Es sind eigentlich immer die gleichen zwei Fragen, welche einem zum neuen Need for Speed: Most Wanted gestellt werden: Ist es besser als Forza Horizon und kommt es an Burnout Paradise heran? Während sich Playstation-Spieler die erste Frage schenken können, ist die zweite gar nicht so abwegig, schließlich steckt hinter dem aktuellen Ableger der Need for Speed-Reihe Criterion Games, die nicht nur einmal bewiesen, dass sie etwas von Rennspielen verstehen. Also, wie ist es denn nun? Kann der Hybrid aus Hot Pursuit und Burnout Paradise begeistern? Wir klären das in unserem Review.
Reizüberflutung pur
Quelle: Electronic Arts
Need for Speed: Most Wanted (2)
Doch auch bei der freien Fahrt gibt sich Most Wanted alle Mühe uns mit Infos regelrecht zu überfluten. Ständig klickern Nachrichten, Hinweise und Erfolgsmeldungen herein während wir von den Radarfallen regelrecht blind geblitzt werden und wir grade im Augenwinkel ein neues Auto entdeckten, das zu holen wir aber nicht mehr schaffen, weil uns schon wieder die Polizei im Genick hängt. Derweil sollte mit dem Easydrive doch alles einfacher und zugänglicher werden, was es im Grunde auch ist, denn dieses Feature kann man wirklich als gelungen bezeichnen. Ohne das Spiel zu unterbrechen können wir direkt zum nächsten Rennen navigieren oder das letzte wiederholen, trotzdem aber verliert man irgendwann einfach die Übersicht über die bereits gefahrenen Events und wie weit man mit welchem Auto schon fortgeschritten ist, dass man dann doch an den Straßenrand fährt um in Ruhe alles studieren zu können.
Quelle: play3
Need for Speed: Most Wanted (14)
Lässt man sich einmal nicht von diesen Gameplay-Mechaniken durchs Spiel hetzen, sondern fährt in aller Ruhe durch Fairhaven und erkundet die Stadt, erschließt sich einem erst was für eine tolle Spielwelt Criterion da geschaffen hat. Die Stadt ist wirklich abwechslungsreich gestaltet und es scheint kaum eine Ecke zu geben, die es nicht lohnt einmal näher betrachtet zu werden. Zwar trumpft der Titel nicht unbedingt mit vielen Details auf und speziell auf den Konsolen gibt es durchaus auch mal etwas hässlich geratene Texturen oder andere Kleinigkeiten die man technisch bemängeln könnte, wie nicht korrekt auf dem Boden stehende Objekte und solche Sachen, gesamt gesehen aber ist die Stadt durchweg gelungen. Die Autos hingegen erreichen nicht das Niveau, welches man inzwischen gewöhnt ist. Sie sehen zwar nicht schlecht aus, leiden aber allesamt etwas am Polygonmangel, was sich auch in der fehlenden Cockpitperspektive widerspiegelt. Zugegeben, Most Wanted mit der Cockpitperspektive zu spielen wäre sicher kein Spaß mehr, trotzdem hätten es schon etwas mehr als nur die zwei gebotenen Perspektiven sein dürfen. Es gibt nämlich lediglich die Wahl zwischen der Stoßstangensicht und der Verfolgerkamera, mehr ist nicht drin.
Großen Wert bei den Ankündigungen zum Titel legte Electronic Arts auf das Autolog-Feature. Ob es die Blitzer sind, die Geschwindigkeitszonen, zerstörte Plakate oder was auch immer, in allem könnt ihr euch mit der Leistung eurer Freunde vergleichen. Das ist eigentlich nicht neu und wir kennen es schon aus vorherigen Need for Speed-Titeln, wurde nun aber nochmal etwas ausgebaut. Das System funktioniert auch gut und ist durchaus in der Lage einen für eine gewisse Zeit zu motivieren, es trägt aber auch zur allgemeinen Reizüberflutung bei, so dass Gefahr besteht, dass man es irgendwann einfach ignoriert.
Der Multiplayer-Online-Modus
Quelle: Electronic Arts
Need for Speed: Most Wanted (4)
Auch beim Online-Modus für bis zu acht Spieler gleichzeitig hat Criterion alles daran gelegt möglichst für Action ohne Unterlasse zu sorgen. Denn statt wie in vielen anderen Rennspielen üblich einfach nur ein Rennen nach dem anderen zu absolvieren, gibt es in Most Wanted die sogenannten Speedlists. Dabei handelt es sich um fünf vom Computer ausgewählte Events welche die Spieler direkt hintereinander fahren müssen. Zwischen ihnen gibt es aber keine Pause, sondern in dem Moment wo man durchs Ziel gerauscht ist macht man sich auch schon auf dem Weg zum nächsten Startpunkt. Wer dort als Erster ankommt, wird mit Extrapunkten belohnt. Beendet ist die Runde dann, wenn alle 5 Events gefahren wurden. Das funktioniert auch recht gut, doch wer schon Burnout Paradise gespielt hat, der wird einiges vermissen. Denn es ist ja klar, dass die Spieler in erster Linie versuchen sich gegenseitig zu Rammen, da aber dank der lizenzierten Autos die Crashs und Takedowns bei weitem nicht so spektakulär ausfallen wie in Burnout, denn es wird nur etwas Blech verbogen und ein paar Scheiben gehen zu Bruch, fällt der Reiz natürlich deutlich niedriger aus als in genanntem Vorbild. Vorteil von Most Wanted sind die ausführlichen Highscore-Tabellen, die einen anspornen es doch immer wieder zu versuchen. Leider setzt auch Most Wanted auf einen Online-Pass, Gebrauchtkäufer müssen also nochmal extra löhnen.
