Odin Sphere im Gamezone-Test

Test Alexander Winkel

Odin erhörte die Rufe seiner Untertanen und brachte das farbenfrohe und wunderschöne RPG zu uns nach PAL-Halla!

Im Sommer 2007 freuten sich amerikanische RPG-Fans über eine Veröffentlichung von "Odin Sphere", ein äußerst farbenfrohes Werk aus der SquareEnix Schmiede. Dem mächtigen Odin sei Dank, dass seine Geschichte nun endlich in verständlicher Sprache erhältlich war. Daher griffen zahlreiche hiesige Spieler zur Importversion, denn an einen Deutschland-Release war eigentlich nicht mehr zu denken. Die PS2 hat langsam, aber sicher ausgedient und nur noch wenige Titel schaffen den Sprung in europäische Gefilde. Doch Wunder geschehen immer wieder! Der mächtige Odin schleppte seinen massigen Körper in unsere Händlerregale und buhlt um die Gunst der Spieler. Wer auf außergewöhnliche Titel steht, sollte trotz der heutigen HD-Generation einen Blick riskieren.

Odin Sphere Odin Sphere Das neueste Werk aus Japans Rollenspielschmiede hat mal nichts mit den gewöhnlichen Updates, Remakes und Fortsetzungen zu tun und stellt daher kein Ableger von "Final Fantasy" oder "Dragon Quest" dar. Es wird uns ein völlig neues Konzept offeriert, welches göttliche Ausmaße annimmt. Wir tauchen in eine Welt ein, in der uns das gewöhnliche Rollenspielvolk kaum begegnet. Stattdessen schlüpfen wir in die Rolle von Walküren oder treffen auf mächtige Gottheiten wie Odin höchst persönlich. Querbeet haben sich die Geschichtsschreiber an Mythen und altertümlichen Geschichten vergriffen und diverse Teile davon in einen kunterbunten Märchenmix verpackt. Ihr übernehmt in dem etwa 50 Stunden umfassenden Fantasywerk die Rolle von Odins Töchtern Gwendolyn und Velvet, oder schlüpft in die Haut des verzauberten Pooka Prinzen Cornelius, der bezaubernden Mercedes bzw. dem dunklen Oswald. Jeder einzelne Charakter bietet eine umfassende Geschichte, die aber an verschiedenen Stellen mit denen der anderen Personen eng verknüpft ist. Wandelt ihr zu Beginn unwissend als Gwendolyn durch die Wälder, erfahrt ihr zum Beispiel, dass die Erzfeindin Velvet eigentlich die Stiefschwester ist. Tragische und herzzerreißende Szenen sind also von Anfang an vorprogrammiert.

Grafisches Kunstwerk mit Schwächen

Odin Sphere Odin Sphere Übermächtig und überwältigend ist aber nicht nur das Staraufgebot von mythischen Herrschaften, sondern vor allem die absolut ungewohnte Präsentation. Der grafische Stil erinnert an ältere, mit äußerst kräftigen Farben gespickte Zeichentrickfilme. Das Fantasyreich umfasst bilderbuchartige Kulissen, welche miteinander ein absolut künstlerisches Meisterwerk ergeben. Selten harmonierte eine solche farbenfrohe Grafik mit der gewählten Thematik und offerierte derart verzückende Bilder. Dabei wagten die Entwickler sogar einen Rückschritt in Sachen Technik. Das komplette Spiel ist in 2D gehalten. Die fünf Helden wandeln daher über flache Zeichnungen hinweg, welche aber dank Parallax-Scrolling und darin zahlreich befindlicher Bitmapebenen an optischer Tiefe gewinnen. Zwar bietet jede Welt eine einzigartige Thematik - vom Feenreich, über feurige Ebenen bis hin zu typisch verschneiten Bergen ist mal wieder das komplette RPG-Repertoire mit von der Partie - der Hintergrund innerhalb einer Mission ist aber stets derselbe. Das ist aber nicht weiter schlimm, fällt dies aufgrund der optisch reizvollen sowie abwechslungsreichen Grafik nur kaum auf.

