Murdered: Soul Suspect im Test: Ein spielbares B-Movie

Test Michael Stadler
Muredred: Soul Suspect im Test (2)
Quelle: PC Games

In "Murdered: Soul Suspect" verschlägt es uns in den Nordosten der Vereinigten Staaten, um eine mysteriösen Mordserie aufzuklären. Das vor nun fast einem Jahr auf der E3 in Los Angeles vorgestellte Detektiv-Werk von Square Enix vereint dabei ein übernatürliches Setting mit klassischer Detektivarbeit. Humbug oder übernatürliche Eingebung? Wir verraten's euch!

"And the lights all went out in Massachusetts", sangen die Bee Gees schon 1967 und liefern somit die perfekte Überleitung für das zugrunde liegende Spiel dieses Reviews. In "Murdered: Soul Suspect" verschlägt es uns in eben jenen Bundesstaat im Nordosten der Vereinigten Staaten, um eine mysteriösen Mordserie aufzuklären.

Unter dem Fazit und Wertungskasten findet ihr unseren Testpodcast zu Murdered: Soul Suspect!

Irgendwo dazwischen

Muredred: Soul Suspect im Test (2) Quelle: PC Games Muredred: Soul Suspect im Test (2) Ronan O'Connor ist tot. "Kann passieren", wird sich der eine oder andere unter euch vielleicht denken und damit sogar den Nagel punktgenau auf den Kopf treffen. Der Knackpunkt an Ronans Tod ist jedoch, dass er der Hauptcharakter von "Murdered: Soul Suspect" ist und dazu auch noch in den ersten fünf Minuten des Spiels das Zeitliche segnet. Da sich Square Enix bei der Konzeptionierung des Titels hauptsächlich dem "Leben" nach dem Tod widmet, erklärt zum einen, warum der Titel auch mit dem Ableben der von euch gesteuerten Spielfigur beginnen muss und zum anderen warum das Spiel die Ermordung bereits im Namen trägt. Wir sind in den folgenden Spielstunden als Ronans Geist/Seele unterwegs und versuchen unseren Killer zu schnappen. Dieser ist in der als Schauplatz dienenden Stadt Salem kein Unbekannter. Der sogenannte "Glockenmörder" tötet seit geraumer Zeit in Serie und war schon zu Ronans aktiver Zeit als Ermittler der größte Fall des örtlichen Polizeipräsidiums. Gerade als Ronan kurz davor ist den Mörder zu stellen und für Frieden auf den Straßen Salems zu sorgen, wird er durch ein Fenster im ersten Stock eines Einfamilienhauses auf die Straße geworfen und anschließend mit sieben Kugeln durchsiebt. In seiner geistlichen Form muss der Detektiv der eigenen Hinrichtung durch den Glockenmörder beiwohnen. Der Grund dafür, dass Ronan noch nicht im Paradies ankommen darf, ist somit ebenfalls ersichtlich: Erst wenn er alle irdischen Probleme gelöst, sprich den Killer dingfest gemacht hat, darf seine Seele weiterziehen. Bis dahin bewegt sich das ehemalige Problemkind mit gut gefülltem Vorstrafenregister in einer Zwischenwelt, welche ihm die Bühne für den letzten großen Akt liefert. Vor unseren Augen entfaltet sich eine Hetzjagd nach dem bekannten Unbekannten, die auch nicht rein zufällig in einer Stadt mit bewegter Historie zum Thema "Hexen" und deren Verurteilung spielt.

Ermittlung wie am Schnürchen

Muredred: Soul Suspect im Test (5) Quelle: PC Games Muredred: Soul Suspect im Test (5) Das zugrunde liegende Spielprinzip ist schnell vermittelt: Wir bewegen uns linear von Schauplatz zu Schauplatz und sind stets auf der Suche nach Hin- und Beweisen hinsichtlich der aktuellen oder übergeordneten Fragestellung. Dabei gilt es meist, einen abgegrenzten Raum oder ein bestimmtes Areal unter die Lupe zu nehmen. Sind alle Beweise aufgesammelt, werden die Puzzleteile zusammengesetzt und es geht nach einer Zwischensequenz weiter zum nächsten Ort. Unsere Möglichkeiten als Geist sind dabei grenzenlos und eingeschränkt zugleich. Zwar können wir in den meisten Fällen zwischen Räumen hin- und her gleiten, ein aktiver Eingriff in das aktuelle Geschehen bleibt uns jedoch verwehrt. Um an die für uns essenziell notwendigen Informationen zu gelangen, müssen wir häufig von Menschen Besitz ergreifen und sie zu unseren Gunsten manipulieren. Mal pflanzen wir bestimmte Erkenntnisse als Denkanstoß in die Gedanken von Zivilpersonen, mal belauschen und bespitzeln wir Polizisten und Angestellte.

Cool: Wir können uns in beinahe jeden im Spiel vorhandenen Charakter einnisten und deren Gedanken lesen - Voyeurismus mal anders. Abseits der Haupthandlung können wir uns den Seelen widmen, die wie Ronan ihr Dasein in der Zwischenwelt fristen müssen. Dabei laufen uns skurrile als auch bemitleidenswerte Gefangene gleichermaßen über den Weg. Das fängt bei einem toten Studenten an, der aufgrund eines Streichs auf dem Friedhof eingesperrt wurde und dort verendete, und hört bei einem Metzger auf, der seine Opfer gern an das Schlachtvieh verfütterte. Für fragwürdig unterhaltsames Rahmenprogramm ist also gesorgt.

Muredred: Soul Suspect im Test (4) Quelle: PC Games Muredred: Soul Suspect im Test (4) Der allgemeine Schwierigkeitsgrad des Spiels ist leider deutlich zu leicht angesiedelt. Das hat zum einen den Nachteil, dass die spielerische Komponente schnell keine Reizpunkte mehr setzen kann, zum anderen können gewiefte Knobler das Spiel bereits in drei Stunden durchgespielt haben. Zwar sorgen viele sammelbare Gegenstände für etwas mehr Spieldauer, wirklich fett wird das Kraut dadurch allerdings auch nicht. Da unser Mörder auf Dauer zwar ein großes Ziel ist, jedoch im Spielverlauf keine wirkliche Bedrohung für uns darstellt, müssen wir uns mit Dämonen der Parallelwelt auseinandersetzen.

Auch hier wird ein klassisches Spielelement aufgegriffen: Die Dämonen sind mit einem bestimmten Bewegungsmuster ausgestattet und müssen von uns ein wenig studiert werden, bevor wir zur Tat schreiten können. Denn nähern wir uns zu plump, sind wir im Handumdrehen richtig tot. Dank einer speziellen Sehfähigkeit können wir Dämonen auch durch Wände erkennen und uns somit aus sicherer Entfernung eine passende Strategie ausdenken. Ein Angriff muss ausschließlich von hinten stattfinden. Eine kurze Tastenkombination aus Analogstick und Facebutton später sind die Widersacher Geschichte. Sollten wir den Angriff einmal verbocken, können wir uns in Spalten verstecken. Diese kann man wohl am ehesten mit den Rissen aus Bioshock: Infinite vergleichen. Insgesamt gehen die Dämonen sehr aggressiv zu Werke und sind hartnäckige Verfolger. Alles in allem hat uns dieses Stilmittel jedoch mit jedem neuen Aufeinandertreffen immer stärker genervt und völlig aus dem Spielfluss genommen. Generell schafft es "Murdered: Soul Suspect" durchweg, sich selbst in die Parade zu fahren und jegliches Momentum aus dem Spielablauf zu nehmen. Abgesehen von der Tatsache, dass wir auch auf PS4 und Xbox One noch immer für das Betreten eines neuen Areals Ladezeiten in Kauf nehmen müssen, so ist auch der Übergang von Zwischensequenz zu Gameplay-Passagen öfter ziemlich holprig und undynamisch.

Fehlende Substanz

Muredred: Soul Suspect im Test (10) Quelle: PC Games Muredred: Soul Suspect im Test (10) Auch technisch bleibt der Titel leider auf beiden Konsolengenerationen blass. Murdered: Soul Suspect sieht mehr als durchschnittlich aus. Die Texturen sind von grober Natur, der Detailgrad ist gerade mal Mittelmaß und der Unterschied zwischen Current- und Last-Gen ist kein Quantensprung. Salem ist zwar mit allen Notwendigkeiten ausstaffiert, wirkliche Liebe zum Detail konnten wir leider nicht erkennen. Die Steuerung wirkt an vielen Stellen ebenfalls etwas überempfindlich und lässt uns Beweise nur aus einem bestimmten Kamerawinkel untersuchen. Auch das Charakterdesign zeigt sich schizophren. Auf der einen Seite haben wir nicht wirklich überzeugende Animationen, auf der anderen allerdings durchaus glaubhafte und vor allem echte Charaktere. Ronan hat mit seinem Hut und der leicht an einen Mafiosi aus den 50's erinnernden Klamotte definitiv Charme zu bieten und auch die Nebenfiguren wissen ihre Stärken auszuspielen. Ein gesondertes Lob verdient die Synchronisation. Sowohl die englische als auch deutsche Tonspur glänzt durch sehr gute Vertonung und trägt einen großen Anteil zur aufgebauten Stimmung bei.

Meinung

Wertung zu Murdered: Soul Suspect (PS3)

Wertung:

6.5 /10

Wertung zu Murdered: Soul Suspect (X360)

Wertung:

6.5 /10

Wertung zu Murdered: Soul Suspect (XBO)

Wertung:

6.8 /10

Wertung zu Murdered: Soul Suspect (PS4)

Wertung:

6.8 /10
Pro & Contra
tolle Synchronisationunverbrauchtes Settinginteressante Storylineares Gameplaycoole Interaktion
hakelige Steuerungmittelmäßige Grafiknervige DämonenSpielflow-Abbruchkurze Spieldauerrepetitives und lineares GameplayStandard-Animationen
Fazit

Murdered: Soul Suspect ist für den Gamer das, was ein unterhaltsames B-Movie für den Filmliebhaber ist: Belanglos und stereotyp, aber irgendwie unterhaltsam.

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