NBA Live 14 im Test: Der Tiefpunkt einer Serie

Test Thomas Pfnür

NBA Live wird wohl immer für den Mut eines Publishers in Erinnerung bleiben, ein Produkt aufgrund starker Mängel kurz vor dem Release doch nicht zu veröffentlichen und dem vorhanden Druck von Entwicklungs- und Lizenzkosten zu trotzen. Nun, zwei Jahre später, das Comeback der Basketballserie und wir fragen uns, weshalb EA nicht noch einmal mutig war und uns dieses Spiel gar nicht erst in die Verkaufsregale gestellt hat.

Gameplay ohne Tiefe und kaum Spielspaß

NBA Live 14 für Xbox One und Playstation 4 im Test (1) Quelle: play³ NBA Live 14 für Xbox One und Playstation 4 im Test (1) Spielerisch wird zwar solide Basketballkost geboten, allerdings fehlt doch das gewisse Etwas. Alles ist irgendwie steril und so schon in x anderen Umsetzungen der Sportart enthalten gewesen, meist sogar tiefgründiger und mitreißender. Spielzüge laufen nach dem FF ab und vieles fühlt sich schlicht zu generisch an. Zwar soll der Ball, zumindest laut den Entwicklern und ihrem neuen Feature bounceTEK, komplett getrennt vom Spieler berechnet werden, Auswirkungen auf das Gameplay hat das allerdings keine. Irgendwie haben wir von Anfang an den Eindruck, nicht wir spielen das Spiel, sondern das Spiel spielt das Spiel selbst. Viele Aktionen laufen scheinbar automatisiert und manchmal sogar komplett unlogisch ab. Etwa wenn unerreichbare Pässe durch unrealistische Bewegungen der Protagonisten doch noch erreichbar werden. Oder wenn man das Gefühl einfach nicht loswerden will, dass der gerade erfolgreich absolvierte Steal nicht wirklich durch unser Zutun erfolgreich war, sondern weil es sich der Sourcecode so eingebildet hat.

Eins kann man NBA Live 14 allerdings nicht vorwerfen, dass der Titel nicht zumindest bezüglich der Steuerung alles versuchen würde, um zumindest ein wenig Simulation zu sein. Leider bleibt es eben nur beim Versuch. Ganz nebenbei fehlt es auch noch an der Ausgewogenheit von Verteidigung und Angriff, weshalb der Titel schnell Richtung Arcarde abzudriften droht. Spektakuläre Dunks scheinen EA halt dann doch wichtiger als zerstörerische Blocks zu sein. Nur leider braucht ein Basketballspiel halt dann doch beides, zumindest wenn es eine realistische Umsetzung der Sportart sein will. Das haben die Entwickler aber wohl über die letzten zwei Jahre vergessen, weshalb der Spielspaß, zumindest bei Basketballfans, dann auch komplett auf der Strecke bleibt.

Auch die KI ist nicht wirklich über jede Kritik erhaben. Zwar sind die CPU-gesteuerten Gegner, gerade im höheren Schwierigkeitsgrad, durchaus harte Nüsse, dafür verhalten sich die eigenen Mannschaftskameraden manchmal richtig dumm. Gerade bei schnellen Aktionen kommt die künstliche Intelligenz mit der entsprechenden Spielgeschwindigkeit nicht mehr mit und verhält sich deshalb teilweise absurd und unrealistisch. Das kann auf Dauer extrem nerven.

Trotzdem kann man dem Ganzen auch etwas positiven abgewinnen. Wer sich nicht besonders in ein Spiel einarbeiten will, ohne große Steuerungskniffe sofort erste Erfolge feiern will und wer auf spielerische Tiefe komplett verzichten kann, wird mit NBA Live 14 durchaus die eine oder andere vergnügliche Stunde verbringen können, vor allem auch, wenn es gegen menschliche Gegner geht.

Spielmodi von der Stange und bekannte Lizenz

Was wird geboten? Natürlich, typisch EA Sports, die komplette NBA-Lizenz. Alle Mannschaften, alle Arenen und alle aktuellen Roster sind integriert worden. Anderes hätte uns jetzt aber auch stark verwundert. Allerdings war es das dann auch schon mit der "Lizenzherrlichkeit". Nationalmannschaften oder gar Teams aus Europa, wie es etwa der Konkurrent von 2K teilweise bietet, gibt es in NBA Live 14 nicht.

NBA Live 14 für Xbox One und Playstation 4 im Test (2) Quelle: play³ NBA Live 14 für Xbox One und Playstation 4 im Test (2) Bezüglich der Spielvarianten werdet ihr ebenfalls, oder sollen wir lieber sagen leider, keine großen Überraschungen finden. Es gibt ein Ultimate Team im Basketballgewand, es gibt einen bedingt umfangreichen Online-Modus, der euch Spiele mit bzw. gegen einen (!) Gegner oder das Erstellen von Ligen erlaubt und es gibt den obligatorischen Karrieremodus sowohl als Spieler, als auch als GM. Inhaltlich hat man alle Modi irgendwie schon mal gesehen, meist leider auch in besserer Form. Beispielsweise die persönlichen Karriere namens Rising Star, dem Pendant von NBA 2Ks MyCareer. Während beim Konkurrent durch die Gestaltung von Aufgaben auch abseits des Courts eine gewisse Tiefe erreicht wird, man sich mit seinem Alter Ego schnell identifizieren kann, hat man bei der Karriere in NBA Live 14 von der ersten Minute an den Eindruck, ein nach Schema F konzipiertes Spielprinzip nachzuspielen. Alles bleibt extrem oberflächlich und kann kaum den nötigen Spielspaß erzeugen. Selbst die Entwicklung der Spieler selbst, wohl der Hauptaspekt bei der Karriere, ist so steril und teilweise auch sinnfrei integriert, dass man relativ schnell die Lust verliert, überhaupt noch groß Zeit dafür zu investieren.

Angestaubte Technik mit vielen Macken

NBA Live 14 für Xbox One und Playstation 4 im Test (4) Quelle: play³ NBA Live 14 für Xbox One und Playstation 4 im Test (4) Enttäuscht NBA Live 14 bereits beim Gameplay und auch beim Umfang, so wird die Sache in punkto Technik fast noch schlimmer. Nur damit es keiner vergisst: Bei diesem Spiel handelt es sich um eine Umsetzung für die PS4 bzw. XboxOne. Das muss man nochmals herausstreichen und so direkt erwähnen, denn sehen werdet ihr das ganz sicher nicht. Selbst ein NBA 2K14 auf Current-Gen steckt die aktuelle Umsetzung von EA bezüglich der Optik (und bezüglich der anderen Punkte eigentlich auch – siehe oben) locker in die Tasche. Die Animationen sind ja noch einigermaßen schön anzusehen und laufen meist auch flüssig, allerdings hilft das relativ wenig, weil man aufgrund der blass designten Spieler, den ständig auftretenden Clippingfehlern, den langweiligen Zuschauern und der irgendwie angestaubt wirkenden Präsentation komplett, und sicher nicht vor Begeisterung, abgelenkt ist. Selbst auf dem zweiten Blick wird das Spiel nicht schöner. Iwo, man bemerkt plötzlich sogar ein leichtes Ruckeln bei schnellen Kamerabewegungen und selbst die etwas längeren Ladezeiten, warum auch immer, fangen an zu nerven.

Zumindest ist der Sound, im Speziellen das Kommentatorenduo, keine wirkliche Enttäuschung. Geschuldet ist das nicht zuletzt der ESPN-Lizenz – logisch, das EA sowas auch braucht –, welche euch in den Genuss der beiden Reporterlegenden Mike Breen und Jeff van Gundy bringt. Beide machen einen wirklich guten Job, analysieren das Spielgeschehen meist sehr passend und bringen auch einen gewissen Witz ins Spiel hinein. Aber allein nur um zwei englisch sprechenden Reportern zu lauschen, wird sich wohl kaum einer diesen Titel zulegen.

Meinung

Wertung zu NBA Live 14 (PS4)

Wertung:

5.2 /10

Wertung zu NBA Live 14 (XBO)

Wertung:

5.2 /10
Pro & Contra
relativ leichter Einstiegein, zwei Spiele im Multiplayer machen SpaßStandardumfang (Karriere, Ultimate Team, Online)NBA- und ESPN-Lizenzflüssige Animationenguter Kommentar
kaum forderndes Gameplaywenig spielerischer Tiefgangteilweise richtig dumme KISpielablauf ohne DynamikMultiplayer nur mit max. 2 Spielern möglichoberflächlicher Karrieremoduslangweilige Präsentation mit kaum Höhepunkten
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