Odin Sphere Odin Sphere Noch gewagter als der 2D-Grafikstik ist die Dimensionierung von "Odin Sphere". Groß ist uns noch nicht groß genug, mussten sich die Entwickler wohl bei ihrer außergewöhnlichen Schöpfung gedacht haben. Die zahlreichen Bewohner und Charaktere, ebenfalls zweidimensionale Pappfiguren, wurden ausladend und bildschirmfüllend proportioniert und erschlagen den Spieler mit ihren maßlos übertriebenen Ausmaßen! Stapft der mächtige, krummbeinige Odin oder sein General durch den Thronsaal, bleibt für die schmächtige Gwendolyn kaum mehr Platz. Vor allem unter den Feinden spielt die Größe eine tragende Rolle. Zahlreiche Gegner wie fliegende Greife, aber vor allem die häufig aufkommenden Bosse, füllen meist den halben Bildschirm aus und beeindrucken mit unglaublichen Muskelmassen und grafischen Details. Startet man nun zusätzlich die eigene Welle an Attacken und lässt zahlreiche Zaubersprüche sowie chemisches Gebräu auf die Gegnerschar los, wird der komplette Bildschirm zusätzlich mit einer Flammenbrunst, grauschwarzem Rauch und farbenfrohen Effekten ausgefüllt. Der Bilderbuchhintergrund wird fast gänzlich verdeckt und spätestens hier tun sich die Grenzen der mittlerweile doch arg betagten Playstation 2 auf. Trotz der flachen 2D-Optik geht der Grafikprozessor bei zu vielen Feinden, den Bossgegnern oder massig Effekten sehr schnell in die Knie und trübt das Effektfeuerwerk mit häufigen Ruckeleinlagen und hin und wieder fast gar eingefrorenen Bildern.

Ringelreihen

Odin Sphere Odin Sphere Die Geschichten der Hauptcharaktere wurden in mehrere Kapitel unterteilt. Der Prelude führt euch in die Geschehnisse ein und stellt die Spielfigur und deren Fähigkeiten ein wenig vor. Anschließend folgen mehrere, spielerisch meist recht actionreiche Abschnitte, bevor das Abenteuer in einem finalen Epilog beendet wird. Stets treiben Konversationen, oder aber auch Selbstgespräche, die Story voran. Übernehmt ihr dann endlich die Befehlsgewalt, könnt ihr euch sofort in das Schlachtfeld begeben. Dieses besteht aus vielen kleinen Sphären, die durch Portale miteinander verbunden sind. Das Besondere an jeder Sphäre ist die Ringeigenschaft. Der Anfang des Levels deklariert sogleich das Ende, denn der Weg durch die kunterbunte Zeichentrickwelt bildet stets einen Kreis. Die Umrundung dauert meist weniger als eine Minute, sofern man nicht durch die zahlreichen Feinde behindert wird. Denn diese lauern an allen Ecken und Enden und nur wenn alle Schurken das Zeitliche gesegnet haben, werden die Ausgänge zu den nächsten Sphären freigegeben.

Odin Sphere Odin Sphere Zu den normalen Sphären mit zahlreichem feindlichen Getier gesellen sich noch weitere Ringe hinzu. Ein friedlicher Abschnitt stellt zum Beispiel der Basar dar. Irgendwo in der kreisrunden Welt findet sich dort stets ein wandernder Händler, der einen prall gefüllten Beutel mit sich trägt. Gegen eine gute Bezahlung bekommt man dort heilende Nahrung oder Tränke sowie einige Accessoires. Das Geld wiederum sammelt man in den zahlreichen Auseinandersetzungen ein. Nach einem Sieg und somit abgeschlossenen Ring erscheint stets eine Schatzkiste mit allerlei Brauchbaren, sowie einigen Geldstücken. Ungemütlich wird es letztendlich in den Ringwelten, die mit einem großen B für Bossgegner gekennzeichnet sind. Zahlreiche Miniendgegner sorgen für knallharte Zeiten, bis man dem tatsächlichen Obermotz gegenüber stehen und das jeweilige Kapitel beenden darf.

Odin Sphere Odin Sphere Ein Ring bzw. mehrere Ringe um euch zu knechten, könnte man meinen! Denn die Übersicht geht bei der ungewohnten Levelkonstruktion und den überdimensional dargestellten Charakteren sowie Feinden recht schnell flöten. Das hat der Entwickler aber glücklicherweise erkannt und entsprechende Hilfsmittel zur Verfügung gestellt. Im rechten unteren Eck befindet sich eine Miniaturausgabe der Ringwelt aus der Vogelperspektive, welche alle möglichen Ausgänge anzeigt. Am oberen Bildrand wiederum repräsentiert ein rechteckiger Kasten den Bildausschnitt, während weiße Figuren die Personen, Feinde und Gegenstände aufzeigen. Da die Figuren auch über die gerahmte Markierung hinweg auf einem unsichtbaren Band dargestellt werden, könnt ihr genau die Position der jeweiligen Feinde ausmachen und euch entsprechend auf den Kampf einrichten oder den Gegenstand ausfindig machen.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk