In MEdal of Honor Warfighter treten 12 unterschiedliche Spezialeinheiten aus Amerika, Korea, Kanada, Deutschland, Polen, Russland, Australien und Groß-Britannien gegeneinander an - in "Blue vs Blue"-Schlachten. Macht das Sinn? [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Da ist sie nun, die Mehrspieler-Beta von Medal of Honor Warfighter. Der erste Teil der neuen MoH-Serie war im Gamezone-Test damals durchgefallen. Technisch und inhaltlich war der Reboot nicht auf der Höhe der Zeit und moralisch für den Autor des Tests auch höchst fragwürdig. Videospiele zu Kriegen, die noch laufen – ist das okay, haben wir uns damals gefragt. Nicht nur wir, wie es scheint. Weil die US-Armee damals beim Mehrspielermodus Sturm lief, wurde dieser angepasst. Al-Qaida Terroristen haben damals gegen die US Army gekämpft – ein Unding, immerhin musste abwechselnd in die Rolle der "Bösen" schlüpfen, um Amerikaner zu töten. Ein Verkaufsverbot innerhalb von Armeeeinrichtungen wurde damals diskutiert, bis Danger Close eingeknickt ist und die Terroristen in "feindliche Kämpfer" umbenannt hat.
Medal of Honor Warfighter im Hands On (2) [Quelle: Siehe Bildergalerie]
In Medal of Honor Warfighter will man diesem Problem von Anfang an aus dem Weg gehen, indem der Mehrspielermodus Gegner einfach ausblendet. Stattdessen kämpfen Soldaten gegeneinander. Die Macher nennen es Blue vs. Blue, sozusagen ein Trainingsszenario. Nur so erklärt sich auch, wieso Amerikaner, Kanadier, Deutsche, Polen und Co. Gegeneinander antreten – ist ja alles nur gespielt.
Im Vorfeld habe ich mich oft gefragt, wie das funktionieren wird. Schießen die Armeesoldaten dann mit Übungsmunition? Mit Farbpatronen? Eigentlich dürfte es ja dann auch keine Explosivgranaten geben, die töten ja trotzdem. Aber in der Beta fehlt bislang jede Erklärung. Wir steigen ins Spiel ein, wählen unser Heimatteam (Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr), springen ins Spiel und töten ein paar Kollegen, die im anderen Team auch KSK-Soldaten mimen. Hm, wieso noch mal dieser alberne Blue-vs-Blue-Anstrich, EA?
Mehr als nur US-Army
Kritiker haben am Vorgänger bemäkelt, dass Medal of Honor eine romantische Verklärung des Lebens als US-Soldat sei. Plumpe Armee-Propaganda. Um dem Urteil nun aus dem Weg zu gehen, haben die Macher 12 Spezialtruppen verschiedener Nationen eingefügt. Jeder Spieler kann seinen Charakter dann unter der Flagge antreten lassen, die ihm am liebsten ist. Natürlich sind nur westliche Kräfte darunter. Amerika ist mit drei Kommandos (Agenten, Navy Seals, Special Forces) am häufigsten vertreten, Kanada, Korea, Norwegen, Russland, Polen, Deutschland, Großbritannien, Australien und Schweden jeweils mit einem Team.
Der Clou: Nachdem man seine Heimatnation gewählt hat, muss man andere Kämpfer und Waffen erst freischalten! 72 Soldaten gibt es so insgesamt freizuschalten, die natürlich jeweils unterschiedliche Waffen, Zielhilfen, Magazintypen und Lackierungen benutzen können. Ziemlich viel Zeug zum Freischalten! Um die Übersicht zu behalten, nutzt Medal of Honor Warfighter ein eigenes Battlelog, wie Battlefield 3.
Gameplay sehr linear
Medal of Honor Warfighter im Hands On (5) [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Den ersten herben Rückschlag erlebe ich schon im Menü: Sobald man im Spiel ist, reagieren die Menükontrollen sehr behäbig. Mit den Schultertasten können wir zwischen Reitern hin und herspringen, die Ausführung eines Befehls dauert aber oftmals deutlich über eine Sekunde. Das nervt, weil ich immer wieder nachdrücke und dann aus Versehen einen falschen Menüpunkt auswähle. Selten habe ich ein so schwerfälliges und reaktionslahmes Menü gesehen! Die Verzögerung macht sich auch im Spiel bemerkbar. Der Spawnbildschirm ist nämlich nur für etwa zwei oder drei Sekunden zu sehen. Wer hier nicht schnell genug drückt, spawnt entweder am falschen Ort oder mit einer nicht gewünschten Klasse. Hier muss Danger Close unbedingt an der Performance-Schraube drehen – es ist immerhin nur das Menü!
