Otogi - Myth of Demons im Gamezone-Test

Test GreenAcid

Skurriles Gemetzel in Japans Märchenwelt. Technisch leider nicht immer so traumhaft wie die Atmosphäre.

Die Geister- und Märchenwelt des feudalen Japans ist für uns Europäer manchmal sogar noch etwas undurchsichtiger als deren Alphabet. Das für den deutschen Durchschnittszocker äußerst skurril anmutende Otogi versetzt uns in eben diese Geisterwelt und birgt so manche gruselige Überraschung in Hinsicht auf die Story aber auch das Gameplay und die Steuerung.

Otogi kann man spielerisch durchaus mit der berühmten Onimusha-Serie vergleichen, auch hier werden massenweise Gegner mit den unterschiedlichsten Waffen und geschickt eingesetzter Magie bekämpft. Die über 25 Level des Spiels sind allesamt relativ kurz gehalten, meist sind die Areale stark begrenzt und bieten nicht sonderlich viel zum Erforschen. Verstecke Extras und viele Überraschungen bieten sich trotzdem, kann unser Held Raiko doch so ziemlich alles zerstören, was ihm vor die Klinge kommt. Hinter so mancher dicken Wand oder Tür verbergen sich lebenswichtige Extras oder auch mal eine hilfreiche Abkürzung. Vor jedem Level bekommt man die jeweiligen Ziele in einem schmucken Übersichtsbildschirm genauestens erklärt, auch wenn man in den meisten Fällen doch nur einen besonders dicken Gegner erledigen, oder im Level verteilte Gegenstände zerstören muss. Das Kampfsystem beschränkt sich dabei eigentlich nur auf starke und schwache Schläge, zwischendurch kann als besonders flächendeckender Angriff auch mal ein schmucker Zauberspruch eingesetzt werden.

Nicht gerade selten stört dabei die automatische Kamera, denn obwohl man einen Gegner mittels Schultertaste fest ins Visier genommen hat, befindet er sich leider nur sporadisch in unserem Sichtfeld. Da es auch fliegende Gegner gibt, muss man nicht selten in der Vertikalen arbeiten, wie bei vielen asiatischen Filmen nimmt es auch dieses Spiel mit der Schwerkraft nicht sonderlich ernst und man kann mittels Dash-Taste sogar bis an die Decke des Levels springen. So ganz überzeugt dieses Feature aber nicht, da man sich so auch an vielen Gegnern vorbeimogeln kann und die meiste Zeit dabei ein ungutes Cheater-Gefühl hat. Ganz besonders in der Luft wird die Kamera zu einem noch viel größeren Problem - da man mit den Fingern genügend zu tun hat, kann man auch keine Korrektur der Perspektive mittels rechtem Analogstick vornehmen. Um den Spieler davor zu bewahren sich einfach in jedem Level an den kleineren Gegnern vorbeizuschummeln, hat man ein eher unverständliches und teilweise sehr nervendes Energiefeature integriert: Wer längere Zeit keine feindlichen Seelen aufsaugt, beginnt schnell die eigene Lebensenergie zu verlieren und stirbt. Ähnlich verhält es sich auch mit so manchen feindlichen Angriffen, wer ohne einen schützenden Talisman Feuer fängt, kann seinen Helden dabei beobachten bis er langsam aber sicher das Zeitliche segnet - Gegenmittel gibt es nicht.

Für die Langzeitmotivation und eine dicke Portion Abwechslung sorgt ein komplettes Shop- und Inventarsystem, man kann von erspielten Punkten zwischen den Leveln neue Waffen, Magie oder schützende Gegenstände kaufen und in einem Menü ausrüsten. Auch unser Charakter steigt mit der Zeit in seinem Level auf, um dies zu beschleunigen oder zusätzliches Geld zu verdienen kann man bereits gespielte Level nochmals wiederholen.

Die Hintergrundmusik könnte eigentlich direkt aus einem Film von Miike Takashi stammen, eine so seltsame Geräuschkulisse, angereichert mit Taikotrommeln und anderen japanischen Instrumenten, haben wir selten gehört. Atmosphäre entsteht dabei auf jeden Fall, wenn auch eine enorm asiatische. In Sachen Grafik wird selbstverständlich einiges geboten, bei einem der wenigen Xbox-exklusiven Spiele ist es aber auch Ehrensache das die Hardware endlich mal richtig ausgenutzt wird. Besonders auffällig sind die wunderschönen handgezeichneten Artworks, welche den Spieler schon im Hauptmenü begrüßen, alles wurde mit einem so liebevollen Kirschblüten-Stil versehen, da freut sich nicht nur der Japaner selbst, auch der Europäer geniest den stilistischen Ausflug ins mittelalterliche Nippon. Die Charakterdesigns stehen dem stilvollen Menüs in nichts nach, hier wurden viele Fabelwesen und anderes, stellenweise sehr seltsames Getier verarbeitet. Die gesamte Grafik wurde mit einem großzügigen Motion-Blur im Stil der Erotikfilme der sechziger Jahre überzogen, scharfe Kanten oder eckige Gegner sind dadurch auf jeden Fall ausgeschlossen. Auch die Lichteffekte, welche geschickt platziert wurden, sind nur der auffälligste Teil des interessanten Licht- und Schattenspiels, welches die Entwickler hier sehr geschickt zugunsten der Atmosphäre inszeniert haben. Grafisch ist Otogi sicherlich ein eigenwilliges, aber trotzdem mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltetes Spiel - eben ganz so, wie man es von den japanischen Spieledesignern gewöhnt ist.

Meinung

Wertung zu Otogi - Myth of Demons (XB)

Wertung:

7.3 /10
Pro & Contra
grafisch und atmosphärisch sehr aufwendigLangzeitmotivation durch viele Waffen und Zaubersprüche
stellenweise miserable Kameramehrere unfaire Stellen
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