Wer wollte nicht schon immer mal mit einem Bürostuhl in Hong Kong einen Berg hinunter rasen und dabei Mafiosi verkloppen?
Was hat die Videospielwelt nicht schon alles gesehen - angefangen von runden gelben Wesen, die kleine Pillen und blaue Gespenster verspeisen, über Hasen, die nach der Weltherrschaft greifen und durch ihre herrlich bekloppte Lache auffallen oder witzige Pinata-Tiere, die in ihrer eigenen Welt leben. Skurrile und kreative Konzepte gibt es immer wieder. Meist kann man sich noch Jahre später an sie erinnern, weil sie eine willkommene Abwechslung zum öden Einerlei der Massenware im Spieleregal bieten. Doch das einzigartige und absurde Spielprinzip garantiert nicht gleichzeitig gute Qualität. Die Idee hinter "Kung Fu Rider" ist mit Sicherheit ebenfalls abgefahren und ein wenig bekloppt, aber stimmt auch die Qualität des Titels?
Roll on
Kung Fu Rider
Die Geschichte von "Kung Fu Rider" wird einem bereits im Hauptmenü erzählt. Man sieht die beiden Protagonisten Toby, seines Zeichens Privatdetektiv, und seine Assistentin Karin. Sie verstecken sich vor ein paar finsteren Typen - der Mafia. Panisch schauen sie immer wieder aus ihrem Versteck, um einen günstigen Moment für die Flucht zu erwischen. Mehr erfährt man als Spieler zunächst nicht. Das ist der ganze Inhalt der Geschichte und auch während des Spiels wird diese nicht näher erläutert. Zu Beginn eines jeden "Levels" sieht man lediglich Toby oder Karin, wie sie davonlaufen und auf ein sonderbares Fortbewegungsmittel stoßen. Dies kann ein einfacher Bürostuhl sein, aber auch ein Staubsauger, eine Kinderlaufhilfe oder andere absurde Gerätschaften. Unsere beiden Flüchtlinge freuen sich aber über alles was Rollen hat, nehmen sogleich Platz und machen sich damit auf die Socken.
Tony Hawks wäre neidisch
Kung Fu Rider
Welches Konzept kann wohl hinter einem Spiel stecken, bei dem man auf einem Bürostuhl vor der Mafia fliehen muss? Ein Rennspiel? Ein Jump'n'Run? Weder noch! Es handelt sich vielmehr um ein Gameplay, wie wir es aus Skater-Spielen wie Tony Hawks kennen. Anstelle des Skateboards haben wir nun aber unseren Bürostuhl und dergleichen. Außerdem rasen wir damit nicht durch Halfpipes oder Pools, sondern fahren stets einen Berg nach unten und versuchen dabei möglichst spektakuläre Tricks durchzuführen, finstere Mafiaschergen zu verkloppen oder schlichtweg umzufahren und bestimmte Bonusgegenstände einzusammeln. Unter Zeitdruck wird über Rampen gesprungen, unter Absperrungen gerutscht, auf Geländern gegrindet und wilde Luftakrobatik steht ebenfalls auf dem Programm. Tony Hawks könnte direkt neidisch werden, wenngleich er natürlich wesentlich mehr Tricks und Skills vorzuweisen hat. Aber allein schon die Fortbewegungsmittel lassen die ganze Action irgendwie merkwürdig und lustig aussehen. Wer hat wohl schon mal einen erwachsenen Mann auf einem Staubsauger ein Geländer hinunter grinden sehen und das mitten in der belebten Stadt Hong Kong?!
Move your Bürostuhl
Kung Fu Rider
Die skurrile Idee allein war den Entwicklern wohl noch nicht kreativ genug, denn "Kung Fu Rider" ist eines der ersten Spiele, das die neue Move-Steuerung verwendet. Damit man nicht gleich überfordert ist, wird einem Schritt für Schritt im Tutorial erklärt wie man Toby oder Karin sicher durch die Straßen von Hong Kong geleiten kann. Zunächst werden ganz grundlegende Elemente eingeführt. Gesteuert wird nicht mittels Steuerkreuz oder Analogsticks, sondern durch das Neigen des Move-Controllers. Je nachdem wie stark man diesen nach links oder rechts kippt, bewegen sich auch Toby und Karin auf dem Bildschirm in die entsprechende Richtung. Steht ein Hindernis direkt im Weg, sollte man über dieses springen oder so schnell es geht daran vorbeifahren. Oft bleibt einem aber nur noch der Sprung übrig, welchen man mit einer schnellen Controllerbewegung nach oben ausführen kann. Hier ist das Timing oft ein bisschen träge und ungenau. Man wird nicht nur einmal direkt in ein Hindernis crashen, obwohl man eigentlich bereits zum Sprung angesetzt hat oder die entsprechende Bewegung sogar mehrfach ausgeführt hat. Diese Erfahrung wird man aber erst etwas später machen, wenn der Spielverlauf hektischer wird und man auf viele Dinge gleichzeitig achten muss. Im Tutorial lernt man zunächst noch das Bremsen, das Driften in Kurven, wie man sich einen fiesen Mafiakiller vom Leibe hält und wie man aus heiterem Himmel einen tierischen Schub auslösen und mit voller Kraft durchstarten kann.