Auch der Rest des Spiels kann meine Erwartungen an Frostbite 2 nicht erfüllen. Die Umgebung weist zwar nette Effekte und Lichtsettings auf, aber die Beta-Map im zerstörten Olympiastadion von Sarajevo enttäuscht uns mit Detailarmut und vor allem fest abgesteckten Wegen. Die Map ist ein Schlauch von Verbindungsgängen, Häuser, Geröll und Deckungen sind unüberwindbare Hindernisse. Wer Freiheiten erwartet, wie man sie aus Battlefield 3 gewohnt ist, wird enttäuscht: Der Spieler hat in den vorgegebenen Weg-Schläuchen zu bleiben. Das macht die eigentlich recht große Kartenfläche überschaubar, auch weil alle freien Flächen Bottleneck-Zugänge haben. Solange man sie im Blick behält, kann man sie ohne große Probleme mit kleiner Mannstärke halten.
Gefallen hat uns hingegen der zufallsgenerierte Spielmodus. Die zwei Teams werden in Verteidiger und Angreifer aufgeteilt. Insgesamt gibt es auf der Karte fünf Ziele, die Angreifer erfahren aber immer erst nach etwa einer Minute aus "Geheimdienstquellen", welche angegriffen werden muss. In dieser Zeit können Verteidiger sich zurückziehen und Vorbereitungen treffen – etwa C4 auslegen. Aber Vorsicht: Wenn sich viele Verteidiger an einem Zielpunkt (es sind immer dieselben fünf, nur die Reihenfolge ändert sich) versammeln, ist das ein Indikator für die Attacker!
Unterstützerpunkte und Fireteams
Medal of Honor Warfighter im Hands On (3) [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Von der Konkurrenz hebt sich Medal of Honor Warfighter durch sein Squad-System ab. Während man in anderen Spielen Teams aus vier oder mehr Spielern bilden kann, können hier nur zwei Gamer zusammen antreten. Das Gebilde nennen die Macher Fireteam, beim Beitritt wird man automatisch einem Team zugeteilt. Seinen Buddy sieht man auf der Karte grün umrandet, wenn er getötet wird, markiert uns das Spiel seinen Killer – wenn man ihn trifft, gibt es Extrapunkte. Natürlich spawnt man beim Fireteam-Kumpel, aber nur, wenn er nicht gerade unter Beschuss oder in einem Gefahrengebiet ist. Die Idee ist ganz nett, nervt mit der Zeit aber auch gerne mal. Immer wieder geht der Spawn-Countdown wieder um mehrere Sekunden nach oben, weil das Spiel irgendwo in der Nähe des Buddys einen Feind ausmacht. Außerdem wird man immer leicht versetzt ins Spiel starten, also nicht an derselben Stelle, an der auch der Freund steht. Während der Beta wurden wir so schon auf Hausdächern ins Spiel geworfen, zu denen man eigentlich keinen Zutritt hat oder versehentlich auch außerhalb der Deckung. Das ärgert einen, weil man auf den Buddy-Spawn länger warten muss, als auf den Fallback-Spawn.
Für alle Aktionen im Spiel sammelt man übrigens Unterstützerpunkte, die wie in Call of Duty für Unterstützer-Perks verwendet werden. Hat man X Punkte erreicht, schaltet man Unterstützer-Level 1 frei. Als Kanonier können wir damit etwa einen Blackhawk-Helikopter herbeirufen, an dem Kameraden spawnen und eine Minigun installiert ist. Auf Stufe 3 gibt es dann Apache Kampfhelis, aus denen der Spieler dann Raketen verschießt. Miniguns und Raketen – die verschießen sicher keine Trainingsmunition! Unterstützeraktionen werden aber immer in offensiv und defensiv aufgeteilt. Wer keine Helis will, kann Unterstützung per Fallschirm rufen oder Überwachungsdrohnen starten. Wenn man stirbt, geht der Unterstützungsfortschritt verloren, nur wenn man eine Stufe erreicht hat, bleibt sie einem erhalten.






