Schlechte Perfomance, kaum Abwechslung, verschenktes Potenzial: Das Simulationsabenteuer Little Dragons Café im Test
Test
Hereinspaziert! Im Little Dragons Café erwarten euch unter der Federführung von Harvest-Moon-Schöpfer Yasuhiro Wada ein süßer Drache, salzige Speisen und bittere Enttäuschungen. Warum das Adventure von Publisher Rising Star Games in vielen Punkten hinter den Erwartungen und anderen Genrevertretern zurückbleibt, erfahrt ihr in unserem Test.
Als eure Mutter eines schönen Tages in einen tiefen Dornröschenschlaf fällt, nimmt der Wahnsinn im sonst so beschaulichen Little Dragons Café seinen Lauf: Ein schwebender Greis erscheint, schenkt euch ein Drachenei und beteuert, dass die Aufzucht des Schuppentiers eure Mama retten wird. Verzweifelt nehmt ihr den frisch geschlüpften Feuerspucker unter eure Fittiche und übernehmt bis auf Weiteres den familiären Betrieb. Immerhin steht nicht nur das Leben eurer Mutter, sondern auch der Ruf des Cafés auf dem Spiel ...
Inhaltsverzeichnis
Gut gemeint, schlecht geholfen
Quelle: PC Games
Das Idyll täuscht: Im späteren Spielverlauf ist im Café die Hölle los. Packt mit an oder macht euren faulen Mitarbeitern Dampf.
Ein Tag im Simulations-Adventure Little Dragons Café dauert etwa eine Viertelstunde. In dieser macht ihr euch auf die Suche nach Rezepten und Zutaten, bespaßt euren Drachen und verköstigt die illustren Gäste des Cafés. Damit euch die Bewirtung nicht allzu sehr vereinnahmt, gehen euch ein Koch und drei Kellner zur Hand. Das ist zwar grundsätzlich äußerst praktisch, nützt jedoch vor allem im späteren Spielverlauf recht wenig, wenn euch die hungrigen Kunden die Bude einrennen. Aufgrund akuter Fußlahmheit und gelegentlicher Arbeitsverweigerung eures Personals bleibt euch dann nämlich nichts anderes übrig, als mit anzupacken. In der Folge werdet ihr von euren Mitarbeitern zwischen Gastraum und Küche hin und her geschubst und müsst eure zeitintensiven Sammelausflüge entnervt in die Nacht verschieben.
Hungrige Yelper im Glück
Quelle: PC Games
Das kleine Schuppentier kann nicht nur seine Farbe wechseln, sondern verdaut auch eine Menge Speisen, die ihr mithilfe von Rhythmusspielen zubereitet.
Der Ruf des Cafés sowie die Zufriedenheit der Besucher hängen nicht nur von eurer Gastfreundschaft, sondern auch von eurer Speisekarte ab, auf der zehn von insgesamt hundert Gerichten Platz finden - vorausgesetzt, ihr kennt das jeweilige Rezept. Die Qualität und der Geschmack einer Speise variieren je nachdem, welche Zutaten ihr verwendet und wie geschickt ihr euch beim kulinarischen Rhythmusspiel anstellt. Aufgrund der vielen Kombinationsmöglichkeiten erweist sich die Konzipierung des Menüs als echter Lichtblick im sonst so monotonen Café-Alltag. Leider schwingt ihr in der Praxis aber nur sehr selten selbst den Kochlöffel, da etwa das Wachstum des Drachen ohnehin mehr an den Handlungsfortschritt und weniger an eine ausgewogene Verpflegung gebunden ist.
Leblos, langweilig, lästig, leer
Quelle: PC Games
Sämtliche Aktionen in der leeren Außenwelt sind auf minimale Knopdrucke eurerseits beschränkt. Gerade beim Angeln hätte ein kleines Minispiel nicht geschadet.
