Sackboy und die Gesetze der Physik – eine Kombination die einschlägt wie eine Bombe und auf ganzer Linie überzeugt.
Die Playstation 3 hatte bislang ihre liebe Mühe, sich auf dem Markt zu etablieren. Selbst in Japan wollte sich der erhoffte Erfolg (nachdem die PS2 gut vorgelegt hatte) noch nicht so richtig zeigen, da einfach zu wenige Spiele erschienen sind, die exklusive Hits darstellen. Nach und nach kommen jetzt aber immer mehr Exklusivtitel, die es in sich haben. "Little Big Planet" ist einer davon. Was zunächst wie ein kleines unscheinbares Projekt aussah, mauserte sich immer mehr zum Titel des Jahres 2008. Kaum ein Spiel für Sonys aktuelle Heimkonsole wurde in diesem Jahr sehnlichster erwartet als die Abenteuer rund um Sackboy. Der kleine Sympathieträger ist auf dem besten Weg Sonys neues Maskottchen zu werden und mit "Little Big Planet" so manchen Skeptiker umzustimmen. Die Gründe, warum er auch uns überzeugen konnte, sind vielfältig und im Folgenden näher erläutert.
Die Macht der Träume
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Es ist nicht unbekannt, dass Träume dazu da sind Dinge zu verarbeiten, die man tagsüber erlebt hat. So sinnlos und merkwürdig diese manchmal erscheinen mögen, haben sie dennoch ihren Zweck und erfüllen eine wichtige Aufgabe. Doch mal angenommen unsere Träume würden irgendeine Form von Energie freisetzen, die sich an einem einzigen Ort bündelt. Wie würde dieser Ort wohl aussehen? Auf diese Frage will Sonys langersehntes Videogame eine Antwort geben, denn genau dieser Ort wird durch "Little Big Planet" verkörpert. Hier kommt die ganze Traumenergie zusammen und erschafft eine kunterbunte Phantasiewelt, in der viel Skurriles, Niedliches, aber auch Düsteres zu finden ist.
Neben dieser kurzen Erklärung zeigt man sich in Sachen Story allerdings eher sparsam. Es gibt keine zusammenhängende Geschichte, die sich wie ein roter Faden durch das Spiel zieht, sondern vielmehr einzelne Episoden, die geringfügig miteinander verknüpft sind. Je nach Themengebiet wird ein bestimmtes Problem über mehrere Levels behandelt, aber eine komplette und stimmige Gesamtgeschichte ist leider nicht erkennbar.
Sackboy der Verwandlungskünstler
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Mittlerweile ist der Begriff "Sackboy" in aller Munde und beinahe jeder kann sich etwas darunter vorstellen. Für alle, die ihn nun zum ersten Mal lesen: Nein, das ist kein netter junger Mann, der alten Omis freundlich die Einkaufstüten nach Hause trägt und auch kein Junge, der sich Boxern als Trainingsgerät zur Verfügung stellt. Es handelt sich schlicht und einfach um den Helden von "Little Big Planet". Sackboy ist ein kleines Männchen, das aus gewöhnlichem Leinen (aus dem auch beispielsweise Mehlsäcke gemacht werden) besteht und neben Armen, Beinen, Kopf und Gesicht keine außergewöhnlichen Merkmale aufweist. Ein Sackmännchen eben. "Das ist aber langweilig!" werden nun einige sagen. Stimmt! Genau aus diesem Grund ist der Spieler selbst dafür verantwortlich, seinen Sackboy ein wenig aufzupeppen. Wie man das beispielsweise von den "Sims" oder auch den "Miis" kennt, gibt es verschiedenste Optionen, seinen kleinen Freund zu gestalten. Welche Farbe soll seine Haut (bzw. Leinen) haben, wie sollen die Augen aussehen, was hat er an, welche Schuhe passen am besten, soll ich ihm ein paar interessante Accessoires verpassen - die Möglichkeiten sind zahlreich. Während anfangs eine überschaubare Menge an Kleidung und Optionen vorhanden sind, kommen im Laufe des Spiels immer mehr hinzu. Irgendwann kann man sich kaum mehr retten und erstickt fast in der Fülle des Angebots. Löwenmähne, Zylinder, Schnurrbart, Hochzeitskleid, Sonnenbrillen, Sombrero, Masken, Zebraschwanz, Totenkopf, Hasenohren, Kopftuch, Pirat - für jeden Geschmack ist etwas dabei. Ganz egal ob langweilig oder flippig, jedem steht es völlig frei, wie er seinen Sackboy (oder auch Sackgirl) gestalten möchte. Man kann zu jeder Zeit Veränderungen vornehmen, falls einem der alte Look nicht mehr so gefällt. Mit dem Ergebnis wird schlussendlich das Abenteuer bestritten.
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Ganz egal was der kleine Leinenmann auch an hat, er sieht immer putzig und zuckersüß aus. Man hat sich mächtig ins Zeug gelegt, um einen Charakter zu erschaffen, der einfach nur sympathisch wirkt und gehörig für Verzückung sorgt. Er wurde zudem mit vier Emotionen ausgestattet: Freude, Trauer, Wut und Angst. Je nachdem welche Richtungstaste auf dem Steuerkreuz gedrückt wird, zeigt Sackboy eine dieser vier Gefühle. Bei nochmaligem Drücken wird die Darstellung noch intensiver und wenn man gleich dreimal die selbe Richtungstaste betätigt hat, ist er entweder den Tränen nahe, flippt fast aus vor Freude, schlottert vor Angst oder platzt nahezu vor Wut. Das hat keinen Einfluss auf das Spiel an sich, ist aber ein nettes Gimmick. Ebenso können auch die beiden Arme mittels Analog-Stick (bei gedrückter L- und R-Taste) einzeln bewegt werden und per Neigung des Controllers der Kopf. Wer also gerne ein wenig Quatsch macht wird um diese "Features" sehr dankbar sein, wenn er gerade mal nichts Besseres zu tun hat.
Was ist "Little Big Planet" eigentlich genau?
Streng genommen ist "Little Big Planet" nichts anderes als ein simples Jump'n'Run. Es gibt allerdings so einiges, was daran außergewöhnlich ist, doch dazu kommen wir gleich noch. Schauen wir uns doch zunächst den Kern des Spiels an.
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Das Ziel eines jeden Levels in "Little Big Planet" ist es, vom Start zum Ziel zu gelangen. Dafür müssen zahlreiche Hindernisse, Fallen und Gegner überwunden werden. Von klassischen Abgründen, Flammenmeeren und Wassergruben bis hin zu interessanten Spielereien mit der Physik bestimmter Gegenstände wird so einiges geboten. Es gibt also Abschnitte die genau so aussehen, wie man sie aus etlichen anderen Jump'n'Runs kennt (von einer Plattform zur nächsten springen), aber auch extravagante Einfälle, die man so bislang kaum irgendwo gesehen hat. Die Physik nimmt dabei eine wichtige Rolle ein. Manchmal wird man am Weiterkommen gehindert, weil die Sprungkraft eures kleinen Helden einfach nicht ausreicht, um auf die nächste Plattform zu gelangen. Ein Glück, dass in der Nähe ein kleiner Turm aus Kisten steht. Sobald dieser einmal herzhaft angerempelt wird, fallen die Kisten um und lassen sich vor die Plattform schieben und als Treppe nutzen. Das klingt noch ziemlich einfach, doch der Einfallsreichtum der Entwickler kennt keine Grenzen. Häufig muss man geschickt das Gewicht verlagern. Damit bringt man so manchen Gegenstand zu Fall oder richtet Wippen und Plattformen so aus, dass sie sich in die gewünschte Richtung neigen und das Weiterkommen ermöglichen. Da sämtliche Welten direkt aus einem Bastel- oder Heimwerkerkoffer entsprungen sein könnten, erkennt man schnell um was für ein Material es sich bei der Bodenplatte handelt, über die man gerade läuft. So weiß man gleich, dass es wenig Sinn macht einen massiven Metallblock schieben zu wollen, während leichtes Holz oder Styropor sich dafür bestens eignet. Die Materialien verhalten sich entsprechend realistisch und gehorchen den Gesetzen der Physik.
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Es wäre natürlich langweilig, wenn ihr dauernd nur mit Sackboy von Plattform zu Plattform springen müsstet und hier und da Kisten umschmeißt. Um mehr Schwung ins Geschehen zu bringen, gibt es auch allerhand Fahrzeuge. Ob das nun ein Bulle mit Rollen, ein Skateboard, eine Lore oder sogar ein echtes Auto ist, es gilt immer die eine Devise - anschnallen und ab geht die Post! Wer mit dem Skateboard einen steilen Berg hinab rast und sich nicht richtig festhält, der liegt schneller auf der Nase als ihm lieb ist. Auch ein Auto, das mit Höchstgeschwindigkeit über eine Rampe brettert, kann auf dem Dach landen oder in eine Lavagrube stürzen. Obwohl diese heißen Flitzer geradezu einladend sind, um mal so richtig auf die Tube zu drücken, muss man auch hier stets auf die Physik achten und vorsichtig sein. Da ist Jet-Pack schon wesentlich ungefährlicher. An einem Seil hängen schwebt man durch die Lüfte und erledigt Aufgaben, die zu Land nicht vollbracht werden können. Es gilt Bomben durch eine enge Höhle zu befördern, während harte Erschütterungen vermieden werden sollten. Wesentlich einfacher ist das Befüllen eines Behälters, der durch das zunehmende Gewicht immer schwerer wird und schließlich einen Schalter aktiviert. Auf solche Jet-Pack Einsätze trifft man immer wieder. Das sorgt für Abwechslung.
Die Frage des Genres ist damit also geklärt. "LBP" ist ein Jump'n'Run, das den Spieler dazu zwingt sich mit den Gesetzen der Physik auseinanderzusetzen und diese für sich zu nutzen. Das geschieht meist auf eine sehr unterhaltsame Art und Weise.
