Men of War im Gamezone-Test

Test BigJim

Ein insgesamt gutes Strategiespiel, welches trotz seiner Mängel in Sachen KI und Synchronisation recht viel für sein Geld bietet.

Angesichts der schieren Fülle an WW2-Games ist Ottonormal-Zocker inzwischen versucht, Neuerscheinungen aus diesem Bereich nur noch mit einem lauten Gähnen zu kommentieren. Vergessen wir aber nicht: Es gibt unter (Strategie-)Videospielen, die sich des Weltkriegs-Szenarios annehmen, auch immer solche und solche. Dass nicht alles auf die Masse und damit den oft recht einfältigen Geschmack breiter Käuferschichten abzielen muss, haben spielerisch anspruchsvollere Produkte dieser Sparte immer wieder bewiesen. In besonderem Maße gilt dies für die legendäre Commandos-Reihe (hier vor allem für die ersten beiden Teile). Aber auch Soldiers - Heroes of World War II (2004) und Faces of War (2006) gehörten dazu. All diese Titel hatten eines gemeinsam: Sie verbanden fordernde Echtzeit-Taktik mit Rollenspielelementen und setzten sich damit positiv von gewöhnlichen WW2-Produkten ab. Men of War - vor mehreren Wochen in Deutschland erschienen - beruht auf demselben Spielprinzip und stammt von den Entwicklern, die zuletzt schon Faces of War produziert haben.

Krieg an allen Fronten

Men of War Men of War Men of War bezieht sich auf den kompletten Zeitraum des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) und führt uns an praktisch alle relevanten Schauplätze jener Jahre. Gekämpft wird u.a. in Russland, Frankreich, Griechenland und der Ukraine. Die Szenarien wechseln und reichen von Winterschlachten inmitten russischer Kältezonen bis hin zu Wüstengefechten (Rommel-/Montgomery-Feldzüge) in Nordafrika. Entsprechend werden auch die bedeutendsten Militäroperationen behandelt; beispielsweise die Luftlandung deutscher Truppen in Kreta, die alliierten Angriffsvorbereitungen in Tunesien oder die Invasion US-amerikanischer Truppen in der Normandie. Und damit das Ganze nicht zu unpersönlich wird, haben die Entwickler auch Menschenschicksale eingebaut. So begleiten wir zu Beginn der ersten Kampagne die Rotarmisten Smirnov und Kuznetzov, die sich noch aus ihrer Studienzeit kennen und sich nun im bisher blutigsten aller Kriege auf den europäischen Schlachtfeldern wiederfinden, um Mütterchen Russland zu verteidigen und Hitlers Armeen zu bekämpfen.

Men of War Men of War Der Umfang von Men of War ist recht ordentlich, zumal wenn man es mit dem - jedenfalls gemessen an seiner Spielzeit - recht dürftigen Stand-Alone-Addon Company of Heroes: Tales of Valor vergleicht, welches im April auf den Markt kam und das selbst für eine Erweiterung extrem kurz ausfiel. Men of War beinhaltet im Singleplayer drei Kampagnen mit insgesamt rund 20 Missionen, die uns die Ereignisse aus Sicht der Sowjets, Deutschen und Alliierten erleben lassen. Die jeweiligen Einzelspielermissionen können dabei durchaus schon mal sechzig bis neunzig Minuten dauern. Eine Gesamtspielzeit von mindestens zwanzig Stunden ist damit garantiert, selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad. Und wer möchte, kann sich alternativ noch am Multiplayer versuchen. Der bietet mehrere Modi (darunter Deathmatch, Angreifer-/Verteidiger-/Eskortmissionen, Koop-Modus) für 3 - 16 Spieler. Im Vergleich zu dem mittlerweile etwas betagten Soldiers - Heroes of World War II und dem unmittelbaren Vorgänger Faces of War finden sich in Men of War altbekannte, aber auch zusätzliche Einheiten. Vertreten sind u.a. der russische T-34, der deutsche (Königs-)Tiger, der amerikanische Sherman-Kampfpanzer oder Militärflugzeuge wie Mustang oder Stuka. Hinzu kommen - ähnlich wie bei "Blitzkrieg" - diverse Artillerie-, Panzerabwehr- und Flugabwehrgeschütze, zuzüglich Versorgungsfahrzeuge und LKWs, die auch dem Transport von Geschützen dienen. Stellenweise gelangen sogar Schiffe und/oder U-Boote zum Einsatz.

