Medal of Honor: Warfighter im Test: Macht alles, was andere Shooter auch tun, sticht aber nie aus der Masse heraus

Test Sandro Odak

"Mann, diesmal machen wir's richtig. Und wenn es das letzte ist, was wir tun, wir machen's richtig!" Solche markigen Macho-Soldatensprüche gibt man sich in Medal of Honor: Warfighter ständig. Was Danger Close erreichen will ist klar: Call of Duty vom Shooter-Thron stoßen. Aber nur weil man die Frostbite Engine vor den Karren spannt, ist das noch kein Garant für ein gelungenes Spiel.

Warfighter. Was für ein bescheuerter Name! Kriegskämpfer heißt das übersetzt. Warum nicht gleich Munitionsschießer, Terrortöter oder Waffenabfeuerer. EAs Erklärung: In der US-Armee nennen sie Soldaten, die immer wieder an die Front zurückkehren Warfighter. In Karachi, Pakistan beginnt also unser Kampf als Frontschwein. Der Auftrag ist eigentlich total easy: Einen Container mit Schmuggelwaffen im Hafen in die Luft jagen. Doch die eigentlich kleine Sprengung löst eine riesige Kettenreaktion aus. Ein Container-Frachtschiff in der Nähe geht in Flammen auf und zerbirst in tausend Teile. Es hatte PETN geladen – einen hochgefährlichen Sprengstoff! Also Waffe in die Hand und durch den Hafen ballern. Denn: "Hier haben wir keine Freunde. Töte sie alle!"

Door-Breaching - eine Wissenschaft für sich. Mit allen freigeschalteten Optionen zum Türöffnen braucht man länger als mit der ersten. Quelle: PC Games Door-Breaching - eine Wissenschaft für sich. Mit allen freigeschalteten Optionen zum Türöffnen braucht man länger als mit der ersten. Mit was für bösen Kerlen wir es zu tun bekommen, erfahren wir in einer Sequenz schon kurz danach. Aus der Perspektive eines Terrorauszubildenden müssen wir einen unterirdischen Trainingsparkour durchlaufen – der uns Zielscheiben in einem Flugzeugnachbau zeigt! Mit solchen Schreckensbildern schürt Danger Close schon im Tutorial die Angst der Amerikaner, für die das Spiel ohne Zweifel gemacht ist, vor Turbanträgern und verdient sich eine goldene Nase am Trauma einer Nation. Sehr viel abwechslungsreicher wird es nicht. Wir kämpfen in Dubai, Jemen, Somalia und einer ganzen Menge weiterer Orte gegen den Terror und entvölkern dabei ganze Landstriche. Eines ist klar: In Medal of Honor ist jeder ein Feind, unbeteiligte Zivilisten gibt es im Nahen Osten nämlich nicht.

Die Jagd nach dem gefährlichen Terroristen zieht sich dann durch mehrere Länder durch und mündet ihn einem schnellen, langweiligen Ende. Wer Warfighter durchspielt, hat zwar viele Krach-Bumm-Momente erlebt, aber so gut wie keine Story vermittelt bekommen.

Realismus versprochen, übertriebenes Action-Movie abgeliefert

Aus dem Fahrzeug schießen... Quelle: PC Games Aus dem Fahrzeug schießen... Zugegeben, mit einer stark patriotischen Hintergrundstory haben wir gerechnet. Islamistische Terroristen sind unsere Russen von heute, auch das ist keine Neuigkeit mehr. Was mich ärgert, ist diese Anbiederung der Geschichte an reale Ereignisse. EA selbst kommuniziert von Anfang an, wie nah man mit echten Special Forces zusammen arbeitet und dass das Szenario zwar fiktiv ist, trotzdem auf realen Einsatzberichten beruht. Bei einem Preview-Termin hat Danger Close sogar den militärischen Berater mitgenommen. Weil er Navy Seal war, durften wir seinen Namen nicht erfahren und ihn unter keinen Umständen fotografieren. Wir haben trotzdem recherchiert. Der Mann, der Danger Close in Sachen Einsatzrealität beraten hat, war tatsächlich in einer Sondereinheit. Seit einer Verletzung kann man ihn aber für $150 Dollar "mieten" und in der Wüste Nevadas unter seiner Anleitung rumballern. Dementsprechend realistisch sind auch die Einsätze in MoH.

