1993 veröffentlichte Taito ein von Neverland entwickeltes Super-NES-Rollenspiel in Japan unter dem Titel Estpolis Denki, dann in Nordamerika als Lufia & the Fortress of Doom; eine Mega-Drive-Umsetzung war angekündigt, erschien jedoch nie, mittlerweile existiert jedoch zumindest in Japan eine Umsetzung für Mobiltelefone. Eine europäische Version hat es leider nie gegeben, einige Jahre später kam jedoch Lufia II: Rise of the Sinistrals nach Europa und dann unter dem simplen Titel Lufia, was mit Sicherheit für einige Verwirrung gesorgt hat. Also nochmal explizit: Dieser Text befaßt sich mit der amerikanischen Version des älteren, weniger ausgereiften Spiels.
Nicht der einzige Endkampf im Spiel. [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Wobei schon die Story alleine Grund zur Verwirrung bietet, die des ersten Spiels ist nämlich die Fortsetzung von der, die im zweiten erzählt wird. Genauer gesagt ist deren Finale hier der Prolog: Eine Fantasywelt wird von vier bösen Überwesen bedroht, hierzulande als Höllenfürsten bezeichnet. Doch ein Heldenquartett, angeführt vom tapferen Maxim, schafft es, die Bösewichte auszuschalten. 99 Jahre später kehrt einer Höllenfürsten jedoch zurück, und da die Armeen aufgrund der üblichen Bürokratie nicht in der Lage sind, angemessen darauf zu reagieren, liegt es an einem jungen Ritter, der von Maxim abstammt und den wir selbst benennen dürfen/müssen, ins Abenteuer zu ziehen, gemeinsam mit seiner Freundin Lufia, die als Kind ohne Erinnerungen in der Stadt aufgetaucht war. Es gilt, den Überlebenden der ersten Heldentruppe nachzuforschen, vor allem aber, die übermächtige Klinge von Maxim wiederzufinden, vorzugsweise bevor auch der Rest des Schurkenquartetts wieder auf der Bildfläche erscheint …
Spielerisch weicht Lufia nicht wesentlich von anderen japanischen Rollenspielen ab. So wird immer wieder in einen separaten Kampfbildschirm umgeschaltet, in dem Ihr gegen verschiedene Monster antretet. Die Gefechte sind jedoch nicht im engeren Sinne runden-, sondern lediglich zugbasiert, so kommen Freunde und Feinde abhängig von ihren Eigenschaften (und offensichtlich Glück) früher oder später an die Reihe und können dann zuschlagen, zaubern, Gegenstände benutzen, fliehen oder sich auf die Defensive konzentrieren. Die Befehle werden jedoch erst nach einiger Verzögerung ausgeführt und auch nicht in der Reihenfolge, in der sie empfangen wurden, eine Möglichkeit, sie einzusehen, besteht jedoch nicht. Sollte der angegriffene Gegner in der Zwischenzeit bereits besiegt oder davongelaufen sein, kommt Euch das Spiel auch nicht entgegen und läßt Euch jemand anders treffen, sondern der Zug ist verschwendet. Diese Eigenheiten lassen sich natürlich damit rechtfertigen, daß das Spiel nicht zu einfach sein soll, doch es gibt auch eine Macke, die ich mir überhaupt nicht erklären kann: Stehen mehrere Exemplare des gleichen Gegners nebeneinander, können diese nicht gezielt ausgewählt werden, sondern es ist Zufall, wen Ihr tatsächlich trefft. Wenigstens trifft man so immer jemanden, solange nicht die ganze Gruppe erledigt ist. Sind alle Gegner besiegt, dürft Ihr Euch über Erfahrungspunkte freuen, die die Helden nach und nach stärker werden lassen, sowie über Geld und selten auch mal einen Gegenstand.
Ein frühes Gefecht. [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Je nach Stand der Handlung steuert Ihr bis zu vier Helden, die unterschiedliche Eigenschaften aufweisen: Maxims Nachfahre ist ein guter Kämpfer, erlernt aber auch diverse defensive Zaubersprüche. Lufias Stärke hingegen sind Angriffszauber. Der Soldat Aguro kann überhaupt nicht zaubern, ist aber körperlich um so stärker, und die junge Halbelfe Jerin ist als Mischfigur angelegt. Die verschiedenen Zaubersprüche werden automatisch verfügbar, sobald die Helden bestimmte Erfahrungsstufen erreichen, und setzen wie üblich magische Energie zur Anwendung voraus, die Euch irgendwann ausgehen kann. Damit Eure Leute stark genug sind, um mit den Feinden mithalten zu können, gilt es nicht nur, die Kampferfahrung nicht zu vernachlässigen, sondern auch, sie mit immer besserer Ausrüstung auszustatten. Ferner lassen sich unzählige Gebrauchsgegenstände mit ganz unterschiedlichen Effekten sammeln und einsetzen; leider ist der Platz in Eurem Inventar begrenzt, und vor allem haben all die Items keine spielinternen Beschreibungen (die Zauber schon) – vielleicht sind sie in der Anleitung aufgeführt, die ich als Gebrauchtkäufer allerdings nie zu Gesicht bekommen habe. Geht einem Held die Lebensenergie aus, kann er nur noch mit bestimmten Sprüchen oder Items wieder auf die Beine gebracht werden; fällt die ganze Party, werdet Ihr automatisch von einer Fee gerettet und zur letzten Stadt zurückgebracht, jedoch um die Hälfte Eures Geldes erleichtert. Einige Gegner können Eure Figuren auch noch in spezielle Zustände versetzen, beispielsweise vergiften oder paralysieren, was unterschiedlich einfach zu heilen ist.