Damit euer Koch nicht plötzlich vor leeren Schränken steht, geht ihr täglich auf Zutatenjagd. Dafür betretet ihr nach Ablauf eines leidigen Ladebildschirms die heimische Insel, die den größten Knackpunkt des Spiels darstellt. Der einzige Grund, das Café zu verlassen, besteht nämlich darin, unzählige Sammelstellen abzugrasen und monoton den A- beziehungsweise X-Knopf zu drücken. Das ist nicht nur äußerst eintönig, sondern auch maximal stumpfsinnig und langweilig. Es gibt keine anderen Häuser, keine Quests oder Geheimnisse und erst recht keine Abwechslung. Die einzigen Personen, denen ihr begegnet, sind zudem eure Gäste, die roboterhaft das Café ansteuern und immer dasselbe plappern. Auch auf eurem Hof ist nichts los: Das kleine Feld lässt sich wider Erwarten nicht individuell bebauen, sondern bietet auf Knopfdruck eine Auswahl der 160 sammelbaren Zutaten. Selbst das Fischen bietet keine Herausforderung und auch die tierischen Gegner fügen euch keinen Schaden zu, sondern fressen lediglich eure gekochten Speisen, wenn sie euch attackieren.
Kurzum ist die leblose Insel ein einziger Grind-Simulator und enttäuscht auf ganzer Linie. Lediglich die Wettereffekte, die ansprechende Schraffur-Optik sowie die heiter-kindliche Musik bieten Grund zur Freude, wäre da nicht auch noch ein nicht zu übersehender Frame-Lag, der auftritt, sobald man sich bewegt und gleichzeitig die Kamera steuert, also quasi über das gesamte Spiel hinweg. Aufploppende Objekte und anderweitige Grafikfehler tun ihr Übriges. Die technische Umsetzung - die im Vergleich zur PS4-Version auf der Switch deutlich schlechter ausfällt - ernüchtert und ist insbesondere für einen hochpreisigen Titel wie Little Dragons Café absolut nicht tragbar.
Mein kleiner Drache und ich
Quelle: PC Games
Der Drache begleitet euch beim täglichen Zutaten-Grind. Bei bestimmten Sammelstellen geht er euch sogar zur Klaue. Später fliegt er euch zu anderen Inselchen.
So frustrierend die Außenwelt, so niedlich euer Drache: Der schuppige Wildfang bleibt stets an eurer Seite und geht euch bei besonderen Sammelstellen zur Kralle. Wächst er zu einem stattlichen Jungdrachen heran, räumt er gar Hindernisse aus dem Weg und fliegt euch zu abgelegenen Gebieten. Dabei müsst ihr auf seine Ausdauer achten, die ihr mit leckeren Speisen auffüllt. Auch wenn euer Schützling zuweilen etwas bockig ist und um eure Aufmerksamkeit buhlt, ist er doch eine äußerst drollige Begleitung und versorgt euch sogar mit nützlichem Drachenkot zum Düngen. Schade, dass die Aufzucht und Pflege des Drachen ebenfalls sehr monoton und bedeutungslos anmutet. Ein paar Bedürfnisbalken hätten hier sicherlich für mehr Spannung gesorgt.
Täglich grüßt die Salamitaktik
Quelle: PC Games
Die Handlung wird häppchenweise in zahlreichen Zwischensequenzen erzählt. Ob ihr euch am Anfang für den Jungen oder das Mädchen entscheidet, ist unerheblich.
Abseits des Grinds und der Café-Sause erlebt ihr in Little Dragons Café auch die uninspirierten Geschichten zehn besonderer Gäste. Während die Charaktere zwar äußerst liebevoll wirken, strotzen die Handlungsstränge leider nur so vor kitschigen Klischees und vorhersehbaren Wendungen. Dass jede Zwischensequenz nur in einer dem Spieler unbekannten Situation ausgelöst werden kann, stößt zusätzlich sauer auf. Dadurch werden die Geschichten überdies derartig künstlich in die Länge gezogen, dass man nach etwa fünfundzwanzig Stunden erst die Hälfte der Handlung erlebt hat. Mehr als zwanzig Stunden entfallen dabei jedoch auf den unsäglichen Grind und die stressige Bewirtung, da man angefangene Spieltage ordentlich ausschöpfen und nicht frühzeitig beenden sollte.
Nur für blauäugige Genrefans
Little Dragons Café macht in den Ansätzen vieles richtig, in der Umsetzung hingegen nahezu alles falsch. Auch wenn man an allen Ecken und Enden das Herzblut der Entwickler spürt, sprechen zahlreiche Gründe gegen einen Kauf. Lediglich absolut passionierte Genrefans und grind-resistente Sammelfreaks finden an Little Dragons Café womöglich ihre Freude. Gerade die schlechte Performance macht aber auch jenen wohl letztendlich einen Strich durch die Rechnung - vor allem auf der Switch.