Dynamisch, abwechselungsreich - und knallhart

Men of War Men of War Wie seine Vorläufer spielt sich Men of War sehr fordernd. Was uns bei der Gelegenheit auch gleich zu der Feststellung veranlasst, dass sich diese Titel aus dem Hause IC Company in erster Line an geübte und nervenstarke Strategen, weniger aber an Gelegenheitsspieler richtet. Letztere dürften nämlich maßlos überfordert sein. Das beginnt bereits mit der Bedienung. Mikromanagement ist ein wesentlicher Bestandteil des Spiels. Zwar ist unser Trupp rein zahlenmäßig leicht überschaubar, aber aufgrund der o.g. Rollenspielelemente müssen wir jeden einzelnen Soldaten mit Waffen, Munition (einschl. Handgranaten), Werkzeugen, Medipacks usw. ausrüsten bzw. versorgen. Und das nicht selten während des hektischen Treibens eines Gefechtes. Deshalb ist es häufig schlecht möglich, alle notwendigen Aktionen mittels Maus und Tastatur auszuführen, will man sich angesichts nicht enden wollender feindlicher Überraschungsangriffe, plötzlicher Flankenmanöver, Artillerieschläge und stellenweise beängstigender Gegnermassen nicht um den Verstand klicken. Hier hilft - ähnlich wie einst in Commandos - zumeist nur die Anwendung bestimmter Tastenkombinationen (eine Auflistung findet sich im Begleithandbuch), die man zweckmäßigerweise auswendig lernt. Auch gilt es, (scheinbare) Nebensächlichkeiten zu bedenken. So können wir zum Beispiel einen Panzer nicht etwa nur bemannen (Geschütze u.ä. lassen sich übrigens ebenfalls besetzen und in unsere Gewalt bringen), sondern müssen ihn auch von Zeit zu Zeit betanken (Wo ist der Treibstoff?) oder bei Beschädigung reparieren (Verfügen wir über Werkzeug? Wer macht das?). Mit all diesen Aspekten wird man erst während der Missionen bekannt gemacht, denn ein reguläres Tutorial fehlt, so dass der Spieler praktisch ins kalte Wasser geschmissen wird. Dies führt mitunter zu (Anfänger-)Frust, da sich Erfolgserlebnisse nicht sofort einstellen.

Men of War Men of War Erschwert wird das Ganze dadurch, dass ständig etwas Unvorhergesehenes passiert. Der Spannung mag dies zuträglich sein, nichts desto trotz kostet es Nerven. Kaum haben wir das Teilziel einer Mission erreicht, geschieht schon wieder was Neues. Zum Luftholen bleibt kaum Zeit. Oftmals bleibt uns nichts anderes übrig, als unsere Leute hinter Fahrzeugen, Gräben o.ä. in Deckung zu bringen, um von dort aus weitere Schritte zu überdenken oder einfach die Pausenfunktion zu aktivieren. Die Auftragsziele in Men of War sind ausgesprochen abwechselungsreich, auch wenn wir sie von anderen WW2-Games zur Genüge kennen. Klassische Kampfeinsätze (halte Punkt A, erobere Dorf B, stoppe Konvoi C) mischen sich mit unauffälligeren Operationen, z.B. Sniper-Aktionen, der Sabotage einer Waffenfabrik, dem Sammeln von wichtigen Information oder der Infiltration eines gegnerischen Basislagers (hier muss viel geschlichen werden). Etwas nachteilig wirkt sich in diesem Zusammenhang die Tatsache aus, dass sich bestimmte Aufträge durch gründliche Vorbereitung allein nicht erfüllen lassen, da unerwartete Ereignisse (z.B. das urplötzliche Eintreffen feindlicher Verstärkung) jede Planung durchkreuzen. Es läuft mitunter also sehr aufs Trial&Error-Prinzip hinaus, und gelegentlich scheitert eine anfangs erfolgreich gestartete Mission binnen einer einzigen Minute, weil man eben doch eine Kleinigkeit übersehen bzw. auf einen bestimmten Zug der Gegenseite einfach nicht gefasst war. Gerade weniger routinierte Strategiespieler dürften in solchen Situationen verzweifeln und schnell die Lust verlieren. Interessant: Während wir unsere Männer - es gibt Offiziere, MP-Infanteristen, Schützen usw., die über spezielle Eigenschaften/Fähigkeiten verfügen - für gewöhnlich aus der Draufsicht (Vogelperspektive) lenken, kann der Spieler alternativ auch in den Direktsteuerungs-Modus umschalten. So erhält man die vollständige Kontrolle über den jeweiligen Soldaten (bzw. die jeweilige Einheit) und betrachtet ihn quasi aus der Verfolger-Perspektive, was das Gefühl verstärkt, näher am Geschehen zu sein und unmittelbarer handeln zu können. In bestimmten Momenten ist diese "Direct-Control" äußerst hilfreich. Man sollte sie nutzen.

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