Marvel Heroes in der Vorschau: Ist das Action-RPG von Diablo-Erfinder David Brevik wirklich ein MMO?
SpecialWenn der Erfinder von Diablo ein MMO mit Superhelden macht, dann richtig. Mit der Marvel-Lizenz im Gepäck macht David Brevik auch nichts verkehrt: Marvel Heroes fühlt sich an wie ein Mix aus Diablo 2 mit einem Dutzend Spielern und League of Legends, von wo man sich das Finanzierungs-Konzept abgeguckt hat. Wir haben das Action-MMORPG angespielt und mit dem Studio-Chef gesprochen.
"Mit Marvel zu arbeiten war ganz einfach", erzählt uns David Brevik, Präsident von Gazillion in einem Londoner Edelhotel. Im Barbereich sitzt er, umringt von teuren Anzügen, in einem Superhelden-T-Shirt, nippt an einem Kaffee und witzelt rum. "Entwickler, die sich über Lizenzinhaber aufregen, müssen wohl etwas falsch gemacht haben – oder haben von vornherein die falsche Lizenz für ihr Spiel gewählt." Bei seinem Spiel ist er sich sicher. In Marvel Heroes lässt Brevik Superhelden in einem MMO gegen klassische Bösewichte antreten. Die Protagonisten: Marvel-Heroen wie Spider-Man, Wolverine, Captain America oder Iron Man. Aber ist der Mann, der Blizzard North mitgegründet und Diablo erfunden hat, der richtige für ein MMO?
Quelle: Gazillion Entertainment
Marvel Heroes in der Vorschau: David Breviks neues Action-RPG ist zwar ein Multiplayer-Spiel, aber MMO? Das ist zu viel des Guten. (1)
Jaein. Denn Marvel Heroes fühlt sich über weite Strecken gar nicht an wie ein normales MMO. Es steuert sich eher wie ein Diablo 2, das mit dem Finanzierungsmodell von League of Legends vermixt wurde. Auf Magie-Shortcuts in dutzenden Leisten, wie man sie aus WoW kennt, wird man in Marvel Heroes verzichten müssen. Selbst Gegner anklicken wird ohne Erfolg bleiben. Die Entwickler konzentrieren sich auf eine Handvoll mögliche Attacken, die auf Knopfdruck in Richtung der Maus ausgeführt werden. Ein manueller Lock auf einem Gegner ist dadurch nicht möglich. Das verursacht gerade bei MMO-Kennern etwas Verwirrung, weshalb Gazillion eine extra Taste eingeführt hat, mit der man fremde Spieler zur Interaktion anklicken kann. Ansonsten sollen sich Spieler aber komplett auf Freundes- und "Wer ist in meiner Umgebung"-Listen verlassen.
Superhelden-Story von Marvel-Autor
An die milliardenschwere Marvel-Lizenz lässt Brevik natürlich nicht irgendjemanden heran. Brian Michael Bendis persönlich schreibt die Geschichte und werkelt zusammen mit einem Team an Motion Comics, mit denen die Story erzählt wird. Dr. Doom kommt darin an den Cosmic Cube, mit dessen Hilfe er die Grundfesten des Universums verändern will. Ein Bündnis aller Marvel-Helden stellt sich dem Bösewicht entgegen und – wer hätte es geglaubt – will die Welt vor dem Unheil bewahren. Autor Bendis ist kein unbeschriebenes Blatt: Er schreibt schon seit Jahren für Marvel und hat etwa die Ultimate-Spider-Man-Reihe ins Leben gerufen. Heute ist er der Chefautor der Avengers-Comics, die sich zurzeit wegen der Marvel-Filme großer Beliebtheit erfreuen. Die Avengers dürfen von daher im Spiel auch nicht fehlen: Hulk, Captain America, Iron-Man, Hawkeye und Thor sind natürlich dabei. Sie stellen gleichzeitig auch ihre eigenen Spielerklassen dar. Hulk wird beispielsweise zwangsläufig ein Typ Frontschwein werden. Umskillen auf andere Fähigkeiten ist nicht drin.
Quelle: Gazillion Entertainment
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Der Spieler kann dabei jederzeit den Protagonisten, solange er ihn freigeschaltet hat, wechseln. Dafür muss man sich nicht ausloggen oder den Level neu laden, der Charaktertausch geschieht ingame. Die Idee dahinter: Jeder Spieler sammelt oder kauft sich seine Helden zusammen und darf auswählen wen er will. Die Charaktere haben aber ein persönliches Erfahrungslevel – wenn man nun in einem Level 18 Gebiet vom weitfortgeschrittenen Thor zum gerade erst neu freigeschalteten Hulk wechselt, wird man Probleme kriegen. Das bedeutet: Stellenweise muss man seine Twinks wohl durch dieselben PvE-Gebiete ziehen müssen. Schade, ein globaler Spielerlevel hätte uns hier auch gut gefallen!
Die Story von Marvel Heroes wird in richtig tollen Motion Comics erzählt. Die animierten Filme haben eine ordentliche Länge und sind von den Sprechern der Fernsehserien vertont. Leider spiegeln sie nicht immer die Party wider, an deren Seite man kämpft. Die Filme sind allesamt vorgerendert, weshalb feste Charaktere darin vorkommen. Wenn man im Spiel mit ganz anderen Figuren unterwegs ist, muss man über diesen kleinen Fauxpas hinwegsehen.
