LEGO City Undercover im Test: Wer eine Wii U hat, braucht LEGO City!

Test Alexander Winkel

Nun endlich ist klar, warum sich die Wii U in das heimische Wohnzimmer geschlichen hat. Es war nicht aufgrund von Super Mario, auch nicht wegen Ubisofts Zombies und schon gar nicht anlässlich der zahllosen Multiplattform-Portierungen. Der Überraschungshit heißt LEGO City Undercover aka Grand Theft Auto für Kids und jung gebliebene. Warum uns dieser Titel derart begeistert, erfahrt ihr im Test.

Die Sonne scheint, die Stadt summt und brummt wie ein Bienenstock und Gesetzeshüter sowie Beschützer der Unschuldigen Chase McCain freut sich auf seine Rückkehr in das geliebte LEGO City – eine pulsierende Metropole, deren Bezirke, Orte und Sehenswürdigkeiten frappierend an amerikanische Städte erinnern. Neben Freiheitsstatue, Ähnlichkeiten mit San Francisco, Miami Beach und zahlreichen weiteren denkwürdigen Anekdoten, besuchen wir auch den Time Square oder die Freiheitsstatue. Dabei übernehmen wir die Rolle des Polizei-Helden, der vor einigen Jahren in Ungnade gefallen war, nun aber erneut auf die Jagd nach seinem Erzrivalen Rex Fury geht. Es ist wie mit ein gutes Buch: Langweilen die ersten Seiten, wird es sofort weggelegt und nie mehr angerührt. Begeistert der Anfang, so liest man voller Freude weiter. So auch bei LEGO City Undercover! Die gute Katrina trällert zu Beginn wundervoll den Sommerhit Walking on Sunshine, die Bewohner aalen sich dabei in der Sonne und dank des typischen Humors der Traveller's Tale LEGO-Spiele wird man bereits bestens unterhalten, noch bevor man wirklich selber Hand anlegen darf! Respekt, so muss ein Spiel auf jeden Fall starten!

LEGO City Undercover im Test (3) Quelle: PC Games LEGO City Undercover im Test (3) Sobald erste Schritte unternommen werden und per Knopfdruck das nächstbeste Fahrzeug mehr oder weniger unfreiwillig seinen Besitzer wechselt, Chase zeigt natürlich imaginär seinen Dienstausweis und entschuldigt sich mit ein paar Worten, ist bereits klar, wie der Hase im neuesten LEGO Abenteuer läuft. TT Fusion, verantwortlich für dieses Meisterwerk, presste das altbekannte Konzept nicht wie üblich in ein schnödes Lizenz-Korsett, sondern offeriert uns eine völlig frei begehbare und unglaublich riesige Metropole und bedient sich hier völlig ungeniert am Open-World-Prinzip der Grand Theft Auto Serie und anderer Kollegen. Wir cruisen unter Palmen und Wellenrauschen dem Hotel gesäumten Boulevard entlang, bestaunen die Leuchtreklamen des Time Square, besuchen eine Gefängnisinsel oder begeben uns in den Wald bzw. in die Berge – es gibt wahrlich viel zu entdecken und dank des Klötzchenkonzepts auch reichlich kleine Miniaufgaben abseits des mittels rotem Faden deutlich erkennbaren Hauptpfades. Überall kann man herum klettern, kleine LEGO Bauten errichten und somit Zugang zu anderen Bereichen schaffen, diverse Miniaufgaben wie Wagenrennen, die Suche nach Außerirdischen und Blumengießen erledigen und sammelt dabei unzählige neue Outfits, LEGO-Steine und Studs. Bis man die 100% auf seinem Spielstand zu sehen bekommt, vergehen etliche Spielstunden und Wochen.

