter breiten Pfad, der Rest bleibt für uns unerreichbar. Und weil hier schon das Wort unerreichbar fällt: Spiele mit unsichtbaren Mauern haben eigentlich schon verloren. Was vor 20 Jahren noch aktuell war, weil die Spieleengines einfach nicht mehr hergeben konnten, ist heute fast ein Verbrechen. Dass Spiele, mit einer derart schönen Grafik allein durch das Vorhandensein dieser Barrieren und die lineare, langweilige Welt so vermasselt werden können ist fast undenkbar. Lichtblick in Sachen Optik sind die vielen verschiedenen Gegnertypen. Egal in welcher Region man sich gerade durch die Mengen schnetzelt, überall gibt es passende Feinde die sich untereinander auch stark unterscheiden. Auf einer Friedhofsmap erwarten uns Untote und Skelette, in einer "Spukvilla" kämpfen wir gegen lebendige Statuen und Spiegel.
Kingdom under Fire: Circle of Doom
Weiterer negativer Aspekt von KuF:CoD ist die musikalische Hintergrundunterlegung. Schon nach 20 Minuten kennt man alle Tracks und will den Sound eigentlich nur noch abschalten, schon bald gewinnt man den Eindruck, das Spiel bietet sowieso nur zwei Soundfiles: Eine für normale Phasen und eine für die Kampfphase. Andere Geräusche wie die Kampfgeräusche klingen zwar halbwegs realistisch, wiederholen sich aber bei den meisten Waffen. So klingen beispielsweise alle Schwerter gleich. Unsere Gegner selbst sprechen kaum, dafür geben sie umso mehr nicht identifizierbare Gurgelgeräusche von sich, welche in manchen Situationen auch einfach nicht zum Setting passen und die Atmosphäre stören, die das Spiel aufzubauen versucht.