Alles Zufall
Um Spieler länger bei der Stange zu halten, vor allem wenn es darum geht, mehrere Charaktere aufzuleveln, ist die komplette Spielwelt von Marvel Heroes zufallsgeneriert. Nur Städte haben einen festen Grundriss und immer denselben Aufbau. Public Combat Areas und Instanzen hingegen werden jedes Mal neu zusammengemischt. Beim Anspielen müssen wir beispielsweise Kingpins Geheimversteck finden. Das heißt: Unsere Party aus fünf Spielern muss eine Stadt absuchen und auf dem Weg dutzende Feinde töten. Wer weiß, nach was er Ausschau halten muss, kann sich zwar an bestimmten Gebäuden orientieren, die immer zusammenstehen, aber mehr Hilfen wird es nicht geben. Erst wenn man im Sichtbereich des Ziels ist, wird es auch auf der Minimap eingeblendet und markiert. Das macht die Karte eigentlich total unnötig – sie zeigt ja eh ein Gebiet an, das man noch gar nicht kennt.
Quelle: Gazillion Entertainment
Marvel Heroes in der Vorschau: David Breviks neues Action-RPG ist zwar ein Multiplayer-Spiel, aber MMO? Das ist zu viel des Guten. (3)
Die Kampflevel sind unterteilt in Public Combat Areas und private Instanzen. Die Combat Areas fühlen sich wie typische PvE-Gebiete an und nutzen ein Umgebungs-Questsystem. Wir bekommen bei der Suche nach Kingpin etwa die Aufgabe, 100 Monster einer bestimmten Art zu töten. Klingt langweilig und ist allein auch wirklich witzlos. Aber weil hier die Kills der gesamten Zone eingerechnet werden, hat man das Limit schnell als Team-Arbeit erreicht – und schaltet dadurch zusätzliche Video Comics frei. Pro Zone werden vermutlich knapp 50-60 Spieler zusammenkommen, finale Zahlen hierzu hat Gazillion noch nicht verraten. Das ist zwar im Vergleich zu Instanzen ganz nett, "Massive Multiplayer" sieht aber anders aus.
Die Übergänge zwischen Instanzen und öffentlichen Zonen sind fließend. Als wir in unserem Demolevel Kingpins Versteck finden, spielen wir noch in einem öffentlichen Gebiet mit anderen Entwicklern aus Amerika zusammen. Nachdem wir das Gebäude betreten, startet für unsere Gruppe eine Instanz. So will man sich Streitigkeiten um Bosse ersparen. Streit um Loot wird es jedenfalls nicht geben: Alles was am Boden liegt, gehört einem auch. Marvel Heroes schüttet automatisch Loot an alle Beteiligten eines Kampfs aus, verhindert aber, dass man Loot fremder Spieler sehen, geschweige denn einstecken kann. Nur Orbs muss man sich teilen. Das sind leuchtende Kristallkugeln, die es bei Leichen zu holen gibt. Mit ihnen füllt man HP, Mana und XP auf.
Finanziert durch Mikro-Transaktionen
Marvel Heroes wird komplett kostenlos im Internet verfügbar sein. Das Spiel finanziert sich durch Mikro-Transaktionen. Die Entwickler setzen vor allem auf die vielen unterschiedlichen Kostüme aus den Comics und Filmen. "Wer Spidey freigeschaltet hat, kann sich gerne für ein paar Dollars das Kostüm "seines" Spider-Mans kaufen", erklärt und Brevik. Die meisten der Helden sind in mindestens vier oder mehr Kostümen erhältlich, etwa aus den alten und neuen Comics, den Filmen oder einer Unterreihe wie "Ultimate". Brevik vergleicht sein System am liebsten mit dem erfolgreichen League of Legends: "Wir verkaufen keine wichtigen Spielinhalte, nur Zusatzitems und optische Inhalte. Die Leute wollen nicht für den Sieg in einem MMO wie diesem bezahlen, das finden sie unanständig. Wir auch. Aber sie geben gerne etwas aus, um auch den Helden aus ihrer eigenen Jugend zu spielen. Hier setzen wir an und liefern genau diese Inhalte."
Trotzdem sollen vor allem Kostüme auch ohne Echtgeld freischaltbar sein. Nur ganz wenige Outfits sind zahlenden Kunden vorbehalten, die anderen müssen einfach nur ziemlich lang auf die Freischaltung hinarbeiten. Pay or Grind lautet die Devise. Für Brevik bedeutet Free 2 Play nämlich auch, eine vollkommen neue Käuferschicht anzusprechen: Die eher selteneren Online-Spieler. Für ihn ist der kostenlose Vertrieb von Videospielen "die Demoversion der Neuzeit" – nur wer das Spiel wirklich mag, wird Geld darin investieren. Die Erfahrung sagt: Das ist in etwa jeder zehnte Spieler eines F2P-MMOs. Der zahlt aber genug für optisches Bling-Bling und zusätzliche Items, dass die anderen neun Spieler mitgetragen werden können.