LEGO City Undercover im Test (2) Quelle: PC Games LEGO City Undercover im Test (2) Folgt man stattdessen der Hauptstory, welche etwa 20% des Spielumfangs ausmacht, muss man sich auf etwa 13-15 Stunden bester Unterhaltung inklusive typischem LEGO-Humors gefasst machen. Die Geschichte des Gesetzeshüters Chase McCain wird mit reichlich Slapstick à la Nackte Kanone angereichert und begeistert mit schrägem Humor und toll in Szene gesetzten Videosequenzen. Der Hauptcharakter wirkt bisweilen etwas blass, seine Liebeseskapaden machen ihn aber immerhin ein wenig sympathisch. Wesentlich unterhaltsamer gestalten sich die Kollegen vom Revier, angefangen vom verschlafenen, verfressenem Chef, über dem reichen aber reichlich bescheuerten Partner bis hin zu den Undercover-Freunden. Tiefgründiges muss man bei der Story nicht erwarten, aber die Anspielungen diverse Filme und ähnliches sind klasse und immer wieder für Überraschungen gut. Völlig ungezwungen konnten die Entwickler in LEGO City ihren Ideen freien Lauf lassen. Der fehlende Zwang, einer aufgedrückten Lizenz gerecht zu werden, tut diesem Titel auf jedem Fall gewaltig gut und macht dies zu einem der witzigsten und besten LEGO Abenteuer seit Traveller's Tale diese Unterart eines Genres aus dem Hut zauberte.

LEGO City Undercover im Test (5) Quelle: PC Games LEGO City Undercover im Test (5) Während Jäger und Sammler die meiste Zeit in der riesigen Welt verbringen und jedes erdenkbare Hochhaus erklimmen, um das letzte Geheimnis zu entlüften, entführt die Haupthandlung uns immer wieder an Nebenschauplätze wie eine Mine, das Apollo Weltraumlabor, dem Museum, in die stinkenden Abwasserkanäle sowie zahlreichen weitere Orte, welche abgeschlossene Spielwiesen ganz der alten Tradition der LEGO-Spiele darstellen. Hier wird geknobelt, werden Klötzchen verbaut, diverse Schalter umgelegt sowie Kletterpartien gemeistert und ganz nebenbei einige böse Buben vermöbelt. Wer bereist einige der LEGO Spiele im Laufwerk rotieren lies, kennt sich bestens aus. Chase McCain entdeckt im Laufe des Abenteuers immer mehr Berufe und kann dadurch spezielle Fähigkeiten nutzen. Als Feuerwehrmann wird das Feuer gelöscht, als Verbrecher werden Türen aufgebrochen, als Bauer Blumen gegossen und so weiter und so fort. Je weiter man voran schreitet, desto mehr müssen sämtliche Fähigkeiten immer und immer wieder kombiniert werden, um den jeweiligen Level abzuschließen. Erst zum Abschluss der Story offenbart sich auch in der frei begehbaren Metropole jegliches Geheimnis, da hier ebenfalls stets die Fähigkeiten eingesetzt werden müssen. Ganz klar, auch LEGO City Undercover ist eher für junge Spieler und jung gebliebene LEGO Freunde gedacht und daher sind die Aufgaben meist recht offensichtlich. Dennoch sorgen die vielen Möglichkeiten für ordentlich Laune und so manch witzige Überraschung hat der Entwickler immer wieder in petto! Nur auf Dauer, vor allem für Sammler, wirkt das Spielprinzip nach wie vor etwas eintönig.

Erweitert wird das typische Gameplay durch den Einsatz des Wii U Gamepads und vor allem des Touchscreens. Die interaktive und äußerst übersichtliche Karte hilft, um sich in LEGO City zurechtzufinden. Die nächste Straßenbahn oder U-Bahn findet sich genauso schnell wie andere interessante, markierte Orte und ein Druck auf das jeweilige Symbol reicht, um das Navigationsgerät sowohl auf dem Gamepad als auch auf dem großen Screen zu kalibrieren. Darüber hinaus fungiert das Pad als Videotelefon, denn Chase McCain muss sich häufig mit seinen Auftraggebern oder dem Polizeirevier unterhalten. Da man als Undercover-Cop mit diebischem Hintergrund nicht ständig auf der Wache auftauchen kann, muss halt das Telefon seinen Zweck erfüllen. Die Dialoge sind übrigen superb auf Deutsch vertont, genauso wie die üblichen Kommentare der Passanten auf der Straße, die immer wieder nette, humorvolle oder aufreibende Sprüche von sich geben. Praktisch und aufregender ist aber der Scanner, wodurch auf dem Gamepad die Stadt mittels einer frei schwenkbaren Vektor-Darstellung durchforstet wird. Wir müssen das Gamepad schwenken, drehen oder gar hinter uns schauen, um Personen und Sammelobjekte ausfindig zu machen oder gar wichtige Gesprächen zu belauschen.

