Ein solides Management-Spiel, das leider in vielerlei Hinsicht Punkte liegen lässt und an einer höheren Wertung vorbeisaust.
Frauentausch, Deutschland sucht den Superstar, Richterin Barbara Salesch, Bauer sucht Frau, et cetera... Mal ehrlich, viele Gründe für das Einschalten des Fernsehers gibt es heutzutage nicht. Wohin man auch zappt, überall wird man im Fernsehen mit derart sinnlosen Inhalten gefüttert, sodass selbst Fensterputzen unterhaltsamer zu sein scheint. Was liegt da also näher, als selbst ein TV-Studio zu gründen und fortan die Zuschauer mit Gräuel-Sendungen wie diesen vor den Bildschirmen zu fesseln? Willkommen bei M.U.D. TV!
Von fiesen Studenten...
Mud TV
Knapp zwanzig Jahre nachdem sich der Klassiker Mad TV in die Herzen der Wirtschaftssimulations-Fans eingebrannt hat, veröffentlichte das deutsche Entwicklerstudio Realmforge, verantwortlich für den Achtungserfolg Ceville im vergangenen Jahr, mit M.U.D. TV endlich einen inoffiziellen Nachfolger und versucht damit, das Flair des Originals einzufangen. So kümmert man sich als Leiter eines TV-Senders um das tägliche Fernsehprogramm, sorgt sich um die eigenen Einschaltquoten, schließt attraktive Werbedeals oder macht aus amateurhaften Laiendarstellern begehrte Großverdiener - an dieser Stelle liebe Grüße an Jeanette Biedermann!
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Das Spiel bietet (neben drei hilfreichen Tutorials) mit einer sieben Missionen umfassenden Kampagne reichlich Stoff für einige unterhaltsame Abende und lässt den Spieler in die Rolle des ebenso unterforderten wie gemeinen Studenten Matt schlüpfen, der von der Universität geworfen wird und sich demzufolge an der gesamten Menschheit rächen möchte. Wer kommt da nicht auf die Idee, einen Sender zu gründen, die Zuschauer zu manipulieren und zum Schluss die Weltherrschaft an sich zu reißen? Die Aufgaben reichen von einfachem Geldsammeln bis hin zum Fernseh-Dreh mit Mafiosi, die zu bekannten Hollywood-Sternchen aufsteigen wollen, und werden natürlich von Mission zu Mission kniffliger. Ebenso kann man sich im Genre-üblichen Endlosspiel austoben oder im Mehrspielermodus gegen andere Spieler antreten. Letzterer kann durchaus fesseln und bietet dank menschlicher Interaktion noch ein wenig mehr Tiefgang (man kann sogar zu zweit einen Sender leiten), wegen der fehlenden Speicherfunktion bekommt man jedoch allzu häufig nur die ersten Phasen des Spieles zu Gesicht, längere Sessions wären durch Sicherung des Spielstandes zu erreichen und wünschenswert gewesen.
... und fleißigen TV-Produzenten
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Aller Anfang ist schwer und so geht man auch in M.U.D. TV nur mit kleinem Startkapital und wenigen Sendeformaten an den Start, stets in der Hoffnung, bald die unangefochtene Nummer Eins auf den Bildschirmen der Nation zu sein. Dabei kämpft man mit der Konkurrenz um acht Zuschauergruppen, die allesamt andere Genre-Vorlieben aufweisen und selbstredend auch zu anderen Zeiten vor der Glotze sitzen. Nerds beispielsweise schlafen lieber länger aus und schalten bei Mystery-Programmen ein, wenn die Kinder bereits Besuch vom Sandmann erhalten haben, während Hausfrauen vorzugsweise nachmittags aus der einen oder anderen Koch-Show lernen. Je nachdem welche Zielgruppen man während eines Sendetages erreichen konnte, gewinnt oder verliert man bei ihnen an Image, was sich logischerweise auf die Einschaltquoten des nächsten Tages auswirkt. Und da auf Grund des recht knappen Zeitfensters längst nicht alle im selben Maße zufrieden gestellt werden können, spezialisiert man sich zunächst auf einige wenige Gruppen und hofft, etwa mit Emos, Rentnern oder Machos zum Sparten-Krösus zu werden.
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Die Quintessenz eines TV-Senders sind natürlich dessen Formate, auf vier davon kann man in M.U.D. TV zurückgreifen. Neben Serien und Shows dürfen selbstverständlich auch Filme gezeigt werden, die sich jeweils unter anderem in Länge der Sendung und der Anzahl der möglichen Zielgruppen unterscheiden. Während einzelne Serien lediglich eine Gruppe ansprechen und nur einen Slot für Werbung bieten, schalten bei Filmen gleich drei verschiedene Typen von Zuschauern ein und man hat die Möglichkeit, eine Werbung gleich zweimal zu senden. Im Verlaufe des Spieles kann man zudem auf Nachrichten zurückgreifen, in die zwar an sich keine Werbepausen zur Geld-Vermehrung integriert sind, die aber bestimmte Zielgruppen vor dem Bildschirm fesseln können und somit für höhere Einschaltquoten im Folgeprogramm sorgen.
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Neues Material erwirbt man zunächst in der so genannten Film- und Menschenhandel AG, in der es neben fertigen Sendungen auch Darsteller und Konzepte zu kaufen gibt, und erstellt nach grundlegender Analyse des Marktpotentiales einen Sendeplan. Zudem stattet man der Werbeagentur einen Besuch ab, um mit Firmen, die im Fernsehen präsent sein wollen, Verträge zu schließen. Dabei muss darauf geachtet werden, dass man die erwünschte Zuschauerquote erreichen kann, welche Zuschauergruppe der Partner mit seiner Werbung ansprechen will, in was für einem Zeitrahmen das Ganze erledigt sein und wie oft die Reklame ausgestrahlt werden soll. Hat man alle Punkte wie gewünscht eingehalten, bekommt man einen festgelegten Geldbetrag ausgezahlt, andernfalls muss man selbst löhnen und wegen Vertragsbruchs Strafe zahlen. Anfangs ist das dank einfacher Vorgaben noch recht übersichtlich, später jedoch wird es immer kniffliger, die (besser bezahlten) Aufträge erfüllen zu können. Im freien Spiel kann man alternativ auch als öffentlich-rechtlicher Sender agieren, bekommt täglich einen gewissen Geldbetrag überwiesen und muss sich nicht um Werbung kümmern, was den Schwierigkeitsgrad entsprechend senkt.