An einer Stelle bombardieren und beschießen wir aus der Luft ein Wüstendorf. Außer Terroristen gibt es auch dort keine anderen Bewohner. Das rechtfertigt auch den Einsatz schweren Geräts. Bei einer Geiselbefreiung in Indonesien hingegen fahren wir mit Granaten verschießenden Booten durch eine überschwemmte Stadt und müssen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion amerikanische Geiseln befreien. Dabei werden gefühlt über hundert Feinde von vier Männern ausgeschaltet. Als ein Kollege vor einigen Monaten beim Super-Soldat nachgefragt hat, wann er das letzte Mal ein paar Dutzend Menschen erschossen hat, ohne einen Kratzer abzubekommen, verweist er nur mysteriös auf eine Geheimhaltung. Bullshit. Mit der Realität hat Medal of Honor nichts gemein. Stattdessen ist es ein überzeichnetes und vollkommen überdrehtes Action-Spektakel, das uns zwischendurch immer wieder mit emotionalen Erklärungsversuchen blenden will.

... und aus einem Heli schießen. Das darf nicht fehlen! Quelle: PC Games ... und aus einem Heli schießen. Das darf nicht fehlen! Zwischen den Einsätzen, die zum Teil schon sehr generisch aneinandergereiht sind, bekommen wir in fast schon gruslig anmutenden Zwischensequenzen die Downsides eines Supersoldatenlebens vorgeführt. Immer wieder verkracht sich unser Hauptcharakter Preacher mit seiner Ehefrau, weil sie Zeit mit ihm verbringen möchte. Ihn aber zieht es an die Front, aus Sorge um die Sicherheit von Frau und Kind. Hier hätte Warfighter wenigstens inhaltlich etwas reißen können, verbockt aber alles durch eine total platte Erzählung, sehr vorhersehbare Wendungen und vor allem die hässliche Aufmachung der CGI-Figuren.

Gameplay abgedroschen und nicht ohne Bugs

Auf Gameplay-Seite bietet Medal of Honor: Warfighter all das, was wir aus anderen Shootern auch kennen. Man rennt durch Levels, erschießt ein paar generische Turbanträger, steuert Drohnen und ballert aus Helikoptern auf Moorhühner. Pardon, auf Feinde natürlich. Ein klein wenig Abwechslung bieten die coolen Autofahrten. In Karachi müssen wir einen Verdächtigen durch die Stadt verfolgen und fetzen dabei über den Marktplatz der Stadt. Dabei erleben wir ein paar coole Überraschungen, so gibt es etwa ein Achievement fürs Umnieten von Marktständen. An einer Stelle fliegt uns sogar ein Huhn an die Scheibe, wer die Karte aber wiederholt, stellt fest: Hier ist alles geskriptet. Das Huhn rammen wir jedes Mal an derselben Stelle und auch andere Triggerauslösungen sind nur dezent versteckt.

Autsch, das tut weh: In Warfighter tragen unsere Supersoldaten Miniäxte mit sich. Quelle: PC Games Autsch, das tut weh: In Warfighter tragen unsere Supersoldaten Miniäxte mit sich. Höhepunkt was Abwechslung anbelangt ist eine zweite Fahrermission. Durch die Straßen von Dubai müssen wir darin rasen und Verfolgern entkommen. Dabei sehen wir auf der Minimap feindliche Beobachter vorbeifahren, wenn sie uns zu nah kommen, müssen wir auf Verstecke ausweichen. Sie sind auf der Karte verzeichnet, wer sie nicht schnell genug erreicht, wird gejagt. Diese Idee des motorisierten Versteckspiels macht einen Heidenspaß, ist aber auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Der Rest der Kampagne steht seinem Vorbild Call of Duty in Sachen Skripting in nichts nach. Jede Sekunde fühlt sich so an, als ob die Entwickler genau wollen dass man hier steht. Wer sich nicht dran hält, bekommt es mit den eigenen Mitstreitern zu tun. Sie schubsen einen dann aus der Deckung oder versperren die Sicht – stehen halt einfach immer im Weg rum. Als wäre das nicht genug, übernimmt Danger Close eine weitere Unart von Call of Duty: Es wirft einem an manchen Stellen so lange unendlich Gegner in den Weg, bis der entscheidende Trigger ausgelöst ist oder eine bestimmte Zielperson ausgeschaltet ist. Wenn man die nicht findet, weil sie sich in einer Wand verkantet hat, muss man den letzten Speicherpunkt laden. Argh!

  1. Seite 1 Medal of Honor: Warfighter im Test: Der verkorkste Singleplayer
  2. Seite 2 Medal of Honor: Warfighter im Test: Grafik, Multiplayer und Fazit
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk