NHL hat sich an vielen Stellen weiterentwickelt und bietet uns nun noch mehr Realismus, blieb aber seinen Wurzeln treu.
Was soll denn eigentlich noch nächstes Jahr kommen? - die Frage zum Abschluss des Tests von NHL 11. Eine absolut berechtigte Frage, hatte der Vorgänger des nun seit ein paar Tagen erhältlichen neuen Ablegers der Eishockeyumsetzung aus dem Hause EA Sports viel, man mag fast sagen alles richtig gemacht. Eine Frage aber auch, die einen extrem skeptisch an den neuesten Teil herangehen lässt. Spielerisch kann sich nicht viel geändert haben, denn schon vor 12 Monaten konnte das Gameplay absolut begeistern. Auch der Umfang gab bei NHL 11 kaum Anlass zur Kritik. Und Technisch zeigt die Reihe schon seit mehreren Jahren, dass die Entwickler genau wissen, wie sie die beste Optik und den besten Sound auf PS3 und Co. bieten können. Was also bekommt man in NHL 12 Neues? Bekommt man überhaupt irgendwas Neues? Oder haben wir es hier mit einem klassischen "Ist ja nur ein Update"-Fall zu tun? Fragen über Fragen...
Full Contact, Full Balance, Full...
NHL 12
Begeben wir uns also auf die Suche nach den großen Änderungen innerhalb von NHL 12. Große Änderungen? Will man dem Covertext von EA Sports glauben, dann sind es tatsächlich große Änderungen. Als erstes verspricht der Publisher durch den Einsatz der beiden Komponenten Full Contact Physik Engine und Full Balance Control noch mehr Action, noch mehr Realismus auf dem Eis. Bedingt stimmt dies auch, weil es nun z. B. möglich ist einen Spieler über die Bande zu checken, die Glasscheiben der Spielfeldbegrenzung zu zertrümmern oder durch einen gewaltigen Schlagschuss das Tornetz aus der Verankerung zu reißen. Ebenfalls wird nun mehr auf die körperlichen Attribute eines Spielers Wert gelegt und u. a. die Wechselwirkung von einem Check berücksichtigt. D. h. ist euer gerade gesteuerter Protagonist groß und kräftig, wird es für die Verteidigung extrem schwer ihn zu Fall zu bringen, da er wie beim realen Eishockey eben auch Schläge leichter wegstecken kann. D. h. aber auch, dass ihr es euch genau überlegen solltet, wen, wann und wo ihr checken wollt, denn sonst kann es durchaus vorkommen, dass statt dem gegnerischen Angreifer euer Verteidiger das harte Eis schmerzhaft "küsst". Und selbst wenn ein Check mal entsprechend erfolgreich ist, heißt das nun nicht mehr zwingend für das "Opfer" Puckverlust. Nicht jeder Hit ist gleichbedeutend mit einer harten Landung auf dem gefrorenen Nass. Nein, in NHL 12 versuchen die Spieler sich mit Hilfe der Hände bzw. Knie abzufangen und so eventuell doch noch die Hartgummischeibe weiter im Besitz behalten zu können. Sieht alles sehr realistisch aus, spielt sich auch sehr gut und trotzdem gibt es ein großes Problem: Hätte man diese "Neuerungen" nämlich nicht durch irgendwelche Werbetexte bereits mitgeteilt bekommen, man würde sie im Spiel selbst praktisch kaum zur Kenntnis nehmen bzw. sie glatt übersehen.
NHL 12
Schon deutlich mehr fallen einem da die Änderungen an der Torwartsteuerung auf. Waren die Aktionen des letzten Mannes im Vorgänger noch auf die wichtigsten Bewegungen beschränkt, gibt es bei den Möglichkeiten in NHL 12 praktisch kaum mehr Unterschiede zum realen Spiel. Werdet ihr von einem Stürmer bedrängt, könnt ihr selbigen nun Wegschubsen. Oder kommt es zu einer klassischen Eins gegen Eins Situation Stürmer vs. Goalie, dann könnt ihr nun das Tor noch besser abschirmen. Im Gegenzug ist der Torhüter nun aber auch anfälliger auf Checks, d. h. seid ihr im Angriff kann die taktische Variante aggressiver Druck auf den letzten Mann durchaus eine erfolgreiche Option sein. Ebenfalls eine Option, für den ein oder anderen, ist es die Fäuste sprechen zu lassen. War das Ganze bis letztes Jahr noch nur auf die Feldspieler beschränkt, können sich in NHL 12 nun auch die Goalies in nett inszenierten Kämpfen eine blutige Nase holen. Sicher nicht gerade die große spielerische Errungenschaft, Spaß macht es, zumindest hin und wieder, trotzdem.
NHL 12
Insgesamt bleibt es aber dabei, wer bei NHL 12 große Änderungen innerhalb des Gameplays erwartet hat, der kann nur enttäuscht werden. Spielerisch gibt es nicht mehr, für den ein oder anderen aber auch nicht weniger, als Feintuning. Feintuning bei der Physik, Feintuning bei der Steuerung und Feintuning bei der KI. Trotzdem wollen wir den Titel nicht schlecht reden, ganz im Gegenteil: NHL macht auch im aktuellen Ableger enorm viel Spaß, bietet Realismus pur und fordert einen immer wieder aufs Neue - allerdings hat das der Vorgänger eben auch schon getan.