LEGO City Undercover im Test (6) Quelle: PC Games LEGO City Undercover im Test (6) Während der Spielablauf nur selten Grund zur Kritik lässt, u. a. da die Rätselkost doch meist recht simpel ist und bisweilen das herum rennen und cruisen in der Welt von LEGO City etwas fade erscheint (es gibt keinerlei Radiosender, die aus den Lautsprechern der Autos quäken und allgemein ist Chase McCain etwas zu träge unterwegs), sind es doch einige andere technische Mängel, welche ein wenig auf die Spaßbremse drücken. Den Charme des Klötzchenbetriebs hätte TT Fusion wohl kaum besser einfangen können. LEGO City ist einfach zauberhaft umgesetzt. Zahlreiche Details und vor allem die über einhundert Vehikel vom Motorrad über Auto und LKW bis hin zu Hubschrauber und Schiffe erwecken Erinnerungen an längst vergangene Kindheitstage. Die Fahrzeuge lassen sich sogar ganz passabel, je nach fahrbarem Untersatz gar unterschiedlich steuern. Doch die teils recht hohe Weitsicht und das wuselnde Volk auf den Straßen hat seinen Preis. Immer wieder gerät das Geschehen ins Stocken, Details offenbaren sich bisweilen recht spät und so manches Flimmern hätten die Entwickler ebenfalls unterdrücken können. Wesentlich ärgerlicher und wahrlich eine Spaßbremse ist die unglaublich hohe Ladezeit. Bereits die Wartezeit, bis die Disc geladen ist und man endlich wieder mit Chase auf Verbrecherjagd gehen kann, umfasst mehrere Ladebalken und Minuten. Und auch der Wechsel zwischen der freie begehbaren Stadt und den Spezialaufträgen wird durch diese unfreiwilligen Kaffepausen ausgebremst. Die gute Nachricht: Nur der erstmalige Start von LEGO City Undercover nervt. Ladepausen im Spiel gibt es zum Glück nicht ganz so häufig mehr.

Mit Chase McCain steuern wir nun einen Protagonisten, der ziemlich agil unterwegs ist und reichlich Akrobatik zeigt. Ganze Hochhäuser werden mit Kletterpartien erklommen, wobei die Handhabe meist gelungen ist. Schade nur, dass sich kein Koop-Partner hinzu schalten kann. Denn ungewöhnlich für ein LEGO Abenteuer ist dieser Titel leider nur für einen Solisten ausgelegt. Es gibt daher noch einige wenige Dinge, an denen TT Fusion arbeiten und in einem hoffentlich kommenden Nachfolger verbessern kann. Spätestens dann kann das LEGO GTA es auch mit dem großen Bruder aufnehmen, das vollkommen ohne Gewalt und Blut!

Meinung

Wertung zu LEGO City: Undercover (WiiU)

Wertung:

8.5 /10
Pro & Contra
eine riesige Metropole als Spielwiese für alle Entdecker und Abenteurer ...… sorgt für schier unendliche Beschäftigung, bis sämtliche Geheimnisse von LEGO City gelüftet sindder Titel wirkt nahezu befreit dank des nicht mehr vorhandenen Lizenz-Zwangsdennoch unglaublich viele humorvolle und tolle Anspielungen auf diverse Medien, vor allem zahlreiche Filme und SerienGamepad wurde bewusst und sinnvoll eingesetzt und bereichert das Gameplaysuperbe deutsche Sprachausgabe sorgt für einen sehr hohen Charme
nervig lange (wirklich ewig lange) Ladezeiten werden zur nicht zu unterschätzenden Geduldsprobebisweilen gerät das Leben in LEGO City ins Stocken und Ruckelnwirklich sehr schade, denn es gibt keine LEGO City Radiosender und quäkende RadiomoderatorenChase McCain ist bisweilen etwas zu träge zu Fuß und mit Fahrzeugen unterwegskein Mehrspielermodus mehr vorhanden
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